Wein, Bike und Gesang am Donauradweg, einem der schönsten Radwege Europas! Tempo di valse! Zeit des Walzers – Johann Strauss hat die Musik, die die Donau und ihre Ufer verströmen, in unserer heimlichen Hymne verewigt, diese Musik gilt es zu erspüren, einzuatmen, den ¾-Takt auf die Pedale zu übertragen. In der Wachau tut man sich damit nicht schwer, ist diese Landschaft doch selbst eine geniale Komposition aus Klängen und Farben, aus Gestalt gewordener Geschichte und süßem Veltliner, aus rebenbestandenen und mit Burgruinen dekorierten Hügeln, aus gold und grün gestreiftem Ackerland und mit blühendem Oleander geschmückten Gärten. Wer nahe am Strom fährt, wird das Tremolo der Wellen vernehmen, die ans Ufer schlagen, den Gesang der Reiher und Möwen, die Stimme des Akkordeons aus manchen Heurigen. Aber es ist nicht nur ein Konzert der Klänge, sondern auch der Farben. Vom Weiß der Marillenblüte im April, über das satte Grün der Weinberge im Spätsommer bis eben zum Blau der Donau, das wirklich blau ist, wenn sich der Himmel darin spiegelt – ja, das Weltkulturerbe Wachau ist ein Gesamtkunstwerk, das passendste Instrument, um in dieses Kunstwerk einzudringen, ist Fahrrad.
Bevor wir losfahren, sei nur eines geraten: die Wachau ist nicht dazu geschaffen, durchrast zu werden, nein, sie gehört erfühlt, eratmet, e r l e b t, also adagio, adagio – gemach, gemach!
Das Schloss Schönbühel bewacht den Eingang zur Wachau
Kurz vor Dürrenstein
Wachau-Idylle pur
Wir sitzen auf in Melk, diesem kulturgeschichtlichen Juwel der Sonderklasse, wo auch Familie Mozart zwei Mal Station gemacht hat. Das Stift und seine Kirche mit ihren Fresken und bibliophilen Schätzen muss bestaunt haben.
Für welches Ufer man sich dann entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Linkes (Südufer) oder rechtes (Nord-)Ufer? Links- oder Rechtswalzer? Beide Seiten haben ihre Vorzüge. Während das rechte Donauufer mit seinen malerischen Obst- und Marillengärten als das beschaulichere gilt, fädeln sich am linken Ufer die Orte der großen Weinkultur auf wie Weißenkirchen oder Spitz. Einerlei – Brücken oder Fähren erlauben später noch mehrmals einen Wechsel zwischen den Ufern. Weil wir das Nordufer schon vom Wandern und Vorbeifahren kennen, also alles einmal aus der anderen Perspektive erfahren wollen, wählen wir das Südufer.
Wir treten an. Kühler Wind umweht uns genauso wie das typische, etwas modrig anmutende Bouquet der Donau. In manchen Buchten bleiben wir stehen, lassen uns von der Melodie des Flusses gefangen nehmen. Gleich nach Melk ein Bilderbuch-Motiv: Das Schloss Schönbühel. Ruderer paddeln am Ufer entlang, uneinnehmbar bewacht das Schloss den Eingang zur Wachau. Nun um das Schloss herum in den Schönbichler Auwald, ein für die Wachau außergewöhnlicher Natur-Schatz: saftige, wild wuchernde Aulandschaft inmitten der spröden Weinberge. Mit etwas Glück lassen sich auch Biber bei ihrer Baumfäll-Arbeit beobachten.
Nächste Station AggsbachDorf mit der ersten Möglichkeit per Fähre ans andere Ufer zu wechseln. Wir bleiben aber am Südufer, allerdings leider auf Straße, während sich der Uferradweg gerade in Fertigstellung befindet. Sobald wir unter der Ruine Aggstein hindurchtauchen, ziehen am anderen Ufer Willendorf, Schwallenbach und Spitz vorüber. All diese kulturhistorischen Weindörfer aus der Ferne betrachten zu können, hat auch etwas für sich, denn nur in der Zusammenschau mit den Weinterrassen hinter und der Donau vor ihnen wird ihre ganze Anmut fassbar. Außerdem durchradeln wir in Mitterarnsdorf sowieso ein typisches Wachauer Weindorf. Vor Rossatz geht's fernab vom Ufer durch Weingärten und Siedlungen, ehe die Ruine Dürnstein eine weitere Sehenswürdigkeit ankündigt. Weiterhin adagio gen Mautern, wo auf die andere Seite der Donau, nach Krems gewechselt wird.
Krems, DIE Kulturhauptstadt der Region: Die "Kunstmeile" mit ihrer Kunsthalle, das Karikaturmuseum, die Artothek, das Haus der Regionen etc. etc. bieten Kunstgenuss auf höchstem Niveau. Zeit, abzusteigen, die Gäule irgendwo anzubinden und den vom vielen Asphalt lädierten Hintern eine gepolsterte Unterlage zu gönnen. Im kleinen Innenhof des "Kosterstüberls" in einer der idyllischen Seitengassln der Innenstadt von Krems finden wir im Überfluss, was wir suchen: ein kühles und ruhiges Platzl, nette Bedienung und beste Gaumenfreuden.
Nur in der Zusammenschau mit den Weinterrassen hinter und der Donau vor ihnen wird die ganze Anmut der Dörfer fassbar.
Nun auf sicheren Radwegen aus Krems und der Wachau hinaus und auf Güterwegen durch Felder und Wälder bis zum EVN-Werk Theiß. Ab hier wieder am Ufer der Donau entlang. Mehr adagio als allegro, gemach, gemach, wir verwachsen mit dem Fluss, eignen uns dessen ebenmäßigen, ruhig ein- und ausatmenden Rhythmus an, für mich einer der schönsten Abschnitte der Tour, da ein besonders meditativer Weg, auf dem man ungestört mehr gleitet als strampelt, mehr dahinfliegt als arbeitet. Nicht der siebte Gang oder der 12. ist hier der optimale, sondern allein der Müßig-Gang. Linker Hand manchmal eine kleine Au, rechts immer die treu uns begleitende Donau.
Wo es uns gefällt, steigen wir vom Rad, der Sattel wird immer härter oder der Hintern immer weicher, wie man es nimmt, lassen uns ins Gras fallen, schauen dem Fluss zu und den Schwänen, die da im Strom stehen, als würde nichts strömen – wir haben es ja nicht eilig, gemach, gemach, lautet das Prinzip am Ufer der Donau.
Wir zelebrieren den Müßigang ...
Etwa eine Stunde geht es so dahin, ehe wir beim Kraftwerk Altenwörth die Donau übersetzen (müssen).
Danach wieder der Donau entlang bis Zwentendorf. Ab Kleinschönbichl wird das Ufer verlassen und über Felder durch Langenschönbichl geradelt, ehe es zum Finale wieder an die Donau geht. Für die Sehenswürdigkeiten von Tulln haben wir keine Augen mehr, zusehr verlangen sie danach, geschlossen zu werden. Hinter uns liegen 85 km oder 85 Sätze einer traumhaften Melodie, der Melodie der Donau.
In Tulln ist es vollbracht ...
Melk
Im Jahr 831 wird Melk erstmals urkundlich als "Medilica" erwähnt. Auch im Nibelungenlied wird der Ort mit dem mittelhochdeutschen Namen Medelike erwähnt.
Leopold I., 976 mit dem Gebiet des heutigen Südwestens Niederösterreichs als Markgraf belehnt, machte die Burg in Melk zu seiner Residenz und seine Nachfolger statteten sie mit wertvollen Schätzen und Reliquien aus.
Adalbert der Siegreiche, Markgraf von Österreich, residierte in der Babenbergerburg Melk, wo er am 26. Mai 1055 starb. 1089 übergab Markgraf Leopold II. die Burg Benediktinermönchen aus Lambach. Seither leben und wirken im Stift Melk bis heute in ununterbrochener Folge Mönche nach der Regel des hl. Benedikt. Schon seit dem 12. Jahrhundert ist eine Schule mit dem Kloster verbunden, in der Bibliothek wurden wertvolle Handschriften gesammelt und angefertigt.
Melk erhielt 1227 Marktrecht. Zur Zeit der Melker Reform im 15. Jahrhundert war das Stift Ausgangspunkt einer der bedeutendsten mittelalterlichen Klosterreformen und unterhielt enge Verbindungen zu den Humanisten an der Wiener Universität.
1898 wurde Melk zur Stadt erhoben.
Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist das hoch über der Donau gelegene barocke Benediktinerkloster Stift Melk, das als einer der bedeutendsten Barockbauten und meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Österreich und heute zum Weltkulturerbe zählt. Das Stift steht das ganze Jahr über zur Besichtigung offen.
Seit mehr als 1000 Jahren ist Stift Melk ein geistliches und kulturelles Zentrum des Landes. Nach seinen Anfängen als Babenbergerburg wurde es im 11. Jahrhundert zu einem Benediktinerkloster, in dem eine Schule eingerichtet und fortan kostbare Handschriften gesammelt und angefertigt wurden.
1702 – 1736 entstand nach Plänen von Jakob Prandtauer der großartige Barockbau, der in damaligen Zeiten die wichtige Stellung des Stifts sowie seines früheren Abtes Berthold Dietmayr unterstrich.
Heute hat sich Stift Melk als signifikantes geistliches und geistiges Zentrum etabliert; dem Kloster sind 23 Pfarren angeschlossen, ein Gymnasium und ein Gästehaus, zudem spielen Wirtschaft, Kultur und Tourismus für das Haus eine große Rolle.
Hauptattraktionen sind die Kaiserstiege, das moderne Stiftsmuseum, das in den ehemaligen Kaiserzimmern untergebracht ist, der Marmorsaal und die Stiftsbibliothek, wuchtige, imposante barocke Räumlichkeiten mit Fresken von Paul Troger. Die Altane gewährt einen Ausblick auf die Donaulandschaft, die Stiftskirche ist mit Fresken von Johann M. Rottmayr dekoriert.
Sehenswert auch der auf mehreren Etagen angelegte Stiftspark mit barockem Gartenpavillon (Fresken von Johann Bergl), einer 250 Jahre alten Lindenallee und dem „Paradiesgärtlein", einer Feuerstelle und einigen zeitgenössischen Eisenskulpturen des Neuhofner Bildhauers Miguel Horn. Stiftspark und Gartenpavillon haben von 1. Mai bis 31. Oktober in der Zeit von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Ruine Aggstein
Neueste Erkenntnisse erlauben eine Datierung der ältesten Mauerreste der Burgruine Aggstein in die Zeit um 1200.
Indirekt wird die Burg mit Perchtold von Achstein im Jahre 1256 erstmals urkundlich erwähnt.
Die Kuenringer – ein mächtiges Ministerialengeschlecht im 12. und 13. Jahrhundert – werden oft mit Aggstein in Verbindung gebracht bis sie im 14. Jahrhundert aussterben.
1606 ist Anna von Polheim-Parz die erste private Besitzerin der Burg und führt Renovierungen durch. Danach verfällt die Burg Aggstein zur Ruine bis die sagenhafte Ruine im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und zum Ausflugsziel umgebaut wird. Heute zählt die Ruine zu den berühmtesten Ritterburgen Österreich und fasziniert Besucher jeden Alters. Romantische Höfe, mächtige Türme, spannende Aus-stellungen sowie eine Kapelle, ein Rittersaal und eine Taverne laden ein, längst vergangene Zeiten selbst zu erkunden.
Krems
Die 24.000 Einwohner zählende Donaustadt und Weinstadt Krems kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte bereits im Jahre 995, und zwar als Münzstätte und Donaumautstelle. Eine wunderschöne Altstadt (Fußgängerzone) mir ihren zahlreichen Gebäuden aus der Romanik, der Gotik, der Renaissance und dem Barock geben ein Zeugnis davon.
Tulln
Tulln an der Donau ist der politische und wirtschaftliche Mittelpunkt des fruchtbaren Tullnerfeldes, das im Süden vom Wienerwald, im Norden vom Wagram begrenzt wird. Inmitten von Gärtnereien wird Tulln auch als Blumenstadt bezeichnet. Mit 42 Schau- und Mustergärten und vielen Attraktionen rund um das Thema Garten hat sich Tulln in jüngster Zeit als Gartenstadt etabliert (Niederösterreichs Landesgartenschau).
Tulln ist aber auch eine der ältesten Städte Österreichs. Der Name Tulln kommt wahrscheinlich aus dem keltischen, jedoch kann diese Theorie nicht bestätigt werden. Schon in vorrömischer Zeit besiedelt, wurde es in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Chr. das römische Reiterkastell Comagena, bzw. Comagenis, auch Stützpunkt der römischen Donauflotille. In den letzten Jahren der Römerherrschaft wird von einem Besuch des hl. Severin und der wunderbaren Rettung der Stadt vor den Barbaren berichtet.
Nach dem Nibelungenlied empfing in Tulln der Hunnenkönig Etzel Siegfrieds Witwe Kriemhilde, ein Ereignis, dem im Jahr 2005 ein Brunnen gewidmet wurde. Noch am Ende des 8. Jahrhunderts als Stadt (Comagenis civitas) genannt, wird sie 859 erstmalig mit dem Namen Tullina urkundlich erwähnt. In der Karolingerzeit Gerichtsstätte und Sitz eines Grafen, erlangt Tulln in der Zeit der Babenberger Markgrafen als Residenz und Donauhandelsplatz große Bedeutung, sodass sie als eine Hauptstadt des Landes bezeichnet wurde. Diese Stellung verliert Tulln durch den Aufschwung Wiens und eine Reihe schwerer Belastungen (Andringen der Donau, Verlagerung der Handelswege, große Brände, kriegerische Drangsale, Türkeneinfälle, Dreißigjähriger Krieg, Franzoseninvasion). 1683 steht Tulln im Blickpunkt der europäischen Geschichte als Sammelplatz des Entsatzheeres des heiligen römischen Reiches zur Befreiung Wiens von den Türken.
Neuer Aufschwung setzte mit dem 19. Jahrhundert ( Donaubrücke, Bau der Franz Josefs-Bahn, Bezirkshauptmannschaft) und im 20. Jahrhundert (Schulen, Industrie) ein. 1986 bewarb sich Tulln als Landeshauptstadt, St. Pölten wurde jedoch gewählt.
Schwierigkeiten:
Für die rund 85 km sind trotz der ebenen, aber zumeist über Aspahlt führenden Strecke gutes Sitzfleisch (oder noch besser: ein gut gepolsterter Sattel) und ausreichend Strampelkondition gefragt.
Bewertung:
Powerstrecke
Gesamthöhenmeter:
keine
Gesamtfahrzeit:
6-7 Stunden (für Genießer), Power-Fahrer werden die Strecke sicher schneller schaffen ...