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Durchs Herz der Dolomiten

Civetta

Höhenweg Nr. 1 vom Pragser Wildsee nach Alleghe

Juli 2007
Dolomiten

Intro/Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5 | Tag 6: Civetta | Tag 7

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Beim Namen Civetta (= "Eule") wird in erster Linie an die Dolomiten, dann an schwere Klettersteig-Anstiege gedacht.
Der Via ferrata degli Alleghesi über den Ostpfeiler der Punta Civetta, die Via ferrata Attilio Tissi und die Via ferrata Costantini (Moiazza) gehören zu den anspruchsvollsten Klettersteigen der Dolomiten.
Aber die Civetta hat auch ihre - relativ gesehen - sanfte Seite,
den "Via normale" über die SO-Flanke des Berges. Wir haben diesen üblichen Abstiegsweg bergauf getestet und haben erkannt: zwar kein Pappenstiel, aber ein durchaus gangbarer Weg zu einem der Traumgipfel der Alpen.

Anfahrt & Aufstieg

Rif. A. Sonnino Coldai (2132 m) - Sent. Tivan - Via Normale - Rif. Torrani (2984 m) - Civetta (3220 m)

HU ca. 1200 m, GZ 4 ½ Stunden

Über den Ostpfeiler der Civetta führt der Alleghesi-Klettersteig
Über den Ostpfeiler der Civetta führt der Alleghesi-Klettersteig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mit dem Rif. Torrani ist ein gemütliches Zwischenziel - und eine excellente Gemüsesuppe - erreicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die letzten Meter zum Gipfel ...
Die letzten Meter zum Gipfel ...

Vom Rif. A. Sonnino Coldai (zu erreichen via Rif. Tissi bzw. Rif. Cittá di Fiume) am rot markierten Weg 557 unter den Vorgipfeln der Civetta Monte Coldai (2396 m), Torre Coldai (2600 m), Torre d'Alleghe (2649 m), Torre di Valgrande (2715 m) und Punta Civetta (2892 m) über zwei gesicherte Kletterstellen, ansonsten aber auf gutem Weg bis zum Einstieg der Via Ferrata degli Alleghesi. Da diesen schwierigen Klettersteig (C/D, II) lieber Könnern überlassen, marschieren wir noch etwa 15 Minuten weiter, ehe eine Felsaufschrift "Via Normale" nach rechts lenkt (Weg 558). Anfangs eventuell über ein Schneefeld, dann der wohl anstrengendste Teil der Tour: Ein steiler, "bröseliger" Geröllhang - ein Schritt vor, zwei zurück -, über den es sich etwa zwei Stunden hinaufzukämpfen gilt. Das zehrt an den Kräften, an der Geduld und der Motivation. Sobald jedoch die erste gesicherte Kletterpassage erreicht ist, hat auch die Hundsplage ein Ende gefunden. Nun heißt es zupacken, folgt doch Kletterei über Kletterei über gut gesicherte Platten, kleine Felsaufschwünge und Schrofen, was allerdings sogar Anfängern taugt, weil man schnell und spannend Höhe gewinnt.

Die bestens mit Stahlseilen versicherten neuralgischen Stellen überschreiten nie Schwierigkeit A-B, dazwischen darf man auf Gehpassagen ein wenig verschnaufen. Die roten Markierungspunkte sind bei Nebel allerdings schwer zu finden, weswegen bei unsicheren Wetterverhältnissen von einer Tour abzuraten ist.
Bei gutem Wetter allerdings sind die etwa 1000 Höhenmeter schnell überwunden. Sobald man die winzige Biwakhütte Rif. Torrani erreicht hat, wird man es beinahe geschafft haben. Für uns gehörte die Ankunft in der kleinen Hütte zum wohl nachhaltigsten Erlebnis der Tour. Über ihr werkte ihr Hüttenwirt, ein junger, nach eigenen Angaben "grazy" Freak, der hier drei Monate am Stück verbringt und Gäste wie uns liebevoll bewirtet: Mit einer Gemüsesuppe etwa, wie man sie nirgendwo anders findet. Gerade dass der Löffel nicht in ihr stecken blieb. Gegessen wird an einem großen Tisch inmitten von etwa 15 Stockbetten, und auch der moderate Preis von 6,- hat uns überrascht, in "normalen" Dolomiten-Hütten kostet sie auch nicht weniger.

Legendäres Suppenlöffeln im Rif. Torrani
Legendäres Suppenlöffeln im Rif. Torrani

Von der Hütte sind es nur mehr 35-40 Minuten und ein paar Kletterseile, ehe das Traumziel, das kleine, metallene Gipfelkreuz der Civetta erreicht ist. Dort auch der für uns eindrucksvollste Augenblick: Aufgestiegen durch eine düstere, kalte Wolkensuppe, betraten wir just am Gipfel die Wettergrenze und eröffnete sich uns ein unbeschreiblicher Ausblick über das Herz der Dolomiten - das Rif. Tissi und Alleghe unter den atemberaubenden Steilwänden der Civetta, der Monte Pelmo in unmittelbarer Nähe, die Marmolada, der Piz Boe, in weiter Ferne die Schneedächer der Hohen Tauern. Solche Augenblicke sind unbezahlbar, weil unvergesslich. Da ist dankbar, dass man sich die 1200 schweren Höhenmeter hinaufgeplagt hat. Zu unserer Gipfelfeier gesellen sich noch einige höhenfeste Bergdohlen hinzu, die glauben, mit einigen Flugakrobatik-Vorführungen an unseren Nusslikör gelangen zu können.
Wir schauen, staunen, stoßen an, sind glücklich. Für Flo ist's der erste Dreitausender, für Ju und Berni der bisher schwerste. Auch das ein Grund zum Feiern.

Am Gipfel
Dieser Augenblick, als wir die Wettergrenze überschritten, bleibt wohl unvergessen.

gunter uns
l. Alleghe mit See, r. die Steilwände der Civetta

Abstieg

Wie oben HU ca. 1200 m, GZ 3 ½ Stunden

Na ja, so arg wie Ju tut, war's denn doch nicht ...
Na ja, so arg wie Ju tut, war's denn doch nicht ...

Für den Abstieg bleibt uns nur der Aufstiegsweg, die Civetta weist nur eine einzige halbwegs sanfte Seite auf. So wird abgeklettert, bis die Wadln glühen, die Knie krachen und die Finger schmerzen. Aber man nimmt's in Kauf, schließlich war man ja oben, hat man für sich eine Grenze überschritten, was mehr wert ist als Knieschmerzen und ein paar Blasen an den Fingern.
Am Ende noch der lästige Geröllhang, über das Schneefeld wird kurzerhand abgefahren, den Weg um die Ostflanke zum Rif. Coldai kennen wir zwar schon, sind aber dennoch über die zwei langen Kletterpassagen erstaunt. Vielleicht haben wir in der Früh ja doch noch geschlafen oder vervielfacht Müdigkeit jede noch so kleine Anstrengung. Einerlei, in der Coldai-Hütte wartet schon ein Bier auf uns, das haben wir uns wirklich verdient, das baut wieder auf und lässt uns erst jetzt richtig bewusst werden: Die Civetta gehört uns.


Zurück in der Coldai-Hütte - Prost!


Schwierigkeiten:
Langer Klettersteig A-B, bei Nebel Orientierungsprobleme; Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Orientierungsvermögen und eine sehr gute Kondition unbedingt notwendig
Höhenmeter: Etwa 1200 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 8 Stunden
Beste Jahreszeit: Sommer bei klarem und stabilem Wetter
Ausrüstung: Pack-Checkliste, + Klettersteigset, Helm empfehlenswert
Einkehrmöglichkeiten:

Rif. Coldai, Rif. Torrani

Karte: Freytag & berndt WKS 5 "Gröden – Cortina – Marmolada – Val Gardena – Álleghe"