Um die Gefielde des Hohen Lindkogels bei Baden lassen sich, so genug Schnee, ideale Trappertouren kreieren, da die Anstiege unschwierig, die Rastplätze richtig platziert und die vielen Waldpromenaden äußerst beschaulich sind – wie es sich eben für ein schönes Stück Wienerwald gehört.
Aufstieg
Sooß (307 m) – Weißer Weg – Sooßer Lindkogel (713 m) – Hoher Lindkogel (Schutzhütte Eisernes Tor, Sina-Warte, 847 m)
HU ca.
700 m, GZ 2,5 Stunden
Wettkampf Schuh gegen Schneeschuh ...
Geparkt wird am Westende von Sooß (305 m, Parkplatz, Karte siehe unten) vor einem Fahrverbotsschild. Wir verschwinden gleich im Wald und hanteln uns auf dem unsteilen, gelb markierten "Weißen Weg" allmählich hoch. Etwa 150 Höhenmeter weiter oben begleiten uns für den Wienerwald typische Föhren. Weiter unspektakulär, aber sehr beschaulich bergan. Nach einer 3/4-Stunde auf eine Forststraße. Diese kurz verfolgt, zweigt unser Weg nach links auf Weg Nr. 3 ab. Wieder durch Wald – no na! Nach einer 1 Stunde verzweigt sich der Weg, wir sind am Manhartsberg. Während ein links abfallender Weg zur Vöslauer Hütte führt, streben wir geradeaus dem Sooßer Lindkogel (1,5 Stunden) entgegen. Unterwegs ausschnittsweise Ausblicke, an klaren Tagen sogar bis zum Schneeberg. Ansonsten vor allem nach Neuschneefällen: traumhafte Winterlandschaft, schneebedeckte Bäume, fast kitschig geweißte Landschaft. Was man trifft: hin und wieder unverdrossene Skitourengeher, vorwiegend Winterwanderer. Mit einem von ihnen, einem älteren Herrn, der von der Gestalt her dem Innsbrucker Bergbischof Reinhold Stecher ähnelt, liefere ich mir einen geheimen Wettlauf. Als ich am Sooßer Lindkogel stehen bleibe, um zu fotografieren, überholt er mich mit den etwas spöttisch angehauchten Worten: "Dass Sie so longsom san mit Ihren Brettln on de Füaß'!". Die Revanche wird folgen. Am Hinteren Lindkogel im Kaltenbrunner Forst sollte man sich die Abzweigung hinunter ins Weichseltal merken, will man auf anderem Weg zurück. Weiter auf den Kalter Berg (Weg 42). Nur auf einigen größeren Lichtungen wird der Wald verlassen und öffnet sich ein Blickfenster – auf Wald. Kurz vor dem Gipfel des Hohen Lindkogels ein steiles, mit einer Felstreppe und einem Bügel versehenens Hangstück – das einzige Mal, das man auf dieser Tour ins Schnaufen gerät. Ich überhole Bischof Stecher, der bis zu den Knien im Schnee steckt. "Dass Sie so longsom san mit ihren Schuhn on de Füaß'", grüße ich ihn, was uns beide lachen macht. Anschließend wieder mehr oder weniger auf und ab dahin bis zum Schutzhaus Eisernes Tor, der Gipfelhütte des Hohen Lindkogels (847 m, 2,5 St., Sina-Warte). Ach ja, der Bischof und ich kommen gleichzeitig an, wir sitzen am selben Tisch und trinken beide einen Kaffee. Er sei nicht Bischof Stecher, gesteht er mir, bloß ein alter Pensionist aus Baden, der einmal in der Woche auf seinen Hausberg, den Linkogel, hochgeht. Die heutige Tour aber sei für ihn zweifellos eine der spannendsten gewesen ...
On top of Hoher Lindberg – das Schutzhaus Eisernes Tor
Abstieg
Hoher Lindkogel (Schutzhütte Eisernes Tor, Sina-Warte, 847 m) – Weichseltal – Jägerhaus – SieghartstalGraben – Weg 40/448 – Sooß
HU ca.
500 m, GZ 2 Stunden
Weingärten um Sooß
Um zum alternativen Abstiegsweg zu gelangen, zu der oben erwähnten Weggabelung zurück (30 Minuten, Weg 404, 42) und links hinunter ins Weichseltal. In manchen baumlosen Schneisen öffnet sich ein hübscher Blick auf Baden und ins Wiener Becken hinunter. Still und einsam durch Föhrenwald. Vorbei an einem Wildgehege und einem Jägerhaus erreicht man eine breite Zufahrtsstraße. Auf dieser in österlicher Richtung, bis nach 15 Minuten der "Beethoven-Wanderweg" nach rechts hinauf abbiegt (Weg 40). Hing'setzt am Rastplatz Jägerhaus. Etwas anders und durchaus nett das Finale zwischen Weingärten und einem schönen Ausblick über Baden. Immer wieder Bänke und Tische an weitsichtigen Schauplätzen, die uns jenes Augenfutter gewährt, das uns oben verwehrt blieb.
Von weitem schon rückt Sooß ins Blickfeld. Der Autoabstellplatz ist nach 2 Stunden erreicht.
Video:
Hoher Lindkogel
Der Hohe Lindkogel beherrscht durch seine Höhe und Ausdehnung den östlichen Wienerwald-Rand zwischen Baden bei Wien und Bad Vöslau. Ausgedehnte Föhrenwälder bedecken seine breiten Flanken.
Am Gipfel liegt das "Schutzhaus Eisernes Tor" des Österreichischen Touristenklubs mit dem 1856 erbauten Aussichtsturm "Sina-Warte" mit der Aufschrift "Dem Vergnügen des Publikums" (Freiherr Simon Sina, 1856, Infos siehe unten).
Kurios: 1897 wurde vom österreichischen Eisenbahn-Ministerium die Bewilligung zur Vornahme der technischen Vorarbeiten für eine Bahn auf den Gipfel des Hohen Lindkogels erteilt. Die Bahn war als schmalspurige Kleinbahn projektiert und sollte für den elektrischen Betrieb gebaut werden. Der Ausgangspunkt dieser Linie wäre bei der Südbahnstation Vöslau gelegen und von dort zum Vöslauer Bad führen sollen, wo sie Anschluss an die Baden-Vöslauer elektrische Bahn gehabt hätte. Dann wäre sie links gegen das "Gebirge" abgebogen, um den damals vielbesuchten Ausflugsort Waldandacht zu erreichen. Im Tal der Waldandacht hätte die Bahn dann allmählich ansteigend bis zum Schutzhaus den Gipfel des Hohen Lindkogels, "Eisernes Tor" oder "Albrechtshöhe" genannt, erreicht. Zur Verwirklichung des Projektes ist es nie gekommen.
Simon Georg Freiherr von Sina
(* 15. Oktober 1810 in Wien; † 15. April 1876 ebenda) war der Sohn des Unternehmers Georg Simon Freiherr von Sina und hat Philosophie und Astronomie studiert.
An Fabriksgründungen und Eisenbahnbauten beteiligt wurde er als einer der reichsten Männer der Monarchie um 1850 stärkster Konkurrent der Familie Rothschild. Einen großen Teil des Vermögens der Familie spendete er zum Bau von Bildungseinrichtungen, so den Neubau der Universität Wien und der Akademie Budapest, sowie der Gründung der Akademie von Athen und der Athener Sternwarte.
Im Jahre 1856 ließ Simon Georg Freiherr von Sina auf dem Hohen Lindkogel einen 14 Meter hohen steinernen Aussichtsturm errichten, den er ein Jahr später dem Verschönerungskomitee der Stadt Baden mit der Verpflichtung schenkte, das Bauwerk für immerwährende Zeiten für das Publikum zu erhalten.
Im Jahre 1887 übernahm die Sektion Baden des Österreichischen Touristenklubs den Turm von der Kurkommission der Stadt Baden zur Beaufsichtigung, Instandhaltung und Benützung gegen Bezahlung eines Pachtschillings. Am 27.9.1887 kam es nach Fertigstellung aller Reparaturen zur Kollaudierung des Turmes.