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Mountainbiken rund um Wien

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Adagio – Die Melodie der Donau
Donauradweg Melk – Krems – Tulln

Donauradweg

Mai 2008

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Wein, Bike und Gesang am Donauradweg, einem der schönsten Radwege Europas! Tempo di valse! Zeit des Walzers – Johann Strauss hat die Musik, die die Donau und ihre Ufer verströmen, in unserer heimlichen Hymne verewigt, diese Musik gilt es zu erspüren, einzuatmen, den ¾-Takt auf die Pedale zu übertragen. In der Wachau tut man sich damit nicht schwer, ist diese Landschaft doch selbst eine geniale Komposition aus Klängen und Farben, aus Gestalt gewordener Geschichte und süßem Veltliner, aus rebenbestandenen und mit Burgruinen dekorierten Hügeln, aus gold und grün gestreiftem Ackerland und mit blühendem Oleander geschmückten Gärten. Wer nahe am Strom fährt, wird das Tremolo der Wellen vernehmen, die ans Ufer schlagen, den Gesang der Reiher und Möwen, die Stimme des Akkordeons aus manchen Heurigen. Aber es ist nicht nur ein Konzert der Klänge, sondern auch der Farben. Vom Weiß der Marillenblüte im April, über das satte Grün der Weinberge im Spätsommer bis eben zum Blau der Donau, das wirklich blau ist, wenn sich der Himmel darin spiegelt – ja, das Weltkulturerbe Wachau ist ein Gesamtkunstwerk, das passendste Instrument, um in dieses Kunstwerk einzudringen, ist Fahrrad.

Bevor wir losfahren, sei nur eines geraten: die Wachau ist nicht dazu geschaffen, durchrast zu werden, nein, sie gehört erfühlt, eratmet, e r l e b t, also adagio, adagio – gemach, gemach!

Melk – Krems

Melk – Schönbühel – Auenweg – Aggsbach Dorf – Aggstein – Mitterarnsdorf – Rossatz – Mauern – Krems

Powerstrecke, 46 km, 3 Stunden

Stift Melk
Das Stift Melk muss man gesehen haben.

Schloss Schönbühel
Das Schloss Schönbühel bewacht den Eingang zur Wachau

Wachau
Kurz vor Dürrenstein

Spitz
Wachau-Idylle pur

Wir sitzen auf in Melk, diesem kulturgeschichtlichen Juwel der Sonderklasse, wo auch Familie Mozart zwei Mal Station gemacht hat. Das Stift und seine Kirche mit ihren Fresken und bibliophilen Schätzen muss bestaunt haben.
Für welches Ufer man sich dann entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Linkes (Südufer) oder rechtes (Nord-)Ufer? Links- oder Rechtswalzer? Beide Seiten haben ihre Vorzüge. Während das rechte Donauufer mit seinen malerischen Obst- und Marillengärten als das beschaulichere gilt, fädeln sich am linken Ufer die Orte der großen Weinkultur auf wie Weißenkirchen oder Spitz. Einerlei – Brücken oder Fähren erlauben später noch mehrmals einen Wechsel zwischen den Ufern. Weil wir das Nordufer schon vom Wandern und Vorbeifahren kennen, also alles einmal aus der anderen Perspektive erfahren wollen, wählen wir das Südufer.

Wir treten an. Kühler Wind umweht uns genauso wie das typische, etwas modrig anmutende Bouquet der Donau. In manchen Buchten bleiben wir stehen, lassen uns von der Melodie des Flusses gefangen nehmen. Gleich nach Melk ein Bilderbuch-Motiv: Das Schloss Schönbühel. Ruderer paddeln am Ufer entlang, uneinnehmbar bewacht das Schloss den Eingang zur Wachau. Nun um das Schloss herum in den Schönbichler Auwald, ein für die Wachau außergewöhnlicher Natur-Schatz: saftige, wild wuchernde Aulandschaft inmitten der spröden Weinberge. Mit etwas Glück lassen sich auch Biber bei ihrer Baumfäll-Arbeit beobachten.

Nächste Station Aggsbach Dorf mit der ersten Möglichkeit per Fähre ans andere Ufer zu wechseln. Wir bleiben aber am Südufer, allerdings leider auf Straße, während sich der Uferradweg gerade in Fertigstellung befindet. Sobald wir unter der Ruine Aggstein hindurchtauchen, ziehen am anderen Ufer Willendorf, Schwallenbach und Spitz vorüber. All diese kulturhistorischen Weindörfer aus der Ferne betrachten zu können, hat auch etwas für sich, denn nur in der Zusammenschau mit den Weinterrassen hinter und der Donau vor ihnen wird ihre ganze Anmut fassbar. Außerdem durchradeln wir in Mitterarnsdorf sowieso ein typisches Wachauer Weindorf. Vor Rossatz geht's fernab vom Ufer durch Weingärten und Siedlungen, ehe die Ruine Dürnstein eine weitere Sehenswürdigkeit ankündigt. Weiterhin adagio gen Mautern, wo auf die andere Seite der Donau, nach Krems gewechselt wird.
Krems, DIE Kulturhauptstadt der Region: Die "Kunstmeile" mit ihrer Kunsthalle, das Karikaturmuseum, die Artothek, das Haus der Regionen etc. etc. bieten Kunstgenuss auf höchstem Niveau. Zeit, abzusteigen, die Gäule irgendwo anzubinden und den vom vielen Asphalt lädierten Hintern eine gepolsterte Unterlage zu gönnen. Im kleinen Innenhof des "Kosterstüberls" in einer der idyllischen Seitengassln der Innenstadt von Krems finden wir im Überfluss, was wir suchen: ein kühles und ruhiges Platzl, nette Bedienung und beste Gaumenfreuden.

Dürrenstein
Nur in der Zusammenschau mit den Weinterrassen hinter und der Donau vor ihnen wird die ganze Anmut der Dörfer fassbar.

Krems – Tulln

Krems – Theiß – Kraftwerk Altenwörth – Zwentendorf – Klein- und Langenschönbichl – Tulln

Powerstrecke, 39 km, 4 Stunden

Donau
Adagio, adagio am Ufer entlang

 

 

 

 

 

 

 



Vor Tulln

Nun auf sicheren Radwegen aus Krems und der Wachau hinaus und auf Güterwegen durch Felder und Wälder bis zum EVN-Werk Theiß. Ab hier wieder am Ufer der Donau entlang. Mehr adagio als allegro, gemach, gemach, wir verwachsen mit dem Fluss, eignen uns dessen ebenmäßigen, ruhig ein- und ausatmenden Rhythmus an, für mich einer der schönsten Abschnitte der Tour, da ein besonders meditativer Weg, auf dem man ungestört mehr gleitet als strampelt, mehr dahinfliegt als arbeitet. Nicht der siebte Gang oder der 12. ist hier der optimale, sondern allein der Müßig-Gang. Linker Hand manchmal eine kleine Au, rechts immer die treu uns begleitende Donau.
Wo es uns gefällt, steigen wir vom Rad, der Sattel wird immer härter oder der Hintern immer weicher, wie man es nimmt, lassen uns ins Gras fallen, schauen dem Fluss zu und den Schwänen, die da im Strom stehen, als würde nichts strömen – wir haben es ja nicht eilig, gemach, gemach, lautet das Prinzip am Ufer der Donau.

An der Donau
Wir zelebrieren den Müßigang ...

Etwa eine Stunde geht es so dahin, ehe wir beim Kraftwerk Altenwörth die Donau übersetzen (müssen).

Danach wieder der Donau entlang bis Zwentendorf. Ab Kleinschönbichl wird das Ufer verlassen und über Felder durch Langenschönbichl geradelt, ehe es zum Finale wieder an die Donau geht. Für die Sehenswürdigkeiten von Tulln haben wir keine Augen mehr, zusehr verlangen sie danach, geschlossen zu werden. Hinter uns liegen 85 km oder 85 Sätze einer traumhaften Melodie, der Melodie der Donau.

Tulln
In Tulln ist es vollbracht ...


Schwierigkeiten:
Für die rund 85 km sind trotz der ebenen, aber zumeist über Aspahlt führenden Strecke gutes Sitzfleisch (oder noch besser: ein gut gepolsterter Sattel) und ausreichend Strampelkondition gefragt.
Bewertung:
Powerstrecke
Gesamthöhenmeter:
keine
Gesamtfahrzeit:
6-7 Stunden (für Genießer), Power-Fahrer werden die Strecke sicher schneller schaffen ...
Streckenlänge:
85 km
Attraktionen:
Stift Melk, Ruine Aggstein, Krems, Tulln
Einkehrmöglichkeiten:
Jede Menge am Weg
Karte:

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