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Findet Karl!

Hoher Sarstein

Hallstätter See

Ostufer-Wanderweg

1975 m, August 2004

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Sommer, wie er schöner nicht sein kann: ein weiträumiger Bergstock, eine gemütliche Hütte, ein Bad im Hallstätter See und eine reizvolle Uferwanderung - wer diese Rundtour im Herzen des Salzkammergutes versucht, wird reichlich belohnt. Da bleibt eigentlich nur eine einzige Frage unbeantwortet: Wo bitte ist Karl??


Aufstieg

Obertraun (511 m) - Sarstein Hütte (1638 m) - Hoher Sarstein (1975 m)

HU ca. 1500 m / GZ 4 Stunden

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Weg der Holzscheite

 

 

Gipfel des Hohen Sarsteins

Aufgebrochen wird am besten früh am Morgen im Ortszentrum von Obertraun am Hallstätter See. Dort kündigt ein Schild schadenfreudig 3 Stunden Gehzeit allein bis zur Sarstein Hütte an. Weg 692 schlängelt sich in schweißtreibenden Serpentinen endlos lang durch steilen, aber anfangs August von Zyklamen bedeckten Sarsteinwald hoch. Die einzige Abwechslung bietet die Goiserer Aussicht auf 1360 m, mit Blick auf auf Bad Goisern und das Nordufer des Hallstätter Sees.

Blick auf den Hallstätter See

Sobald sich der Weg um große Felsstufen windet und der Wald lichter wird, deutet das auf das Ende der Plagerei hin. Die Sarstein Hütte (2,5-3 Stunden) kündigt sich schon 5 Minuten vorher an, nämlich bei einem Stapel Holzscheite, wo ein handgeschriebenes Plakat zu Folgendem auffordert:

"Bitte nimm mich mit, 5 Minuten zur Hütte, danke euer Karl!"

Bei Karl dürfte es sich um den Hüttenwirt handeln, der allerdings nur bei Schönwetter und am Wochenende seinen Dienst versieht. Weil der Arme also kaum die Möglichkeit hat, die Holzscheite zu seiner Hütte zu bringen, machen das eben ich und die vielen anderen Gäste, die sich wie die Holzscheite vor dem geschlossenen Hütten-Türchen stapeln. Wenn der Scheiterhaufen turmhohe Dimensionen angenommen hat, wird dann wohl ein Plakat um Folgendes bitten:

"Bitte nimm mich mit, 2 Stunden ins Tal, komme heuer nicht mehr rauf und brauche das Zeugs nicht mehr, danke euer Karl!"

Die kleine, aber urige Hütte samt XXL-Panorama-Blick auf den Dachsteinstock würde meine Zeche wohl verdienen. So trage ich sie denn weiter über die Hochfläche des Sarsteins. Über die führt ein gemütlicher Steig durch Latschen- und Almröserlgassen bergan, bis nach 30 Minuten der Gipfelaufbau unseres Zieles in Sicht kommt. Ein paar Serpentinen noch auf das Gipfelplateau des Hohen Sarsteins, eines der exquisitesten Aussichtsplätze des Salzkammergutes (1 Stunde von der Hütte, Kreuz, Gipfelbuch). Dohlen und Schafe bevölkern in Massen den Panorama-Balkon und betteln um Futter, wahrscheinlich, weil sie beim Karl in der Sarsteinhütte nur bei Schönwetter und am Wochenende zu fressen kriegen. Dementsprechend riecht es hier auch und findet man kaum einen sauberen Sitzplatz auf der im wahrsten Sinne des Wortes beschissenen Gipfelwiese. Also Nase zu, Gosaukamm, Dachstein, Altausseer See fotografiert und ... muss hier abbrechen und flüchten, weil der Gestank fürchterlich ist.

Ausblick mit Vogel

Abstieg

Hoher Sarstein (1975 m) - Goiserer Sarstein Alm (bewirtschaftete Hütte, 1711 m) - Röthen Graben - Obersee am Hallstätter See

HU ca. 1500 m / GZ 2,5 - 3 Stunden

Die Goiserer Sarsteinhütte

Sprung ins Wasser

Nach 45 von Latschen gesäumten Minuten zur gastfreundlichen Goiserer Sarsteinhütte. Diese nur wenige Schritte abseits gelegene Almwirtschaft muss man besuchen, hat doch die Wirtin, eine Sennerin-Oma wie aus dem Bilderbuch, vieles zu erzählen: Vom Sohn, der die Hütte per pedes versorgt, von den 30 Senioren, die die Hütte dieses Jahr per Hubschrauber überfielen, um dort ordentlich auf den Putz zu hauen, und von den Kühen, die nur bei Schlechtwetter aus dem Stall dürfen, weil sie bei Schönwetter nichts zu trinken finden - wen wundert's, wo doch Karls Hütte ständig geschlossen ist ... Also, liebe Sarstein-Wanderer, diese nette Einkehr nicht auslassen!

Nach einem ordentlichen Tankaufenthalt geht's endlich bergab, immer das lockende Frisch des Hallstätter Sees vor der Nase. Leider landet man früher oder später an einer wild befahrenen Landstraße, die man, hat man dort kein Auto stehen, abgehen muss, bis uns ein Wegweiser in Richtung Unter- und Obersee von der Straße holt. Die Gefährte rasen hier so schnell durch die Gegend, als seien sie auf der Jagd - nach Karl ...

Nach etwa 7 Stunden steht man endlich am Nordufer des herrlichen Hallstätter Sees. Nichts wie ab ins kühle Nass, genug kleine Waldbuchten erlauben juchzende Hechtsprünge in den See. Aaahhh - was gibt es Schöneres als sich nach einem derben Hatscher mit glühenden Sohlen ins Wasser dieses geschichtsträchtigen Sees zu werfen. That's life, that's fun, that's a Mordsgaudi!!


Hallstätter See - Ostufer Wanderweg

Obersee - Haltestelle Obersee - Hst. Hallstatt - Seewirt - Obertraun

GZ ca 2-3 Stunden

Viele Badebuchten am Ufer

Romantische Plätze

Der eindrucksvolle Steg

Ausgeruht und abgekühlt dann das grande finale der Rundtour - die Wanderung entlang des Ostufers des Hallstätter Sees. Ein selten eindrucksvolles Erlebnis inmitten eines der kostbarsten Naturjuwele Österreichs. Und ich meine das sehr aufrichtig, wurde dieses Ufer bisher nämlich weder mit Villen verbaut noch mit Straßen versaut - das hat Seltenheitswert. Auf gutem Weg schlendert man also wirklich immer am Ufer entlang durch kleine Buchten, Fjorde, über Waldstrände und Lichtungen, bis man Mitte des Weges zur Haltestelle Obersee gelangt. Wer hier aufgeben will, kann mit der Bahn weiter, sollte es aber nicht, weil das Aufregendste noch kommt.
Weiter auf einem Waldlehrpfad zu lauschigen Rastplätzen am Wasser, dann - großartig! - über an Felsen klebende Stege und Hängebrücken, immerzu das berühmte Hallstatt im Blick. Wer das Salzkammergut im Sommer kennt, erwartet eingangs oder am Ende dieses Holzweges einen Kassier, der die Hand aufhält. Dem ist hier nicht so. Die Begehung der penibel gepflegten Anlage ist gratis ... oder der Kassier ist der Bruder von Karl, der nur am Wochenende ...
Man möchte immer weiter gehen an diesem herrlichen Ufer. Wenn es Abend wird, schaukeln Fischerboote im dunkelgrünen Wasser, tollen kälteresistente Kinder am Ufer oder schnäbeln Urlaubspärchen im Gebüsch. Es herrscht eine friedliche Stimmung hier, eine Stille und Frische, die bis ins Innerste dringt. Nach flotten zwei Stunden hat man die Geleise der Bahn, die Haltestelle Hallstatt und den Seewirt eingangs von Obertraun erreicht.

Tipp: Diese Ostufer-Tour kann oder sollte man besser als (Halb-)Tageswanderung mit der ganzen Familie anlegen. Badebuchten, Waldlehrpfade, Gaststätten sorgen für Kurzweil und Erfrischung. Wer die Wanderung mit Kultur verbinden möchte, setzt mit dem Schiff nach Hallstatt hinüber und besichtigt z.B. das älteste Salzbergwerk der Welt, das berühmte Gräberfeld oder das Museum Kulturerbe Hallstatt.


Hallstatt - Hallstätter See

HallstattHallstatt: Hallstatt schaut auf eine über 4.500 Jahre alte Geschichte zurück, die untrennbar verbunden ist mit dem "Weißen Gold", dem sowohl der Ort - Hallstatt ist die Stätte, an der Salz = Hall abgebaut wurde - als auch eine ganze Epoche, nämlich die "Hallstattzeit", ihren Namen verdanken. Die Einzigartigkeit dieses Gebietes ersieht man auch daraus, dass die Region "Hallstatt-Dachstein / Salzkammergut" 1997 zum "Weltkultur- und Naturerbe" erklärt und damit in die exklusive Liste der absolut schützenswerten Gebiete der ganzen Welt aufgenommen wurde.

Hallstätter See: Romantisch, kraftvoll, kultur- und geschichtsträchtig ist er, der fünftgrößte See des Salzkammergutes. Fjordartig liegt die Seewanne eingebettet zwischen den Steilhängen aus Dachsteinkalk. Der größte Zufluss ist die Traun, die auf dem Weg bis hierher fünf Seen speist: den Kammer-, Toplitz-, Grundl-, Altausseer- und Ödensee. Aber auch der Dachstein "füttert" den Hallstätter See. Das Schmelzwasser des Dachsteingletschers benötigt auf seiner unterirdischen "Talfahrt" 5 bis 6 Stunden. Den Abfluss des Sees bildet wieder die Traun, die ihn bei Steeg verlässt.

ObertraunObertraun: Obertraun ist ein lang gezogenes Dorf und liegt eingezwängt zwischen den Bergen des Dachsteins und dem Sarstein am Ostufer des Halltstätter Sees.
Lange im Schatten der Muttergemeinde Hallstatt, zu der Obertraun bis zum Jahr 1919 gehörte, ist der Seeort heute vor allem bekannt als Ausgangspunkt in die unterirdische Märchenwelt der Dachsteinhöhlen (Eishöhle und Mammuthöhle auf dem Krippenstein, Koppenbrüllerhöhle) und zu den mit der Seilbahn erreichbaren Dachsteinzielen.


Schwierigkeiten:
Die so vorgestellte Rundwanderung ist mit ihren etwa 10-12 Stunden eher trainierten Bergwanderern vorbehalten. Außerdem ist die Höhendifferenz von über 1500 m zu beachten.
Höhenmeter: Etwa 1500 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 10-12 Stunden
Beste Jahreszeit: Sommer, Herbst
Kinder: Für Kinder absolut empfehlenswert die Ostufer-Wanderung. Diese Tour mit ihren vielen Rast- und Badeplätzen, mit den Brücken, Stegen und botanischen Besonderheiten kann für Wanderzwerge zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.
Hund und Katz': Die Gesamttour ist aufgrund ihrer Länge Hunden kaum zu empfehlen, der Sarstein allein bzw. die Ostufer-Tour jedoch durchaus.
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>>, Wasser ist Mangelware auf dieser Tour, vor allem wenn die Sarstein Hütte geschlossen ist. Also besonders im Sommer mehrere Liter mitnehmen.
Einkehrmöglichkeiten:

Goiserer Sarstein Hütte
Sarstein Hütte (nur bei Schönwetter an Wochenenden geöffnet)

Karte: Freytag & berndt, WK 281, "Dachstein, Ausseer Land, Filzmoos-Ramsau", 1:50 000
Internet:

www.hallstatt.at
www.obertraun.at