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Mountainbiken rund um Wien

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Das Geheimnis des Alpinvibrators

Allalinhorn

(4027m, Allalingruppe)

Über den Adlerpass auf das Strahlhorn

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Was Zermatt das Breithorn, ist Saas Fee das Allalinhorn: ein vielberannter, weil schnellst- und leichtestmöglich erreichbarer Gipfel für 4000er-Anfänger und -sammler. Allein seine zentrale Lage macht ihn zum fantastischen Aussichtsberg.

Neben dem Trampelpfad für die U-Bahnfahrer (Metro Alpin) soll hier auch der selektivere Hohlaubgrat vorgestellt werden. Dem Ruhe suchenden "echten" Alpinisten sei empfohlen, auf die U-Bahn-Zeiten zu achten, will er den Gipfel nicht mit Spock und Familie Wampemann teilen ... Andererseits würde auch nie das Geheimnis des Alpin-Vibrators gelöst werden ...

Variante 1:

Per U-Bahn auf das Allalinhorn: Seilbahnstation der Metro Alpin (3454m) - Feejoch - Allalinhorn

2 Stunden/HU: 580

Der Gipfelgrat

Variante 2:

Längfluh Hütte - Feegletscher - Metro Alpin (3500m) - Feejoch - Allalinhorn

4,5 Stunden/HU: 1300 m

Felskinn mit Dreh-Restaurant und Metro-Station

Variante 3:

Britannia Hütte - Hohlaubgrat - Allalinhorn

3,5-4 Stunden/HU: 900 m

Am Gipfel des Allalinhorns

Von der Bergstation der "Metro-Alpin" (Drehrestaurant am Mittelallalin) in den Hang unter den Seracs der Allalinhorn-Nordwand absteigend queren (Vorsicht Eisschlag!) und von Norden zwischen großen Spalten ins Feejoch, 3862m (einige Spalten). Unter dem Gipfelaufbau südseitig queren und zuletzt auf dem Ostgrat zum felsdurchsetzten Gipfel.

Der Trampelpfad der U-Bahn-Fahrer, nicht lohnend, unergiebig.

Wer es ruhiger, selektiver und alpinmoralisch reiner will, übernachtet auf der Längfluh Hütte (2870m), steht früh genug auf, um dem ersten Stau auf dem Normalweg zu entkommen, aber auch um die Sonne aufgehen zu sehen, wandert über den spaltenarmen Feegletscher zum Felskinn (Gletscher-U-Bahn) und von dort weiter, wie oben beschrieben.

Der Weg durch das Spaltengewirr des Feegletschers kann nachts tückisch sein, wie ich selbst erlebt habe.

Folgendes kurioses Erlebnis wird wohl jedem widerfahren, der das Allalinhorn an schönen Sommertagen by fair means bestiegen und auf die erste U-Bahn vergessen hat: Man verlässt die Längfluh Hütte in der Eiseskälte der Nacht, quält sich durch das Spaltengewirr des Feegletschers, hievt sich beim ersten Morgendämmern auf das Feejoch und hält sich für einen Mordsalpinisten, wenn man erschöpft und stolz auf dem höchsten Punkt dieses 4000ers sitzt, mit Steigeisen an den Schuhen, Stirnlampe am Kopf und dem Pickel in der Hand ---- und dann lugt plötzlich ein leicht bekleideter Chinese um die Gipfelecke, Safari-Käppi am Kopf, Sonnenschirm in der Hand und Bermudashorts um die Hüften, dahinter ein zweiter, dritter, du glaubst, du halluzinierst, da steigt dir die ganze Familie Wampemann samt übergewichtigem Sohn und noch übergewichterem Hund über Seil und Schalenschuh, mit Turnpatschen wohlgemerkt, aber dem nicht genug - da keuchen tatsächlich ein Aborigine aus dem australischen Busch einher, eine Indianer-Squaw aus Kentucky und Spock aus dem (T)Raumschiff Enterprise, im Nu bevölkert ein ganzer Reisebus voller Skurrilitäten das Allalinhorn, als sei der ein Affengehege und du, der Alpinist, einer seiner ständigen Bewohner - "Jö, schau, ein Bergsteiger!", ruft jemand und fordert mich auf, Laut zu geben, also gebe ich Laut und mach' brav Männchen dazu, zur Belohnung wirft man mir Brotkrumen vor die Füße ... als Klein-Wampemann auf meine Eisschraube deutet und mich nach deren Bedeutung fragt, antworte ich leicht verärgert, dass dies ein Alpin-Vibrator sei, king-size wohlgemerkt und besonders gleitfähig, als man mich jedoch bittet, auf das Gipfelkreuz zu klettern und mir dabei wie ein Orang Utan auf die Brust zu klopfen, reicht es mir und steige in die nächstbeste U-Bahn ...

Ach ja, erwähnenswert wäre vielleicht noch der grandiose Ausblick auf Mattertal und dazugehöriges "Hörnli".

Der weitaus einsamste und natürlichste Anstieg erfolgt von der Britannia Hütte aus über den Hohlaub-Gletscher und anschließenden Hohlaubgrat. Von der Hütte bis kurz vor den breiten Schneesattel (Punkt 3105m) rechts der großen Felsinsel (3144m). Nun schräg nach rechts über Firn, einige Felsen und einen breiten Rücken auf die Schneehaube (3530m). Dann in einen kleinen Sattel hinunter, über einen Schneerücken hinauf bis zur Schulter, diese rechts umgehen, ein kurzes horizontales Stück bis zum Fels-Querriegel, der über ein Band überwunden wird (Achtung: sehr lose Felsen, II). Von hier über den Schneegrat zum Gipfel.

Fotografiert von Peter Nausester

Bild © Peter Nausester - www.bergfotos.com (hier auch mehr Bilder + Tourenbeschreibung)

 

Wissen

  • Der wichtigste Tipp gleich vorweg: Früh, sehr früh auf, um vor der ersten U-Bahn am Gipfel zu sein und dem Volksfest zu entgehen.
  • Obwohl das Allalinhorn zu "leichten" Viertausendern gezählt wird, bezieht sich die Leichtigkeit nur auf die Länge des Anstiegs und die technischen Schwierigkeiten. Die Gefahren der Gletscher, Wetterstürze, Stein- und Eisschlag sind mit dem gleichen Ernst einzubeziehen wie an jenen Gipfeln, die als "schwer" gelten.
  • Die meisten "subjektiven" Gefahren gehen meist vom Menschen selbst aus: Mangelnde Kondition und Akklimatisation (in den 4000ern der Westalpen von großer Bedeutung!), lange Wege, ungenügende Wasseraufnahme, hohe Verdunstung und starke Transpiration mindern die gewohnte Leistungsfähigkeit. Dazu kommen ein schwerer Rucksack, erschwertes Gehen mit Steigeisen, Gurt und Seil.
  • Ein ernst zu nehmendes Kapitel in den Westalpen ist auch die Orientierung. Nebel, plötzlich auftretende Wetterumstürze und Stürme fordern den Orientierungssinn und die richtige Handhabung von Höhenmesser, Kompass und Karte.
  • Der Name des Allalinhorns soll von "All´Ayalin" stammen, was "beim Ahorn" heißt.
  • 1856 erfolgte die Erstbesteigung des Allalinhorns über den Allalinpass und den Südwestgrat durch den Saaser Pfarrer Johann Josef Imboden mit Franz Andenmatten und E.L. Ames.
  • 1882/87 wurde der Hohlaubgrat erstmals im Abstieg begangen durch Heinrich Dübi mit Alphons und Peter Supersaxo, im Aufstieg 1887 durch H.W. Topham und G.H. Rendall mit Aloys Supersaxo.
  • Die Britannia Hütte der Sektion Genf ist eine der meistbesuchten SAC-Berghütten der Alpen und vor allem Ausgangspunkt der berühmten Haute-Route.

 


Ausrüstung:
Karte:
Landeskarte der Schweiz "Matterhorn-Mischabel", 1:50.000

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