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Mountainbiken rund um Wien

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Damals_____________________________________________________________________

Im Archiv gefunden von Uli Auffermann

Uli Auffermann

September 1959

Erste Alleinbehung der Westliche Zinne Nordwand "Cassin" durch Claude Barbier

Der Belgier Claude "Claudio" Barbier durchstieg als erster allein die "Cassin-Führe" an der Westlichen Zinne-Nordwand. Er avancierte zu einem der erfolgreichsten Alleingeher seiner Zeit und schockierte 1961 die alpine Welt: An einem Tag gelingen ihm alle fünf Zinnen-Nordwände im Alleingang. Er reiht sich damit ein in die Liste der großen Alleingeher wie Bonatti, Messner oder gegenwärtig Alexander Huber, der 2002 die "Hasse-Brandler" an der Großen Zinne Nordwand Free Solo beging. Barbiers Leben findet, gerade 39-jährig, 1977 in einem belgischen Klettergarten durch tödlichen Absturz ein jähes Ende.


März 1961

Erste Winterbegehung der Eiger-Nordwand

Die Deutschen Toni Hiebeler, Anderl Mannhardt, Toni Kinshofer und der Österreicher Walter Almberger durchsteigen zum erstenmal die berüchtigte Eiger-Nordwand im Winter! Dem Eisenerzer Bergmann und Bergführer Walter Almberger gelangen die schwierigsten Routen der Ost- und Westalpen wie
- Matterhorn N-Wand
- Große Zinne und Westliche Zinne N-Wand
- Dru Westwand
- Lalidererspitze- N- Wand


März 1964

Der erste transalpine Straßentunnel wird eröffnet

Unter der Passhöhe des Großen St. Bernhard wird der 5,8 km lange Tunnel dem Verkehr freigegeben. Er verbindet ganzwinterlich den Schweizer Kanton Wallis mit der italienischen Region Aosta. Die moderne Straßenanlage weist die Zukunft für ganzjährige, wetterunabhängige und lawinensichere Nord-Südverbindungen durch die Alpen. Diese sind heute die schnellen und wichtigen Reiserouten der Bergsteiger und Skiläufer, um zu ihren Zielen zu gelangen.


Oktober 1966

Gründung der IVBV

Die Internationale Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV) wird aus der Taufe gehoben. Das hehre Ziel: unter allen Bergführern über alle Grenzen hinweg soll brüderliche Eintracht herrschen. Dies sollte vor allem die Angleichung der Führertarife sowie Unterstützung und Hilfe bei Schwierigkeiten im Ausland umfassen. Heute gewährleisten gut ausgebildete internationale Bergführer Sicherheit und Erlebnisse für Tausende Bergbegeisterte, ob am Dach der Welt oder beim Kletterkurs am Übungsfelsen.


September 1967

Erstbegehung der Dachstein-Südwand "Direttissima"

Die Hochblüte des Direttissima-Zeitalters hat auch das Dachsteinmassiv erreicht. Vom 26. bis 28. September eröffnen der Heeresbergführer Leo Schlömmer und der Bergführer Peter Perner eine "Linie des fallenden Tropfens" in der Dachstein-Südwand. Schwerste freie und technische Stellen galt es zu überwinden - darunter ein 50-Meter-Dach!
Damals war das kraftraubende, akrobatische Klettern unter Anwendung von Trittleitern und Bohrhaken das Nonplusultra im extremen Alpinismus. Erst die große Renaissance des Freikletterns in den 70er- Jahren führte aus der Sackgasse alles technisch Machbaren.


Oktober 1967

Österreichisches Forum für alpine Sicherheit

Die Kammer für Arbeiter und Angestellte in Salzburg lädt erstmalig zum "Kapruner Gespräch", das zu einer Plattform zwischen alpinen Fachleuten und der Öffentlichkeit werden soll. Als Folge wird 1968 das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit gegründet. Das Kuratorium widmet sich seither der Verhütung von Unfällen im Bergland und der Sicherung des alpinen Lebensraumes. Jährlich erscheint das Jahrbuch "Sicherheit im Bergland", seit 1993 finden die Kapruner Gespräche ihre Fortsetzung im Alpenforum Seefeld.


Januar 1968

Erstbegehung des "Linceul" in der Nordwand der Grandes Jorasses

Vom 17. bis 25. Januar gelingt den Franzosen René Desmaison und Robert Flematty bei schlechten Wetterverhältnissen die Durchsteigung der durchschnittlich rund 60° steilen Eiswand des "Linceul" ("Leichentuch") links neben dem Walkerpfeiler.
René Desmaison war viele Jahre einer der härtesten und fähigsten Alpenbergsteiger. Ihm gelangen große Erst-, Winter- und Alleinbegehungen wie z. B. die 1. Winterbeg. Dru-Westwand, 1. Begehung Westliche Zinne-Direkte-Nordwand oder die 1. Alleinbegehung des gesamten Peuterey-Grates.


Juli 1968

Messner klettert in eine andere Dimension

In der Schlüsselstelle des Heiligkreuzkofel-Mittelpfeilers klettert Reinhold Messner im Bereich des VII. Schwierigkeitsgrades. Erneut fordert Messner nach dieser Erstbegehung (Seilgefährte war Bruder Günter) die Einführung des VII. Schwierigkeitsgrades. Erst zehn Jahre später, 1978, wird der VII. Grad offiziell eingeführt! Messner war der Vordenker einer neuen Generation, die die Renaissance des Freikletterns vollzog!


Mai 1970

Erstbegehung der Annapurna-Südwand

Im Rahmen einer britischen Expedition unter Leitung von Chris Bonington durchsteigen Don Whillans und Dougal Haston die technisch schwierige und objektiv sehr gefährliche Südwand der Annapurna I. Die Briten zählen zu den Pionieren, die den modernen Extremalpinismus in schwierigen Himalayawänden praktizierten.
Der Mai ist übrigens der Erfolgsmonat im Himalaya: die Erstbesteigungen von Mount Everest, Kangchenjunga, Makalu, Lhotse, Manaslu, Dhaulagiri und Shisha Pangma fanden alle im mitteleuropäischen Wonnemonat statt.


Mai 1970

Erste europäische Begehung der El Capitan-Südwestwand "Salathé"

Peter Habeler und Doug Scott wiederholen als 12. Seilschaft die "Salathé", die damals als schwierigste Kletterei der Welt galt. In kürzester Begehungszeit gelingen ihnen die überaus schweren (damals 5.9/A4), rund tausend Meter Granit, die 1961 erstmals von Royal Robbins, Chuck Pratt und Tom Frost durchstiegen wurden.
Der Tiroler Bergführer Peter Habeler darf heute als einer der fähigsten und komplettesten Extremalpinisten des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden.


September 1971

Erste Direktrettung mit dem Helikopter aus der Eiger-Nordwand

Pilot Günther Ammann von der Schweizer Rettungsflugwacht und Bergführer Rudolf Kaufmann wagen als erste eine Direktrettung aus der Eiger-Nordwand. Per Helikopter mit Seilwinde retten sie zwei Bergsteigern das Leben.
Seit Mitte der neunziger Jahre werden vermehrt Rettungseinsätze mit der so genannten Long Line (ein bis zu 220 Meter langes Rettungsseil direkt am Helikopter) geflogen. Die Methode geht auf Ideen des legendären Rettungspiloten Siegfried Stangier zurück und bietet viele Vorteile ge
genüber der konventionellen Windenbergung.


November 1971

1. Internationale Bergrettungsärzte-Tagung

In Innsbruck treffen sich erstmals Ärzte und Rettungsfachleute aus verschiedenen europäischen Ländern zur 1. Internationalen Bergrettungsärzte-Tagung. Seither werden auf dieser Tagung die medizinischen Kernthemen des alpinen Rettungswesens referiert, wie Erschöpfung, Verletzungen ducrch Blitzschlag, Erfrierungen, Knochenbrüche und Luxationen etc. Viele verunglückte Bergsteiger und Skiläufer verdanken gewiss ihr Leben einer optimalen Erstversorgung am Unfallort und hervorragend ausgebildeten Rettungsmännern und Notfallärzten!


Oktober 1972

LVS - Die ersten kleinen Lebensretter am Markt

Das erste serienreife Lawinenverschütteten-Suchgerät wird der Öffentlichkeit vorgestellt. In Österreich entwickelt, stellt diese "elektronische Lawinensonde" einen Quantensprung in der Möglichkeit dar, Verschüttete schneller zu finden. Die gegenwärtig von verschiedenen Anbietern technisch hoch entwickelten LVS-Geräte sind ein selbstverständliches Muss für jeden, der sich heutzutage im winterlichen Hochgebirge abseits gesicherter Pisten bewegt.


Dezember 1972

Erste Winterbegehung des gesamten Peuterey-Grates im Montblancmassiv

Yannick Seigneur gelingt zusammen mit fünf weiteren Alpinsten in der Überkletterung des langen und abgeschiedenen Peuterey-Grates eine der bedeutendsten Winterbegehungen der Alpen. Der französische Spitzenalpinist Seigneur (Erstbesteigung Makalu-Westpfeiler) darf zu den ganz großen Winterbergsteigern gezählt werden (ca. 100 Wintererstbegehungen). Wie etwa Kasparek, Brunhuber, Bonatti, Desmaison etc. sah er in Winterbegehungen neue Möglichkeiten, alpine Grenzleistungen zu vollbringen.

Juni 1973

Ski extrem: Steilwandfahrer Heini Holzer fährt als erster den Biancograt mit Ski ab.

Der kleine (156 cm, 48 kg) Südtiroler Extremalpinist Heini Holzer (auch Seilgefährte von Reinhold Messner) fährt den unter Bergsteigern beliebten Biancograt mit Skiern ab. Brenvaflanke, das Direkte Ortler Südwestcouloir oder die Nordwand des Großen Aletschhorns waren weitere kühne Erstbefahrungen des mutigen Kaminkehrers. Er stürzte im Juli 1977 in der Piz Roseg-Nordostwand zu Tode.


Juni 1973

Ist Wettklettern Alpinistik? Alpine Größen diskutieren auf den "Wiener Sporttagen"

Unter der Leitung von Fritz Moravec machen sich Erich Lackner, Peter Baumgartner, Erich Vanis, Manfred Sturm und andere Gedanken zum Wettklettern: Ist Wettklettern eine bereichernde Spielart des Bergsteigens oder ein Tabuthema für die Alpinistik? Welch eine Entwicklung nach vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, die noch folgten! Heute ist Klettern unter Wettkampfbedingungen (Schnelligkeit/ Schwierigkeit) längst Normalität.


Juli 1973

Revolutionäre Steigeisenbefestigung

Auf Eistouren kommen die ersten brauchbaren Kipphebel-Kabelzugbindungen an Steigeisen zum Einsatz. Die Vorläufer der modernen Step in- Kipphebelbindung sollen Schluss machen mit vereisten Lederriemen, rutschenden Perlonbändern und Erfrierungsgefahr durch eingeschränkte Blutzirkulation in den Füßen. Damals gab es etwa drei noch verbesserungswürdige Modelle, heute ist es ausgereifte Normalität bei der Verbindung Schuh - Steigeisen!


August 1973

Pit Schubert fordert die Weiterentwicklung von Bergseilen

Pit Schubert, einer der profiliertesten Sicherheitsexperten für Alpinismus und Bergsportausrüstung, benennt die Bedeutung der gerade erst aufgekommenen Everdry-Imprägnierung bei Bergseilen. Hinsichtlich Handhabung, Lebensdauer und Sicherheitsreserve eine deutliche Weiterentwicklung. Darüber hinaus fordert er immer wieder eine Erhöhung der Seilnorm (UIAA-Normstürze). Der heutige sehr hohe Standard bei Bergseilen (u.a. Kletter-Equipment) ist sicher zu einem großen Teil Pit Schuberts Engagement zu verdanken.


Juni 1977

Erstmals Gore Tex-Jacken auf dem Markt

Eine Revolution im Bereich der Wetterschutzbekleidung! Die atmungsaktive, wind- und wasserdichte Membran Gore Tex wird in Anoraks verarbeitet. Was sich bis dahin ausschloss, eine Jacke nämlich, die wasserdicht ist und gleichzeitig den Wasserdampf des schwitzenden Bergsteigers nach außen leitet, ist Realität geworden - und funktioniert. Heute ist die Membran, neben anderen atmungsaktiven und wasserdichten Materialien, aus dem Outdoor-Equipment nicht mehr wegzudenken.


Juni 1977

Erste Begehung der Pumprisse am Fleischbankpfeiler durch Helmut Kiene und Reinhard Karl

Helmut Kiene, einer der besten Kletterer der späten 70er Jahre, und der legendäre Reinhard Karl eröffnen mit den Pumprissen im Wilden Kaiser eine der wichtigsten Routen in den Anfängen der Sportkletterbewegung. Sie bewerten ihre Neutour mit dem Schwierigkeitsgrad VII. Nicht zuletzt haben sie damit die UIAA veranlasst, 1978 die Schwierigkeitsskala nach oben zu öffnen und offiziell den VII. Schwierigkeitsgrad einzuführen. Eine Maßnahme, die Reinhold Messner schon viele Jahre zuvor immer wieder gefordert hatte.


Dezember 1977

Der Trick mit dem Kick begeistert Skitourengeher

Als Weiterentwicklung der klassischen Spitzkehre ermöglicht die Kick-Kehre einen wesentlich ökonomischeren Aufstieg per Ski. Vor allem am Steilhang und in tiefem Schnee hat der Kick mit dem Absatz auf das Skiende beim Wenden große Vorteile: Der gesamte Anstieg wird kräfteschonender, die Sorge vor Verrenkungen und Unsicherheiten verringert und der gesamte Bewegungsablauf damit rhythmischer. Der Trick mit dem Kick gehört auch heute noch zum 1 x 1 des Skitourengehens.


September 1979

Erste Bergschuhe aus Kunststoff

Auf der ISPO (Internationale Sportartikelmesse) in München ist der Kunststoffbergschuh auf dem Vormarsch. In den Jahren zuvor hatte die Idee des Bergschuhs aus Kunststoff kontroverse Diskussionen ausgelöst. Schnell erkannte man aber seine Vorzüge: absolut wasserdicht, mit hochmodernen Isoliermaterialien sehr warm, äußerst stabil und mit schnell trocknenden herausnehmbaren Innenschuhen!
Heute hat der Kunststoffbergschuh im Spektrum alpiner Spezialschuhe seinen festen Platz!


September 1979

Foot Fangs – ein neuartiges Steigeisen wird vorgestellt

Ein in Konzeption und Ausstattung völlig neuartiges Steigeisen gehört zur damaligen Tendenz, auch das freie Eisklettern zu perfektionieren. Aus einem Stück gearbeitet, ermöglicht dieses 20-zackige, starre Spezialeisen kraftsparendes Klettern im Blankeis. Sechs Frontalzacken erlauben die Durchsteigungen extremster Steileisrouten vor allem auch bei der zunehmend beliebter werdenden Kletterei an gefrorenen Wasserfällen. Heute werden bei Eis- und Mixed-Routen schier unvorstellbare Schwierigkeiten geklettert.


April 1981

Sicherheitssymposium zur Hüftanseilmethode

Mediziner und alpine Sicherheitsreferenten setzen sich kritisch mit der immer mehr aufkommenden Anseilmethode mittels Hüftsitzgurt auseinander und zeigen Nachteile und Gefahren auf.
Dennoch hat sich die Hüftanseilmethode beim extremen Sportklettern mehr und mehr durchgesetzt, ermöglicht heute gut trainierten Kletterern die notwendige Bewegungsfreiheit in allerhöchsten Schwierigkeitsgraden. In Verbindung mit einem Brustgurt gilt sie als die sicherste Anseilmethode auch im alpinen Gelände.


Mai 1981

1. Internationales Sportklettertreffen in Konstein (Frankenjura)

Das monumentale Klettertreffen ist der Spiegel der "neuen Zeit", der Renaissance des Freikletterns. Neben Podiumsdiskussionen, Filmen und Informationen sind es vor allem die Aktionen und Kletterdemonstrationen, die begeistern. Das "Who is Who" der damaligen Sportkletterszene findet sich ein, kommuniziert, diskutiert oder gibt Kostproben seines Könnens: John Bachar, Ron Fawcett, Heinz Mariacher, Sepp Gschwendtner, Wolfgang Güllich, Jürg von Känel u.v.a. erleben ein kleines "Woodstock der Freikletterbewegung"!


Juli 1983

Rekordzeiten in der Eigernordwand

Der Österreicher Thomas Bubendorfer und der Südtiroler Reinhard Patscheider durchsteigen die Heckmair-Route jeweils im Alleingang unter 5 Stunden! Die schnellste Begehung in Seilschaft gelang 1974 Reinhold Messner und Peter Habeler in ca. 10 Stunden.
Vor 65 Jahren, im Juli 1938, durchstiegen Heckmair, Vörg, Kasparek und Harrer zum ersten Mal die berühmt-berüchtigte Wand. Bis heute Messlatte für die besten Alpinisten der Welt.


Dezember 1983

Erstbegehung von "Masters Edge" (England, Derbyshire)

Der britische Spitzenkletterer Ron Fawcett setzt mit der Bewältigung der gut 20 Meter hohen, messerscharfen und senkrechten Kante "Masters Edge" ein absolutes Highlight für das internationale Sportklettern. Der Allwetterkletterer Fawcett war einer der führenden Köpfe der anglo-amerikanischen Szene, die Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre alle Felsbegeisterten in ihren Bann zogen und den Geist des neuen, extremen Sport- und Freiklettergedankens manifestierten.


Oktober 1984

Bergsteiger wird nach 19 Tagen lebend aus Gletscherspalte gerettet

Mit gebrochenem Bein und Arm kämpft ein Mann 19 Tage lang um sein Leben, nachdem er auf dem Hallstätter Gletscher in eine muldenähnliche Falte des Gletschers gestürzt ist. Der bergbegeisterte 38-Jährige ist in seinem allerersten Bergjahr unterwegs im Dachsteingebirge, als er am 16. Oktober stolpert, rutscht und in die Spalte fällt. Trotz stärkster Schmerzen kann er sein Zelt aufschlagen und harrt aus. Qualvolle Selbstrettungsversuche scheitern. Im letzten Moment, kurz bevor er aufgibt und obwohl die Suche nach ihm bereits abgebrochen war, wird der Familienvater, der leider nicht hinterlassen hatte, wohin er gehen würde, durch großes Glück geborgen.


Oktober 1986

Reinhold Messner schafft seinen 14. Achttausender

Als erster Bergsteiger der Welt hat Reinhold Messner alle 14 Achttausender bestiegen und geht damit endgültig als erfolgreichster Alpinist aller Zeiten in die Geschichte ein. Wie schon vorher beim Klettern in den Alpen hat der gerade 60 Jahre alt gewordene Ausnahme-Bergsteiger beinahe unfassbare Grenzleistungen vollbracht. Bereits viele Jahre vor der offiziellen Einführung klettert der Südtiroler den VII. Grad, durchsteigt schwerste Routen an den Himalajariesen im alpinen Stil, führt atemberaubende Alleingänge durch und beweist, dass auch der allerhöchste Punkt der Erde "by fair means", also ohne künstlichen Sauerstoff, zu erreichen ist!


November 1987

Erste (inoffizielle) Hallenweltmeisterschaft im Sportklettern

Im Palais des Sports in Grenoble findet das 1. Championat Mondial d'Escalade Indoor statt. Begleitet von Skepsis, Grundsatz- und Regeldebatten, fanden sich die großen Namen der damaligen Kletterszene ein. Jacky Godoffe, Beat Kammerlander, Gerhard Hörheger, Lynn Hill und Catherine Destivelle, um nur einige zu nennen, kämpfen um den Sieg in den Disziplinen Schnell- und Schwierigkeitsklettern. 1991 findet in Frankfurt die 1. offizielle (von der UIAA ausgeschriebene) Weltmeisterschaft im Sportklettern statt.


März 1990

Lynn Hill klettert als erste Frau Schwierigkeitsgrad X+

Die amerikanische Ausnahmekletterin Lynn Hill wiederholt Rotpunkt die Route Masse Critique (8b+/X+) im südfranzösischen Cimai. Die überhängende, äußerst kraftraubende Wandkletterei war erst wenige Monate vorher von Jean-Baptiste Tribout erstbegangen worden. Wieder war ein Beweis erbracht, dass die Frauen im extremen Sportklettern mithalten können!


Jänner 1991

Der Lawinen-Airbag besteht den ersten Dummy-Test

Nach mehrjähriger Entwicklungszeit gelingt der Durchbruch für das ABS-System. Tüftler Peter Aschauer demonstriert mit Dummys die Wirksamkeit seiner Erfindung: In Fließlawinen haben Menschen mit dem bei Notfällen in wenigen Sekunden aufgeblasenen Rettungsballon dank des Aufschwimm-Effekts deutlich bessere Überlebenschancen.
Seither sind etliche Fälle dokumentiert, bei denen eindeutig der ABS-Airbag das Überleben ermöglichte.


April 1991

Felssturz im Tal von Zermatt

Geschätzte 8 Millionen Kubikmeter Fels stürzen herab und überschütten das Flussbett der Vispa. Hausgroße Felsbrocken fallen auf Schienen und Straßen. Zentimeterhoch liegt Gesteinsstaub auf den Wiesen, Häuser und Stadl werden zerstört, Vieh kommt zu Schaden, aber glücklicherweise kein Menschenleben.
In solchen Momenten wird die ungeheure Dynamik der Gebirge aus Werden und Vergehen deutlich. Geologische Prognosen und sichernde Baumaßnahmen können den Prozess zwar nicht verhindern, machen den Aufenthalt im Gebirge indes aber immens sicherer.


September 1991

"Ötzi" wird gefunden

Auf ca. 3200 m Höhe entdecken Bergwanderer "Ötzi", südlich unterm Hauslabjoch unweit der Fineilspitze. Die Eismumie gewährt seither Einblicke in die Jungsteinzeit wie noch kein anderer Fund zuvor. Verschiedenste Wissenschafts- bereiche können aufgrund des über 5000 Jahre alten "Ötzi" viele neue Ergebnisse erzielen oder bisher bekannte Fakten revidieren. Der etwa 160 cm große Eistote wurde vermutlich 45 Jahre alt und scheint wahrscheinlich Schafhirte gewesen zu sein. Bemerkenswert: "Ötzi" besaß noch alle Zähne (ohne Kariesbefall!), hatte aber eine Lunge wie ein starker Raucher wegen der offenen Feuerstellen.


August 1992

Hans Kammerlander klettert alle Matterhorn-Grate in 24 Stunden

Insgesamt rund 8.500 Höhenmeter bewältigt Hans Kammerlander mit seinem Partner Diego Wellig an der formschönen Pyramide von Zermatt. Kammerlander gehört zu den besten Allroundalpinisten und Höhenbergsteigern unserer Zeit. Aus seiner Tourenliste:
> 60 Alleinbegehungen im VI. Schwierigkeitsgrad; ca. 50 Erstbegehungen
> Eiger Nordwand (11,5 Stunden) - Matterhorn Nordwand - Grandes Jorasses Nordwand
> Drei Zinnen Nordwände - Marmolada Südwand - Civetta Nordwestwand
> Maestri-Führe am Cerro Torre in 17 Stunden
> 13 der 14 Achttausender teilweise als erster mit Ski abgefahren


Mai 1994

Der Dietmar Eybl-Preis wird ins Leben gerufen

Der Dietmar Eybl-Preis würdigt Leistungen, die zur alpinen Sicherheit beitragen. Im Focus der Juroren stehen beispielsweise innovative Neuentwicklungen im Bereich Outdoor/Bergsport, die helfen das Risiko am Berg zu minimieren.
Preisträger waren bisher u.a. Heinz Zak, Werner Munter und Peter Aschauer oder etwa auch 1995 die Österreichische Bergrettung (Kufstein) für die Alpine Notrufsäule in 1.800 Meter Höhe. Der Preis geht zurück auf den tragischen Lawinentod des Chefs von Sport Eybl, Dietmar Eybl.