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Adalbert
Stifter: Das sanfte Gesetz
Das
Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das
Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels,
das Schimmern der Gestirne halte ich für groß.
Ein
ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst,
Verstandesmäßigkeit, Wirksamkeit in seinem Kreis, Bewunderung
des Schönen ... halte ich für groß.
Wir
wollen das sanfte Gesetz zu erblicken suchen, wodurch das menschliche
Geschlecht geleitet wird. Es liegt in der Liebe der Ehegatten zu einander,
in der Liebe der Eltern zu den Kindern, der Kinder zu den Eltern, in der
Liebe der Geschwister, der Freunde zueinander, in der süßen
Neigung beider Geschlechter ...
So
wie in der Natur die allgemeinen Gesetze still und unaufhörlich wirken
und das Auffällige nur eine einzelne Äußerung dieser Gesetze
ist, so wirkt das Sittengesetz still und seelenbelebend durch den unendlichen
Verkehr der Menschen, und die Wunder des Augenblickes ... sind nur kleine
Merkmale dieser allgemeinen Kraft.
So
ist dieses Gesetz, so wie das der Natur das welterhaltende, das menschenerhaltende.
(aus
Adalbert Stifter, Vorwort zu "Bunte Steine")
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