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Skyrunner
Christian Stangl hinterlässt seine Handschrift auf der höchsten
Erhebung Ozeaniens, der Carstensz Pyramide und schafft damit den fünften
der "Seven Summits" in Rekordzeit. Keine volle Stunde benötigte
er vom Basislager über die 780 m hohe Nordwand und sichert sich
somit die schnellste Begehung aller Zeiten.
Von
Christian Stangl (Text und Bilder)
Sechs
Tage harter Anmarsch
Je
mehr Leute mir rieten mit dem Hubschrauber ins Basislager zu fliegen,
desto weniger war ich von dieser Idee begeistert. Der horrend hohe Preis
für den Hubschraubertransfer war ein Grund zu Fuß zum Berg
vorzudringen. Der andere Grund lag im Geheimnis des papuanischen Regenwaldes.
Mit einer Linienmaschine erreichten wir (Kameramann Hubert Rieger, ein
Deutscher und unser "Trekking Boss" Werner) Papua.
Schon am zweiten Marschtag von der Ortschaft Beoga aus bereute ich schon
fast meine Entscheidung. Regen, Schlamm, Wurzelwerk, keine Sicht außer
das unendliche Grün der Vegetation und die spärlichen Fußspuren
die den Weg darstellen sollten. Die Temperatur fiel bei Erreichen des
Hochmoors auf ca. 3.800 m Seehöhe auf etwa 10Grad. Mit der "ewig"
nassen Bekleidung total unangenehm.
Erwartungen
Am
sechsten Tag hatte ich Teile der Nordwand zwischen den Wolkenfetzen
kurz gesehen, hatte aber noch keine Ahnung wo die Tour eigentlich verlief.
Aus Büchern wusste ich dass die Schwierigkeiten auf der Route der
Erstbegeher mit 5.8 (= UIAA 6- oder 5+ A0) bewertet wurden und das die
Kletterer im Schnitt 7 Stunden für die Wand brauchten. Vereinzelt
wurde in der Literatur auch von einer "Zwei Tages" Tour berichtet,
(Zahlreiche Biwakplätze im mittleren Wandteil haben dies bestätigt)
aber die schnellste HIN und RETOUR Zeit lag bis dato laut Steve Bells
Buch "Seven Summits" bei fünf Stunden und dreißig
Minuten.
Mein Ziel an der Carstensz Pyramide (4.884 m) war klar: Eine neue Bestzeit!
In weniger als zwei Stunden hinauf und HIN und RETOUR unter drei Stunden
- so der Plan
Doch es sollte alles noch besser kommen!
Onsight
Speedbegehung am 8. April
Ich
startete um Punkt Sieben morgens. Die ersten Seillängen waren kinderleicht.
Störend nur die vielen Fixseile, die hier in keinster Weise notwendig
waren. Der Fels war traumhaft. Mein Klettern hier im Schwierigkeitsgrad
II bis III war nur durch mein Herz-Lungenvolumen begrenzt. Ich konnte
hier auf zirka 4.500 m Seehöhe voll "durchziehen"!
Im mittleren Wandteil begradigte ich die Originalroute und kletterte
kurzeitig etwas direkter. Hier etwa kurzzeitig IV, hatte die Kletterschuhe
aber immer noch am Gurt hängen. Der Fels war hier so was von perfekt
dass die Kletterei die reinste Freude war. Ein kurzer Kamin leitete
mich schon auf den Grat. Erstmal der Blick auf die Uhr: 29 Minuten!
Ich konnte es kaum glauben! War die Carstensz Pyramide etwa gar unter
einer Stunde möglich? Ich gab Gas und joggte den Grat entlang.
Die erste Scharte: Vier Seile waren als "Brücke" über
die Scharte gespannt. Ich zögerte nicht, hing mich mit einem Karabiner
in die Seile ein und hangelte rüber.
Wann kamen die schwierigen Stellen? Wo diese 5.8 Stelle?
Fünfundvierzig Minuten waren um. Da waren einige Stellen um III
aber nicht schwieriger. An den leichten Stellen joggte ich. Einen Turm
rechts vorbei, den nächsten links vorbei. Instinktiv fand ich immer
den richtigen Weg.
Ein weiterer Turm. Von Süden hetzte ich das Gehgelände hinauf.
Einige Steigspuren, da und dort ein altes Seil. Am Turm angelangt -
der Gipfel! Kein Zweifel: Vor mir Fahnen, Wimpel und eine Bronzetafel.
Der Blick auf die Uhr 07:49h Die Pyramide war unter einer
Stunde möglich!

Elf
Minuten am Gipfel
Wolken
waren eingefallen und meine Kamera hatte Probleme bei den "Selbstauslöser"
Fotos.
Alles unscharf! Nach einigen Nieten gelang es mir dennoch einige halbwegs
brauchbare Aufnahmen zu machen und um Punkt 8:00 begann ich den Abstieg.
Um 8:31 war ich wieder am Wandfuß. Macht somit HIN und RETOUR
91 Minuten. Ich war mehr als zufrieden.
Hubert Rieger hatte die "Dreiviertelstunden"-Besteigung von
einem gegenüberliegenden Bergrücken in der "Totalen"
mitgefilmt.
9. April
Filmarbeiten!
Tags darauf
kletterte ich mit meinem Kameramann Hubert Rieger nochmals zum Gipfel.
Von "Oben" nach "Unten" begannen wir sukzessive
einzelne Kletterpassagen nachzufilmen. Der Film wird im Herbst 2007
bei der EOFT (European Outdoor Film Tour) zu sehen sein.
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