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Messner-Pol

Reinhold Messner

Pol

Hjalmar Johansens Hundejahre


2011, Malik, ISBN 9783890293769, 301 Seiten

Verlagsinformation

Die Entdeckung der Pole in neuem Licht.
Mit Nansen zum Nordpol, mit Amundsen zum Südpol. Trotzdem bleibt Hjalmar Johansen zuletzt auf der Strecke. Mit Einfühlungsvermögen und glänzend rekonstruiert beleuchtet Reinhold Messner eines der größten Abenteuer der Menschheitsgeschichte aus der Sicht des Verlierers.
Er spielte eine Schlüsselrolle auf den Wettfahrten zu beiden Polen und ist doch heute ein Unbekannter: Hjalmar Johansen. Während Fridtjof Nansen sich für seinen Vorstoß ans nördlichste Ende der Welt im Ruhm sonnte, Roald Amundsen zum Eroberer des Südpols aufstieg, blieb Johansen als dritter Mann im Abseits. Wer war der zähe Skisportler und zuverlässige Reisekamerad, dessen Hilfsbereitschaft sogar seine Expeditionsleiter bloßstellte? Wie machte er sich Amundsen zum Feind? Was trieb ihn mit nur 45 Jahren in den Selbstmord? Gestützt auf umfangreiche Quellenkenntnis und mit überzeugender Sympathie für den Gescheiterten erzählt Reinhold Messner von nationalem Heldentum und der Tragik eines Abenteurerschicksals vor 100 Jahren.
Kommentar

Packender Alpin- und Geschichtskrimi

Er wolle den Lesern die Geschichte einer "gescheiterten Figur" näher bringen, eines "prototypischen Verlierers", der im Schatten der "zwei berühmtesten Polfahrer seiner Zeit" stand und sich deshalb letztlich das Leben nahm, betont Autor Reinhold Messner. Denn während Nansen für seinen Vorstoß ans nördlichste Ende zum Weltstar und Nobelpreisträger avanciert und Roald Amundsen zum Eroberer des Südpols aufstiegen sei, blieb Johansen in der breiten Öffentlichkeit laut Messner ein "Unbekannter" und bestenfalls ein "Anhängsel".
Dabei sei der Norweger "am Rande des ewigen Eises und des Todes" den großen Entdeckern ebenbürtig gewesen, meinte Messner, der selber zum Nord- wie zum Südpol aufbrach und letzteren im Rahmen seiner Antarktis-Durchquerung im Jahr 1989 erreichte.
Messner fand auch bisher wohl ungeahnte Parallelen zwischen Johansen und seiner Person.
Für ein Messner-Buch ist der Stil – man will es ja gar nicht glauben! – schnörkellos, klar, direkt, von der ersten bis zur letzten Seite authentisch und spannend.
Packend aber neben der Schilderung des menschlichen Schicksals auch die ergreifende Beschreibung der Expeditionen. Fassungslos liest man von den Strapazen bei minus 55°, von den Monate währenden Zeiten der Finsternis, der Dunkelheit, der Kälte, vom Ringen um jedes Fünkchen Leben, vom Darben und Aushalten, vom Ertragen und Niemals-Aufgeben, von Hoffnung und zerstörten Illusionen. Abenteuer pur! Angesichts der einfachen Ausrüstund und Kleidung muss die Schmerzgrenze damals muss wohl eine höhere gewesen sein als heute oder aber Amundson und Nansen waren Meister im Leiden und Schmerzertragen.
Messner ist hier ein überaus packender Alpin- und Geschichtskrimi gelungen und eine der besten Mongrafien der letzten Jahre.
Blick ins Buch

Alles schweigt. Nur in der Ferne, weit weg, höre ich das Meer. Bläst dort ein Sturm? Im aufgewirbelten Schnee wäre jetzt kein Vorankommen, denke ich. In der Hütte ist es ruhig. Vor bald einem Jahr haben wir uns auf Weg zum Pol gemacht. Seit Monaten leben wir in Eis und Polarnacht. Ich habe es aufgegeben, auf einen Morgen zu warten, ich weiß ja nicht, wann er kommen wird. Wir werden aber weiter über das Eis und durch den Schnee laufen, im Zelt schlafen, und die Zeit wird wieder ablaufen. Im Traum liege ich dann auf dem Schlitten, auf der Haut eines getöteten Bären. Wir haben hinter einer Eisbarriere Schutz gefunden, der Wind bläst Schneestaub über uns hinweg. (S. 140)

Am 8. September brechen wir zu acht auf. Mit sieben Schlitten und 86 Hunden. In den ersten beiden Tagen kommen wir gut voran. Die Hunde laufen wie ausgelassen. Tagesleistung: 28 Kilometer. In der Nacht zum dritten Tag aber fällt die Temperatur auf –56°C. Weiter! Nochmals 28 Kilometer! Der Atem gefriert Menschen und Hunden im Gesicht. Amundsen weiß jetzt, dass wir zu früh gestartet sind, will es mir gegenüber aber nicht zugeben. … Alle Männer tragen Anoraks aus Wolfsfell und Unterzeug aus Rentierfell. Die Nacht aber wird grausam. Keiner schläft. Am frühen Morgen, man hat Mühe, die Gespanne startklar zu bekommen, haben die Hunde Frostbeulen an den Pfoten, und unsere Anzüge sind hart gefroren, die Stiefel Eisklumpen.

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