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Überschreitung des Mont Blanc per Ski
Quer über den Monarchen

Mont Blanc

Ski-Hochtour, 2014; Text: Lukas Letz, Bilder: Stefan Pacher

Viele Bergsteiger träumen davon, den Mont Blanc, den höchsten Berg der Alpen, zu besteigen, doch viele schrecken vor den Menschenmassen im Sommer zurück. Wer den Berg alleine genießen will, plant seine Tour am besten für den Winter. Und wer die Herausforderung sucht, fasst die Königsdisziplin am Monarchen ins Auge: die Überschreitung von Mont Blanc du Tacul, Mont Maudit und Mont Blanc. Sie wird zurecht als eine der ganz großen Touren im Alpenraum bezeichnet.

Die Route

Mont Blanc
So nah und doch so fern, die Perspektive vom Col du Mt. Maudit täuscht, der Weg ist noch weit

Auf einem Berggiganten wie dem Mont Blanc gibt es zwangsläufig viele Optionen, um auf den Gipfel zu gelangen. Vorab ist aber zu entscheiden, in welcher Hütte man nächtigt. Dadurch ergeben sich meistens auch automatisch die Aufstiegsroute und die angepeilte Abfahrt.
Für uns war klar, dass wir die Überschreitung des Mont Blancs machen wollen, dafür gab es bereits im Vorfeld viele Gründe. Zum einen ist man auf der Überschreitung einsamer unterwegs als am Winter-Normalweg von der Grands Mulets-Hütte aus. Zum anderen ist die Überschreitung landschaftlich einmalig, schließlich überquert man drei über 4000 Meter hohe Berge; wieters sind auch die technischen Schwierigkeiten etwas anspruchsvoller und interessanter, was das Gesamtpaket einfach spannender macht.

Die Planung
Ausgangspunkt für die Überschreitung von Mont Blanc du Tacul, Mont Maudit und Mont Blanc ist die Cosmiques Hütte auf 3.613 Metern. Sie ist auf unterschiedlichen Wegen erreichbar: Falls man noch nicht akklimatisiert ist, sollte man vermeiden, direkt mit der Du-Midi Bahn hochzufahren und am nächsten Tag auf den Gipfel zu gehen. Man wird auf 3.600 Metern eine schlechte Nacht verbringen und auch der nächste Tag hinauf auf den Gipfel wird alles andere als lustig. Diesbezüglich empfiehlt es sich also, sich vorab auf anderen Touren zu akklimatsisieren.
Eine andere Variante stellt der langsame Aufstieg über das Mer de Glace zur Requin Hütte dar, dort eine Nacht zu verbringen und dann weiter zur Cosmiques Hütte zu wandern. Hat man jedoch schon ein paar Touren in den Beinen, kann man auch am schnellsten Weg hinauf, nämlich mit der Aiguille du Midi-Bahn von Chamonix auf die Aiguelle du Midi auf 3.842 m. Die Station selbst verlässt man über einen schmalen Schneegrat, der einen gigantischen Tiefblick in die du Midi Nordwand zulässt, wo Steigeisen und Schwindelfreiheit gefragt sind. Nach dem Schneegrat fährt man ca. 200 Höhenmeter ab und steigt dann wenig steil zur Cosmiques-Hütte auf (½ bis 1 Std.).

Die Cosmiques-Hütte
Die Hütte selbst wird vom Bergführerverein Chamonix betrieben und steht in einer einzigartigen alpinen Umgebung. Die Hüttenwirtin ist stets topinformiert und hilfsbereit, was Auskünfte zu den Tourenverhältnisse angeht. Auch die Preise liegen angesichts der Lage der Hütte im Rahmen, bewirtschaftet wird sie üblicherweise von Mitte Februar bis Mitte Oktober, außerhalb dieser Zeiten steht die gleich daneben liegende Simond-Hütte als Winterraum zur Verfügung. Aufs Reservieren sollte man nicht vergessen, sonst kann es schnell passieren, dass man wieder gehen muss, da die schnell überfüllte Hütte Ausgangspunkt für viele Eistouren am Mont Blanc du Tacul ist.
Zu unserem Erstaunen haben wir die Hütte für uns ganz alleine. Insgesamt planten fünf Bergsteiger die Überschreitung. Auf Nachfrage erzählte uns die Hüttenwirtin, dass die Überschreitung seit zwei Wochen nicht mehr gemacht worden sei, es also keine Spur gäbe aber die Verhältnisse ansonsten passen würden. Was die Aufbruchszeit angeht, werden von der Wirtin für Mont Blanc-Aspiranten zwei fixe Zeiten angeboten, nämlich 1 Uhr oder 3 Uhr früh. Angesichts der Tatsache, dass uns vermutlich ein Haufen Spurarbeit erwarten würde und wir am selben Tag noch nach Chamonix wollten, wählten wir 1 Uhr früh.

AufbruchAufbruch
2 Uhr. Wir verlassen die Hütte und fahren rund 100 Höhenmeter ins Col du Midi (3.532 m) ab, um von dort die 40-50° steile Nordflanke des Mont Blanc du Taculs zu queren. Diese ist auch gleich die erste Schlüsselsteile der Tour, da sie stark lawinengefährlich ist und im oberen Teil kleinere Seracs hängen, die den gesamten Hang in Bewegung setzen können, wenn sie abbrechen. Das zweite Problem ist, dass es oft sehr schwer zu überwindende Bergschründe gibt, in unserem Fall war das eine 5 Meter hohe Wandstufe aus lockerem Schnee. Solche Verhältnisse kosten Kraft und Nerven – und das alles um drei Uhr früh! Nach dem Bergschrund im unteren Wanddrittel gelangen wir in eine Mulde und den gefährlichsten Teil des Kriteriums. Die Mulde ist bei Neuschnee absolut lawinengefährlich, allerdings hat man keine Chance, sie zu vermeiden. Wir finden allerdings gute Verhältnisse vor und können problemlos weiter aufsteigen, normalerweise kann man nach der Mulde nach rechts hinausqueren und kommt so auf die Westschulter des Mont Blanc du Tacul, bei uns versperrten aber eine riesige Spalte und ein Serac den Weg, was zusätzliche Höhenmeter bedeutete (ist laut Hüttenwirtin nur in diesem Jahr so und stellt nicht die Regel dar). Hier seilten wir auch an, da das Gelände stark verspaltet war. In der ersten Tagesdämmerung näherten wir uns dem Gipfel des Mont Blanc du Tacul.
An dieser Stelle ein paar Worte über das Wetter an jenem Tag, den 17. April: angesagt waren in Gipfelhöhe minus 26 Grad und 50 kmh Wind, was einen unguten Windchill-Faktor darstellte. Im Laufe des Tages flaute der Wind aber zunehmend ab und am Gipfel selbst war es dann mehr oder weniger windstill.

Am Col du Mont Maudit
Nach der kurzen Rast gingen wir auf einer harten Schneedecke ins Col Maudit hinunter, eine angenehme Abwechslung zur Spurerei in bis zu knietiefem Schnee am Tacul. Das Col Maudit ist ein spaltenreiches Becken zwischen Tacul und Maudit, durch das man nicht gerade hinduchlaufen sollte. In einem weiten Linksbogen ging es nun unter die Nordflanke des Mont Maudit zur zweiten Schlüsselstelle: Für die 40-50° steile Flanke gilt das gleiche wie für die des Taculs: Bei Neuschnee kann sie sich schnell zur gefährlichen Falle entwickeln, auch gibt es Seracs, die teilweise nicht sonderlich stabil wirken. Bei uns versperrte eine große Spalte den üblichen Weg und so war wieder etwas Kletterei angesagt, bei der nun auch endlich die Sonne hervorschaute, was die Temperaturen gleich deutlich angenehmer gestaltete.

Am Col
Sonnenaufgang in der Nordflanke des Mont Maudit, im Hintergrund der Mont Blanc du Tacul mit dem rassigen Teufelsgrat

Nach dem kurzen Aufschwung verflacht das Gelände etwas und es geht gemütlich ansteigend der nächsten Crux entgegen, dem Ausstieg in das Col du Mt Maudit. Dieser Ausstieg ist gekennzeichnet durch rund 50° steiles Gelände und das auf etwa 100 Höhenmeter. Ein Fixseil erleichtert den Aufstieg. Unser Problem hingegen war es, wie wir am besten zum Beginn des Ausstiegs kommen, zumal sich uns ein weiterer Bergschrund in den Weg stellt. Nach etwas Sucherei fanden wir den vermeintlich leichtesten Weg über die Spalte und setzen den Anstieg fort.

Mont Maudit
Bergschrund unter dem Ausstieg Richtung Col du Mt Maudit

Endlich angekommen im Col du Mt Maudit auf 4.345 Metern, empfing uns ein eiskalter Wind, der uns zu höherem Tempo animierte. Aufgrund der ekelhaften Temperaturen ließen wir auch den Abstecher auf den Mont Maudit aus.

Der Monarch
Nun geht es eine Weile flach dahin und dann kurz, aber steil bergab in Richtung Col de la Brenva. Die verbleibenden 507 Höhenmeter bis zum Gipfel fühlen sich elendslang an. Noch einmal steilt sich das Gelände  bei der Mur de la Cóte auf, ehe es in endlosen Serpentinen dem Gipfel entgegen geht, hinter jeder Kuppe vermutet man den Gipfel und man wird immer wieder aufs Neue enttäuscht. Irgendwann geht es dann doch nicht mehr höher und man steht am Gipfel des Mont Blancs, der höchsten Erhebung der Alpen. Der Gipfel ist nicht durch ein Gipfelkreuz gekennzeichnet, sondern durch den von rund hundert Leuten flachgetrampelten Schnee, die heute den Gipfel über den Winter-Normalweg erreicht haben. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es genau 13:00 Uhr ist, wir waren also rund elf Stunden bis zum Gipfel unterwegs. Die Fernsicht ist einmalig, 4.000 Meter hohe Berge sehen aus wie kleine Stecknadeln am Horizont.

Am Gipfel
Selfie am höchsten Punkt der Alpen

Der Abstieg über den Bosses-Grat
Schon während der Aufstieges wogen wir unsere Optionen für die Abfahrt ab. Prinzipiell gibt es vier Varianten:

  1. Dem Aufstiegsweg entlang zurück zur Cosmiques-Hütte, eher nicht lohnend und mühsam dank der vielen Gegenanstiege
  2. Über le Corridor runter auf das Grand Plateau, was auch eher unschön aussah
  3. Über die Nordflanke runter auf das Grand Plateau; machten einige, der Schnee sah aber nicht sehr einladend aus
  4. Über den Bosses-Grat zum Vallot-Biwak, weiter runter zum Col du Dome und dann hinab aufs Grand Plateau

Nach einigem hin und her entschieden wir uns dann für die vierte Option und stiegen den schmalen Bosses-Grat ab zum Vallot-Biwak, wo wir dann auch mal eine längere Pause einschoben. Das Biwak ist komplett verdreckt und man muss schon wirklich in Not sein, um dort oben freiwillig eine Nacht zu verbringen.

Bosses-grat-gr
Gut gespurter Bosses-Grat

Nach dem Vallot-Biwak muss man nochmals aufpassen, denn der Hang hinab zum Col du Dome ist meistens komplett vereist, wenn man dort hineinfahrt, findet man sich schneller als einem lieb ist 200 Höhenmeter tiefer, dort also besser noch Steigeisen verwenden.  Nachdem man diesen Hang hinter sich gebracht hat, kann man endlich die Ski anschnallen und östlich hinab fahren, auf das Grand Plateau und von dort weiter Richtung Grand Mulets- Hütte. So richtig genießen kann man aber auch hier nicht, fährt man doch die meiste Zeit unter riesigen Seracs und sollte sich beeilen, dort wegzukommen. Vorsicht ist allerdings auch beim Fahren geboten, durch die regelmäßigen Seracabbrüche liegen viele Eisbrocken unter dem Schnee, wenn man einen voll erwischt, fühlt sich das so an, als würde man gegen einen Stein fahren. Hier gilt es also noch einmal Gas geben, um schnell aus der Serac-Zone zu verschwinden.
Oberhalb der Grands Mulets Hütte, dem Ausgangspunkt für den Winter-Normalweg, kann man dann endlich die Schwünge im besten Firn genießen, nur auf Spalten, die es dort überall hat, muss man weiterhin achten. Wenn man keinen Rückreise-Stress oder sonstige Verpflichtungen hat, die eine Weiterfahrt bis nach Chamonix erfordern, empfiehlt es sich an diesem Punkt in die Grand-Mulets-Hütte einzukehren, denn der Weg ist noch weit und die Kraftreserven dann doch schon etwas aufgebraucht. Wir wollten aber ganz hinunter und fuhren an der Felsnadel, auf der die Hütte sitzt, vorbei zur letzten Schlüsselstelle des heutigen Tages, dem Gletscherbruch la Jonction, durch den man sich regelrecht durchschummeln muss. Wir waren ziemlich froh über die Spur, denn ohnesie wird es schnell zu einem sehr zeitintensiven Unternehmen, sich einen Weg durch die Spalten und Seractürme zu suchen. Danach quert man eine Weile, bis man wieder zwei Optionen zur Weiterfahrt hat. Entweder man fährt über den Bossons Gletscher zum Mont-Blanc Tunnel hinunter oder quert weiter, bis man bei der Mittelstation der Du-Midi Bahn ankommt (davor kommt man noch an den Überresten der alten Mittelstation vorbei).

Seilbahn

Bei der Abfahrt über den Bossons-Gletscher muss man Folgendes beachten: Er ist so stark zerrissen, dass man leicht in Sackgassen landen kann, bei Dunkelheit ist die Orientierung noch schwieriger. Unter keinen Umständen sollte man zu früh von der Querung nach links abbiegen und abfahren, weil man sich sonst unweigerlich im Spaltenlabyrinth verliert. Nur der äußerst rechte Rand des Gletschers ist einigermaßen zu befahren. Da wir keine Lust mehr auf Experimente hatten und es noch im Bereich des Möglichen lag, die letzte Bahn ab der Mittelstation zu erwischen, wählten wir die Option Zwei Richtung Mittelstation.

Da wir die letzte Bahn verpassten, stand uns noch der ewig lange, aber wunderschöne Panoramaweg nach Chamonix bevor – eine unglaubliche Anstrengung nach 17 Stunden on tour.

Lexikon: Der Mont Blanc

Der Mont Blanc (italienisch Monte Bianco, beides ‚weißer Berg‘) zwischen Frankreich und Italien ist mit 4810 m Höhe der höchste Berg der Alpen und der EU. Ob dieser oder der Elbrus (5642 m) im Kaukasus der höchste Berg Europas ist, hängt von der Definition der innereurasischen Grenze ab.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Ausgangspunkt:
Hard Facts:
  • Aufstieg mit allen 3 Gipfeln rund 2.300 Höhenmeter, Gesamtzeit zwischen 12-16 Stunden
  • Abfahrt bis Mittelstation 2600 Höhenmeter
  • Objektiv gefährliche Stellen (Nordflanke des Taculs und Maudits) durch Seracs
  • Sehr lawinengefährlich nach Neuschnee
  • Es kann mitunter sehr kalt werden: bis - 30°
  • Bei White- Out starke Orientierungsprobleme,  vor allem im Bereich des Col de la Brenva ist man dann ohne GPS ziemlich aufgeschmissen
  • Abstieg über den schmalen Bosses- Grat erfordert Trittsicherheit
  • Abfahrt über das Grand Plateau ist durch Seracs bedroht
  • La Jonction kann ohne Spur sehr mühsam sein
  • Die Querung unter der Du-Midi Nordwand ist auch lawinenbedroht, vor allem nachmittags durch Nassschneelawinen
  • Reservieren auf den Hütten nicht vergessen, am Wochenende meistens überbelegt
    Refuge des Cosmiques, 3.613 m, privat, Tel. 0033/450/450/544016
    Refuge Grands Mulets, 3.051 m, CAF, Tel. 0033/450/531698
Ausrüstung:

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