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Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!

Von Schwaig zu Schwaig über den Wechsel

Mariensee - Kampsteiner Schwaig - Hoch- und Niederwechsel - Mönichkirchner Schwaig - Mariensee

Von Thomas Rambauske

Intro

Als östlichster Ausläufer der Alpen erstreckt sich der Wechsel zwischen Feistritz-Sattel und Mönichkirchen und bildet zugleich die Grenze zwischen der Steiermark und Niederösterreich.
Man muss sich das vorstellen: Eine Sonnenterrasse, über die man endlos lang wandern kann. Der Hochwechsel und sein exponiertes Hochplateau gehören zu diesen Sonnenwegen. Gerade richtig zum Austoben, Gehen, Schauen und Verweilen. Etliche Hütten und "Schwaigen" laden zur Rast ein, Kreuze und Gedenkstätten zum Verweilen. Allein die Länge ist nicht jedermanns Sache und bleibt nur Konditionsstarken vorbehalten.

1. Etappe

Mariensee (815m) - Aspangberg - St. Peter - Kampsteiner Schwaig (1400m)

HM ca. 600 / GZ 1-1,5 Stunden

 


Die Kampsteiner Schwaig

Gleich nach der Ortsmitte von Mariensee rechts hinauf, der grünen Markierung nach (Achtung: Der Startpunkt ist wegen Straßenarbeiten zur Zeit, Stand 5/2003, nicht leicht zu finden). Die asphaltierte Straße wechselt bei einem Gehöft in einen Güterweg, bei einer Weggabelung rechts haltend, dann links dem Pfeil "Kampstein" nach. Linker Hand begleitet uns der Hochwechsel mit seiner geraden Plateauführung - weit entfernt scheint er, aber der Eindruck trügt. Nach 20 Minuten verengt sich die Güterstraße zu einem hübschen Waldsteig. Wir passieren ein Gehöft mit einem Hahn, der die letzten Sommerzeiten gründlich verschlafen haben muss, brüstet er sich doch selbst mittags noch mit missionarischem Weckgekrähe. Eine Weggabelung gibt klar den Weg vor durch Weidewiesen und ein Waldstück, wo drei Kreuze wohl an das biblische Golgotha-Geschehen erinnern. Nach 45 Minuten durch Jung-Tannenwald, der den Eindruck eines gepflegten Parks erweckt, bis zur Kampsteiner Schwaig, deren gemütliche Hütte mit weiten Wiesen umgeben ist.

Variante: An sich böte sich hier mit der Besteigung des Kampsteins, 1467m, der Einkehr in die Herrgottschnitzerhütte (1318m) und dem Abstieg durch Mitterneuwald zurück nach Mariensee schon eine recht hübsche Rundtour an.

2. Etappe

Kampsteiner Schwaig (1400m) - Mariazeller Kreuz - Schwarzer Herrgott - Steinernes Kreuz - Arabichl (1595m) - Schöberl Riegel - Umschuß Riegel (1720m) - Hochwechsel (Wetterkogler Haus, 1743m)

HM ca. 400 / GZ 2-3 Stunden


Dem Genuss des Fliegens folgt gleich der des Radelns ...

 


Der "Schwarze Hergott"


Das "Steinerne Kreuz"

Unser Ziel ist aber ein anderers. Wir sparen unsere Kräfte und beginnen den Marsch über die weiten, sanften Höhen des Hochwechsels. Der rot markierte Weg 834 (= Gloggnitzer Rundwanderweg) gehört wohl zu den genussvollsten, hellsten und schönsten Wegen der Wiener Hausberge. Nicht nur, dass es nie steil wird, auch der Weitblick lässt nie nach. Nur fliegen kann schöner sein, denkt man sich wie Eichendorffs "Taugenichts":

Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!
Und sein Hütlein in die Luft
Wirft der Mensch vor Lust und ruft:
Hat Gesang doch auch sein Schwingen,
Nun so will ich fröhlich singen!

Der Sonnenweg nimmt hier kein Ende und führt am manch frommen Stätten vorbei wie dem Mariazeller Kreuz, einer Wallfahrtrast (von hier nach Mariazell 2 Tage), oder einem Marterl, das an eine Geburt erinnert: "Hier erblickte am 8.9. 1902 Katherina Brunner das Licht der Welt". Nach einer Weggabelung Feistritzer-, Steyersberger Schwaig in Richtung Feistritzer Schwaig. Wenig später ein Gedenkkreuz, das an einen tödlich verunglückten Holzarbeiter erinnert - so nahe liegen Geburt und Tod beieinander, machen diese beiden Kreuze bewusst. Dazwischen passieren wir noch den sog. "Schwarzen Herrgott" (1403m, errichtet 1959):

"Im schönen Garten der Natur, findest du des großen Gottes Spur. Willst du sie noch größer sehn, so bleib' beim Schwarzen Herrgott stehn."

Kurz durch Wald, nach 2 Stunden beim Steinernen Kreuz, das an jene Zeit im 14. Jahrhundert erinnert, als man Päpste in Sänften von Stift Vorau nach Kirchberg/Wechsel zur Visitation trug und an dieser Stelle rastete.

Nun über den Arabichl (1595m), wo der große Linksbogen zum eigentlichen Hochwechsel beginnt, etwas bergab, dann sanft bergan zum Schöberl Riegel, um von dort über den Umschuß Riegel schnell zum höchsten Punkt der Runde, dem 1743m hohen Hochwechsel zu gelangen. Am Gipfel auch das gemütliche Wetterkogler Haus (umfangreiche Speisekarte) und eine Kapelle zum Gedenken an jene Soldaten, die im April/Mai 1945 in diesen Höhen gefallen sind.

Variante: Wer die Tour hier abbrechen möchte, kann problemlos über die Marienseer Schwaig (1478m) nach Mariensee absteigen (.... Stunden).



Malerei in der Soldatengedenkstätte des Hochwechsels

3. Etappe:

Hochwechsel - Niederwechsel (1669m) - Steinerne Stiege - Hallerhaus - Mönichkirchner Schwaig (1174m) - Ghf. Fernblick - Neustift am Alpenwald - Mariensee

GZ 3-4 Stunden
Sitzt im Wetterkoglerhaus ...

Wem hier noch nicht die Wadln brennen, sei gratuliert. Die Genüsse haben noch kein Ende, denn die Bummelei über das Hochwechsel-Plateau (= Wechselbergland-Höhenweg) ist ein MUSS für jeden Fernblickgourmet. Hier darf ruhig gebummelt, geschaut und gerastet werden. Auch das Kreuz am Niederwechsel (45 Minuten vom Hochwechsel) erinnert an den Wahnsinn des Kriegs, der selbst vor solchen paradiesischen Orten wie dem Hochwechsel nicht Halt gemacht hat. Vom Niederwechsel geht es nur mehr bergab, in die Latschenzone und über die Steinerne Stiege (die ist wirklich steinig!) zum Hallerhaus (1350m) und zur Mönichkirchner Schwaig (Alpengasthof Enzian, 1174m, 1,25 Stunden). Hier lässt's sich in einem der Gasthäusersichs wunderbar rasten. Der Abstieg vorbei am Ghf. Fernblick nach Mariensee (1,25 Stunden) verläuft vorwiegend über Forststraßen (geben den lädierten Beinen den Rest). An zwei Kapellen vorbei, an einer dritten - gemauerten ("Oh Wanderer geh nicht vorbei, bevor Jesus und Maria gegrüßet sei.") - rechts über Wiesen und Waldwege hinab (Achtung! Markierung hier leicht zu übersehen!) nach Mariensee zum Ausgangspunkt zurück.


Schwierigkeiten:
Sehr lange, aber vollkommen problemlose Tour. Die Kondition und das Steh-(oder besser: Geh-)Vermögen spielen hier aber eine sehr große Rolle. Allerdings kann bei Problemen sowohl bei der Kampsteiner Schwaig als auch am Hochwechsel (siehe Varianten) abgebrochen werden.
Beste Jahreszeit: Frühling, Sommer, bei Nebel und feuchten Witterungsverhältnissen kaum zu empfehlen.
Gesamtgehzeit: 6 - 8,5 Stunden
Höhenmeter: Etwa 1000m in Auf- und Abstieg
Kinder: Teilabschnitte sind durchaus auch von Kindern ab 11 zu packen, die gesamte Tour natürlich nicht.
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>>
Einkehrmöglichkeit:
Karte: Feytag & berndt, Wanderatlas "Wiener Hausberge", Blatt 22
Informationen:

Der Name "Schwaig" (mhd. sweige, ahd. sweiga) steht für Alm- und Sennhütte mit zugehöriger Alm.

Das Wetterkoglerhaus wurde 1899 von der Alpinen Gesellschaft "Die Wetterkogler", einer Bergsteigergruppe des Österreichischen Gebirgsvereins, errichtet.

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