Der Schöpfl, die höchste Erhebung des Wienerwalds, kennt man als beliebten, aber leichten Wanderberg. Als Radziel jedoch erfordert er einiges an Kondition und Wadl-Schmalz. Belohnt wird man mit rasanten Abfahrten und einem tollen Rundumblick von der Matras-Warte.
Route
Schöpflgitter – Vorderschöpfl – Schöpfl (Schutzhaus, Matraswarte, 893 m) – Wienhof – Neuwald – St. Corona/Schöpfl – Riesenbach – Schöpflgitter
Power-Strecke, HU ca.
740 m, 30,7 km, 3–3,5 Stunden
Das Gefährt bei der nach dem Gasthof "Zum Schöpflgitter" ansetzenden Forststraße geparkt. Ohne Vorwarnung geht es gleich bergauf, zuerst zwar harmlos durch schattig-kühlen Wald, dann allerdings immer schweißtreibender, obgleich hin und wieder ebene Passagen zum Verschnaufen einladen. Spätestens wenn der Weg von der Forststraße auf einen engen Waldsteig abzweigt, ist endgültig Schluss mit lustig. Nun wird gestrampelt und gekeucht, was das Zeug hält. Wer hier über keine Kondition bzw. Muskelkraft verfügt, sollte die Wanderschuhe dabei haben. Ansonsten ist dieser Abschnitt nur Konditionstigern vorbehalten – also mir, wie ich vermeinte. Andere Rad-Fußgeher, die schon auf den Schiebe-Gang heruntergeschalten haben, überholend, kämpfe ich mich Meter für Meter hoch, wähne mich als Lance Armstrong des Wienerwalds, als hinter mir ein leises Klappern hörbar wird, dann ein Luftzug – es muss ein Außerirdischer gewesen sein, der mich hier überholte.
Glaubend, der einzig wahre Mountainbike-Könner zu sein, werde ich von einem Außerirdischen (oder Verrückten) überholt ...
Das diesmal verwaiste Schöpfl-Schutzhaus
Die Wallfahrtskirche von St. Corona
Na gut, ich gebe zu, hier an den Gefielden des Vorderschöpfls auch vom Ross gestiegen zu sein. Eine Stunde dauert der steinige Uphill, dann verflacht sich endlich das Gelände und leitet ein Waldpfad bis zu einer Kurve kurz unterhalb der des Schöpfl-Schutzhauses und der Matraswarte. Zwar nicht auf der Strecke gelegen, sollte man sich den Gipfel samt Ausblick nicht entgehen lassen. Ich finde das Schutzhaus leider verschlossen vor, schade – und Gott sei Dank. Schade, weil ich gerne aufgetankt hätte und keinerlei Wasserentnahmestelle vorfinde, Gott sei Dank, da hier an der Nummer 1 des Wienerwaldes einsame Ruhe herrscht. So sitzen bloß ein paar Wandersleut' am Fuß der Warte und ein versprengter Biker auf einer der Stufen. Der Rundumblick ist wahrlich lohnend. An klaren Tagen sind die höchsten Berge Niederösterreichs, der Schneeberg und die Rax, Richtung Westen der Ötscher und im Norden bis zur Donau zu sehen. Ja, wo sonst noch fühlt sich ein Wiener noch als Wiener? Nun zurück zur Hütte und wieder zu der oben erwähnten Kurve der Forststraße. Von nun lange und rasant bergab bis zu einem Marterl, wo es scharf nach rechts weiter down-schotter geht. Die Wegführung vor allem bei diversen Straßengabelungen ist von nun an nicht mehr so klar. Wichtig die Faustregel: Rechts muss sich der Berghang nach oben, links nach unten ziehen, dann passt's. Auf der Stützenreit-Lichtung verlassen wir kurz den Wald und verflacht sich der Weg. Kurz danach Asphalt, auf dem wir über den Wienhof bis zu einer Kreuzung rollen. Hier links Richtung St. Corona am Schöpfl. Seltsamer Weise durchfahren wir hier zwei Dörfer namens Neuwald. Nach knapp über 2 Stunden ist der Wallfahrtsort St. Corona am Schöpfl erreicht, wo wir im gleichnamigen Gasthaus ordentlich auftanken, denn noch steht ein letztes schwieriges Stück Stramplerei vor uns.
Durch den Ort durch bis zur Abzweigung nach Klausen-Leoboldsdorf. Auf Asphalt bergan bis zu einem Rechtsschwenk auf eine Forststraße. Auf dieser, bis wieder die Landstraße erreicht wird. Nach wenigen Metern wieder ins Gestrüpp gewechselt und auf Forstweg bis unter den Hirschenstein. Hier – ich muss es reumütig zugeben – habe ich mich im Wirrwarr der Kreuzungen und Gabelungen und eventuell fehlender Schilder ordentlich verirrt. An sich sollte es ab nun bergab rollen bis nach Riesenbach, warum ich im Groß-Krottenbachtal und schlussendlich in Hauptbach gelandet bin, keine Ahnung. Alles in allem auch nicht schlimm, schließlich verirrte sich dieses Jahr auch der gesamte Österreich-Radrundfahrt-Tross.
Marterl wie dieses findet man häufig im Wienerwald.
Der Schöpfl
ist mit 893 m der höchste Berg im Wienerwald in Niederösterreich und bildet das Quellgebiet der Schwechat.
Der Berg ist bis zum Gipfel meist mit Laubwald bewaldet und über Forststraßen einfach begehbar. Am Gipfel steht die Matraswarte, von der man bei günstigem Wetter sowohl Richtung Süden die höchsten Berge Niederösterreichs, den Schneeberg und die Rax, Richtung Westen den Ötscher, als auch gegen Norden bis zur Donau sehen kann. Ein markanter Punkt an der Donau ist dabei das Kraftwerk Dürnrohr.
Knapp unterhalb des Gipfels ist das Schöpfl-Schutzhaus. Wegen der Reinheit der Luft wurde auch 1969 das Leopold Figl-Observatorium der Universität Wien am Mitterschöpfl (882 m), einem nahegelegenen Nebengipfel errichtet.
Sichtbar ist der Gipfel mit der Warte am besten von Forsthof in der Gemeinde Brand-Laaben.
Eduard Matras
Die Matras-Warte am höchsten Punkt des Schöpfls, die 1897 von der ÖTK-Sektion Wienerwald erbaut und 1898 eröffnet wurde, erinnert an Eduard Matras, am 19.8.1862 in Wien geboren und ebenda am 21.1.1945 gestorben. Er war lange Zeit Präsident des Österreichischen Touristenklubs. Bedeutung erlangte er durch seinen Einsatz für das Schutzhaus auf dem Hochkönig, das 1898 eröffnet wurde und heute seinen Namen trägt: Matras-Schutzhaus. Weiters erinnert der Matras-Steig am Kieneck an ihn.