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Das wilde Herz ItaliensGran Sasso

Durch die Abruzzen durch das Campo Imperatore bis Capestrano

7-Tages-Tour, August 2008

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Wer den Gran Sasso-Nationalpark im Herzen der Abruzzen durchstreift, wird als anderer Mensch wieder nach Hause kommen. Denn er hat sehen, hören und vor allem staunen gelernt. Die Landschaft, insbesondere des Campo Imperatore, berührt, bezaubert, verzaubert bis ins Innerste
Nur 40 km von Rom, der Stadt der Entdeckungen, entfernt fristet dieses Paradies mit seinen sanften Grasbergen und -tälern, mit seinen Almen und Schafherden, mit seinen anmutigen Dörfern und gastfreundlichen Menschen ein stilles, weil unentdecktes Dasin. Dabei schwärmt man schon mehr als Jahrhundert von den Abruzzen, wie der Historiker Ferdinand Gregorovius vor 140 Jahren: Es sei ein "Zentrum gewaltiger Alpenwelt, aber einer italienischen, in dem smaragdenen feenhaften Lichte des Südens. Wohl könnte man sich hier stunden-, ja tagelang in diesen Anblick versenken und die verworrene Welt darüber ganz vergessen." Wie recht er hat! Wanderungen durch diese "feenhafte" Wildnis bedeutet nicht nur großartige Panoramen, sondern auch bunte Blumenwiesen, Fliegengesumm und Grillen-Gezirp, das Weiß der Kalkfelsen und die Farbenpracht der Orchideenpölster dazwischen, Schmetterlinge über Thymianmatten und Adler über den weiten Hochflächen, bezaubernde Dorfsilhouetten und enge Gassen, Lammspießchen mit Rotwein, der Geruch von Ginster und Cappuccino, schwatzende Italo-Oldies und die undurchdringliche Stille – Wanderer, was willst du mehr? Kultur? Ach, ja Kultur!
Wer um die Hauptspeise Gran Sasso gleichsam als Antipasta Rom (Anflug), das Meer Pescaras in der Mitte und Venedig als Dessert (Abflug) anhängt, erlebt innerhalb von 13 Tagen Italien von seinen besten Seiten. Diese Mischung aus Kultur und Natur ergibt ein Menü an Eindrücken, das kaum zu toppen ist. Buon appetito!

Antipasta

Rom

Im Kollosseum
Meine Wegbegleiterin und ich im Kolosseum

 

 

 

 

 

 

Petersdom
In der Kuppel des Petersdoms ...
Da die Abruzzen, die höchste Gebirgskette des Apennin, nur 40 km von Rom entfernt beginnen, liegt es natürlich nahe, am Flughafen Leonardo da Vinci zu landen und mit der Metro gleich ins historische Italiens einzutauchen. Wer unmittelbar vor dem antiken "Colosseum" aus dem U-Bahn-Schacht steigt, dem verschlägt es den Atem! Ein beeindruckender Wechsel zwischen Einst und Jetzt, Geschichte und Gegenwart, Größenwahn und touristischer Mikrokosmos. Forum Romanum, Petersdom, Pantheon, Caracalla-Thermen, Engelsburg, Fontana di Trevi und und und – all das lässt sich locker in 2-3 Tagen bestaunen, samt romantischem Abendessen in einer Nebengasse, Besteigung der Kuppel des Petersdoms und Radltour über die Via Appia antiqua:

Via appia

Eine traumhafte Antipasti für das Hauptmenü Gran Sasso! Alles andere zu Rom findet sich besser an anderer Stelle oder in einem Reiseführer.

Nun aber los und weg von Rom, wo der Trubel zu Hause scheint, dorthin, wo die Einsamkeit beheimatet ist, von der Enge der Gassen in die Weite der Abruzzen, von der von Menschenhand gefertigten Pracht in die von der Natur geformte, von Meereshöhe in Bergeshöhe, von den Steinen der Antike zu den Steinen der Ewigkeit, von der mühsam gestalteten zu der gewachsenen Schönheit.

Gran Sasso, wir kommen!

Über Campotosto
Weit hinten ist schon der Lago von Campotosto zu sehen ...

Tag 1

Rom – Rieti – Amatrice per Bus; von dort nach Campotosto per pedes

Amatrice (955 m) – Rif. delle SerrePozze TesteCampotosto (1420 m)

HU Pfeil up ca. 670 m pfeil down ca. 200 m
GZ 5 Stunden

Amatrice
Am Pragser Wildsee mit dem Seekofel im Hintergrund setzen wir unsere ersten Schritte.

Rückblick
Zwischen Eichenwäldern tun sich immer wieder Ausblicke u. a. auf Amatrice auf ...

 

Schmetterling
Diese farbenprächtigen Schmetterlinge können auch ordentlich hüpfen ...

 

 

Hotel

Campotosto

einkaufen

Ganz und gar nicht italienisch der Transfer von Rom nach Amatrice: Einfach, pünktlich und schnell per Bus von Rom nach Rieti (halbstündlich von Rom) und von dort wieder per Bus nach Amatrice (jeweils 1,45 Stunden), unserem Ausgangspunkt. Achtung: Die Busse von und zu den Bergdörfern der Abruzzen verkehren nur werktags!

Wir kommen gerade rechtzeitig in Amatrice an, um gemütlich nach Compotosto, unserem ersten Tagesziel, überzuwechseln. Amatrice gleicht von seiner Anlage, Infrastruktur und touristischen Ausrichtung etwa Zell am See oder Obertraun, deswegen kann man sich in einem der vielen Lebensmittelgeschäfte noch schnell mit Proviant für die heutige Tour versorgen, ein Gelati und einen Cappucino munden lassen, ehe man die schweren Rucksäcke auf die Schultern hievt und loslegt. Der Wirt einer Gelateria weist uns den Weg, da schon hier Wegweiser fehlen bzw. in die Irre leiten wollen. Zunächst auf der Durchzugsstraße von Amatrice in Richtung Campotosto durch eine Kastanienallee aus der Stadt heraus, nach etwa 30 Minuten weist ein Schild zum Rif. Cardito, unser Weg! Leicht bergauf über einen von alten Steinmauern gesäumten Feldweg, in denen sich Eidechsen tummeln und rotfarbene Heuschreckenschmetterlinge mit ihrer Buntheit prahlen. Wenn sie hochspringen breiten sie gleichzeitig ihre tiefroten Flügel aus. Die Steinmauern und verfallenden Wege zeugen von der einst blühenden Landwirtschaft in dieser Region. Die einstigen Getreidefelder und Weideflächen liegen nunmehr brach, Büsche und Bäume gewinnen dafür ihr einstiges Revier zurück. Nach 30 Minuten durch Eichenwälder. Weit weg über den Laga-Bergen bilden sich schwarze Wolken, rücken näher. Empfangen uns die Abruzzen mit Regen und Gewitter? Ab der Abzweigung zum Rif. Cardito gelangen wir über die Baumgrenze und schlendern über weite Almen bergan, ehe es zum unbewirtschafteten Rif. Delle Serre bergab geht. Hin und wieder lugen der Monte Pelone und der Monte Gorzano zu uns herüber, wollen uns einladen, aber andante, andante, noch ist es nicht zu weit. Nun wieder über freie Almen, Hochebenen und Orchideenwiesen – im August wird sich die Pracht dieses Blumenmeers leider nur erahnen lassen. Besser wäre es natürlich, im Spätfrühling hierher zu kommen, wenn die Orchideen in ihrer Farben- und Formenpracht weithin leuchten. Sobald man den Lago di Campotosto weit im Süden – aber auch die Gipfel des Gran-Sasso-Massivs – zu sehen bekommt, wird’s erstmals problematisch, aber auch symptomatisch für die Wege hier: Irgendwann verschwindet die Markierung, weil sie sich im Gestrüpp versteckt oder man schlichtweg vergessen hat, sie nachzumalen, sodass von der Geh-Automatik auf Improvisation und Intuition umgeschaltet werden muss. Etliche Wege erweisen sich als "Terra inkognita", manche Pfade enden als Sackgasse, sodass hier im Gran Sasso ein einiges Prinzip über das Weiterkommen entscheidet, nämlich das des "Try and error". Wir schalten um, peilen den See an und stechen weglos und in möglichst gerader Linie hinab, bis wir auf einen Kirsch- und Olivenhain treffen. An ihm entlang ans Ufer des Rio Fucino, wo wir auf Schafherden treffen. Letztlich bis zur Straße nach Campotosto. Ein paar Kurven später und 5 Stunden nach Amatrice haben wir das erste echte Bergdorf unserer Tour erreicht, mit allem, was dazugehört: Kirche, Dorfplatz, Rathaus, Lebenmittelgeschäfte, Bars und Restaurants. Am Dorfplatz die Pension Barilotto, wo uns der Wirt einen reichthaltigen Teller mit Schinken (darunter die Spezialität des Orts, die "Mortadella di Campotosto") und ein Bier auftischt. Uns gegenüber sitzen auf einer Bank ein paar italienische Senioren zusammen und scheinen den Platz bis zum Morgen nicht mehr zu verlassen, genauso wenig wie sie auch ihr Gespräch zu unterbrechen scheinen. Kurz vor 18 Uhr läuten die Kirchenglocken, ein paar Leute finden sich zur Messe ein. In einem mit Plastikmöbeln ausgestatteten Gastgärten hockt die restliche Bevölkerung beim Kartenspiel, während die Frauen ihren eigenen Tratsch-Kreis bilden – ein besänftigendes Bild, das selbst dazu einlädt, mehrere Gänge herunterzuschalten. Das wunderschön gelegene Dorf – unterhalb der See, nah die Gipfel der Monti della Laga, in der Ferne das Gran-Sasso-Massiv – gehört zu den höchst gelegenen Orten der Abruzzen. Jüngere sieht man kaum – kein Wunder, die jungen Einheimischen sind oft schon nach Rom oder in andere größere Orte abgewandert und kommen nur zurück, um hier zu urlauben.
Ein eigenes gemütliches Zimmer samt Dusche kehrt die große Annehmlichkeit unserer Tour hervor. Während wir in unseren Alpen nur mit überfüllten, stickigen Hütten zu tun bekommen samt grauslichen Lagern und teuer zu bezahlenden Duschen, ist eine Tour durch die Abruzzen mit dem Luxus perfekt eingerichteter Zimmer verbunden, die wir übrigens von Tag zu Tag vorreservieren – sicher ist sicher. Genau dieser Gegensatz zwischen der Wildheit der Landschaft, durch die wir tagsüber streifen, und dem Komfort in den schmucken Dörfern macht einen erheblichen Reiz dieser Tour aus. Wissend, dass abends eine Pizza, ein guter Frascati und ein Bett samt Dusche auf uns warten, lässt es sich noch genussvoller wandern.
Nachdem wir abends im hoteleigenen Restaurant zu Abend speisen, beschließen wir den Tag am Ufer des Lago, atmen die von ihn umgebende Stille ein, baden Füße und Seele im lauwarmen Wasser und lassen uns vom Himmel besternen. Buona notte!


Abruzzen bei Wikipedia >>>

Amatrice

Amatrice, ein touristisch genutztes, aber sehr hübsches Bergdorf auf 950 m Höhe in der Region Latium war jahrhundertelang Zentrum der Schafzucht, aber auch des Schmuggels zwischen den Abruzzen und dem Vatikan. Viele historische Gebäude zeugen vom früheren Reichtum und den Renaissance-Wurzeln der Stadt. Während es auf der Hauptstraße viele Geschäfte und Restaurants gibt, herrscht in den engen Seitengassen die typische Stille italienischer Kleinstädte.

Campotosto

Campotosto hat rund 100 Einwohner, im August, wenn die Einheimsichen von Rom und anderen größeren Orten zurückkehren, verzehnfacht sich die Einwohnerzahl. Dieses moderne Nomadentum ist nichts Neues, auch früher, als die einheimsichen Schäfer verbrachten die Schäfer samt ihren Familien die Winterzeit in den Städten. Die Schaftzucht bildet in Campotosto noch immer den wichtigsten Wirtschaftszweig, im Sommer grasen rund 15.000 Tiere auf den Hochflächen und Bergweiden um den See. Zw. 1934 und 1949 wurde zwecks Elektrizitätsgewinnung ein Stausee angelegt, der Lago di Campotosto. Mit 15,8 Quadratkilometern ist er einer der größten künsltichen Seen Europas, siene Ufer sind ein Vogelparadies, seine Tiefen ein Fisch-Reservoir. Wegen starker Strömungen ist er leider zum Baden ungeeignet, in der Abenddämmerung aber an seinem Ufer zu sitzen und der Stille zu lauschen, hat durchaus seinen Reiz.


Schwierigkeiten:
Die Hauptschwierigkeit – wie auf allen folgenden Etappen – liegt in der mangelhaften Markierung und Beschilderung der Wege. Notwendig sind ein ausgezeichnetes Orientierungsvermögen, aber auch der sichere Umgang mit GPS, Kompass und Karte.
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up ca. 670 m pfeil down ca. 200 m
Gesamtgehzeit:
5 Stunden
Beste Jahreszeit:
Die beste Jahreszeit für die Abruzzen ist sicher der kühle, von der blühenden Flora gefärbte Spätfrühling; wer wie wir im Hochsommer unterwegs ist, muss mit Hitze rechnen, die wir aber nicht als quälend empfunden haben.
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Mehre Möglichkeiten in Campotosto, empfehlenswert die Pension Barilotto im Dorfzentrum
Karte: