| Die wohl längste Mauer Wiens, nämlich die des Lainzer Tiergartens, ist das bestimmende – und leitende Element der Lainzer Tiergarten-Strecke. Doch wer dabei an steinerne Hässlichkeit, Eintönigkeit und ausgesperrte Natur denkt, irrt. Die Natur des Tiergartens setzt sich stellenweise außerhalb der Mauer fort, am Weg etliche herausfordernde Bike-Passagen und außerdem unternimmt man einen Ausflug ins Weltall.
Die Route
Eines vorweg: Diese Strecke ist keineswegs eine Spazierfahrt und "Fun"-Strecke, wie es die Mbike-Karte vorgibt. Im Gegenteil: Einige Passagen verlangen ein hohes Maß an Technik, Mut und Ausdauer, also alles, was dem Power-Rider Spaß macht. Für weniger Routinierte und Trainierte heißt es stellenweise schieben.
Wir steigen auf beim Nikolaitor in Wien Auhof und prüfen in der Himmelhofgasse, ob die Gangschaltung bis zum letzten Ritzel funktioniert. Ein asphaltierter Weg führt die Mauer entlang – DIE Mauer, die Wiener Mauer sozusagen, wird uns auf der gesamten Strecke Hauptmarkierung und Leitsystem sein. Wir passieren die Markwardstiege, bleiben aber in der Himmelhofgasse, bis wir rechts auf den asphaltierten Carolaweg einbiegen. Hier weiter bergauf bis zum seinem Ende (Stiege), wo wir wieder auf unsere Mauer treffen. Ihr folgen wir über eine Wiese, von wo sich ein Traumausblick auf den Westen der Bundeshauptstadt eröffnet. Ohne es zu wissen, passieren wir hier auch einen sportlich historischen Ort, wo bis 1980 die "Himmelhof-Schanze", über die Skispringer ihrem Sport frönten. Zwischen 1948 und 1949 aus Holz errichtet, ließ die Schanze Sprungweiten bis 36,5 Meter zu. Die meistbesuchte Veranstaltung an dieser Schanze war die Wiener Meisterschaft am 12. Jänner 1953 vor 20.000 Besuchern (!). Mit 42 Metern Weite wurde 1960 von Klaus Fichtner aus Tirol der Schanzenrekord aufgestellt. Die immer schneeärmeren Winter, die veraltete Anlage und die fehlende Infrastruktur führten zur Einstellung des Sprungbetriebs. Am 1. Juni 1980 wurde die Schanze durch Brandstiftung derart beschädigt, dass sie in der Folge abgetragen werden musste. Soweit zur Geschichte dieses Ortes, der nun einsam und verwildert vor uns liegt.

Wir richten unser Augenmerk wieder auf die Mauer, der wir steil bergan folgen, ehe wir uns in einer parkähnliche Anla ge erholen können. Dann das erste echte Kriterium, ein rustikales Abwärtsstück über Stock und Stein und Wurzelwerk, wem die Steilheit nicht geheuer ist, steigt hier am besten erstmals vom Ross. Macht nichts, sieht eh niemand. Außer vielleicht der Kuckuck, dessen Ruf weithin durch den Wald hallt, und die Einsamkeit des Wienerwaldes noch unterstreicht. Den Tiefpunkt der Kletterpassage erreichen wir beim sog. Adolfstor am Hackenberg. Wer Glück hat, wird durch vergitterte Zaunlöcher die Hauptbewohner des Lainzer Tiergartens beobachten können: Wildschweine. Nun erholsam, weil eben dahin der Mauer nach. Gelbweiß fächern sich die Strahlen der Nachmittagssonne durch die Blätterkronen, irgendwo dort oben singt der Kuckuck sein ewiges Lied.
Der Weiterweg führt durch etwas kompliziertes Gasslwerk: Leicht bergab zum Sankt Veiter-Tor (1 Std.), auf Schotterstraße und schließlich auf asphaltiertem Wanderweg zwischen Mauer und Kleingärten zu einem Kreisverkehr in der Joseph-Lister-Gasse. Gegenüber auf Wanderweg leicht bergab zu querverlaufender Forststraße, auf dieser rechts (rot markiert) zur Friedensstadtgasse, am Kleinen Ring in die Hermesgasse und zum Lainzer Tor, mit dem Besucherzentrum und der nahe Hermesvilla gleichsam das von Menschenmassen belagerte Haupttor des Tiergartens. Für uns Stille-Sucher heißt das, sich flott durchzuducken, um dem Rummel möglichst schnell auszukommen.
Der gleich danach folgende idyllisch gelegene Lainzer Teich wird vom Lainzerbach, der im Lainzer Tiergarten entspringt. Wir pedallieren durch die Treumannstraße zur Modl-Torman-Gasse und durch die Wittgensteinstraße bis zu deren Ende. Sobald es an Weingärten vorbei geht, sollten wir unsere Augen offen halten, ergibt sich doch von hier aus ein imposanter Ausblick über das südliche Wien. Beim Elisabethtürl sollten wir uns g ut festhalten, beginnen wir hier doch einen Ausflug ins Weltall. Auf dem folgenden "Planetenweg" ist unser Sonnensystem im Maßstab 1:1 Milliarde (1 mm entspricht 1000 km in Wirklichkeit) dargestellt. Auch die Größe der Darstellungen von Sonne und Planeten entspricht diesem Maßstab. Während wir also zu Beginn die Sonne als Scheibe mit 1,4 Metern Durchmesser vorfinden, ist die Erde gerade mal in Haselnussgröße zu sehen. Wir fliegen nun also durch die endlosen Weiten des Weltraums – und das macht wirklich Spaß! Entlang der Tiergartenmauer geht es zunächst zum Merkur als innerstem Planeten. Weiter geht’s zur Venus und durch den Maurer Wald zur Erde. Es folgen Mars und Jupiter. Nun werden die Abstände zwischen den Planeten immer weiter. Und auch wir genießen den ebenen Weg, auf dem wir uns fühlen, als würden wir durch ein grünfarbenen All aus Bäumen und Wiesen gleiten. Bis zum Ringplaneten Saturn braucht es schon seine Zeit. Dann aber dauert es bis zum Gütenbachtor, bis die Tafel des Uranus auftaucht! Der Weg vom Gütenbachtor weiter Richtung Laab verläuft abwechslungsreich über Wiesen und im Wald. Da zirpt und summt und brummt es, dass es eine Freude ist. Und es erstmals wirklich waldig, steinig, rutschig und wurzelig! Zünftig bergab in den Diebsgraben balanciert und getrailt. Achtung nach Regenfällen, dann kann dieser Wegabschnitt durch den Deutschordenswald hundig sein. Aber es macht Spaß! Bei einer Unterstandshütte lenken wir nach rechts Richtung Dreihufeisenberg, um auf einer Forststraße bis zum Laaber Tor bergan zu treten, wo wir Pluto und das Ende des Planetenweges erreichen.
Nun auf Asphalt kurz bergab Richtung Laab im Walde und vor den ersten Häusern rechts auf Forststraße (Schranken) bergauf. Wer hier Anfang Juni und am späten Nachmittag unterwegs ist, wird in die untergehende Sonne fahren. Die Auffahrt zum Dreihufeisenberg hängt sich an, Höhenmeter um Höhenmeter wuchten wir uns hoch, entschädigt für die Mühe werden wir durch einen Panoramablick über den Lainzer Tiergarten. Sobald wir wieder in Rufweite der Mauer gekommen sind, ist’s beinahe geschafft. Bei der westlichen Mauerecke der Tiergartens verlassen wir die Forststraße nach rechts und folgen dem rot-grün markierten Wanderweg nach "Ha-Wei" (Hadersdorf, Weidlingau) leicht bergab, dann steil bergauf zum höchsten Punkt der Strecke auf 518 m. Hier allerdings beginnt DAS Kriterium der Strecke, der sehr steile Pfad bergab. Der hat es wirklich in sich und ist nur von trainierten Hardcore-Cowboys zu schaffen. Einer davon kommt mir in entgegengesetzter Richtung entgegen (!!), tretend, nicht gehend (!!) – ein Verrückter. Dieser Pfad hat also nichts mit "Fun" zutun, sondern mit purer Power. Dass wir absitzen und den Gaul langsam ablassen, hat allerdings auch sein Gutes, so entdecken wir nämlich die Erdbeer-Stauden am Weg. Wir bleiben stehen und pflücken am Rand der Weltmetropole Wien herrlich mundende Walderdbeeren! Die Liebe zum Rad geht halt auch durch den Magen. Und die Augen. Denn die haben mit dem Traumblick über den Wienerwald auch einiges zu futtern. So gesehen schmeckt dieser selektive Single-Trail durchaus gut.

Verflacht sich der Weg endlich, passieren wir hin und wieder kleine Rinnsale, die durch Maueröffnungen in den Tiergarten verschwinden. Im Frühling feiern in den hiesigen kleinen Lacken die Kröten fröhliche Urständ: Da hocken sie zu zweit, zu dritt, ja sogar zu viert übereinander, da wird besprungen und gerungen, da wird gebalzt und gewalzt, was das Zeug und das Weibchen hält. Untermalt wird alles vom aufgeregten Hämmern der Spechte – und natürlich vom anfeuernden Ruf des Kuckucks. Die Naturidylle des Lainzer Tiergartens setzt sich also nahtlos auch außerhalb fort. Auf Schotterstraße und Wanderweg weiter zur Glasgrabenwiese, wo es stets nach Sommer riecht, über diese und weiter entlang der Mauer und ein paar Meter steil bergauf zur Autobahnüberführung (Gatter). Nach einem zweitem Gatter bergauf und auf Schotterstraße bergab, bis wir unter der Autobahn hindurch zum großen Parkplatz in Hacking gelangen, gleich danach das Pulverstampftor passieren und in die Hofjagdstraße einschwenken, um auf dieser neben der Westeinfahrt der A1 in die Auhofstraße und zum Nikolaitor gelangen.
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Lexikon: Lainzer Tiergarten
Der Lainzer Tiergarten ist ein öffentlich zugängliches Naturschutzgebiet in Wien, das von der Magistratsabteilung 49– Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien verwaltet und betreut wird. Er ist ein Tiergarten im Sinne eines weitläufigen Waldgebietes mit reichem, innerhalb des Gartens frei lebendem Wildbestand. Als dieses Schutzgebiet ist es auch Bestandteil des Biosphärenparks Wienerwald.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)
Der arme Schlucker
Legendär auch die Mauer des Tiergartens und dessen Erbauer namens Philipp Schlucker. Er hatte 1782 von Kaiser Joseph II. den Auftrag erhalten, die 24 Kilometer lange Mauer des Lainzer Tiergartens zu errichten. Leider hat er sich bei seinem Kostenvoranschlag gewaltig verschätzt. Trotzdem musste er die mehrere Jahre dauernde Arbeit fertig bringen. Fortan nannten ihn die Wiener "den armen Schlucker". Diese Redewendung hat sich bis heute als Bezeichnung für einen armen Tropf erhalten.
Planetenwanderweg um den Lainzer Tiergarten
Am sechs Kilometer langen Planetenwanderweg durchwandert man ein maßstabgetreues Sonnensystem. Zudem erfährt man auf dem entlang der Lainzer Tiergartenmauer führenden Weg Interessantes und Wissenswertes über unser Sonnensystem. Der Weg beginnt am Ende der Wittgensteinstraße im 13./23. Bezirk und ist als Ergänzung zum nahen Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg gedacht.
Die Tour durchs Weltall dauert rund 1,5 Stunden. Maßstabsgetreu im Verhältnis eins zu einer Milliarde sind entlang des Weges Sonne und Planeten sowie deren Abstände zueinander visualisiert worden. Auch die Größe der Darstellungen von Sonne und Planeten wurde entsprechend dargestellt.
Während Eltern und Kinder die Sonne am Planetenwanderweg in Wien als Scheibe mit 1,4 Metern Durchmesser vorfinden, ist die Erde gerade mal in Haselnussgröße zu sehen.
Interessante Informationen erfahren die Wanderer auf Schautafeln entlang des Weges und sehen imposante Bilder von der Sonne und den Planeten. Informationsblätter liegen am Weganfang in der Wittgensteinstraße, in der Wegmitte beim Gütenbachtor und am Wegende zur freien Entnahme auf. Der Planetenwanderweg endet beim Laaber Tor.
Mehr Infos unter www.astronomisches-buero-wien.or.at |