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Mountainbiken rund um Wien

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Alpine Chronik 2006

Erstellt von Thomas Rambauske

Jänner 2006

Heinrich Harrer
1912-2006

Der österreichische Bergsteiger, Forscher und Lehrer des Dalai Lama, Heinrich Harrer, stirbt am 7. Jänner im Alter von 93 Jahren in Kärnten. Harrer war vor allem durch seine legendäre Erstbesteigung der Eiger Nordwand im Jahre 1938, seine abenteuerliche Flucht aus britischer Gefangenschaft nach Tibet im 2. Weltkrieg sowie durch seine Freundschaft mit dem Dalai Lama ("Sieben Jahre in Tibet") bekannt geworden.
Nach seiner Aufsehen erregenden Erstbesteigung der Eiger-Nordwand in der Schweiz 1938 war Harrer in die deutsche Himalaya-Expedition 1939 zum Nanga Parbat berufen worden. In Britisch-Indien wurden Harrer und seine Gefährten vom Zweiten Weltkrieg überrascht und von den Briten interniert. 1944 gelang Harrer mit seinem Begleiter Peter Aufschnaiter die Flucht. In einem gewaltigen, 21 Monate währenden Marsch überwanden sie Dutzende Himalaya-Pässe und erreichten im Januar 1946 Lhasa, die Hauptstadt des damals unabhängigen Tibet. Harrer wurde Erzieher, Berater und schließlich Freund des jungen Dalai Lama, der nach der blutigen Niederschlagung des tibetischen Volksaufstandes durch chinesische Truppen 1959 nach Indien flüchten musste. Zur Biografie >>>

Februar 2006

Jean-Christophe Lafaille am Makalu verschollen

Der Franzose Jean-Christophe Lafaille, einer der weltbesten Extrembergsteiger, wird am Makalu vermisst. Lafailles Ziel war die erste Winterbesteigung eines der schwierigsten und kältesten Berge der Welt, des Makalu (8463 m). Er startete die Expedition am 12. Dezember 2005. Wie schon bei der ersten Winterbesteigung am Shisha Pangma (8027 m), war Lafaille auch dieses Mal solo, ohne künstlichen Sauerstoff, ohne Fixseile und ohne fixe Hochlager unterwegs. Nach der Akklimatisationsphase startete er am 24. Jänner zum Gipfel, den er bereits am 27. erreicht haben wollte. Das letzte Lebenszeichen ihres Mannes empfing Lafailles Frau Katia am 26. Jänner, als sich der 39-Jährige aus einer Höhe von 7600 Metern meldete. Als ein Hubschrauber zur Suche nach dem französischen Alpinisten aufstieg und die geplante Aufstiegsroute absuchte, wurde auf 7000 m Höhe lediglich das rote Zelt Lafailles gefunden.
Schon zwei Mal verlor er beinahe sein Leben: Im Juli 2003 fiel er am Broad Peak (8047 m) in eine Spalte und entkam nur knapp dem Tod. 1992 verliert er in der Annapurna-Südwand seinen besten Freund Pierre Béghin und kann sich mit einer ungeheuren Kraftanstrengung gerade noch selbst retten.
Lafaille wurde am 31. März 1965 in Frankreich geboren. Er war verheiratet, hatte drei Kinder und lebte mit seiner Familie in der Nähe von Chamonix. In den Sommermonaten war er als gefragter Bergführer und Motivationstrainer tätig oder hält fesselnde Vorträge über seine Expeditionen.

März 2006

Hari Berger siegt zum dritten Mal den WC der Eiskletterer

Hari Berger
Der Salzburger Profikletterer "Hari" Harald Berger ist zum dritten Mal Weltcupsieger der Eiskletterer.
Er überzeugte im norwegischen Hemsedal mit einem makellosen Durchstieg der Eiskletterroute im oberen Schwierigkeitsgrad. Wenige Tage nach seinem persönlichen Erfolg der Erstbegehung verschiedener Eisrouten auf einem Projekt in Norwegen eine große, international bemerkenswerte Leistung.

Neben drei Weltmeistertiteln und dem dreifachen Sieg im Weltcup gewann Harald Berger Preise in diversen nationalen und internationalen Eiskletterbewerben und absolvierte Erstbegehungen im Eis wie auch im Fels.
Seit 2005 ist er Profisportler.

April 2006

Edi Koblmüller 60

Koblmüller

Am 10. April feiert der "Picus montana vulgaris", der Gemeine BergSpecht, seinen 60. Geburtstag. Gemeint ist der Linzer Alpinist, Bergführer und Leiter der Alpinschule "Die BergSpechte" Edi Koblmüller.
Koblmüller ist seit mehr als 40 Jahren Extrem- und Höhenbergsteiger und kann auf zahlreiche extreme Kletter- und Eistouren in den gesamten Alpen, mehrere alpine und außeralpine Erstbegehungen, erfolgreiche Besteigung von fünf Acht- und sechs Siebentausendern, zum Teil auf neuen Routen, verweisen.
Auch persönliche Schicksalsschläge prägten sein Leben: Sein älterer Sohn Michael wird 24-jährig am Diran von einer Lawine in den Tod gerissen, im Juli 2003 verunglückt seine Frau Liesi bei einem Kletterunfall tödlich.
Bekannt - und berüchtigt! - ist Edi Koblmüllers Kolumne "Griffig" im österreichischen Outdoor-Magazin LAND DER BERGE.

Mai 2006

Gerlinde Kaltenbrunners neunter Streich

Christian Stangl in 16:42 Stunden auf den Everest

Walter Laserer als erster Österreicher auf allen Seven Summits

Walter Laserer am Everest
Walter Laserer am Everest

 

Am 14. Mai besteigt Gerlinde Kaltenbrunner ihren neunten Achttausender: den nepalesischen Kangchendzöng. Damit ist sie die erfolgreichste Höhenbergsteigerin der Welt. Mit von der Partie ihr Lebensgefährte Ralf Dujmovits, der Finne Veikka Gustafsson, der Japaner Hirotaka Takeuchi und der Australier Andrew Locke.

Der 37-jährige Steirer und "Skyrunner" Christian Stangl ist vom 6400 Meter hoch gelegenen Basislager auf der chinesischen Nordseite des Giganten in unglaublichen 16 Stunden und 42 Minuten auf den mit 8848 Metern höchsten Punkt der Erde "gerannt" - Rekord für die Nordseite. Für den Weg zurück brauchte er nur sechs Stunden. "Ich nahm nur einen Skistock mit, Salzkekse, etwa zum Trinken und Kohlehydratgel". Stangl verzichtete bei seinem Rekordlauf auch auf jede wie auch immer geartete Hilfestellung - keine Träger, keine Wegbereiter, keine Funkgeräte.

Walter Laserer, 45, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer aus Gosau im Salzkammergut, ist der erste Österreicher und Bergführer, der alle Seven Summits - mit Gästen! - bestiegen hat. 2004 Elbrus, Mt. McKinley, Kilimandscharo und Aconcagua; 2005 die Carstenszpyramide, im Jänner dieses Jahres betrat Laserer den Gipfel Mt. Vinson in der Antarktis, am 18. Mai mit zwei Gästen den Mt. Everest. Walter Laserer betreibt mit seinem Bruder Herbert die Alpinschule Laserer alpin in Gosau.

Juni 2006

Brunos Ende

Brunos Ende

Am 28. Juni wird "JJ1" oder "Bruno", ein Braunbär, in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet (Bayern) erschossen. Bruno war im Mai 2006 aus der italienischen Provinz Trentino bis in das Grenzgebiet von Österreich zu Bayern eingewandert und hat dann mehrfach zwischen Bayern und Österreich gewechselt. Er war der erste frei lebende Braunbär in Deutschland nach über 170 Jahren. Weil er während seiner Streifzüge - zum Teil auch innerhalb menschlicher Siedlungen oder in deren Nähe - Haus- und Nutztiere erbeutete , wurde er von der Regierung Bayerns als "Problembär" eingestuft und zum Abschuss freigegeben. Diese Freigabe wurde aufgrund massiver Kritik von Experten und der Öffentlichkeit zeitweise zurückgezogen. Bruno wurde während seiner Wanderung zu einem Politikum und internationalen Medienereignis, über das unter anderem auch die New York Times berichtete. Zahlreiche Menschen und Gruppen solidarisierten sich mit dem Bären, während man Wochen lang versuchte, ihn mit verschiedenen Methoden lebendig zu fangen. Nach dem Abbruch der Fangversuche wurde er in Bayern von Jägern erschossen, was zu massiven Protesten führte.

Juli 2006

Gewaltiger Felssturz am Eiger

Gewaltiger Felssturz am Eiger

An der Ostflanke des fast 4.000 Meter hohen Eiger im Berner Oberland in der Schweiz ist es zu einem ersten massiven Felssturz gekommen. Etwa 700.000 Kubikmeter Felsmasse stürzte auf den darunter liegenden Grindelwaldgletscher. Zu Schaden kamen weder Menschen noch Gebäude.
Grund für die sich häufenden Felsstürze und Erdrutsche ist die Erwärmung des Alpenraumes in der Kombination mit Starkniederschlägen. Im globalen Mittel ist die Durchschnittstemperatur um 0,8 Grad, in den Alpen sogar um bis zu 1,6 Grad, angestiegen. Ab einer Höhe von 2500 m NN sind dauerhaft gefrorene Böden (Permafrost) anzutreffen. Dort kittet Eis den Fels und Schutt zusammen und stabilisiert die Hänge. Durch die Klimaerwärmung wandert die Grenze der Permafrostböden weiter nach oben, Abschmelzvorgänge beginnen. Insbesondere bei starken Niederschlägen können dann Steinschlag und Muren entstehen oder sogar ganze Bergflanken abgehen.

August 2006

Kritik am neuen Trend: extreme Klettersteige

Kritik am neuen Trend: extreme Klettersteige

Nach einem tödlichen Unfall am Extremklettersteig bei Strobl (Flachgau) kritisieren Bergführer den Boom bei Klettersteigen. Viele seien zu gefährlich; und fast jede Gemeinde errichte aus touristischen Gründen solche Steige.
Unfälle seien bei vielen neuen Klettersteigen für Laien fast vorprogrammiert, sagen nun Bergführer. Die künstlichen Routen würden immer extremer. Der Klettersteig Postalmklamm in Strobl wurde erst vor zwei Wochen eröffnet - mit "äußerst spektakulären Attraktionen", kritisiert Günther Karnutsch vom Verband der Salzburger Bergführer. Das Problem bestehe aus der Sicht von Bergführern und Bergrettern darin, dass sich nicht nur erfahrene Alpinisten ihr Freizeitglück in diesen Klettersteigen, sondern auch Ungeübte und "normale" Urlauber holen. Bei diesen kann sich der erwartete Genuss schnell ins Unglück verwandeln, wenn grundlegende Fertigkeiten nicht vorhanden seien. Für Untrainierte gäbe es auf den meisten Klettersteigen zu wenig geeignete Ausstiegs-Möglichkeiten. Beim Klettersteig Postalmklamm sei bereits der Anmarschweg ziemlich riskant, so Karnutsch. In diesem Bereich war der junge Deutsche abgestürzt. Er war noch nicht gesichert.

September 2006

Welterste Gipfelbibliothek am Wilden Kaiser

Welterste Gipfelbibliothek am Wilden Kaiser

Am Wilden Kaiser wird die "welterste Gipfelbibliothek" eingerichtet. Wetterfest verpackte und auf den Gipfeln des Kaisergebirges hinterlegte "Gipfel-Bücher" können nun von literaturbegeisterten BergsteigerInnen mitgenommen, gelesen, kommentiert und später - erneut wetterfest verpackt - auf einem anderen schönen Gipfel dieser Welt wieder hinterlegt werden. Initiiert wurde das Projekt, das medial großen Nachhall fand, von der Hüttenwirtin des Hans-Berger-Hauses Silvia Huber und der Autorin Brigitte Weninger. Für erste Staffel haben "Buchpaten" wie Gabi Burgstaller, Caritas-Direktor Georg Schämer und der Philosoph Frithjof Bergmann ihre ganz persönlichen "Gipfelbücher" genannt.
Damit jedermann/frau weiß, wer was wann wo gefunden und wieder hinterlegt hat, wurde die Homepage www.gipfelbibliothek.com eingerichtet, wo die Fund- und Deponie-Orte der Gipfel-Bücher dokumentiert, Kritiken und Meinungen ausgetauscht, vielleicht sogar neue Geschichten erzählt werden können.

Oktober 2006

120 Jahre Sonnblick-Observatorium

120 Jahre Sonnblick-Observatorium

Das Observatorium am 3.106 m hohen Gipfel des Sonnblicks im Salzburger Pinzgau feiert sein 120-jähriges Bestehen. Seit 1886 führt dort die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) meteorologische Messungen und Beobachtungen durch und hat das Observatorium zu einem der weltweit führenden Umweltforschungszentren gemacht.
Initiiert hatte den Bau des Observatoriums der damalige ZAMG-Direktor und Meteorologe Julius Hann. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei vom Rauriser Bergwerkbesitzer Ignaz Rojacher. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die Vorgänge in den höheren Schichten der Atmosphäre zu studieren. Seit der Eröffnung im Jahre 1886 ist eine kontinuierliche, weltweit einzigartige Klimareihe entstanden. Gerade heute, wo an möglicherweise von Menschen verursachten Klimaänderungen geforscht wird, sind Klimareihen von großer Bedeutung.
Interessant die am Sonnblick selbst gemessenen Extremwerte: Am 27. Juli 1983 maß man am Gipfel das sommerliche Temperatur-Maximum von 15 Grad. Das Minimum wurde am 2. Jänner 1905 mit -37,4 Grad gemessen. Im Mai 1944 erreichte die Schneedecke um die Station einen Rekordwert von 11,90 Metern. Am 14. Dezember 1998 wurden Sturm-Böen von 242,6 km/h gemessen.

November 2006

Eigener Verband für Skibergsteiger

Eigener Verband für Skibergsteiger

Am 10. November war es endlich soweit: In Altenmarkt fand die konstituierende Sitzung zur Gründung eines neuen Verbandes statt, des ASKIMO, besser gesagt: der Austrian Skimountainiering Organisation for Competitions. Damit sind die Skibergsteiger endlich in einem eigenen Verband organisiert.
Bisher war der VAVÖ (Verband alpiner Vereine) für all diejenigen zuständig, die mit ihren Bretteln unabhängig von Pisten und Skiliften ihr persönliches Erlebnis in der weißen Pracht suchten.
Der gewählte ASKIMO-Präsident und Gründer des ASTC (der österreichischen Meisterschaft im Skibergsteigen), der Gosauer Karl Posch, sieht die wesentlichen Aufgaben des neuen Verbandes in der Gründung eines Nationalteams von Skibergsteigern sowie im Aufbau und in der Koordinierung der Jugendarbeit.

Dezember 2006

Hari Berger verunglückt tödlich

Harald Berger

Die internationale Alpinistenszene trauert um einen ihrer ganz Großen: Der dreifache Eiskletterweltmeister Harald Berger ist am 20. 12. beim Training tödlich verunglückt.
Der am 31. 10. 1972 in Linz geborene und in Salzburg lebende Spitzenalpinist absolvierte gemeinsam mit zwei Freunden ein Training an der Stirnseite eines fünf Meter hohen Überhangs in der sog. "Eiskapelle" unterhalb des Wieserhörndls in der Osterhorngruppe. Möglicherweise war es sein eigener Pickelschlag, der eine riesige überhängende Eisscholle löst, die Berger unter sich begräbt. Seine Kameraden blieben nahezu unverletzt.
Berger lebte 100 Prozent für seinen Sport und bewegte sich in allen Spielformen des Kletterns auf hohem Niveau: Eis, Mixed, und Felsklettern, Bouldern und Deep Water Solo. In 20 Jahren aktiven Klettersports gewann "Hari" drei Mal den Eiskletter-Gesamtweltcup, wurde von 2003 bis 2005 drei Mal Eiskletter-Weltmeister, kletterte alpine Sportkletterrouten im obersten achten Grad und schaffte im Mixedklettern unter anderem den weltweit ersten Flash einer Route im Grad M12 "Vertical Limits" in Kandersteg (SUI).
Tragisches Detail: Bergers Lebensgefährtin wurde nur wenige Stunden nach dem tödlichen Unfall Mutter einer Tochter namens Zoe.

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