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Mountainbiken rund um Wien

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Rottenmanner Tauern

Großer Bösenstein, Sonntagskarspitze, Dreistecken, Hochhaide

August 2005

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Die Rottenmanner Tauern in der Obersteiermark bilden die nordöstlichste Hochgebirgsgruppe der Niederen Tauern. Wer sie in ihrer landschaftlichen Schönheit und Ganzheit erleben will, sei die Überschreitung von der Edelrautehütte über den Bösenstein, die Sonntagskarspitze, Hochhaide bis zur Rottenmanner Hütte empfohlen. Diese allerdings lange Tour von 7-9 Stunden besteht aus drei Vierteln Gehgelände, zwischen Großem Bösenstein und Sonntagskarspitze sind kurze Stellen im Schwierigkeitsgrad I-II und mehrere drahtseilgesicherte Felsaufschwünge zu meistern. Sonst aber: Prädikat "Must do" ...


1. Tag: Aufstieg

Trieben (708 m) – Edelrautehütte (1706 m)

HU ca. 1000 m / GZ 3 ½ Stunden

(Zugabe: Großer Hengst, 2159 m)
HU 400 m / GZ 1 ¼ Stunden)

Hohentauern
Hohentauern

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Großen Hengst
Am Großen Hengst

 

Wer sich den folgend beschriebenen Marsch über 1000 Höhenmeter ersparen will, fährt mit dem PKW von Trieben oder Hohentauern bis zum Parkplatz am Ende der Mautstraße 10 Minuten vor der Edelrautehütte.

Nachdem wir jedoch gemäß dem Motto "Wenn schon, dann ordentlich" eine 2-tägige Überschreitung planen mit Ausgangs- und Endpunkt in Rottenmann, lassen wir das Gefährt am Bahnhof von Rottenmann stehen, setzen mit dem Zug nach Trieben über und marschieren von dort etwa 3 Stunden zur Edelraute Hütte hoch. Die Strecke ist zwar nicht unbedingt das Gelbe vom alpinen Ei, aber wenigstens haben wir vor dem morgigen Marathon schon eine Aufwärmrunde in den Beinen. Anfangs über Straßen durch Trieben, dann an Hohentauern vorbei bis zu einer Sommerrodelbahn und einer kleinen Siedlung, von dort auch wieder vorwiegend durch Wald bis zur offenen Fläche bei der Edelrautehütte. Die liegt allerdings großartig in einer aus den Bösenstein und Hengst gebildeten alpinen Arena, die sich nur dem Toten Gebirge zu öffnet.

Wer noch Zeit und Kondition hat, sollte sich den unschwierigen Aufstieg zum Großen Hengst (2159 m)nicht entgehen lassen. Die Abendstimmung von diesem westlichsten Pfeiler der Rottenmanner Tauern ist schon was Feines. Der Weg von der Hütte weg ergibt sich gleichsam von selbst. Dem Wegweiser nach über die Wiese und den markierten Sommerweg auf den Südostrücken unseres Zieles. Anschließend über die immer steiler werdende Gipfelrampe und durch Latschengassen über die Ostflanke zum Gipfel. Traumhafter Blick auf Bösenstein, Hochhaide, aber auch zu den Scheibelseen um die Edelrautehütte. Gehzeit 1 ¼ Stunden.

Blick zur Edelraute Hütte und dem Großen Scheiblsee
Blick zur Edelrautehütte und dem Großen Scheibelsee

Almidylle um die Edelraute Hütte
Almidylle um die Edelraute Hütte

2. Tag: Die Überschreitung

Edelrautehütte (1706 m) – Großer Bösenstein (2448 m, 2 Stunden) – Sonntagskarspitze (2.350 m, 1,5-3 Stunden) – Dreistecken (2.382 m, ½ Stunde) – Hochhaide (2.363 m, 1 Stunde) – Rottenmanner Hütte (1,5 Stunden) – Rottenmann (1,5 Stunden)
(Alternativ zur Rottenmanner Hütte über Moserspitz, Diewaldgupf und Seegupf; 2 Stunden)

HU ca. 1000 m / GZ 7-9 Stunden


An den Scheibelseen vorbei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschafft! Gipfelankunft an der Sonntagskarspitze
Geschafft! Gipfelankunft an der Sonntagskarspitze

Gemächlich dem Dreistecken entgegen
Gemächlich dem Dreistecken entgegen



Auf der Hochhaide
Auf der Hochhaide

Der Große Bösenstein, der höchste Gipfel der Rottenmanner Tauern, zählt zum bevorzugten Ziel der Region.
Apropos Bösenstein: Die längst übliche Schreibweise ist nicht ganz korrekt, handelt es sich doch nicht um einen "bösen Stein", vielmehr haben der südlich gelegene Pölsenbach und das gleichnamige Tal dem Berg einst seinen Namen gegeben. Deswegen eigentlich: Großer Pölsenstein.
Auf geht’s zur Königstour der Rottenmanner Tauern! Zunächst von der Edelrautehütte weg am Großen Scheibelsee vorbei in eine Grasmulde. Schräg bergauf in eine große, flache Bergstufe und gerade empor an einer Quelle vorbei zum Ansatz des O-Grates in 1970 m Höhe. Von hier könnte man in 5 Minuten auf dem flachen Rücken ostwärts zum Gipfelkreuz des Hausecks, 1982 m, marschieren.
Wir sparen aber Energie und triften an der linken Gratflanke schräg links über die sog. "Rote Rinne" aufwärts. Von hier in einen flachen Sattel und auf breitem Rücken schräg rechts auf einen großen Gratabsatz. Nun auf dem schmäler und steiler werdenden, felsigen Kamm in ein Schartl, 2370 m. An der Gratflanke dann schräg links weiter, über eine Rippe und in kurzer Rinne zum Ausstieg nahe rechts vom Gipfelkreuz des Großen Bösensteins. Der gesamte Weg 946 und R1 ist markiert und leicht zu bewältigen. (2.448 m, 2 Stunden)

Jetzt folgt der wohl abenteuerlichste und selektivste Abschnitt der Überschreitung, nämlich der trotz Sicherungen nicht unschwierige Grat zur Sonntagskarspitze. Vom Gipfel erst am Grat, dann in der linken Flanke über Schrofen hinab, über leichte Platten turnend schräg westlich, schließlich im Zickzack absteigend und drahtseilgesichert bis unter die Höhe der Jägerscharte. Es folgt ein waagrechter Quergang über Leisten in die von der Jägerscharte steil herabziehende Schuttrinne. Bis hierher sollte der glatte, felsige Boden nicht feucht oder mit Schnee bedeckt sein. Manche Stellen sind so abschüssig, dass ein Ausrutscher fatal enden kann.

Nun durch die Rinne auf den Südostgrat der Sonntagskarspitze. Jetzt auf den ersten Turm und linkerhand eine steile Platte rund fünf Meter wieder bergab zur ersten, tiefen Kerbe des Grates. Die folgenden Zacken und Türme werden knapp unter der Grathöhe südlich umgangen, bis ein steiler Grataufschwung erreicht wird. Dieser wird unmittelbar an der Kante erstiegen. Nun die Schlüsselstelle: ein steiler, plattiger Riss. Mit Hilfe eines Drahtseils auf einen Rasenpolster, der schon Gehgelände verspricht. Der Weiterweg verläuft von hier aus der Schneide entlang, und weicht in kaum noch nennenswerter Kletterei einmal kurz in die Nordseite aus. Wir haben es geschafft, nach angestrengten, aber nicht flotten 2,5 Stunden stehen wir am zweiten Gipfel des heutigen Tages.
Der Blick zurück macht Eindruck: Diesen Furcht erregenden Grat sind wir gegangen? Wo bitte verläuft in diesem Labyrinth aus Türmchen, Scharten und Graten der Weg?

Das Kriterium der Tour liegt hinter uns. Locker und entspannt weiter zum nächsten Ziel: der markanten, dreigipfeligen Gestalt der Dreistecken. Gemütlicher, aber dennoch leicht gepfeffert über endloses Auf und Ab. Auf einem Rasen und Schuttkamm bergab in die Scharte oberhalb des Gefrorenen Sees. Hier könnten wir noch abbrechen und absteigen, ein Steig biegt rechts zum Gefrorenen See hinab und führt in gut 1,5 Stunden zur Edelrautehütte. Noch lassen wir uns jedoch nicht abschütteln und erreichen bald den ersten Gipfelzacken, dann den zweiten, schließlich die mit 2.382 m höchste Erhebung des Dreigestirns (1/2 Stunden von der Sonntagskarspitze).

Noch aber ist die Tour nicht zu Ende. 250 schwer verdiente Höhenmeter hinab zur Moserscharte, ehe es wie auf einer Hochschaubahn rauf und runter über einen Rasenkamm auf den Gipfel der 2.363 m hohen Hochhaide geht (1 Stunde). Mit dieser Erhebung ist der nördliche Eckpfeiler des eigentlichen Dreistreckengrats erreicht. Für den Weiterweg nach Rottenmann hinunter bieten sich nun zwei Varianten an:
Die deutlich längere Variante 1 führt über den nordwestlichen Ausläufer des Bösensteinzugs weiter über die Erhebungen Moserspitz (2.330 m), Diewaldgupf (2.125 m) und Seegupf (2.011 m) zur Rottenmanner Hütte. Wie der sehr lange Strich unter dem i-Punkt droht dort noch ein elendslangweiliger Straßenhatscher nach Rottenmann hinab (2-3 Stunden).
Variante 2 ist die kürzere: Nach dem Abstieg über die Westabdachung des Berges hält man sich rechts und marschiert über die saftigen Wiesen der Singsdorfer- und Einödalm zur Rottenmanner Hütte oder aber steigt nach Überquerung des Hirschriedels direkt nach Rottenmann ab. Nachdem uns schwarze Wolken vom Grat treiben, müssen wir unfreiwillig Variante 2 einschlagen, womit die Überschreitung unvollendet bleibt. Aber was soll’s – 9 Stunden Hatscherei sind denn doch genug.

Der Blick zurück auf die Königstour der Rottenmanner
Der Blick zurück auf die Königstour der Rottenmanner

Die Edelrautehütte

Ein paar Worte zum Schmuckkastl der Rottenmanner Tauern, der Edelrautehütte zwischen Großem Bösenstein und Großem Hengst. Einen besonderen Reiz bieten die nahe gelegenen Scheibelseen. Leider ist die Hütte über eine Mautstraße auch für Reisebusse leicht erreichbar, sodass tagsüber nicht unbedingt bergselige Ruhe herrscht. Dennoch bewältigt das Wirtsteam den Spagat Prost!zwischen Restaurant und Berghütte mit Bravour. Sobald am Abend der letzte Tagesgast hinter einer Abgaswolke verschwunden ist, verwandelt sich das turbulente Bergrestaurant in eine heimelige, stille Berghütte. Wir, ein paar Wander-Seilschaften, waren in der nett eingerichteten Gaststube unter uns und konnten in aller Ruhe ausgezeichnetes Essen genießen. Während unseres gesamten Aufenthaltes wurden wir ausgesprochen freundlich und zuvorkommend bedient. Das Service war zudem 1A, die Preise im üblichen Rahmen, die hygienischen Anlagen blitzsauber, das Frühstück nicht übermäßig, aber ausreichend, die Matratzenlager Vorzeigemodelle, gegen die beiden Kampfschnarcher am Matratzenlager war sowie kein Kraut, Polsterwurf oder Verzweiflungsschrei gewachsen.
Weiteres Plus der Edelrautehütte: Jede(r) findet hier seine bzw. ihre Touren. Großer & Kleiner Bösenstein, Großer Hengst, Scheibelseen, Gefrorener See - Weitgeher und Spaziergänger, Familien und anspruchsvolle Bergfexe, alle kommen hier im Sommer und Winter auf ihre Rechnung. Die wohl bekannteste Tour von der Edelraute aus ist der Rundgang Großer und Kleiner Bösenstein, Langmannweg, Hengst und zurück zur Hütte. Neben dieser großen Tour wird von vielen Almwanderern auch der Rundgang um den Großen Scheibelsee, der auch ein herrliches Fischwasser ist, begangen.


Schwierigkeiten:
Gefährlich!Der Weg von der Edelrautehütte bis zum Gipfel des Großen Bösensteins ist ohne jedes Problem zu bewältigen. Zwischen Bösenstein und Sonntagskarspitze sollte der felsige und abschüssige Boden nicht feucht oder mit Schnee bedeckt sein. Manche Stellen sind so steil, dass ein Ausrutscher doch fatal enden kann. In vielen Führern wird dieser Grat mit der Schwierigkeit I-II bewertet. Einige verlässliche Versicherungen entschärfen allerdings manche Schlüsselstelle erheblich. 100%ige Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier aber absolute Voraussetzung. Die Länge der Tour von 7-9 Stunden und über 7 km verlangt dazu noch eine gehörige Portion Gehfestigkeit.
Höhenmeter: Insgesamt ca. 2000 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 10-12 Stunden
Beste Jahreszeit: Hochsommer, aber auf jeden Fall bei staubtrockenen Verhältnissen
Kinder: Die Überschreitung ist für Kinder nicht geeignet. Allein der Große Hengst und der Bösenstein sind von gehfreudigen Bergkids durchaus machbar.
Ausrüstung: Pack-Checkliste
Einkehrmöglichkeiten:

Edelrautehütte
Rottenmanner Hütte

Karte: ÖK Nr. 130 "Trieben", 1:50.000
Internet:

www.rottenmann.at
www.trieben.net