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Mountainbiken rund um Wien

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Getränkevorschläge für eine Bergtour
anno 1892

Während der Tour soll man so wenig wie möglich trinken. Bei den Rasten, wo man Nahrung nimmt, trinke man zuerst einen einzigen Schluck Cognac oder einen Schluck Gebirgsbranntwein (Enzian, Wacholder, Kirsch, Weinschnaps, SPostkartelivovitz oder dergl.) und dann mäßig Wein. Beim Erreichen einer hervorragenden "Hochspitze" ist es heutzutage beliebt, ein Paar Gläser Champagner zu trinken, was selbstverständlich nicht zu verschmähen, aber auch nicht von nöthen ist. Der Champagner ist übrigens ein sehr belebendes Getränk und wird für denjenigen, der seine Kräfte stark verausgabt hat, von sehr wohlthuender Wirkung sein.
Statt des Champagners wird übrigens auch ein Gläschen alter schwerer Wein, Sherry, Marsala, Tokayer, in solchem Fall von bestem Erfolg sein, sowie überhaupt ein solcher, wenn man oben ankommt, bestens empfohlen weden kann. Auch Damen, die zumeist Weine wenig lieben, werden gut thun, bei sehr anstrengenden Touren etwas Champagner oder Astispumante mitzuführen. Beim Abstieg kann man schon ungescheut etwas mehr Getränke zu sich nehmen. Alle Spirituosen machen die Beine schwer, sind daher nur als Reizmittel, um den Magen vor einer plötzlichen Abkühlung durch kalten Wein oder Wasser zu schützen, in ganz schwachen Dosen zu nehmen. Das beste Genußmittel ist und bleibt für Bergtouren ein guter leichter Wein, und steht unter diesen der rote "Vöslauer" oben an, nächst ihm ein echter Bordeaux. Kalter Tee (am besten mit kaltem Wasser aufgegossen und "vier bis fünf" Stunden ziehen lassen) und kalter Kaffee sind gegen den Durst sehr gut und sehr beliebt, beide dürfen aber nur ganz wenig gezuckert sein.
Limonaden von Zitronen oder Zitronensäure, die von vielen über alles gepriesen wird, ist angenehm zu nehmen, löscht auch den Durst ziemlich gut, in großen Quantitäten getrunken, verursacht Selbe aber bei Vielen recht lästige Magenkrämpfe, eine Folge der starken Säure, die nicht jeder Magen verträgt.
J. Meurer, "Der Bergsteiger", 1892

Quelle: Hans Witzmann: Hausberge der Wiener, Geschichte und Geschichten

Diese hochinformative, aber auch amüsante und spannende Zeitreise durch die Wiener Hausberge, die vom Gebiet des Wienerwaldes über den Wechsel bis zum Hochschwab reicht, informiert anhand ausgewählter zeitgenössischer Texte über frühe Berg-Erschließungen, aber vor allem enthält das Buch selten veröffentlichte Originalberichte von Wanderungen und Steig-Estbegehungen sowie einige heitere Beiträge. Kral Verlag, ISBN: 978-3-902447-63-0, 160 Seiten
Bild: R. Mahn: Vereist. (Motiv einer alten Postkarte)
Ähnlich amüsant: Luis Trenkers Bergsteigergebote

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