Das
elegant geformte Zuckerhütl ist der höchste Gipfel der
Stubaier Alpen. Von seinem gutmütigen Nachbarn, dem Wilden Pfaff,
gesehen, erscheint es als kühnes Firnhorn mit Zuckerhut-Charakter,
von Norden her roh und abweisend.
Handarbeit
beim Abstieg vom Pfaffengrat zum Sulzenauferner
Das
Hütl vom Pfaffen aus gesehen
Von
der Dresdner
Hütte (2302m, leicht erreichbar per Gletscherseilbahn) in
südlicher Richtung in den Kessel des Fernauferners. Von dort
gemächlich ansteigend bis zu einer Geröllinsel (bis hierher
2 Stunden). Nun nahezu eben über Firn nach Osten unter die Einsattelung
der Langen Pfaffennieder am Aperen-Pfaffen-Grat. Über
Randkluft, steiles Geröll und Blöcke hinauf zur sog. Nieder,
2935m. Kurz vor einem Holzpfahl in der Scharte nach rechts über einen
kurzen Felsabsatz auf den Rücken des Pfaffengrates. Auf diesem
nach Süden und den Markierungen folgend auf den oberen Sulzenaugletscher
(Kletterei an einigen Stellen). Auf dem Gletscher in weitem Bogen nach
Südosten (Spalten!) in den Pfaffensattel (3,5 Stunden), wo
wir einen Teil des Gepäcks ablegen.
Vom
ebenen Firnsattel zuerst flach, dann immer steiler werdend den Ostgrat
des Hütls hoch. Anfangs können Spalten den Weg erschweren
und ein Ausweichen in die N-Flanke erzwingen. Achtung bei eisigen
Verhältnissen, dann werden wohl Eisschrauben und Steigeisen vonnöten
sein. Ein paar Spreizschritte über Felsplatten hoch zum Gipfel
(3505m), wo nicht ist, was dort hätte sein sollen: das Gipfelkreuz.
Befanden wir am richtigen Gipfel?, lautet die bange Frage. Aber ja, es
hielt sich nur zwecks Erholung im Tal auf und erstrahlte wenige Wochen
nach unserem Gipfelgang an gewohntem Ort in neuem Glanz.
Fantastischer
Ausblick auf Ötztaler und Zillertaler Berge sowie auf
den Großen Trögler,
unser vortägiges Ziel.
Wir
steigen über die Aufstiegsroute wieder ab (Vorsicht bei eisigen Verhältnissen!
Seilsicherung!). Von einer Querung in die Felsflanke (die AV-Karte verspricht
dort einen versicherten Klettersteig) würde ich abraten, die paar
verhungerten Seile liegen meist unter Schnee vergraben, dem brüchigen
Felsen ist nicht zu trauen.
Zum
Pfaffenjoch und über Firn und Blockwerk unschwierig hinauf
zum Wilden Pfaff (3458m, 30 Minuten).
Von
dort am besten den Ostgrat über mitunter luftige Kletterstellen
(I) hinab, dann über Blöcke und Absätze, schließlich
über Firn zur Müller
Hütte oder zum Becherhaus,
um anderntags den Wilden Freiger anzugehen.
Um
dem Rummel im Bereich der Gletscherbahn und den überhöhten Preisen
der Dresdner
Hütte zu entgehen, empfiehlt sich der einsamere, kürzere
und meiner Meinung nach einfachere Anstieg von Westen, von der Hildesheimer
Hütte aus. Die Hildesheimer
Hütte, erreichbar von Sölden in 4,5 Stunden oder von
der Dresdner
Hütte über das Eisjoch in 3,5 Stunden, verwöhnt
uns mit toller Lage, einem idyllisch gelegenen See, freundlichem Service
und phantastischem Essen. Außerdem bleibt man dort unter sich, während
die Dresdner
Hütte mit Scharen von Tagestouristen aufwartet.
Nun
aber zu unserer Tour auf das Zuckerhütl! Von der Hütte
führt ein markierter Steig zunächst zum Hüttensee,
an diesem rechts vorbei und am Fuß einer Wandflucht steil hinab.
Eine recht luftige Stelle ist mit Drahtseilen gesichert. Dann in das Geröllkar
unter dem Gaißkarferner (ca. 2800m), von dort streckenweise
über steile Schneefelder (Steigeisen bei morgendlicher Vereisung!)
und Geröll um den Südwest-Ausläufer des Aperen Pfaffen
herum, bis man auf einen spaltenlosen Firnhang trifft. Diesen problemlos
hoch zum Pfaffenjoch (3212m; 2,25 Stunden).
Nun in OSO-Richtung über den Sulzenauferner (versteckte Spalten,
manchmal tiefer Firn) in den Pfaffensattel (1 Stunde) zwischen
Zuckerhütl und Wildem Pfaff. Von dort wie oben beschrieben
auf den Gipfel (30 Minuten).
Ein
historisches Bild - das Zuckerhütl ohne Kreuz ... (wurde im Sommer
2002 erneuert)
Abstieg
zur Sulzenau Hütte
2,5
Stunden
Abseilen
zur Fernerstube hinab ...
Der
wohl beliebteste Abstieg, der sich überdies hervorragend als Aufstiegsweg
empfiehlt, erfolgt von der Müller
Hütte durch die Fernerstube, an der Blauen Lacke
vorbei zur Sulzenau
Hütte (2191m).
Von
der Müller
Hüttein Richtung Pfaffennieder, P. 3149m. Dort verweisen Markierungen
zum Abstiegsweg nach rechts hinab. Aber Achtung: Diesen laut AV-Karte
als gesicherten Steig markierten Weg fanden wir im unteren Drittel
von einem Felssturz zerstört vor (Stand: Sommer 2002). Wir
mussten uns über den nun äußerst bröseligen und steilen
Hang abseilen. Vorsicht ist ebenfalls vor der Randkluft
des Gletschers der Fernerstube geboten.
Nun
in nördlicher Richtung zum rechten Rand der Fernerstube (nicht in
der Mitte halten - sehr viele verdeckte Spalten), den NW-Ausläufer
des Aperen Freiger entlang bis zum Beginn des Lübecker
Weges, der uns gut markiert an der Blauen Lacke vorbei zur
Sulzenau Hütte
hinabführt.
Tipps/Wissen:
Sämtliche
hier vorgestellten Touren müssenmit kompletter Gletscherausrüstung
begangen werden!
1-2
Eisschrauben und Bandschlingen für den O-Grat des Zuckerhütls
und andere Eventualitäten
Erfahrung,
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
Orientierungsprobleme
bei Nebel auf den Gletschern
Auf
keinen der in den AV-Karten eingezeichneten versicherten Klettersteige
ist wirklich Verlass! Besser mit ordentlicher Handarbeit rechnen.
Beste
Zeit: Juli bis September
Erstbestiegen
wurde das Zuckhütl von Josef Anton Specht zusammen
mit Alois Tanzer und einem zweiten Führer im Sommer 1863.
Das
Becherhaus
kann auf eine spannende Geschichte zurückblicken: Von der AV-Sektion
Hannover 1893/94 erbaut, wurde es 1922 enteignet, bis 1949 militärisch
besetzt. Die Lage der Hütte hat in der gesamten Ostalpen-Region
kaum ein Gegenstück: Die höchstgelegene Hütte Südtirols
thront auf dem Gipfel des Becher hoch über dem Übeltalferner,
dem größten Gletscher der Stubaier Alpen.