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Mountainbiken rund um Wien

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Grat-Wanderungen
Mönch, Großes Fiescherhorn

Mönch

Hochtour, August 2013; Text/Bilder: © Lukas Letz

Der erste Kultureindruck der Schweiz: Drehkreuze vorm WC, 2 Franken Gebühr. Willkommen in der Schweiz. Was wir übersehen haben: Das Datum zeigte den 1. August an, und was sagt das dem kulturgewandten Bergtouristen? Genau: Schweizer Nationalfeiertag und das steht dem Vorhaben, möglichst schnell im Schlafsack, zu verschwinden, gravierend im Weg.
Südost-GratÜberpünktlich kamen wir in Grindelwald Grund an und zahlen mal 172 Franken fürs Bahnticket auf das Jungfraujoch. 1,5 Stunden später stehen wir auf 3.600 m und wundern uns erst mal. Was sich dort oben abspielt, ist kaum zu beschreiben, mit puristischem Alpinismus hat‘s jedenfalls nichts zu tun. Um dem Touristentreiben auszukommen, beeilen wir uns auf der plattgewalzten Spur Richtung Mönchsjochhütte. Nach 45 Minuten stehen wir vor dem Einstieg zum Süd-Ost-Grat des Mönchs. Von hier klettern wir durch Blockgelände bis zum Regenmesser, dann geht es immer weiter am Grat entlang, bis er in steilen Firn übergeht. Der Grat wurde nach zahlreichen Unfällen mit Sicherungsstangen entschärft. Der Höhepunkt der Mönchsbesteigung ist dann der ca. 200 m lange waagrechte Grat Richtung Gipfel, mit schönen Tiefblicken auf beiden Seiten. Hier noch ein Tipp an alle Mönchsaspiranten aus einem Tourenführer: "Nicht jede Spur, ist eine gute Spur". Man darf sich durchaus Gedanken machen, wie hoch oben man auf einer Wechte herumtanzen möchte. Bei uns passt es und wenige Minuten später stehen wir am Gipfel (4.107 m), der von Seilschaften aus allen Winkeln der Erde besetzt ist, aber ein tolles Panorama aufweist:

Panorama

Wer einsame Touren liebt, sollte also einen möglichst großen Bogen um den Normalweg am Mönch machen, hat aber dennoch Alternativen wie den Süd-West-Grat (ZS) oder die klassische Nord-Ost-Wand Route "Nollen" (S). Abstieg über den gleichen Weg und dann noch zehn Minuten zur Mönchsjochhütte. Dort wird Mann/Frau von der Hüttenwirtin Heidi vorzüglich bewirtet – allerdings zu Schweizer Preisen. 1,5 L Mineralwasser 13 Franken, da wurde mir auch klar, weshalb Sparsame alles, was sich brauchen, hierher mitgebracht haben.

Abstieg

Großes und Hinteres Fiescherhorn

Fiescherhorn

3.00 Uhr Tagwache. Runter in den überfüllten Frühstücksraum und dann in die Kälte raus, wo wir dann aber schnell auf Touren kommen und das "Ewigschneefeld" (der Grund für diese Bezeichnung hat nur im Entferntesten damit zu tun, dass der Schnee dort schon ewig liegt) querten. Was gestern vom Gipfel des Mönchs aussah, wie ein gemütlicher Spaziergang, stellt sich im Laufe der nächsten zwei Stunden als eben dies heraus, als zweistündiger Spaziergang. Danach hat man genau minus 350 Höhenmeter gemacht, wobei wir schon ahnen, dass diese Tour in die Kategorie "zach" fällt. Meistens ist es nämlich nicht gut, wenn man zuerst Minushöhenmeter macht (wie vonFirn 3.600 auf 3.250 m), vor allem mit dem Wissen, dass man diese wieder hinauf muss – und zwar über eine 35 Grad steile Firnrampe unter die Scharte. Dort steilt sich das Coloir auf 45/50° auf.Leider hatten wir hier das Pech, zwei Franzosen vor uns zu haben, die es sich zum Ziel machten, uns mit losem Gestein zu bombardieren. Schönen Dank nochmals! Wundersamer Weise kamen wir heil in der Scharte an und gingen von dort erstmal in Richtung Hinteres Fiescherhorn, einen kleinen unbedeutenden Gipfel, aber immerhin ein offizieller UIAA 4000er, und wenn so etwas mal am Weg liegt, kann man es ja "mitnehmen". Außerdem ist er mit einem wunderschönen, zu 100 Prozent nicht verbaubaren Blick aufs Finsteraarhorn ausgestattet. Danach zurück zur Scharte und dann über Blockkletterei im 2-3 Grad aufs Große Fiescherhorn. Bis hierher braucht man ca. fünf Stunden, wovon besonders die ersten beiden einfach nur mühsam sind, danach wird’s ein wenig lustiger. Für den Abstieg suchten wir uns den Walchergrat aus (ZS/III/50°). Erstens weil wir keine Lust mehr auf den Normalweg hatten, zweitens waren mittlerweile einige Seilschaften unterhalb der Scharte dabei, sich mit Steinen zu bewerfen, und man muss ja bekanntlich nicht bei jedem Spaß mitmachen. Wir gingen das meiste seilfrei runter, nur eine 50° steile Blankeisstelle seilten wir dann doch ab.

Im Couloir

Der Grat sah von oben relativ kurz aus, aber besonders der untere Teil, in welchem man diverse Eisabbrüche umgeht, zieht sich gewaltig und hat einige Gegenanstiege. Unten angekommen hat man dann nur mehr die Querung des Ewigschneefeldes vor sich und schon ist man in der Hütte. So zu mindestens der Plan, in Wirklichkeit geht man noch mindestens zwei Stunden zur Hütte – ein alpines Psychospielchen ...

Abstieg

Lexikon: Mönch

Der Mönch ist ein Berg in den Berner Alpen, mit einer Höhe von 4.107 m ü. M. Zusammen mit dem Eiger und der Jungfrau bildet er eine markante, von weit her sichtbare Dreiergruppe. Seine Erstbesteigung fand am 15. August 1857 durch Christian Almer, Christian Kaufmann, Ulrich Kaufmann und Sigismund Porges statt.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Mönch:
Süd-Ost-Grat – Regenmesser – Mönch (4.107 m) – Mönchsjochhütte
Schwierigkeiten:
WS+/ZS- II, 45 Grad
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up ca. 3-4 Pfeil down 2
Großes Fiescherhorn, 4.049 m Hinteres Fiescherhorn, 4. 025 m
Mönchsjochhütte – Ewigschneefeld – Normalweg (WS+/ZS- II,45) – Walchergrat (ZS III/50) – Hinteres Fiescherhorn WS
Ausrüstung:
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