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Jeanne Immink

Harry Muré

Jeanne Immink

Die Frau, die in die Wolken stieg – Das ungewöhnliche Leben einer großen Bergsteigerin


2010, Tyrolia, ISBN 978-3-7022-3075-3, 272 Seiten
Klappentext:

Dieses Buch erzählt die bemerkenswerte Geschichte der Holländerin Jeanne Immink, die sich dazu berufen fühlte, schwierige Berge zu besteigen, in einer Zeit, in der eine solche Beschäftigung für eine Frau, zumal allein mit Kind, noch als höchst unkonventionell und skandalös galt. Als erste Frau kletterte sie – in Hosen, wider die Gepflogenheiten ihrer Zeit – den vierten, damals obersten Schwierigkeitsgrad, der um 1890 nur einer Handvoll Männern vorbehalten war. Mit einer Vielzahl von Erstbegehungen und Gipfelbesteigungen in den Dolomiten stellte sie unter Beweis, dass auch eine Frau imstande ist, schwierigste Routen zu meistern. Frei und unabhängig zog sie durch die Alpen, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Für ihre Ziele engagierte sie die besten Bergführer. Mit Sepp lnnerkofler, dem späteren Kriegshelden, bildete sie eine großartige Seilschaft. lm steilen Fels bewegte sie sich ebenso sicher und selbstbewusst wie in der Wiener oder Münchner Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Durch die Aufnahmen von Theodor Wundt, einem damals bekannten Bergfotografen, ist ihr Bild – das erste Foto einer kletternden Frau, das auch als Titelbild verwendet wurde – der Nachwelt erhalten geblieben. Zwei Gipfel wurden nach ihr benannt, die Cima Immink im Jahr 1891 und der Campanile Giovanna (= Jeanne) zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Die beiden Bergspitzen – Jeanne Imminks Visitenkarte – stehen nebeneinander in der Palagruppe in den südlichen Dolomiten.
Mehr unter www.jeanne-immink.at
Kommentar:

Prädikat WERTVOLL

Spannender Alpinabenteuer-Roman, hochinteressantes historisches Panorama, spektakuläre Biografie – all das verpackt Harry Muré meisterhaft in sein Buch "Jeanne Immink, die Frau, die in die Wolken stieg". Das Resultat ist ein Zeitzeugnis, das das Prädikat WERTVOLL verdient.
Zum einen beschreibt Muré nicht nur die bergsteigerischen Erfolge von Jeanne Immink, er verdeutlicht auch den außergewöhnlichen Mut der niederländischen Felsgeherin, die entgegen allen gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts in eine Männerbastion einbricht und dort auch besteht. Sie war damit sicher DIE Vorreiterin heutiger Bergsteigerinnen und eine der Pionierin der Frauen-Emanzipation überhaupt. Beeindruckend Imminks Hartnäckigkeit, Konsequenz und Leidenschaft für den Bergsport, dem sie alles, sogar ihre Familie, unterordnet: "Ihr tieferer Beweggrund ist derselbe, der jeden Bergsteiger anstrebt, eine Mischung aus Entdeckungsdrang, Lust an der Anstrengung und Verlangen nach dem Elementaren. Jeanne liebt die Berge, sie sind ihre Freunde", schreibt Muré (S. 62). Mit unblaublicher Energie stürmt Immink in Seilschaft mit Führern wie Antonio Dimai, Michele Bettega und Sepp Innerkofler von Wand zu Wand, von Gipfel zu Gipfel – 20-Stunden-Touren, 3000 Höhenmeter am Tag waren keine Seltenheit – und schaffte damit mehr als so mancher trainierte Bergsteiger heute. Ihre Unermüdlichkeit fasziniert, gerade auch wenn man die damalige Bergausrüstung betrachtet: Hanfseile, Nagelschuhe und unzureichende Sicherungsmöglichkeiten. Und wieder war es Immink, die vorwärts preschte, indem sie sich erstmals einen Ledergürtel als Sicherungsgurt anfertigen ließ – den ersten Klettergurt.
Harry Muré bedient sich eines leicht lesbaren, spannenden und flüssigen Stils. Äußerst vergnüglich zu lesen sind jene Passagen, in denen er die frühalpinen Traditionen nachzeichnet. Die damals schon nicht billigen Bergführer waren etwa verpflichtet, einen Teil des Gepäcks ihrer Kunden zu tragen. Die Besteigung eines Gipfels ohne die obligate Flasche Wein am höchsten Punkt war unvorstellbar, und es herrschte schon damals die Vorstellung, dass Zermatter Bergführer besser und teurer seien als alle anderen. Hochinteressant aber auch der Einblick in den damaligen Zeitgeist, in die Denk- und Fühlweise des Bergsteigers und das gegenüber kletternden Frauen zutiefst argwöhnische gesellschaftliche Umfeld. Mit der Beschreibung der Hütten – damals noch bloß spartanisch eingerichtete Unterstände –, der erst im Aufbau befindlichen Alpen-Infrastruktur oder der (schon damals) verkrampften Alpenvereine gelingt Muré ein eindrucksvolles Zeitzeugnis. Schon allein deswegen, aber auch der Fotografien von Theodor Wundt wegen, ist dieses Buch für alpingeschichtlich interessierte Bergsteiger ein Muss.
In Summe ein absolut empfehlenswertes Buch, das höchstes Lesevergnügen garantiert und gleichzeitig immer wieder zum Nachdenken anregt, zumal der selbst leidenschaftliche Kletterer Muré auch philosophische Betrachtungen über das Bergsteigen einfließen lässt: "Das Bergsteigen lässt sich nicht mit pathetischen Floskeln etikettieren, bestimmt nicht mit "Eroberung des Unnützen". Im Gegenteil, der Alpinismus ist gerade eine der nütztlichsten Aktivitäten, die der Mensch sich zugelegt hat. Kaum eine andere Beschäftigung bietet ihm die Möglichkeit, seine seelische und körperliche Dynamik so wirksam und direkt zur Geltung zu bringen." (S. 202).
Das Buch schließt mit den Worten "Der Sinn des Lebens ist, jemanden zu lieben. Jeanne Immink liebte die Berge". Genau das ist das Grundmotiv von Imminks Leben und dieses bemerkenswerten Buches.
Harry Murè:

Der bekannte holländische Sportjournalist und begeisterte Bergsteiger hat sich in jahrelanger akribischer Recherche dem Leben Jeanne Imminks gewidmet. Zusammen mit dem Bergführer und Alpinexperten Donato Zagonel wiederholte er die meisten Touren der legendären Kletterin.

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