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Natur-Minimundus im Nationalpark Thayatal
Was uns die Thaya erzählt

Thayatalweg

Wanderung, Waldviertel, Juli 2013
Text: Thomas Rambauske, Bilder: Carola Schreiner-Walter

Wo einst die Welt am Eisernen Vorhang endete, gedeiht heute ein Naturjuwel sondergleichen – der Nationalpark Thayatal. Wenn wir dem Fluss zwischen dem Waldviertel und Tschechien folgen und genau hinhören, erfahren wir Spannendes.

Die Route

Das erste, was wir von Hardegg zu sehen bekommen, ist dessen Burg, die mächtig über der kleinsten Stadt Österreichs thront. Nur rund 80 (!) Bewohner leben heute hier, anderswo reicht das nicht einmal zu Dorfstatus. Wie viele andere Burgen der Thayaregion diente das in der Mitte des 12. Jhs. angelegte Bauwerk als Grundfeste gegen die Böhmen und andere Feinde, so wie die Thaya lange Zeit als eiserne Trennlinie zwischen den Ideologien diente.

Hardegg

Die Grenze gibt es heute noch, wie teils überwachsene Schilder unterstreichen, allerdings ist sie im wahrsten Sinne des Wortes fließend geworden.
Ja, die Thaya hat viel zu erzählen, von Völkerhass und Verblendung etwa, aber auch Versöhnung und Vernunft. Erst im Jahre 2000 wurde der grenzüberschreitende Nationalpark Thaya/Podyjí gegründet, wobei der 25 km lange österreichische Teil 20 km kürzer ist als der tschechische Národní park Podyjí.

Unser Weg führt von der Thayabrücke unter Hardegg ohne viel Umschweife in unberührte Uferlandschaft. Wir bleiben nah am gemächlich dahinziehenden Fluss und folgen ihm durch schattigen, kühlen Wald – Labsal im Sommer. Als Uferbegrenzung selten gewordene Eiben, Fließender Hahnenfuß und von Moos überzogene Felsblöcke, wie man sie in den immerfeuchten Flusstälern des Waldviertels oft findet. Die Thaya hat sich hier über Jahrmillionen durchs harte Urgestein gegraben und dabei zahlreiche Mäander gebildet. Ganz nah kommen wir ihr, nur für den Fall eines Hochwassers gibt es Ausweichrouten eine Etage höher. Alle paar Schritte bleiben wir stehen, versuchen die malerische Szenerie zu verinnerlichen. Die Thaya sei ruhiger und stiller als die Flüsse, die sie kenne, meint meine Begleiterin. Ja, es stimmt, das Wasser gibt kaum einen Laut von sich, strömt flüsternd dahin, nur wo sein Bett enger wird, gibt es ein Gurgeln und verhaltenes Rauschen von sich. Wir lernen auf die Stimme der Thaya zu hören und sie zu deuten. Bald müssen wir kurz Abschied nehmen von ihr, wandern vom Ufer weg bergauf, um bald wieder zum Wasser zurückzukehren. Bewegung kommt in die Szenerie, als Dutzende Zitronenfalter und Kleine Eisvögel auftanzen und uns aufgeregt umflattern.

ZitronenfalterEisvögel

Ein wundervolles Schauspiel voller Leichtigkeit und Eleganz. Immer wieder müssen wir uns unter Baumstämmen hindurch ducken, die kreuz und quer am Weg liegen – und dort wohl liegen bleiben. Gut so. Hier bleibt gefallen, was gefallen ist, hier lässt man die Natur Natur sein. Im Ufersand geheimnisvolle Spuren – vielleicht die eines Luchses? "Die Größe des Nationalparks liegt in seiner Kleinheit”" heißt es zum Thema Thayatal in "Falters feinem Reiseführer". Das trifft zu. Man durchschreitet ein Natur-Minimundus, wo halb Österreich auf engstem Raum versammelt ist. So klein die Fläche von 1.330 Hektar, so groß nämlich die Vielfalt der Pflanzen und Tierwelt. Seeadler soll es hier geben, aber auch Fischotter, Fledermäuse, Flusskrebse und riesige Welse. Und auch botanische Kostbarkeiten wuchern hier, wo und wie sie wuchern wollen. Wenn man sie als Laie nur alle erkennen und benennen könnte!

BlumenBlumen

Wo zwei Abschnitte des Thayatales nur durch einen 100 Meter breiten Felshügel voneinander getrennt sind, müssen wir uns entscheiden: entweder in 15 Minuten über den Umlaufberg steigen und einen fulminanten Ausblick auf die engen Flussschlingen genießen oder aber der 360°-Kurve des Flusses (1 Stunde zusätzlich) folgen. Wir bleiben dem Fluss treu und promenieren leichtfüßig dem Ufer nach bis über die sogenannte Umlaufwiese. Die Thaya scheint hier beinahe stillzustehen, ruht spiegelglatt, um dann zwischen senkrechten, eng beieinander stehenden Felsen wieder Fahrt aufzunehmen. Am Ende der Flusspromenade schwenken wir nach reKajabachchts und folgen dem Kajabach durch eine moosgrüne Felsszenerie. Das Gebaren dieses immerjungen Baches ist nun ganz anders als das des großen alten Flusses: quirlig, laut, verspielt. Gegen seinen Lauf steigen wir bis zur Ruine der ehemaligen Raubritterburg Kaja hinauf, wo gegen ein geringes Entgelt Verlies, Rittersaal und Kapelle besichtigt werden können, wo es aber auch Erfrischungen zu erstehen gibt. Auf der Straße geht’s dann nach Merkersdorf, wo nicht nur wir, sondern auch ein müdes spanisches Trio vor einem großen Problem stehen: Wie zurück? Busse fahren hier nur irgendwann und Taxis kosten. Also alle Kraftreserven mobilisieren und zu Fuß auf betoniertem Weg neben der Straße über freie, schöne Feldlandschaft zum Nationalparkzentrum und weiter über den "Kirchensteig“ zum Ausgangspunkt. Die Thaya hätte uns noch viel zu erzählen. Geduld, Geduld – eine Weile noch und wir kehren zurück, um ihr weiter zuzuhören.

Burgruine KajaLexikon: Burgruine Kaja

Die Feste Kaja wurde als Stammburg der Herren von Chiowe genannt. 1196 siegelte Herzog Friedrich I. hier vor 30 Adligen und 24 Rittern als Zeugen zahlreiche Urkunden. 1360 verkaufte Niklas von Kaja die Burg an Herzog Rudolf IV., aber schon 1376 ging sie als Pfand an die Grafen von Maidburg-Hardegg. Um diese Zeit starb Graf Burkhard II. auf Kaja, der Kanzler von Kaiser Karl IV. Ende des 14. Jahrhunderts eroberten Johann und Heinrich von Leipa die Feste Kaja. Sie machten aus ihrer Eroberung eine Raubritterburg und verbreiteten in den umliegenden Dörfern Angst und Schrecken ...
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Thayabrücke (Hardegg) – Thayatalweg – Umlauf (Umlaufwiese oder Umlaufberg) – Burgruine Kaja – Merkersdorf – Nationalparkzentrum – Kirchensteig – Hardegg
Gesamtgehzeit kürzeste Variante
Pfeil up Pfeil down ca. 2 Std., mit Umlaufberg 3 Std.
Schwierigkeiten:
Keine
Eignung für Kinder:
gut geeignet
Eignung für Hund & Katz':
gut geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Burguine Kaja, Merkersdorf, Nationalparkzentrum
Karte:
Kompass WK 203 Waldviertel - Kamptal - Wachau
Wikipedia-Wissen:
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