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Hütten, Wald & Trails

Kahlenbergerdorf-
Strecke

April 2008

Kammersberg

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Mehrere Wahrzeichen Wiens werden bei dieser Tour passiert: Der Kahlenberg, die Donau, das weingetränkte Kahlenbergerdorf, die Stiftstadt Klosterneuburg und ein hübsches Stück Wienerwald. Dazu jede Menge Panorama, kurze, aber durchaus nette Waldtrails und mengenweise Einkehrmöglichkeiten. Eine ideale Tour für einen ausgefüllten Tag.

Route

Kahlenbergerdorf (170 m) – Restaurant am Kahlenberg (460 m) – Hütte am Weg – Grüß di a Gott Wirt – Häuserl am Roan – Häuserl am Stoan – Hameau (470 m) – Roßkopfwiese – Rotes Kreuz Scheiblingstein Heuberg Windischhütte (510 m) Kammersberg Weidling Klosterneuburg – Kuchelauer Hafen (Donau) – Kahlenbergerdorf

Powerstrecke, HU Pfeil uppfeil down ca. 970 m, 43,1 km,
5 – 5,5 Stunden

Lok
Seltsames Gefährt am Weg auf den Kahlenberg

Kahlenberg
Der Leopoldsberg

Kahlenberg
Am Kahlenberg herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit

Häuserl am Stoan
Selig, wer einen Platz in einem der Häuserln erhascht

Hameau
Am Hameau hingegen herrscht stets Ruhe und Beschaulichkeit

Kammersberg
Radlerfreuden am Kamm des Kammersbergs

Windischhütte
Noch herrscht Ruhe in der Windischhütte

 

Die Kahlenbergerdorf-Strecke wird – erraten! – im Weinort Kahlenbergerdorf gestartet. Zuerst durch die sehenswerte, weil originale Altstadt mit ihren Heurigen und Buschenschanken bis zum bekannten Donaumädchen am St. Georg Platz. Von hier geht's herb hoch. Sehr herb. Etwa 300 Höhenmeter sind es, die auf steiler Asphaltstraße erkämpft werden wollen. Für genießende Blicke über die Weinfelder hoch zur Kirche am Leopoldsberg und zum ersten Etappenziel, dem neuen Restaurant am Kahlenberg, bleibt da wenig Muße. Der Weg wird zudem mit Spaziergängern, Nordic Walkern und anderen Radlern geteilt, was die Sache nicht einfacher macht. Vorsicht bei Hitze – da können die ersten Tritte schon die letzten sein, wenn man glaubt, die Bergwertung schon bei der ersten Kurve gewinnen zu können. Am Kahlenberg endlich hat man DAS Kriterium dieser Tour hinter sich – leider aber Menschenmassen vor sich. Ruhesüchtige sollten deshalb schnell weiter, Rastbedürftige sich die neue Aussichtsplattform am Restaurant Kahlenberg nicht entgehen lassen. Der Blick über Wien sucht seinesgleichen.

lick vom Kahlenberg

Nun aber wirklich wieder aufgesessen, wir haben noch ein langes Stück vor uns. Vom großen Parkplatz Richtung Leopoldsberg bergab bis zur "Hütte am Weg". Danach nicht Richtung Leopoldsberg, sondern abseits der Straße gen Weidling (aufpassen: nur ein kleines Schildchen "Zur Mountainbike-Strecke" weist den Weg!). Unvermutet erweist sich der nun folgende Trail als durchaus zünftig und rasant – sicher einer der spaßigsten Abschnitte, bevor es auf elendslanger, aber nicht anstrengender Forststraße mal sanft bergan, mal bergab und zig Gräben kreuzend unter dem Hermannskogel bis zum Grüß di Gott-Wirt abwärts gleitet. Hier gilt, was für alle Hütten Wiens an schönen Wochenenden gilt: Verhungerungsgefahr! Wer das immense Glück hat, einen Platz zu ergattern – ganz Wien strömt an Sonnentagen ins Grüne –, wird ewig auf was Warmes warten; einzelkämpfende Köche und Kellnerinnen sind heillos überfordert, wer da keine Zeit und Geduld hat oder zu viel Hunger, wird besser dran sein, wenn er sich seine Jaus'n schon zu Hause einpackt und einen großen Bogen um die Tollhäuser macht. Zwei weitere von der Sorge folgen gleich anschließend: das Häuserl am Roan und jenes am Stoan, unter der Woche wirklich gemütliche Einkehrstationen, an sonnigen Wochenenden beängstigende, überfüllte, unromantische Sardinenbüchsen. Wo wir schon bei den Minuspunkten der Kahlenbergerdorf-Strecke sind: Zu beiden Hütten gelangt man auf der Höhenstraße, einer lebensgefährlichen Rennstrecke für Auto-Idioten, wo es Jahr für Jahr Tote gibt. Weshalb hier nicht schon längst ein sicherer Radweg angelegt wurde (die Straße wäre breit genug), ist jedem schleierhaft, der sich auf zwei Rädern auf diese Formel I-Strecke wagt. Weil wir sie möglichst schnell verlassen wollen, folgender Tipp: Beim Häuserl am Stoan würde die Strecke an sich über die Höhenstraße weiter bergab führen und über eine Forststraße wieder bergan zum Hameau. Ich rate jedoch den vom Häuserl am Stoan zuerst paralell zur Straße führenden, dann sich sanft bergauf schwingenden Wanderweg aufs Hameau zu benützen. Der Weg ist ungefährlich, breit genug für Wanderer und Radler und führt fluchs, naturnah und ohne Höhenverlust aufs Hameau, dem nächsten Höhe-Punkt der Tour. Vom ehemaligen Holländerdorf Hameau sind es nun nur mehr etwa 15 Minuten auf gutem Waldweg bis zum Roten Kreuz an der Exelbergstraße. Zwischenzeit. Etwa 2-2,5 Stunden haben wir bis hierher gebraucht.
Nun wird (leider) wieder auf eine belebte Straße gewechselt. Auf dieser gemütlich ab und auf, ehe man für ein kurzes Stück die Wahl zwischen Wald- und Wiesenweg oder Straße hat. Beide Varianten treffen vor der Ortschaft Scheiblingstein zusammen. Kurz nach dem Ort heißt es aufpassen, dass die Abzweigung nach rechts zur Windischhütte nicht verpasst wird. Weiter auf Straße durch die Siedlung Steinriegl bis zu einem Rechtsschwenk zur Windischalm und zur gleichnamigen, gemütlichen Hütte. Der nun folgende Teil über den Kamm zwischen Taferl- und Kammersberg gehört zum landschaftlich schönsten der gesamten Tour. Über sanft gewelltes Terrain führt der Trail auf schmalem Wald- und Wiesenpfad teils durch Laubwälder, teils durch weitsichtiges Almgeländ'. Wie ein gigantischer Teppich aus Bäumen breitet sich hier der Wienerwald unter uns aus. Die danach folgende Forststraße führt im Höllentempo bergab in die Weinfelder von Weidling und Klosterneuburg. Sehr gut beschildert durch das Gasslwerk der Weinstädte um Leopolds- und Kahlenberg herum bis ans Ufer der Donau. Am Donau-Radweg wird man mit Garantie nicht alleine sein. Rund um den Kuchelauer Hafen spielt es sich an schönen Wochenenden ab – von einsamer Ufer-Idylle keine Spur. Also schnell durch bis zum Kahlenbergerdorf, dem Anfangs- und Endpunkt der Tour, und den ausgefüllten Tag vielleicht in einem der Heurigen ausklingen lassen. Prost!

An der Donau
Die Fischer an der Donau schaffen sich ihr eigenes Glück.

Kahlenbergerdorf

Der kleine Ort, zwischen Burgstall, Donau und Leopoldsberg gelegen, wurde 1114 erstmalig urkundlich genannt, der Ortsname seit dem 12. JH. belegt und 1892 in den 19. Wiener Gemeindebezirk eingegliedert.
Seit 1998 führt der "Kahlenbergerdorfer Weinrundwanderweg" in abwechslungs- und aussichtsreicher Weise durch das schöne Weinbaugebiet um das Dorf. Hinweisschilder erklären, was Wein und Sache ist.

Kahlenberg

Der Kahlenberg, 484 m, im nördlichen Wienerwald an der Stadtgrenze zu Klosterneuburg, wurde 1874-1914 durch eine Zahnradbahn, 1935 durch die Höhenstraße erschlossen. Auf seinem Gipfelplateau das Restaurant Stefaniewarte, der UKW/FS-Sender Kahlenberg (Inbetriebnahme 1974, Masthöhe 165 m) und das Josefsdorf mit Kahlenberg-Kirche (errichtet 1629-39, 1683 beschädigt und bis 1734 wiederhergestellt). In der Sakristei besteht seit 1930 die Sobieski-Kapelle als Erinnerung an den Polenkönig und die Entsatzschlacht der 2. Türkenbelagerung 1683. Früher hieß der Kahlenberg "Sauberg", während der Name Kahlenberg oder Kahlenberg den Leopoldsberg bezeichnete.

Hameau

Das Hameau wurde auch "Holländerdörfl" genannt und bestand ursprünglich aus 17 kleinen Hütten mit Strohdach und rindenbedeckten Wänden. Vor jeder Hütte war nach typisch holländischer Art ein Baum gepflanzt. Die Anlage wurde 1782 von Graf von Lacy zu Jagdzwecken errichtet. Franz Moritz Graf von Lacy war Generalstabschef der österreichischen Armee und entwarf im Siebenjährigen Krieg Schlachtpläne.

Klosterneuburg

Die frühesten Spuren menschlicher Ansiedlung in Klosterneuburg reichen bis in das Neolithikum zurück. Eine erste Siedlungskontinuität entwickelte sich erst ab der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus mit der Errichtung eines römischen Hilfstruppenkastells, dem westlichsten der Provinz Pannonien. Zahlreiche archäologische Grabungen legen Zeugnis über das Leben der Römer und die Besiedlung des Platzes bis ins 5. Jahrhundert.
Große Bedeutung erlangte die Stadt um 1113, als sich Markgraf Leopold III. hier eine ansehnliche Residenzstadt schuf und am Rande der Oberen Stadt seine neue Residenz errichtete, die in Anlage und Ausmaß der standesgemäßen Stellung des Reichsfürsten entsprach. Im Jahr 1114 ließ Leopold III. in feierlicher Weise den Grundstein für eine neue monumentale Stiftskirche legen, ursprünglich ein Kollegium für weltliche Kanoniker, das 1133 in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt wurde.

Klosterneuburg spielte vor allem während der Türkenbelagerungen von 1529 und 1683 eine wichtige Rolle. Dass die Stadt 1683 trotz ihrer schwachen Kräfte bis zuletzt durchhalten konnte und somit einen wichtigen Flankenschutz beim Anmarsch der verbündeten Christenheere zum Entsatz von Wien bilden konnte, war in erster Linie das Verdienst zweier Chorherren und der starken Solidarisierung zwischen Stift und Stadt.
In den Jahren 1805 und 1809 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt, am 20. Dezember 1805 weilte Napoleon kurz im Stift Klosterneuburg.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Klosterneuburg ein noch in sich abgeschlossenes Weinhauerstädtchen mit knapp 5.000 Einwohnern. Mit dem Ausbau der Verkehrsverbindungen nach Wien wählten viele Wiener Beamte und Arbeiter Klosterneuburg als neues Wohndomizil.
Mit dem "Anschluss" an das Deutsche Reich 1938 verlor nicht nur Österreich seine Unabhängigkeit, auch Klosterneuburg büßte seine Selbständigkeit ein und wurde am 15. Oktober 1938 Groß-Wien eingegliedert und bildete mit den Orten Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling und Weidlingbach den 26. Wiener Gemeindebezirk.
Im Juli 1946 wurde vom Nationalrat die Rückgliederung Klosterneuburgs und weiterer 80 Gemeinden nach Niederösterreich beschlossen. Der Alliierte Rat verweigerte diesem Gesetz jedoch jahrelang seine Zustimmung, sodass die Rückgliederung erst mit 1. September 1954 vollzogen werden konnte. Die gesamten Gebietsteile der vor dem 15. Oktober 1938 ehemals selbständigen Gemeinden Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling und Weidingbach wurden der wiedererrichteten Stadtgemeinde Klosterneuburg eingegliedert. Damit wurde Klosterneuburg zur drittgrößten Stadt Niederösterreichs.

Schwierigkeiten:
Für Könner und Trainierte keinerlei Probleme. Für Anfänger heißt es wahrscheinlich schieben, wen es gen Kahlenberg geht. Ansonsten können ein paar knackige Waldtrails nur nach Regenfällen zum Absteigen zwingen. Schlechtpunkte gibt es für die Passagen auf der verkehrsreichen Höhenstraße.
Bewertung:
Powerstrecke
Gesamthöhenmeter:
970 m
Gesamtfahrzeit:
5 – 5,5 Stunden
Streckenlänge:
43,1 km
Asphalt:
21,5 km
Forststraße/Schotterweg:
21,5 km
Attraktionen:
Panorama-Fans kommen vielerorts auf ihre Rechnung, Kultur-Fans in Klosterneuberg und auf dem Kahlenberg, Power-Reiter auf einigen wenigen Waldtrails, Genießer auf den Abschnitten von der Windischhütte nach Weidling hinab oder streckenweise in den Wienerwaldgräben zwischen Kahlenberg und Grüß di a Gott-Wirt.
Einkehrmöglichkeiten:
In den Ortschaften Weidling, Klosterneuburg und Kahlenbergerdorf, Restaurant am Kahlenberg, Hütte am Weg, Grüß die a Gott-Wirt, Häuserl am Roan, Häuserl am Stoan, Windischhütte und etliche Imbissbuden zwischendurch
Karte:
Mountainbike Wienerwald (www.mbike.at)

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