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Raurisertal
Per Schneeschuh durchs
Goldene Tal der Alpen

Raurisertal


Das Raurisertal zwischen Taxenbach und dem Talschluss Kolm Saigurn galt einst als Epizentrum des Goldabbaus. Heute sind es das grüne Gold des Rauriser Urwaldes und das weiße Gold des Schnees, die dieses Naturjuwel für Winterwanderer und Schneeschuhgeher so attraktiv machen.

Von Thomas Rambauske (Text und Bilder)

Schnee. Schnee, wohin das Auge reicht! Die Straßen von Rauris sind weiß, an den Rändern türmen sich meterhohe Schneeberge, von den Dächern rieseln kleine Staubbälle. Rauris, die einstige Goldgräberstadt, hat sich zum Wintersportort entwickelt, ohne allerdings seine Originalität zu verlieren. Dank seiner Naturkostbarkeiten wie dem Rauriser Urwald, den Geiern im Krumltal oder dem Urquell im Hüttwinkltal wird das Raurisertal gerne als "Das goldene Tal der Alpen" oder als "geheimes Juwel" des Nationalparks Hohe Tauern bezeichnet. Zu Recht! Wenn zudem über allem eine dicke weiße Decke liegt, gewinnt das Tal noch zusätzlichen, unschätzbaren Wert für uns Schnee- und Stillesucher.

Eiskasten Gaisbachtal
Der Ursprung von Rauris liegt eigentlich im seitlichen, nach Osten hin verlaufenden Gaisbachtal. Der ungestüme, erst jüngst gezähmte Gaisbach, auf dessen Schwemmkegel Rauris errichtet wurde, gab dem Ort früher den Namen. Bis heute hat sich das stille, enge, von steilen Felswänden begrenzte Gaisbachtal seinen unnahbaren und einsamen Charakter bewahrt. Nur ein Winterwanderweg führt hindurch, nämlich der 53er zur Karalm hinauf.
Ausgangspunkt ist die Kirche im Zentrum von Rauris. Von dort schwenken wir auf die Gaisbachstraße ein, die uns aus dem Ort hinausführt. Bei einem Marienmarterl bleiben wir links und überqueren erstmals den Gaisbach. Ihm folgen wir leicht bergauf bis zu einem Mühlrad und der Grabenkapelle.

Die Senke wirkt wie ein Kühlschrank, in dem sich alle Kälte des Winters zu sammeln scheint, von den Felsen längs des Weges hängen Eiszapfen, an den Rändern des Bachs bilden sich Eiskrusten, es ist nichts zu hören. Winter in Reinkultur.
Unser Weg zweigt bei einem Wegweiser nach links Richtung Karalm ab. Wir überqueren den Gaisbach und schrauben uns dann über baumfreie Weiden hinauf, wobei der Weg auch nach heftigen Schneefällen geräumt ist. Uns Winterwanderer nimmt man hier noch ernst. Nach einer kurzen Waldschneise, durch die uns auch der Karbach begleitet, führen ein paar Kurven am Waldrand und am Ende ein Weg über eine freie Fläche bis zum (im Winter geschlossenen) Gasthaus Karalm. Um uns herum breitet sich das Bergpanorama der Hohen Tauern und der höchsten Berge Salzburgs aus, im Zentrum der Kulisse der Glockner und der Sonnblick. Zurück geht’s am selben Weg.

Raurisertal
© TVB-Foto-Florian-Bachmeier

Naturschatz Rauriser Urwald
Rauriser UrwaldDer Talschluss Kolm Saigurn am Fuße des Hohen Sonnblicks hat zweierlei, sehr kontrastierende Bedeutungen: Wo bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Gold abgebaut wurde, breitet sich heute der unberührte Rauriser Urwald aus. Wo einst Hunderte Knappen nach Gold schürften und das Tal sogar untertunnelten, herrscht heute beschauliche Stille.
Wir schließen uns Nationalpark-Ranger Ekki an, der uns den Urwald erklären soll. Treffpunkt Ghf. Bodenhaus am Ende der fahrbaren Straße. Ab dem Lenzanger-Parkplatz stapfen wir durch Schnee. Der ist locker und tief. Bei jedem Schritt versinken wir bis zu den Knien. Anders als mit Schneeschuhen ist dem Urwald im Winter nicht beizukommen. Beim Spuren wechseln wir uns ab. So geht es durch frisch beschneiten Wald, mal auf, mal ab, ein Weg ist nicht sichtbar, aber Ekki kennt sich aus. Wir wähnen uns als erste Menschen, die den Urwald per Schneeschuhen durchqueren. Wo wachsen darf, was wachsen will. "Der Rauriser Urwald ist ein uralter, naturbelassener Sturzwald mit über 80 Moortümpeln, mächtigen, über 300-jährigen Fichten, Lärchen und Zirben", erklärt uns Ekki. "Kein Mensch greift hier mehr ein, seit über 200 Jahren gibt es keine Holzbringung mehr, ebenso wenig werden Windwurfflächen aufgeforstet." Von den vielen Tümpeln ist im Winter freilich nichts zu sehen, obwohl wir laut Ekki einige sogar überschreiten. So geht es über kleine Geländewellen, manchmal müssen wir uns unter schneebehangenen Grauerlen, Buchen und Ahornen hindurchducken. Nicht selten gehen kleine Baumlawinen ab.
Kaum zu glauben, dass es hier einmal rundgegangen ist, nämlich zur Zeit des Goldrausches. Dessen Hochblüte wurde im 15. und 16. Jahrhundert erreicht, als 3000 Menschen im Raurisertal wohnten und in 450 Zechen arbeiteten. Dabei wurde das Tal über eine Länge von 40 Kilometern (!) untertunnelt, um an das kostbare Edelmetall heranzukommen. Begonnen hat der Goldhype eigentlich schon vor etwa 4000 Jahren, als Kelten und Römer das Tauerngold entdeckten und im Raurisertal zu graben begannen. Zwischen 1450 und 1550 wurden fast 800 kg Gold – das waren 10% (!) des Weltvorkommens – genau hier gewonnen. 1930 verließ der letzte Knappe das Raurisertal und machte Platz für Stille und Natur. Unsere Reise in die Vergangenheit endet beim Naturfreundehaus, um das herum sich noch Originalbauten aus der Gold-Ära und ein Eiskletterturm gruppieren.

Rauriser Urwald

Tipp: Wer den Urwald und den Talschluss auf eigene Faust erkunden will, begeht am besten den "Schneeschuhtrail" vom Gasthof Bodenhaus bis zum Naturfreundehaus (Beschreibung siehe Infokasten) und rutscht dann mit einer ausgeliehenen Rodel über die Zufahrtsstraße wieder zurück.

Aussichtsloge Hochbühel
Sprung in die Moderne! Das weiße Gold von Rauris, der üblicherweise reichlich vorhandene Schnee, lockt auch viele Pistenskifahrer an. Die landschaftlich überaus reizvolle Winterwanderung auf die Hochalm im Skigebiet der Rauriser Hochalmbahnen beschert uns nicht nur herrliche Panoramen.
Ausgangspunkt der Wanderung ist die Mittelstation (Heimalm) der Hochalmbahn. Kurz steigen wir entlang der Piste in einem weiten Linksbogen bis zu einer kleinen Scheune hinauf, wo der "Winterwanderweg Hochbühel" (Nr. 66) beginnt. Sicherheitshalber haben wir die Schneeschuhe dabei, gut, wie sich in den schattigen Waldpassagen herausstellen wird. Ein breiter, geräumter Weg führt unter den Gondeln der Hochalmbahn und über die Trasse eines Schleppliftes vom Skibetrieb weg in stillen, romantischen Winterzauberwald. Von nun geht es panoramareich und sanft geneigt Serpentine um Serpentine höher hinauf. Immer wieder eröffnen sich herrliche Blicke ins Raurisertal hinunter, in seine bekannten Nebentäler und über weite Teile des Nationalparks Hohe Tauern. Im Vordergrund natürlich der Hohe Sonnblick, etwas weiter weg der Glockner.

Raurisertal

Am 1.769 m hohen Hochbühel (oder Hochbichel) markiert eine Aussichtsplattform den panoramareichsten Punkt der Tour. Ein Auf und Ab führt uns zur Bergstation und zu weiteren Liften der Hochalmbahn. Bevor wir die Pisten und den Trubel überhaupt betreten, kehren wir schon wieder um und stapfen den Aufstiegsweg zurück.

Und die Zukunft des Goldenen Tales? Die liegt nicht in den Sternen, sondern in den Händen der Rauriser. Das eigentliche Gold heute ist eine intakte Natur. Und auf die müssen sie aufpassen.

Lage:
Winterwanderung Gaisbachtal
Route:
Rauris (950 m) – Mühlrad Gaisbach – Grabenkapelle – Alpengasthof Karalm (1.418 m)
Gesamthöhenmeter:
500
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 3
Länge:
9 km
Anforderungen:
Der meist geräumte Winterwanderweg kann bei jedem Wetter begangen werden; gute Winterwanderschuhe sollten genügen, zur Sicherheit empfehlen sich auch Schneeschuhe.
Lawinengefahr:
Sehr gering
Einkehrmöglichkeiten:
Keine
Schneeschuhtrail Rauriser Urwald
Route:
Vom Parkplatz Bodenhaus (1.230 m) südlich der Straße bis zur Brücke, rechts entlang der Hüttwinklache (ca. 300 m), links über den Steg, auf der Straße bis Jagahäusl (Einstieg Knappenwanderweg), durch den Wald zur Rastmulde, links hinauf, über die Straße und den alten Kolmweg zum "Schälplatz", dann den Trockenbach entlang und zur Gersteben hinauf, von dort durch den Hochwald zum Talschluss Kolm Saigurn (1.598 m, Naturfreundehaus); Rückkehr mit einer Rodel, die man sich beim Hüttenwirt ausleihen kann.
Gesamthöhenmeter:
370
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 3
Länge:
8 km
Anforderungen:
Der Weg des Trails ist nach Neuschneefällen schwer zu finden. Dann empfiehlt es sich, sich einem Ranger anzuschließen. Infos: www.raurisertal.at
Lawinengefahr:
Sehr gering
Einkehrmöglichkeiten:
Alpengasthof Bodenhaus, Naturfreundehaus Kolm Saigurn
Winter- und Schneeschuhwanderung Hochbühel
Route:
Heimalm (1.480 m, Mittelstation der Hochalmbahn) – Hochbühel (1.769 m) – Hochalm (1.768 m)
Gesamthöhenmeter:
350
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 2,5–3
Länge:
7 km
Anforderungen:
Der geräumte Winterwanderweg ist meist problemlos mit Wanderschuhen zu begehen. Im Wald können Schneeschuhe dienlich sein.
Lawinengefahr:
Sehr gering
Einkehrmöglichkeit:
Hochalm
Information und Buchung:
Information und Buchung
Tourismusverband Rauris Sportstraße 2,
5661 Rauris, Österreich
T +43 6544 200 22
info@raurisertal.at

www.raurisertal.at

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