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Im Reich der Maultrommel
Gaisberg & Dürres Eck

Titel
Wanderung, Nationalpark Kalkalpen, Molln, 2014; Text/Bilder: © Thomas Rambauske


Der Gaisberg und das Dürre Eck, zwei Waldhügel über Molln in den Oberösterreichische Voralpen und im Herzen des Nationalparks Kalkalpen, gewährt sehr schöne Aussichten auf das Wald- und Gipfelpanorama des Steyrtals und den Nationalpark Kalkalpen. Die Hintergrundmusik dazu liefern Maultrommeln aus der Hochburg der Maultrommelherstellung Molln.

Die Route

Vom Ausgangspunkt Parkplatz bei Steyrlingbrücke in Gstadt bei Molln folgen wir dem Hinweisschild "Gaisberg-Mollner Hütte" auf einer Straße leicht bergan durch eine kleine Siedlung und teils durch Wald, teils durch Wiesen bis zum Parkplatz "Mollner Hütte" beim letzten Gehöft vor der Waldgrenze. Schilder verraten die Gehzeiten von "Molln-Sonnseite" zur Mollner Hütte in 1,5 Std. und Gasibergwieseden Dürres Eck/Gaisberg in 2 Std. Schnell verschwindet der Weg in Wald und führt zum Sepp-Mittenhuber-Steig, der zum Gedenken an ein hier bekanntes Alpenvereinsurgestein angelegt wurde. Auf schmalem, wurzeligem und steinigem Waldpfad steigen wir langsam hoch, bis wir zu zwei Felszähnen gelangen, die gerade noch einen Durchschlupf erlauben. Eine Jagdhütte mit Quelle und schöner Aussicht über das Steyrtal hinunter lädt zur Zwischenrast ein. Wenig später lichtet sich der Wald und wir betreten die Gaisbergwiesen. Über diese zu einer Wegkreuzung, wo es nach rechts in wenigen Schritten zur Mollner Hütte geht und links zu unseren zwei Gipfeln. Wir lassen uns die Pause und Feierstunde für nach den Gipfelgang und setzen unseren Weg fort. Auf der Bergflanke, der man nun zusteuert, hat man urkundlich bezeugt seit 1570 Eisenerz abgebaut. Nun wieder etwas steiler durch Wald bis zum Sattel zwischen den zwei Bergen, zu denen wir in 10 bzw. 20 Minuten gelangen.

Dürres EckGaisberg

Sowohl das Dürre Eck (1.222 m) als auch der Gaisberg (1.267 m) sind mit Kreuz, Gipfelbuch und Traumausblick versehen: Über dem Mollner Tal erheben sich die Gipfel des Toten Gebirges, im Westen überragen die Kremsmauer und der Traunstein die bewaldeten Landsberge, im Süden beeindrucken die Nordabfälle des Sengsengebirges. Im Norden reicht die Sicht bis ins Mühlviertel.

Ausblick

Nach den Gipfeln wandert man am gleichen Weg zu den Gaisbergwiesen zurück, kehrt vielleicht in die Hütte ein und steigt auf dem selben Pfad wieder ins Tal zurück.
Fazit: eine stille, beschauliche und einsame Tour für Feinschmecker.

Der klingende Botschafter

SchaukastenMolln gilt seit über 400 Jahren als Mittelpunkt der europäischen Maultrommelproduktion, weshalb sich das kleine uralte und in vielen Kulturkreisen bekannte Instrument auch im Gemeindewappen wiederfindet. Das Handwerk wurde in seiner Glanzzeit von bis zu 33 kleinen Familienbetrieben ausgeübt. Heute sind es nur mehr drei, Franz Wimmer ist einer der letzten Überlebenden dieser alten Zunft und Handwerkstradition. In seiner nicht mehr als 30 m2 großen Werkstatt hängen Schaukästen mit unzähligen Arten von Maultrommeln, neben Bildern von Prominenten, die ihm die Ehre gemacht haben, auch Bilder seiner Vorfahren und der alten Werkstätten, in denen in der Blütezeit bis zu 33 Mitarbeiter gewerkt haben. In seiner kleinen Werkstatt in Molln fertigten sie seit dem 16. Jahrhundert, als Familienbetrieb, Maultrommeln.
Wer Franz Wimmer zuhört, wird schnell verstehen, dass seine Welt aus Maultrommeln besteht. In aller Herren Länder exportiert er seine Maultrommeln und beliefert seine besten Kunden Wimmer-Kartesogar persönlich, um ihnen zu zeigen, wie man das Instrument am besten spielt, aber auch um sie kennenzulernen. Das hat ihm den Beinamen "Klingender Botschafter" eingebracht.
"Molln ist aber keineswegs der Ursprung der Maultrommel!", klärt er uns auf, "niemand geringerer als die Eiger-Nordwand-Legende und Weltreisender Heinrich Harrer, habe ihn aufgeklärt, dass das Instrument aus Sibirien stammt, woher sie dann im 12. Jahrhundert Marco Polo über die Seidenstraße nach Europa gebracht hat". Dass sie weltweit verbreitetes Instrument sei, führt er uns anhand verschiedener Maultrommlen vor, wie auf einer Bambus-Maultrommel von den Philipinen, oder auf einer japanischen,der am schwierigsten zu spielenden Maultrommel. "Ich habe drei Monate dafür gebraucht, um es zu lernen." Was macht den Reiz der Maultrommel aus, dessenwegen sie weltweit gespielt wird? Wimmer"Dass man sie gut für spirituelle Zwecke verwenden kann. Jedes Land hat eine andere Bestimmung für sie: Der Amerikaner verwendet sie für Country-Musik, wir für die Volksmusik, die Schamanen für religiöse Riten, die Norweger singen dazu – jede Kultur hat ihren eigenen Zugang zu diesem Instrument."
Alle sechs Jahre gibt es ein Maultrommel-Festival an der verschiedenen Orten der Welt. 1998 fand es in Molln statt, das nächste Mal in La Paz in Bolivien.
Wer in seine kleine Werkstatt kommt und interessiert ist, den weiht gerne Franz Wimmer in die Geschichte der Handwerkstraditition ein. Dem erzählt er Geschichte und Geschichte rund um die Maultrommel, aber auch von seiner Lebensphilosophie: "Wenn ich da an meinem Arbeitsplatz sitze, denke ich mir oft, die Welt hat einen Vogel. Niemand hat mehr Zeit für das Schöne. Ich nehme mir die Zeit, gehe etwa hinaus, um die aufblühenden Blumen zu beobachten." Sagt‘s und gibt uns zum Abschied ein Maultrommelkonzert.

Maultrommel-Schaubetrieb Wimmer: Öffnungszeiten: ganzjährig an Werktagen von 9-17 Uhr; Führungen außerhalb der Öffnungszeiten und an Wochenenden nach Voranmeldung. Eintritt frei, Führungsdauer ca. 30 Minuten
Mehr Infos: www.maultrommel.at

Ausgangspunkt:
Route:
Gstadt (Molln, Parkplatz) – Parkplatz Mollner Hütte – Jagdhütte – Gaisbergwiesen – Dürres Eck & Gaisberg
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 800
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up Pfeil down ca. 4½-5
Schwierigkeiten:
Keine
Eignung für Kinder:
gut geeignet
Eignung für Hund & Katz':
gut geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Mollner Hütte
Karte:
Kompass WK 70, Nationalpark Kalkalpen
Wikipedia-Wissen:

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