www.BergNews.com
www.bergnews.com www.bergnews.com

Mountainbiken rund um Wien

Follow us to facebook

Biwak am "gespießten" Berg:

Großglockner

(3798 m, Hohe Tauern)

Biwak am Großglockner

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

"Gespießt" nennt ihn Belsazar Hacquet, einer der Glocknerpioniere, "Majestät", "dunkler Großfürst", "schönster Berg der Ostalpen" nennen ihn andere, eines ist allerdings sicher: er ist der höchste Berg Österreichs - der Großglockner! Mythen, Dramen, Staus am Glocknerleitl, Verkehrsinfarkte am Kleinglockner, Versuche, den Gipfel gold zu bemalen - was hat sich da oben nicht schon alles abgespielt! Was bleibt? Ein Berg, nichts weiter.

Die hier vorgestellte Tour über den Normalanstieg beeindruckt durch seine historische Bedeutung und landschaftliche Schönheit. Der Gletscheranstieg findet man meist immer gut gespurt vor, der Gipfelgrat ist mit langen, eingelassenen Eisenstangen (für Zwischensicherungen) versehen.

Mit dabei Franz, mein langjähriger Wegbegleiter, sowie Andreas und Christoph, zwei Alpin-Rambos, die am Glockner das Fürchten lernten ...

Ach, um nicht zu vergessen - laut Hacquet soll der Gipfelaspirant des Glockners folgender Maßen aussehen:

Der physische Bau des reisenden Bergsteigers muss vollkommen wohlgebildet und ohne Leibesgebrechen sein. Von fünf bis fünfeinhalb Schuh ist die beste Größe, höhere Menschen taugen nicht so gut. Ein Bergsteiger muss in allen Fällen beherzt sein und keine Furcht vor jähen Abstürzen haben. Der sogenannte Schwindel entsteht aus Furcht. Ferner muss ein Bergsteiger nie beweibt sein. Denn erstens: Liebt er seine Gattin, so verliert er bei der Trennung viel von seinem Muthe. Zweitens wagt ein Verheirateter weniger, besonders ein Vater. Drittens: lange und öftere Abwesenheit vom schönen Geschlecht macht, dass dasselbe Gesinnungen aufnimmt, die dem Verheirateten nicht gleichgültig sein und die häusliche Glückseligkeit mindestens nicht befördern können.


Hofmannshütte, 2444 m - Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe), 3451 m

6-7 Stunden/HU: 1450 m

Grossglockner von der Franz-Josefs-Höhe

Erzherzog-Johann-Hütte - Großglockner

1,5 Stunden/HU: 350 m

Am Glocknergrat

Adlersruhe - Pasterze - Hofmannshütte

1,5 Tage

Biwak am Ufer der Pasterze

 

on der Hofmannshütte (leicht erreichbar vom Parkplatz der Franz-Josefs-Höhe, 2370m; Großglockner-Hochalpenstraße von Heiligenblut aus) durch Fels- und Schrofengelände (heikle Stellen sind gesichert) hinab ans Ufer der Pasterze, dort die Steigeisen angeschnallt und in südlicher Richtung über das graublaue Eis des Gletschers, einst der mächtigste Österreichs. Vom anderen Ufer Steinmännern nach über Geröll, einen markierten Weg, den Hofmannsweg, bergan, weiters in Kehren über schrofigen Untergrund und eine Felsstufe aufwärts und auf eine Kammhöhe zum sog. Frühstücksplatzl, 2796m, vor dem Hofmanns Kees. Über spaltenreichen, mitunter steilen Gletscher an der Eiskapelle vorbei zu einem zweifachen Steilhang. Über einen Firnboden, auf dem höher ansetzenden Salmkamp rechts entlang und in nordwestlicher Richtung zu der schon weithin sichtbaren Adlersruhe hinauf. Zuletzt über eine lange Schneemulde und Felsen zur Erzherzog-Johann-Hütte, 3451 m.

Von der Hütte nordwestlich über einen 35° steilen, ostseitigen Firnrücken (Achtung! Hier passieren die meisten Unfälle!) zum sog. Glocknerleitl, dem Einsteig in den Fels. Christoph und Andreas werden angeseilt. Die Kletterei auf den Kleinglockner bereitet kaum Schwierigkeiten (I, Stangen dienen zur Zwischensicherung). Aufpassen auf die nordseitig hinausragenden Wächten!

Über Blockstufen zum jenseitigen Felskopf, 3783m. Dann der wohl berühmteste und zugleich gefährlichste Teil: die schmale, sehr schmale Brücke zwischen Klein- und Großglockner. Ca. 8m lang und 40cm breit, meist vereist, rechts senkrecht abfallend die Pallavicinirinne, links die Südrinne ins Ködnitzkees. Dieser Grat ist  d a s  Kriterium der Tour. Drahtseilversichert ca. 20 Höhenmeter hinab zur Brücke, hinüber und auf der anderen Seite über anfangs steile Platten in IIer-Kletterei zu einem kleinen Stand, weiter nach links über gestuften Fels und gerade empor zum Gipfelkreuz des wahrlich "gespießten" Berges (3798m).

Am plattigen Gipfelfels

 

1,5 Stunden zurück zur Adlersruhe. Um nicht noch einmal in der (zurecht) teuren und überfüllten Hütte übernachten zu müssen, wagen wir den Abstieg. Zeit haben wir genug, allerdings nicht die besten Wetterverhältnisse. Während des Abstiegs erste Regentropfen und ferne Donnerschläge. Je näher wir der Pasterze kommen, desto schwärzer wird der Himmel. Am Ufer des Gletschers dann der erste Donnerschlag, dem Blitz auf Blitz folgt, Regen, Kälte, Nebel - keine Chance als zweibeinige Blitzableiter unbeschadet über den gewaltigen Eisfluss zu setzen. Biwak. Noch glauben wir, bloß eine Stunde aushalten zu müssen ... aus einer Stunde werden zwei, drei ... eine ganze kalte, feuchte Nacht. Die Buben schlottern, kriegen kein Auge zu - aber ein Abenteuer ist es allemal, am Ufer der berühmten Pasterze zu biwakieren.

Am nächsten Morgen endlich, das Gewitter hat sich verzogen, können wir mit klammen Beinen über den Gletscher zur Hofmannshütte wechseln - selten hat uns das Frühstück besser geschmeckt.


Tipps und Hinweise

  • Laut AV ist die Hofmannshütte zur Zeit auf Grund der Sanierung des Gamsgrubenwegs geschlossen. Ausweichmöglichkeit: Glocknerhaus.

  • Gletschererfahrung einiges Klettergeschick (Beherrschung des II. Klettergrades) sind absolut notwendig.

  • Um eventuellen Staus am Glockner auszukommen, ist es sinnvoll, außerhalb der Hauptsaison, also erst Anfang September bzw. zu antizyklischen Zeiten, nachmittags bzw. wochentags, aufzusteigen.

  • Vor allem gegen Ende der Saison erfordern verdeckte und große Spalten erhöhte Aufmerksamkeit.
  • Erster Versuch einer Besteigung: Der Gurker Fürstbischof Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt ordnete 1799 die erste Expedition auf den Glockner an, sein Generalvikar Sigmund von Hohenwart leitete sie. Mit den Brüdern Martin und Sepp Klotz, Zimmerleuten aus Heiligenblut, und einer bunten Gesellschaft aus Wissenschaftlern, Klerikern, Wilddieben und einem Koch - insgesamt 30 Mann - erreichte man wegen Schlechtwetters am 25. August nur den Kleinglockner.
  • Im Sommer 1800, also vor knapp über 200 Jahren, stellte der Fürstbischof eine zweite Expedition zusammen: 62 Personen, darunter 47 Führer, belagern den Berg. Am 28. Juli 1800, 14 Jahre nach der Erstbesteigung des Montblanc, wagen sich die Brüder Martin und Sepp Klotz, zwei weitere Zimmermänner sowie der Dölsacher Pfarrer Horasch über die "schröckliche Scharte" auf den höchsten Punkt. Heute erinnern die Salmhütte und die Hohenwartscharte an jene beiden Glocknerpioniere, die für die Erstbesteigung verantwortlich zeichneten.
  • Am 18. 8. 1876 gelang Markgraf Pallavicini, begleitet von den Führern Georg Bäuerle, Johann Kramser und Josef Tribusser, die Bewältigung der Nordost-Rinne, der heutigen Pallavicinirinne. Das allerdings auf seltsame Weise. Allein Josef Tribusser schuftete, schlägt mit dem Pickel Stufe um Stufe ins Eis, von unten nach oben eine einzige Eistreppe, 2500 Absätze! Nur auf der letzten Stufe lässt er dem Markgrafen den Vortritt ...
  • Der Prager Kaufmann Johann Stüdl finanzierte den Weg von der Kalser Seite aus: die heutige Stüdlhütte und die Versicherungen am "Neuen Kalser Weg" über den Südwestgrat auf den Großglockner - den heutigen Stüdlgrat.
  • Seit über 120 Jahren trotzt die Erzherzog-Johann-Hütte (benannt nach dem steirischen Prinzen Erzherzog Johann), der höchstgelegene Alpinstützpunkt Österreichs, Wind und Wetter. Von der Salm'schen Expedition wurde 1800 ein erster Unterstand auf der Adlersruhe errichtet. Seit 2000 arbeitet man an der Renovierung der Hütte.
  • Die Hofmannshütte, nach Karl Hofmann, einem Zeitgenossen Johann Stüdls, benannt, erneuerte zusammen mit Stüdl jenen Urbau, den Erzherzog Johann bereits 1834 hatte errichten lassen.
  • Der Nationalpark Hohe Tauern wurde 1992 realisiert und ist nicht nur ein Schutzgebiet für exotische Pflanzen und diverse Großtiere wie den Steinbock. Bei einem 1995 begonnenen Forschungsvorhaben entdeckten die Wissenschaftler im Gößnitztal überrascht ein Insektenparadies: 100 Spinnen- und 527 Schmetterlingsarten sowie neuentdeckte, handtellergroße Weberknechte.

 


Ausrüstung:
Literatur:
  • Willi End/Hubert Peterka: Alpenvereinsführer Glockner- und Granatspitzgruppe und Gebietsführer Glockner-, Granatspitz- und Venedigergruppe.
  • Alpenvereinskarte 1:25.000, Nr. 40 (Großglocknergruppe)
  • Österreichische Karte 1:25.000 und 1:50.000, Blatt 153
  • Freytag &Berndt-Wanderkarte 1:50.000 (Großglockner-Kaprun-Zell am See)

© 2008 www.BergNews.com