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Mountainbiken rund um Wien

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Hoher Dachstein

2995 m, Normalanstieg: Simonyhütte - Randkluft-Steig, Juli 2007

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Dass ich drei Mal wetterbedingt am Dachstein gescheitert bin, unterstreicht einerseits die Tatsache, dass dieser legendenumwobene Berg durchaus launig sein kann, andererseits, dass er zum Pflichtprogramm eines österreichischen Bergsteigerlebens zählt. Weil er der Höchste Oberösterreichs und der Steiermark ist und die ihn und seine Hütten umgebende Geschichte, seine facettenreiche Landschaft mit all ihren beeindruckenden Erscheinungen von Flora und Fauna, aber auch sein durchaus hoher alpinistischer Anspruch - Gletscher, Fels, Klettersteig - zum "Must Do" machen! Heuer hat's also endlich geklappt, mitten in einem sommerlichen Wintereinfall.


Aufstieg

Bergstation Oberfeld (1830 m) - Bärengasse - Ochsenwiesalm - Wiesberghaus (1873 m) - Ochsenwieshöhe - Speikleiten - "Hotel Simony" - Simonyhütte (2203 m)

HU ca. 500 m, GZ 3 Stunden

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die facettenreiche Landschaft des Dachsteingebietes ...
Durch die facettenreiche Landschaft des Dachsteingebietes ...

Weil sie schon mal da ist, lässt man sich mit der Seilbahn bequem von Obertraun aufwärts zur Bergstation Oberfeld unweit der Gjaidalm und der Schilcher Hütte chauffieren. Sieht ja niemand.
Hier, schon im tiefsten Dachsteingeländ', werde ich von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer erwartet, der die Ehre hat ;-), mit mir gen Wiesberghaus (1873 m) zu wandern.

Bundeswanderer Heinz Fischer, Bergrettungspräsident Dörflinger und das Ehepaar Lama
Bundeswanderer Heinz Fischer, Bergrettungspräsident Dörflinger und das Ehepaar Lama geben sich die Ehre, mich zum Wiesberghaus zu begleiten ...

In Wahrheit folgten wir einer Einladung der Generali-Versicherung und der von dieser gesponserten Österreichischen Bergrettung, die alljährlich eine große Tour für Promis und Journalisten veranstalten, um den Sorgen der Bergrettung mehr öffentliches Gehör zu verschaffen. Also dem ordentlich "angasenden" Bundeswanderer nach durch die verlatschten Hohlwege der Bärengasse (650) bis zum Boden der Ochsenwiesalm, wo nordwestlich das Wiesberghaus liegt (1,5 Std.). Einkehr im geschichtsträchtigen Alpinzentrum. Während der Bundeswanderer wieder absteigt, lenken wir unsere Schritte durch einen klammartigen Einschnitt an der Ochsenwieshöhe in den nordöstlichen des Wildkarkogels gelegenen Sattel bei Punkt 2012. Alles reine Genusspromeniererei über kalksteinbedeckten Boden und harzduftenden Latschenwald. Weiter auf den Rücken der Speikleiten, kurz abwärts und in Kehren etwas steiler bergan zum "Hotel Simony", dem 1843 von Friedrich Simony (Infos siehe unten) errichteten ersten Unterstand am Dachstein.

Hotel Simony
"Hotel Simony"

Diese mit Steinen umschlossene Schutzhöhle diente den ersten Dachsteinbesteigern als Rast- und Notunterkunft, ehe 1876 mit dem Bau der heutigen Simonyhütte (Infos siehe unten) als erster Hütte am Dachstein begonnen wurde. Die ist nach einigen steilen Kehren und 1,5 Stunden auch schon erreicht. Die Simonyhütte dient heute auch als Ausbildungszentrum - der Gletscher, ein Klettersteig nebenan und der griffige Fels der Dachsteinwände bieten die idealen Voraussetzungen dafür.

Die Simonyhütte in der Morgensonne ...
Die Simonyhütte in der Morgensonne ...

Gipfelanstieg

Simonyhütte (2203 m) - Hallstätter Gletscher - Seethaler Hütte (2740 m) - Randkluft-Steig - Hoher Dachstein (2995 m) - Obere Windlucke - Großer Gosaugletscher - Steiner Scharte (2722 m) - Hallstätter Gletscher - Simonyhütte

HU ca. 700 m, GZ 8-9 Stunden

 

 

 

 


Rast in der Seethaler HütteRast in der Seethaler Hütte

 

 

 

 

 

 



Die Frau von Format hantelt sich über die Felsen.
Die Frau von Format hantelt sich über die Felsen.



Das Gipfelkreuz ist selten schneefrei.
Das Gipfelkreuz ist selten schneefrei.



AAAction ... Dem Mann von Format gefällt's!
AAAction ... Dem Mann von Format gefällt's!

"Bewaffnet" mit Steigeisen und Pickel zunächst über den gerölligen Moränenrücken von der Simonyhütte zum Rand des Hallstätter Gletschers hinunter. Ein Steinmann, eine Markierungsstange und eine Hinweistafel kennzeichnen den Kettenanlegeplatz (1,5 St.).

Am Hallstätter Gletscher
Am Hallstätter Gletscher öffnen sich doch einige Spalten ...

Der Gletscher steigt nie steil in die flache Firnmulde unterhalb der Steinerscharte und von dort zwischen Niederem Dachstein und Eisstein gen Seethalerhütte (1,5 St.; erbaut 1929 von der Familie Seethaler aus Hallstatt. Sepp Seethaler, der legendäre Hüttenwirt, versorgte die Hütte unglaubliche 50 Jahre lang.). Von hier nordwestlich über Gletscher steiler bergan und in einem weiten Linksbogen zur berühmten Randkluft, die je nach Verhältnissen mehr oder weniger schwierig oder gar nicht zu überwinden ist. Wir fanden sie jedenfalls gut bebrückt vor.

Über die - diesmal - harmlose Randkluft
Über die - diesmal - harmlose Randkluft

Neuerdings ist der Schlussanstieg mit einem fast durchgehenden Stahlseil versichert (Klettersteig-Schwierigkeit B), was die Kletterei an sich vereinfacht, findet man nicht eisige Verhältnisse vor, was die Sache wieder zu einem "action"-reichen Abenteuer macht. Der an sich schon speckig rutschige Fels, aber auch dass Seil kann dann von Eis glaciert sein - vor allem für Unerfahrene eine Herausforderung. Für diesen Fall ist unbedingt ein Klettersteig-Set anzuraten - ein Helm sowieso und gute Nerven. Den Gipfel wird man nach weiteren 1,5-2,5 Stunden (je nach Verhältnissen) erreicht haben. Auf den Ausblick will ich gar nicht besonders eingehen, der ist sowieso ein Wahnsinn - eh klar.
Will man den Dachstein überschreiten, steigt man - wieder an guten Stahlseilen entlang - über den Westgrat hinunter in die Obere Windlucke (1 Std.) und den kurzen Firn- od. Geröllhang hinunter zum Großen Gosaugletscher.

Bei eisigen Verhältnissen heißt es auch beim Abstieg Richtung Obere Windlucke ordentlich aufpassen.
Bei eisigen Verhältnissen heißt es auch beim Abstieg Richtung Obere Windlucke ordentlich aufpassen.

Auf diesem entlang der Spur in Richtung Adamekhütte kurz abgestiegen und oberhalb des Gletscherbruchs nach Osten zum orographisch rechten Gletscherrand. Kurz danach sieht man rechts in den Felsen einen großen roten Markierungspunkt mit Pfeil, was man leicht übersehen kann! Hier über die Randkluft in eine drahtseilversicherte, nach links emporführende Rampe, die um ein markantes Eck herum in einen kleinen Geröllkessel leitet.
Nun entlang des gesicherten Steigs leicht in die Steinerscharte, 2722 m. Jenseits über den nicht besonders steilen Firnhang oder besser rechts davon über den Klettersteig hinunter zum flachen Hallstätter Gletscher.
In kurzer Zeit quert man zur Anstiegsspur und gelangt auf dieser wieder zum Gletscherrand und weiter zur Simonyhütte. Geschafft. Fast 9 Stunden aufregender Gletscher- und Klettersteiggeherei liegen hinter uns, jetzt kann ausgeschnauft und zufrieden zurückgeblickt werden. Der Dachstein ist - zumindest für mich - kein Mythos mehr, sondern nur mehr ein Berg, der sich umsonst gewehrt hat.

"Ich war noch nicht am Dachstein, ist mir auch vollkommen wurscht, Hauptsache ich habe Graaaas ..."
"Ich war noch nicht am Dachstein, ist mir auch vollkommen wurscht, Hauptsache ich habe Graaaas ..."

Friedrich Simony bei Wikipedia >>>

Simonyhütte

Mit dem Bau der Simonyhütte wurde 1876 begonnen. Den Bauplatz am - ehemaligen - Fuß des Gletschers hat Simony selbst ausgewählt. Am 18. August 1877 folgte die feierliche Eröffnung. Bereits 1891 wurde sie erstmals erweitert, dann immer wieder um- und zugebaut. Heute präsentiert sich die Simonyhütte als zeitgemäße Bergsteigerunterkunft, die auch den Anforderungen der vielen Alpinkurse, die hier abgehalten werden, voll entspricht.

Wiesberghaus

Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums beschloss die Ortsgruppe der Naturfreunde Floridsdorf (Wien) 1922, ein Schutzhaus zu errichten. Ein Jahr später war der geeignete Platz auf der Wiesberghöhe hoch über Hallstatt gefunden, am 27. Juli 1927 wurde sie eröffnet. Das Wiesberghaus ist nicht nur ein gemütlicher Stützpunkt für Dachsteinbegeher, die auf den Spuren von Friedrich Simony von Hallstatt heraufkommen, sondern dient auch als Ausbildungsstützpunkt für Alpinkurse.

Schwierigkeiten:

Für die vorgestellte Tour auf den Dachstein ist der komplette Bergsteiger gefragt ...
Für die vorgestellte Tour auf den Dachstein ist der komplette Bergsteiger gefragt ...

Der Dachstein kann - je nach Verhältnissen - sehr harmlos sein, aber auch gefährlich: Vorsicht bei Schlechtwetter und Nebel! Schlechte Sicht führt trotz ausgezeichneter Markierungen rasch zu Orientierungsproblemen! Es rät sich ein früher Aufbruch, will man beim Randklufteinstieg und beim Schlussanstieg nicht im Stau stecken, zudem ist bei Massenandrang mit Steinschlag zu rechnen; am Westgrat geht es etwas ruhiger zu, an der Steinerscharte ist man fast allein.
Auch der Gletscher macht an sich einen harmlosen Eindruck, dennoch tun sich mitten drin einige nette Spalten auf, die Steigeisen, Seil und Pickel erforderlich machen.
Resümee: Eine Dachstein-Begehung ist eine Mixed-Tour mit hohen Ansprüchen für alpine Normalverbraucher: Sowohl am Gletscher als auch am Klettersteig (B) ist der komplette Bergsteiger gefragt, der mit plötzlichen Wetterumschwüngen ebenso zurechtkommt wie mit vereisten Stahlseilen, Gletscherspalten und schlechten Sichtverhältnissen.
Höhenmeter: Etwa 700 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 8-9 Stunden
Beste Jahreszeit: August, September
Kinder: Ab 14
Ausrüstung: Pack-Checkliste-Gletscher, Pack-Checkliste-Klettersteig; am Gletscher komplette Gletscherausrüstung inkl. Sicherheitsgurt, Karabiner, Seil, Pickel, Steigeisen; am Gipfelaufbau Klettersteigset und Steinschlaghelm empfehlenswert!
Einkehrmöglichkeiten:

Seethalerhütte, Wiesberghaus, Simonyhütte

Karte: Alpenvereinskarte Blatt 14, ÖK 50 Blatt 95/96, Freytag & Berndt WK 281 "Dachstein, Ausseer Land, Filzmoss-Ramsau"
Internet: www.bergzentrum.de (Simonyhütte)