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Mountainbiken rund um Wien

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Intercity-Trail, Etappe 1
Mödling – Anninger – Heiligenkreuz

Intercity-trail


Text/Bilder: Thomas Rambauske

Alpenvorland backstage

Der niederösterreichische Teil des "Intercity-Trails" verbindet die Städte Wien und Semmering, aber auch alle Attraktionen des Alpenvorlandes. So überquert man die beliebten Wiener Hausberge wie den Anninger, den Hohen Lindkogel oder das Waxeneck. Darüber hinaus passiert man landschaftliche Erlebenswürdigkeiten wie das Naturdenkmal Breite Föhre, die rauschenden Myrafälle, das idyllische Helenental oder den tosenden Sebastianifall bei Sonnleiten. Aber auch Kulturfreunde werden mit der Semmering-Bahn, dem Looshaus, den Raimundstädten Gaaden und Gutenstein, der Landschaftskunst in Gasteil oder dem Stift Heiligenkreuz auf ihre Rechnung kommen.
Wanderer, die die Voralpen schon in- und auswendig zu kennen glauben, werden sie auf zwei Rädern aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernen, das Hügelland vom Wienerwald bis zum Hirschenkogel sozusagen "backstage" er-FAHREN.
Wir haben den 201 km langen und ca. 5.600 Höhenmeter schweren Trail in 5 Etappen eingeteilt, sodass er auch von Otto Normalradler bequem zu schaffen ist, zumal es die Höhenunterschiede, Kriterien und Schwierigkeiten steckenweise in sich haben.
Was allen Etappen gemeinsam ist: Jede einzelne wartet mit einigen Natur- und/oder Kultur-Schmankerln und einer netten Berghütte als Raststation auf.

Also dann: Aufg'sess'n, Helm auf und in die Pedale getreten!

Schild

Etappe 1

Mödling (Hinterbrühl, 260 m) – Anninger (675 m) – Gaaden Siegenfeld Heiligenkreuz (312 m)

Power-Strecke, HU Pfeil uppfeil down ca. 740 m,
3,5–4 Stunden

Föhre
Boxenstopp beim Naturdenkmal "Kleine Breite Föhre"

Breite Föhre
Im Schatten der "Breiten Föhre" schliefen Beethoven und Schubert ihren Rausch aus, ließen sich aber auch inspirieren ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jubiläumswarte
Den Blick von der Jubiläumswarte am Anninger sollte man sich nicht entgehen lassen.

Gaaden

Blume

Rapsfelder

Wir starten die "Expedition Mödling-Semmering" in Mödling, genau genommen beim Hotel Höldrichsmühle (Bushaltestelle, Parkmöglichkeiten) am Ortsende von Hinterbrühl. Fünf Tage lang wird das wegweisende Schild der Alpentour-Austria "Wien–Semmering" unser wichtigster Anhaltspunkt sein (siehe Bild oben). Nach ein paar Minuten auf der B11 zweigt unser Weg in den Naturpark Föhrenberge ab. Der Name des Naturparks rührt von den vielen Schirmföhren her – auf wienerisch auch Parapluiebäume bezeichnet –, die ob des Kalksteinbodens nur hier so prächtig gedeihen; ein Seitenblick hin und wieder lohnt sich also durchaus.
Das erste Bergetappenziel heißt Anninger, des Wieners liebster Heiliger Berg. Zu seinem Gipfel führen zunächst der "Dreistunden-Weg", dann die "Anninger-Strecke". Es beginnt recht zahm, nicht steil und auf breiter, guter Forststraße. Breite Serpentinen tauchen unter den breiten Kronen der Föhren hindurch und führen schmerz- und schweißlos höher. Selbst wenn uns einer der vielen Wanderwege von der breiten Forststraße weglocken will, bleiben wir am radfreundlichsten Weg.
Erster Boxenstopp beim Naturdenkmal "Kleine Breite Föhre". Wenig später folgt das Wahrzeichen Mödlings, die bekanntere "Breite Föhre". Im Schatten dieses 450 Jahre alten Baumes sollen einst Franz Schubert und Ludwig van Beethoven so manchen Rausch ausgeschlafen, sich aber neue Inspiration gesucht haben. 1992 wurde der bereits abgestorbene Baum auf Initiative mehrerer Künstler konserviert und 1997 Stück für Stück, Ast für Ast abgebaut, nummeriert und nach St. Pölten transferiert. Wir bleiben stehen, beäugen den denkwürdigen Ort und setzen uns auf einen der vielen Bänke, um die besondere Atmosphäre einzuatmen, wobei uns allerdings keine einzige Musiknote in den Sinn kommt. Einerlei, die "Breite Föhre" bleibt für viele Wanderer ein Kreuzungspunkt auf dem Weg zum "Heiligen" Berg der Wiener, dem Anninger. Zauberhaft, als sich just hier die Wolkendecke öffnet und die Sonne mit lanzenförmigen Strahlen durch das gelbende Laub sticht.
Erste Einkehrmöglichkeit beim Gasthaus "Krauste Linde", wo "Wanderer Krautsuppe" oder "Fiakergulasch" zum Krafttanken verlocken. Warum nicht? Schließlich steilt sich der Weg nun doch zu einer durchaus ernst zu nehmenden Bergwertung auf.

Krauste Linde

Nach gut einer Stunde haben wir das Anninger Schutzhaus erreicht und das erste sprichwörtliche HIGH-light des Tages und der Intercity-Expedition überhaupt. Es ist ein eigenartiges Gefühl, diesen Berg einmal nicht mit Wander- oder Schneeschuhen aufzusuchen, sondern auf zwei Rädern. Eine echter Wiener belässt es jedoch nicht mit dem Schutzhaus, sondern geht bzw. fährt noch ein paar Minuten über einen Waldsteig weiter bis zur Jubiläumswarte, um von der 675 m hoch gelegenen Plattform zum Husarentempel, zum Kahlenberg und das sich bis zum Horizont ausbreitende Wien zu schauen. Ein echter Wiener lässt auch das Anninger Schutzhaus nicht aus und kehrt dort ein, das gehört zur hiesigen Wandertradition wie der Franz zum Schubert und die Donau zum Walzer.
Bei der Abfahrt Richtung Wilhelmswarte/Gaaden geht's stellenweise ordentlich und bremsenquietschend bergab bis zur B11 vor Gaaden. Nun die Straße rechts, bis sie Richtung Sparbach übersetzt wird. Dann gleich auf der anderen Straßenseite wieder links und über Gaaden hinweg auf schmalem, welligem Waldpfad genussgeradelt. Im 19. Jahrhundert entdeckten Maler, Musiker, Dichter diese liebliche Gegend des Wienerwaldes. Vor allem der Maler Ferdinand Waldmüller und der Dichter Ferdinand Raimund verloren ihr Herz an diese Operettenlandschaft voller Musik, Düfte, Farben und Reize. Raimund schrieb 1833 im noch erhaltenen Haus am Kirchenplatz von Gaaden seinen "Verschwender", in dem er eine typische Gaadner Figur, das "Kraxenweiberl", verewigte. Sie ist ein Symbol für die Menschen, die hier über Jahrhunderte mühsam von Kalk- und Holzgewinnung lebten. Aber auch die Wallfahrtskirche von Gaaden, an der wir vorbei kommen, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Wir verlassen den poetischen Ort und überqueren kurz nach dem Ortsende-Schild die Landstraße. Nun kurz über Weidewiesen, ehe es wieder zur Sache geht – nächste Bergwertung: Siegenfeld. Über Stock und Stein, durch Wald und über Lichtungen bis zum "roten" Kreuz, einem besonders idyllischen Rastplatzl, wo wir verschnaufen, ehe es auf engem Pfad bergab und schließlich entlang hell leuchtender Rapsfelder nach Siegenfeld geht. Mehr eben als anstrengend weiter, ehe der Weg ein letztes Mal ansetzt, nämlich zum Reisetberg hinauf. Dort haben wir von den Anstrengungen für heute genug und rollen nach Heiligenkreuz, den berühmten Wallfahrtsort, hinab. Über das Zisterzienserstift, die wohl größte kulturelle und geistliche Attraktion des Wienerwaldes, ließe sich viel erzählen. Am besten absitzen, das Pferdchen anbinden und sich alles selbst ansehen.

Heiligenkreuz
Kulturelles Highlight: das Stift Heiligenkreuz

Anninger

Das Gipfel"massiv" des Anninger setzt sich aus vier Höhen zusammen: dem 675 m hohen Anninger mit der Wilhelmswarte (auch Hochanninger genannt), dem Buchkogel, dem Vierhochkogel mit der Richtfunkstation und dem Eschenkogel mit der Jubiläumswarte. Die 25 m hohe Eisenwarte auf dem Eschenkogel (653 m) wurde 1898 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. als "Kaiser-Jubiläums-Warte" erbaut. Ursprünglich fand sich auf dem Fundamentsockel der Warte auch eine Unterkunftshütte, die allerdings nicht mehr existiert. Die Warte ist ganzjährig frei zugänglich.

Heiligenkreuz

Heiligenkreuz liegt im Herzen des Wienerwalds, nur 15 km von Wien entfernt. Die fast 900 Jahre alte Zisterzienserabtei wurde 1133 durch den heiligen Markgrafen Leopold III. aus dem Geschlecht der Babenberger gegründet. Heiligenkreuz ist heute weltweit das einzige Zisterzienserkloster, das seit der Gründung ohne Unterbrechung besteht. Nur Stift Rein in der Steiermark ist noch älter. Der Enkel Leopolds III., Herzog Leopold V. schenkte dem Kloster 1188 ein 23,5cm langes Stück des Kreuzesholzes Christi; diese große Kreuzreliquie wird bis heute hoch verehrt.
Heiligenkreuz ist auch im 9. Jahrhundert seines Bestehens ein überaus lebendiges Klosters, der Konvent besteht aus vielen jungen Mitbrüdern; die fast 80 Zisterzienser des Klosters wirken als Pfarrer in der Seelsorge, betreiben seit 1802 eine eigene Philosophisch-Theologische Hochschule für die Priesterausbildung.
Besonders pflegen die Heiligenkreuzer Zisterzienser das lateinische Chorgebet in gregorianischem Choral nach den Normen des 2. Vatikanischen Konzils.
Mehr über das Stift auf wikipedia.de >

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Schwierigkeiten:
Die fast 800 Höhenmeter sind von halbwegs trainierten Bikern locker zu schaffen.
Bewertung:
Power-Strecke auf viel Asphalt und Forststraßen-Schotter
Gesamthöhenmeter:
740 m
Gesamtfahrzeit:
3,5–4 Stunden
Attraktionen:
Naturpark Föhrenberge, Breite Föhre, Jubiläumswarte auf dem Anninger, Wallfahrtskirche von Gaaden, Heiligenkreuz
Einkehrmöglichkeiten:
Krauste Linde, Anninger Schutzhaus
Karte:


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