Die
Ruderhofspitze ist der beherrschende Gipfel nördlich über
der Mutterbergalm bzw. südöstlich über dem Alpeiner
Fener. Der Dritthöchste der Stubaier gehört auch zu den
bekanntesten und meistbesuchten Bergen dieses Gebirgszuges.
Die
Ruderhofspitze ist aber auch von welthistorischer Bedeutung, zumal
sie seinerzeit doch mein erster Dreitausender war...
Franz-Senn-Hütte
(2147m) - Schrimmenniederscharte - Neue Regensburger
Hütte (2286m)
HU
650m/GZ 4-4,5 Stunden
Von der Franz-Senn-Hütte
zuerst über einen Bach, dann auf einem Steig gen Osten den Nordhängen
des Oberbergtales entlang. Bald etwas zünftiger über
zwei Steilstufen in die Platzengrube, schließlich über
Blockhalden und Serpentinen in einer Rechtsquerung zur Schrimmenniederscharte
hinauf (2706m; Abstecher zum Basslerjoch, 30 Minuten).
Über
zahlreiche Kehren hinab durch ein Blockkar zum Fuß des Summerwandls
(dort auch Wegkreuzung in Richtung Milderau bzw. ins Falbesoner Tal).
Von hier fast eben dahin über die Windtratten zur NeuenRegensburger
Hütte, die recht imposant über einer Steilstufe am Rand
des Hohen Mooses liegt (Blick auf unser morgiges Ziel, die Ruderhofspitze,
und im Osten auf den Habicht). Ein Klettergarten lädt zum Training
ein.
Neue
Regensburger Hütte - Grawagrubennieder - Ruderhofspitze (3473m)
HU
1200m/GZ 4 Stunden
Von
der Neuen
Regensburger Hütte gegen SW zuerst durch das schöne,
wasserreiche und immerzu rauschende Hochmoos-Tal, in Kehren auf
die linke Seitenmoräne des Hochmoosferners in Richtung FalbesonerSee. Steiler gegen SW über ein Firn-/Eisfeld, dann über
Schutt und Geröll in die Grawagrubennieder (2,5 Stunden; 2880m)hinauf.
Dort
können wir einen Teil unseres Gepäcks liegen lassen, da wir
hierher zurückkehren werden. Gleich nach rechts in westliche Richtung
immer dem Fuß der Grawawand entlang über den Grawawandferner
bzw. "Ruderhofferner" (kaum Spalten). Vorsicht in der
Schlüsselstelle, einer engen Steilstufe! Selbst im Sommer können
sich hier Nassschneelawinen lösen,
wie ich selbst erlebt habe:
Dann
etwas gemächlicher in
den weniger steilen Firnaufschwung unterhalb der Ruderhofspitze. Dieses
Becken teils über Eis, teils über Geröllfelder bis kurz
unter den Gipfel. Über Felsblöcke zum Kreuz. Scheinbar
auf Rufweite entfernt erheben sich die Granden der Stubaier: Zuckerhütl,
Wilder Pfaff und
Wilder Freiger.
Am
Gipfel: Franz spendet den Segen "Urbi et Orbi"
Grawagrubennieder
- Dresdner Hütte (2308m)
GZ
3,5 Stunden
In
den Spuren des Aufstiegsweges zurück zur Grawagrubennieder.
Wer
hier zu müde ist für den Weiterweg zur Dresdner
Hütte (noch nahezu 3,5 Stunden!) sollte lieber umkehren zur
Neuen
Regensburger Hütte (2-2,5 Stunden)!
Über
die
blockgefüllte Zunge des Grawawandferners, teils steile, von
Felsrippen durchbrochene Felsrippen (teilweise Seilsicherungen!) querend
zum lang gezogenen Abstiegsweg, den Wandfuß von Gamsspitzl
und Schafnock entlang. Der phantastische Blick auf die Stubaier
Gletscherberge lenkt ein wenig von der Müdigkeit ab.
Unterhalb
des Mutterberger Sees vorbei, hinunter in den unteren Boden der
Glamergrube, dann durch die Wilde Grube und in einem Gegenanstieg
(fürchterlich!) zum Egesennieder und weiter zur Dresdner
Hütte.
Tipps/Wissen:
Franz
Senn (1831-1884)
Die
Länge dieser Tour von nahezu 11-12 Stunden hat in
sich. Gefordert sind hier Standfestigkeit, hervorragende Kondition,
aber auch gediegenes Allroundkönnen in Fels und Eis.
Die
Franz-Senn-Hütte
ist benannt nach dem Pfarrer und Mitbegründer des Alpenvereins
Franz Senn (1831-1884): Der Tiroler Seelsorger gilt als Erschließer
der Ötztaler Alpen und Vater des alpinen Tourismus. Mit 29 Jahren
wird er 1860 Kurat von Vent, einem Dorf im hinteren Ötztal. Senn,
selbst ein begeisterter Bergsteiger, versteht seine Seelsorge als Menschensorge.
Zur alles verändernden Lebenszäsur wird ihm ein tragisches
Bergunglück: Als er mit seinem besten Freund, dem Bergführer
Cyprian Granbichler, von Meran über das Hochjoch nach Vent zurückkehren
will, werden die beiden von einem Wettersturz überrascht. Als sie
sich im Schneetreiben verirren, bricht Granbichler nach 30-stündigem
Marsch zusammen und stirbt. Von da an kümmert sich Senn um den
Bau von sicheren Wegen, das Zeichnen von Karten und gründet 1869
zusammen mit einigen Freunden den Deutschen Alpenverein. Überdies
setzt er die Idee um, eingangs des Stubaitales eine Touristenherberge
mit 12 Heulagern zu errichten - die Anfänge der heutigen Franz-Senn-Hütte.
Seit
ihrer Einweihung am 15.9.1885 zählt diese Hütte zu den wichtigsten
alpinen Ausbildungszentren.