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Mountainbiken rund um Wien

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Hot Route Wienerwald
Anninger – Lindkogel

Hot Route

Power, Wienerwald, Oktober 2014, Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Die "Hot Route" (1.500 Höhenmeter, 58 km) über die Wienerwald-Granden Anninger und Lindkogel beinhaltet einige der heißesten Passagen des hiesigen Mountainbike-Netzes: die Auffahrt durch eine einzigartige Föhrenallee zum Anninger, die traumhafte Flusspromenade durch das Helenental, die selektivste Wienerwald-Abfahrt über den Sooßer Lindkogel; der Epilog schließlich führt durch die bekannteste Weingegend des Wiener Umlandes ...

Die Route

Aufgesessen am Fuß der Goldenen Stiege beim traditionellen Waldgasthaus Bockerl (www.bockerl.at) am Rande von Mödling, das dort seit über 100 Jahren seinen Standort hat. In sanft ansteigenden Serpentinen folgen wir der Anninger-Strecke unter einem imposanten Baldachin von Föhrenkronen hinauf bis zum Naturdenkmal "Kleine Breite Föhre", einer Miniatur-Ausgabe des berühmten Bruders weiter oben. Die so anders aussehenden, nur auf Kalksteinboden wachsenden Schirmföhren – Wienerisch auch "Parapluiebäume" – deuten darauf hin, dass wir uns im Naturpark Föhrenberge befinden, der von Perchtoldsdorf im Norden über Mödling bis Gumpoldskirchen reicht. Weiter mal steiler, mal flacher zum Naturdenkmal Breite Föhre. Ein Gedenkstein erinnert daran, dass hier ein 450 Jahre alter, imposanter Baum gestanden sei, in dessen Schatten sich dereinst Franz Schubert, Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven neue Inspiration gesucht haben sollen. Die nette Umgebung jedenfalls macht’s durchaus glauben. Den Baum gibt es übrigens nicht mehr, er wurde – schon abgestorben – in den 1990er-Ast für Ast abgebaut, nummeriert und ins Niederösterreichische Landesmuseum St. Pölten transferiert, wo er als konservierter Baum mit VIP-Charakter von aller Welt bewundert werden kann. Wir steigen wieder auf und steigen unschwierig zur ebenfalls mehr als 100 Jahre alten Waldrast "Krauste Linde" auf. Danach steilt sich die Forststraße ein wenig auf, die letzten Kurven vor dem Anninger Schutzhaus ergeben ein würdiges, aber kräftezehrendes Finale des Prologs. Mit dem ebenfalls mehr als 100 Jahre alten Anningerhaus haben wir die erste Bergetappe unserer Hot Route geschafft.

Anningerhaus

Wer glaubt, genug Zeitreserven zu haben, wollte sich die etwa 5 Minuten entfernte Jubiläumswarte (653 m) nicht entgehen lassen. Sie markiert den höchsten Punkt des Eschenkogels, eines der vier Anninger-Gipfel, und garantiert einen famosen Blick von den Hainburger Bergen über die Kleinen Karpaten, den Gippel, Göller, Schneeberg bis zum Ötscher.

Dann aber wieder zurück zum Anningerhaus und vorbereitet auf die längste Abfahrt des heutigen Tages: stets mit den Fingern an der Bremse – es könnten ja Wanderer entgegenkommen, kurven wir auf einer Forststraße um den föhrenbewachsenen Steinwandlgraben herum, passieren Kirschbaum- und Buchbrunnenrastplatz und gleiten lange hinunter bis zur Anningerstraße und über die Ebenfeldgasse über Gaaden hinweg. Schade um die Höhenmeter, aber so ist das nun mal im Wienerwald, der nur aus kurz aufeinander folgenden Aufs und Abs besteht. Gaaden war im 19. Jh. übrigens eine beliebte Sommerfrische für Maler, Musiker und Dichter. Vor allem Ferdinand Waldmüller und Ferdinand Raimund verloren ihr Herz an diese auch heute noch ahnbare Operettenlandschaft.

Durch Felder geht‘s nun hinunter ins Ortszentrum von Gaaden und gleich wieder hinauf in eine Landschaftskomposition, wie sie nur die Natur malen kann. Die gemütliche Schlenderei ändert sich jedoch abrupt, sobald wir in den Schlösslwald einfahren, wo es wieder zur Sache geht: Der steile und steinige Aufschwung verlangt uns einiges an Wadlarbeit ab, außer Atem kommen wir jedoch kaum. Dennoch rasten wir beim Roten Kreuz, einem idyllischen Chill-Platzl samt Bank und Tisch, ehe wir uns auf engem Pfad bergab und schließlich durch Felder nach Siegenfeld hinunterlassen. Im Gh. Skilitz in Siegenfeld könnten wir uns erfrischen, ehe wir vom Rosental ins malerische Helenental übersetzen, wo wir auf den Helenental-Radweg wechseln.

Helenental

Eine Traumpromenade! Immer der glasklaren und smaragdgrünen Schwechat nach lustwandeln, nein lustradeln wir durch ein reizvolles Biotop und erleben immer wieder wie von Künstlerhand gemalte Einblicke in den friedlichen Lauf des Flusses. Kein Wunder, dass sich schon Beethoven in diese Gegend verliebte. Der Komponist soll sich in den Jahren 1824/25 oft hier aufgehalten haben, weil er diesen Abschnitt der Schwechat wegen seiner Unberührtheit und Stille besonders mochte. Vorbei an der Cholerakapelle, die von zwei Wienern aus Dankbarkeit für das Überleben der Choleraepidemie 1831/32 errichtet wurde, und am Gasthof Cholerakapelle heute noch Hans Moser das Sagen und Singen hat, wechseln wir auf der Beethoven-Brücke ans andere Flussufer und gelangen bald nach dem sog. Beethovenstein zur ersten Stelle der Tour, wo wir wirklich absitzen müssen. Zur Augustinerhütte hinauf führt nämlich ein unmöglich steiler und schmaler Hangweg, den wir lieber laufend als raufend bewältigen. Dann allerdings verflacht der Forstweg zusehens undführt sanft ansteigend über die Orchideenwiese zwischen Sulzriegel und Alland Riegel hinauf bis zu einem Parkplatz unweit desGasthofs Edelbacher.

SchildNach einer scharfen Linkskurve heißt es, die Wadln spannen und auf den kleinsten Kranz wechseln, setzen wir doch zur zweiten Bergetappe des Tages an und folgen wir dem Westrücken des Kalten Bergs, wie das Gebirg’ hier heißt, ordentlich bergauf (und nur stellenweise bergab). Ab dem Hirschenkreuz allerdings wird’s bio, wurzelig und so steil, dass wir uns bis an die Es-geht-nicht-mehr-Grenze in die Pedale stemmen müssen; selbst Schieben bringt den Puls zum Galoppieren. Abwechselnd auf Forstweg und Waldpfad geht es den Strommasten nach, an deren Ende das Top wartet. Endlich, nach langer Zeit, taucht nach einem Antennenmasten das Schutzhaus Eisernes Tor und damit der Gipfel des Hohen Lindkogels mit der Sina-Warte (834 m, 1 ¾ Std. vom Ghf. Cholerakapelle) auf, womit der Höhe-Punkt der gesamten Tour erreicht ist. Wer es bis hierher geschafft hat, hat eigentlich auch schon die Hot Route geschafft. Oder doch nicht?
Der Höllentrip über den Sooßer Lindkogel hat es noch in sich – vor allem an feuchten Herbsttagen – und will noch unbeschadet überstanden werden. Nach einer zünftigen Einkehr starten wir los nach unten! Jippiejeih! Zunächst ein sportlicher, von Föhren begrenzter Kammweg hinüber zum Sooßer Lindkogel (713 m), dem zweiten Aufschwung der Lindkogel-Strecke.

Abfahrt

Der dann folgende Naturparcours über den Manhartsberg gehört den Feinschmeckern unter den Rad-ArtistInnen: Über Stock und Stein, Wies' und Wurzel geht’s hier ordentlich zur Sache. Wir sind nicht die einzigen, die behaupten: Eine derartig traumhafte Crossline findet sich kaum anderswo im Wienerwald.

Sosser Lindkogel

Sobald sich der Weg nach Sooß wendet, lassen die Schwierigkeiten nach und wir rollen auf Beton zwischen Rebstöcken und herrlichem Blick über den Weinort Richtung Baden hinunter.
Nun geradewegs durch den Kurort, am Kurpark und am Casino vorbei, bis wir bei einem evangelischen Gotteshaus links abbiegen und in die Weinfelder über Baden hinaufsteigen. Schließlich der Thallern-Strecke nach auf schottrigen Weinwegen nach Pfaffstätten, wo wir auf Asphalt treffen und den bekannten Weinort umfahren. Erholsam gleiten wir nun durch flache Weingärten entlang den Bahnschienen RicWeingegendhtung Gumpoldskirchen, die einstige bekannte Weinmetropole. Interessant, dass es schon Steinzeitmenschen waren – diese Feinspitze! –, die sich vor etwa 6.500 Jahren hier niederließen, wie jüngste Funde belegt haben. Ausgrabungen aus der Römerzeit bestätigen zudem die Vermutung einiger Archäologen, dass an Gumpoldskirchen eine befestigte Römerstraße vorbeiführte.
Beim Freigut Thallern betreten wir abermals weingetränkten Boden: Das Weingut ist eines der ältesten und traditionsreichsten Österreichs und wird seit dem Jahr 1141 bewirtschaftet. Bis heute dient es als zentrale Kellerei für alle Weingärten des Stiftes Heiligenkreuz. Verkosten könnten wir die edlen Säfte beim Klostergasthaus Thallern. Wir tun es natürlich nicht, sondern setzen unseren Weg nüchtern fort. Den Bahnhof durchquert, landen wir in den gepflegten Weinfeldern der Gegend, wo gemütliches Riedenreiten am Fuß des Eichkogels angesagt ist. In Mödling landen wir in der Technikerstraße, biegen nach rechts in die Gumpoldskirchner Straße ein, die in die Dr. Ludwig Rieger Straße mündet. Dieser folgen wir bis zur Goldenen Stiege zurück ...

Prost!

Diese und 39 weitere Touren im Wiener Umland findest du in folgendem Buch:

Thomas Rambauske

40 Galoppaden zwischen Rax und Anninger

Route:
Mödling (Goldenen Stiege, Waldgasthaus Bockerl – Naturdenkmal "Kleine Breite Föhre" – Naturdenkmal Breite – Waldrast "Krauste Linde" – Anningerhaus – Kirschbaum- und Buchbrunnenrastplatz – Gaaden – Rotes Kreuz – Siegenfeld (Gh. Skilitz in Siegenfeld) – Helenental – Gasthof Cholerakapelle – Augustinerhütte – Gasthof Edelbacher – Hirschenkreuz – Hoher Lindkogel (Schutzhaus Eisernes To, Sina-Warte, 834 m) – Sooßer Lindkogel (713 m) – Baden – Pfaffstätten – Gumpoldskirchen – Freigut Thallern – Mödling – Technikerstraße – Gumpoldskirchner Straße – Dr. Ludwig Rieger Straße – Goldene Stiege
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 1.500
Gesamtfahrzeit (in Stunden):
Pfeil up Pfeil down ca. 6–7 Stunden
Sreckenlänge:
58 km
Schwierigkeiten:
Die Länge der Tour, die 1.500 Höhenmeter und die zwei doch erheblichen Bergwertung verlangen eine überdurchschnittliche Kondition. Der anspruchsvolle Singletrail über den Sooßer Lindkogel zudem ein hohes Maß an Technik und Geschicklichkeit.
Bewertung:
Power-Strecke
Attraktionen:
Die Auffahrt zum Anninger durch das Föhrenspalier und an den Naturdenkmälern "Kleine" und "Breite" Föhre vorbei; mit dem Anninger und dem Lindkogel zwei prominente Wienerwald-Gipfel, die idyllische Wienerwald-Gemeinde Gaaden, das Helenental, der Singletrail über den Sooßer Lindkogel, die Weingegend um Baden, Gumpoldskirchen und Pfaffstätten
Einkehrmöglichkeiten:
Siehe Route ...
Wasserweg
Karte und GPS-Track:

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