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Max von Kienlin

Die Überschreitung

Günther Messners Tod am Nanga Parbat

(2003, Herbig, ISBN 3-7766-2345-4, 288 Seiten mit zahlreichen Bildern)


Klappentext:

"Hoch oben am Berg gibt es keine besondere Moral. Jeder von uns würde, wenn es hart auf hart kommt, den anderen liegen lassen."

(Reinhold Messner im "Stern", September 2002)

Die Umstände, unter denen sein Bruder Günther Ende Juni 1970 am Nanga Parbat ums Leben gekommen sein soll, hat Reinhold Messner seit über 30 Jahren in Büchern und der Presse gegenüber vielfach dargestellt. Entsprechen sie auch der Wahrheit?
Die erste Überschreitung des Nanga Parbat - Aufstieg über die südliche Rupalwand, die höchste Steilwand der Erde, und Abstieg zur nordwestlichen Seite ins Diamir-Tal - begann nach dem gemeinsamen Gipfelsieg der beiden Brüder am 27. Juni 1970. Diese Tat hat Reinhold Messner zu dem gemacht, der er heute ist: der wohl erfolgreichste und berühmteste Expeditionsbergsteiger unserer Zeit, der später auch als erster alle 14 Achttausender bestiegen hat.
Diese Überschreitung, die Reinhold zusammen mit Günther bewältigt haben will, beschreibt Messner stets als "Notlösung" zur Rettung des höhenkranken jüngeren Bruders, der sich die Aufstiegsroute zurück zu den Kameraden nicht mehr zugetraut haben soll.
Aber: Hatte Reinhold Messner diese Überschreitung nicht schon von Anfang an - sorgfältig vor dem Expeditionsleiter, Dr. Karl Maria Herrligkoffer, verborgen - geplant, wobei ihm der dann unversehens nachgestiegene Bruder im Wege stand?
Ein falsches Wettersignal des Expeditionsleiters - die "rote Rakete" - galt bis vor kurzem als der Grund für die damalige Tragödie. Dann plötzlich, am 4. Oktober 2001, wurde eine andere Version in die Welt gesetzt: Anläßlich der Buchvorstellung einer Herrligkoffer-Biographie, für die Messner das Vorwort geschrieben hatte, wurden von ihm nun seine damaligen Bergkameraden wegen unterlassener Hilfeleistung beschuldigt: "Das war nicht ein Herrligkoffer-Fehler, sondern das war eher ein Fehler der Teilnehmer, nicht ins Diamir-Tal zu gehen."

Diese und andere Unterstellungen - "alle meine Kollegen von damals wünschen mir den Tod" - führen jetzt dazu, daß 33 Jahre nach dieser Tragödie die noch lebenden Teilnehmer der Expedition, darunter der Autor, sich entschlossen, ihr Schweigen zu brechen und darüber zu berichten, was damals wirklich passiert ist bzw. folgerichtig wohl geschehen sein muß. Der Autor, Teilnehmer dieser Expedition und damals ein enger Freund der beiden Brüder Reinhold und Günther Messner, veröffentlicht nun sein während der Expedition geführtes Tagebuch und stellt die Ereignisse und deren Folgen auch in den Zusammenhang mit Grundsätzen, Fragen und Themen unserer Zeit. Die Aussagen anderer Teilnehmer ergänzen die Offenlegung der damaligen Vorgänge. Die wirklichen Umstände, die zum Tod Günther Messners führten, wurden über 30 Jahre hinweg seitens Reinholds früherer Kameraden wie ein Geheimnis bewahrt, aus Mitgefühl und Bergkameradschaft für den damaligen Freund. Die bisher diskret verschwiegenen tatsächlichen Umstände werden geschildert, präzise beleuchtet und die Widersprüchlichkeiten des Kronzeugen Reinhold Messner aufgezeigt. Der lange Schatten des Nanga Parbat holt ihn nun ein ...


Kommentar:

Der nächste Akt der Enthüllungen um das Drama vom Nanga Parbat. Kienlin versucht anhand von "geheim" geführten Tagebüchern das Geschehen in den Juni-Tagen 1970 zu rekonstruieren, allerdings nicht ohne Häme und Untergriffe. Manche Hypothesen Kienlins sind nicht leicht zu verstehen, andere Widersprechungen zu Messners Aussagen klingen hingegen durchaus plausibel. Wer sich Klarheit erwartet, wird enttäuscht, eine eindeutige Schuldzuweisung wird auch hier nicht erteilt.
Für Alpin-Detektive eine wahre Fundgrube von "Beweisen", "Indizien" und "Zeugenaussagen", für Rechtsanwälte und Medien Zündstoff, für Normalverbraucher eine Komödie der Eitelkeiten - von Bergsteigern mehr oder weniger gut gespielt ...


Zum Autor:

Max-Engelhardt von Kienlin, geb. am 22.8.1934 auf Schloß Erolzheim im Landkreis Biberach-Riss/Württemberg. Nach dem Besuch des Gymnasiums Land- und Forstwirt, ist u. a. Präsident der "Royal Burma Society of Germany". Lebt in München.