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Thomas Rambauske: Wienerwald-Abenteuer

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Naturpark Föhrenberge
Vier Kryptogipfel und ein Nackter Sattel

Naturpark Föhrenberge

Wanderung, Wienerwald, 2018; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Im Umfeld der Gießhübler Hochstraße finden sich nur wenige Meter vom Trampfelpfad entfernt klandestine Pfade zu kreuzbewehrten Miniatur-Gipfeln. Für manche brauchen wir pfadfinderisches Gespür, am Predigtstuhl sogar etwas Trittsicherheit, um zum Gipfelkreuz zu gelangen. Und am letzten Gipfel finden wir sogar eine botanische Sensation vor.

Die Route

Sperkhermstein
Weil am Parkplatz Kuhheide gnadenlos (ab)kassiert und jede Überschreitung der gekauften Zeit bestraft wird – und das 365 Tage und 24 Stunden lang! – reisen wir lieber mit dem Regionalbus an. So können wir die folgende Fact-Finding-Mission ausgibigst genießen und müssen nicht auf die Uhr schauen.
Wir folgen dem Weg 448 zuerst auf Beton, dann auf Erd- und Steinweg rot markiert über die Gießhübler Heide. Linker Hand weidende Schafe, die Hans Nemecek-Hütte, hinter uns Gießhübl und der Anninger, ringsum schöner Schwarzföhrenbestand umgeben von dem hier charakterischen Trockenrasen. Die Parapluie-Bäume, wie die schirmartigen Föhren auch genannt werden, weisen uns darauf hin, dass wir uns im Naturpark Föhrenberge befinden, eines besonderen Waldgebietes des Kalkstein-Wienerwaldes, das sich von Mödling bis zum Südrand von Wien erstreckt. Noch teilen wir uns den Weg mit vielen Spaziergängern. Wir folgen weiter dem rot markierten Weg Richtung KuBaumschwammgelwiese. Kurz nachdem wir Wald betreten, gelangen wir zum Rastplatz Hochstraße, den wir uns merken sollten, da er später noch eine Rolle spielen wird. Die sog. Geißhübler Hochstraße, über die der Wiener Wallfahrerweg, die Via Sacra, und der Nordalpenweg verlaufen, wird uns heute als "Arterie" fungieren, da wir immer wieder zu ihr zurückkehren werden. Nach einem kurzen Stück auf dieser Hochstraße der große Kreuzungspunkt am idyllischen Kleinen Sattel (Bank). Hier folgen wir dem schmalen Weg zur Kugelwiese nach rechts leicht bergauf. Schon wird es stiller im stillen Buchenwald. Sobald der Weg nach etwa 5 Minuten wieder ebener wird, wenden wir uns nach links auf einen ebenfalls rot markierten Steig. Wenn sich nach etwa 200 Metern der Weg bergab neigt, lenkt ein Pfad nach rechts aufwärts. So steigen wir  auf eine kleine Anhöhe, anderen Ende uns das kleine Kreuz des Sperk-Herm-Steins oder Sperkhermsteins (563 m) erwartet. Den seltsamen Namen hat er von jenen drei "Waldläufern", die das Gipfelkreuz hier 1996 aufgestellt haben: Sperker Franz, Hermann Walter und Steiner Hans. Die Kreuze nach den Anfangsbuchstaben der Kreuz-Errichter zu benennen, hat hier durchaus Tradition: Gar nicht allzu weit weg liegt ein Gipfel namens "Hoher Ge" oder "Hoherge", der sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen Helmut, Oskar, Heinz, Erich, Rudi, Gert und Edi zusammensetzt. Auch sie hatten die Idee ein unbedeutenden Zapfen zum Gipfel zu erhöhen. Das Kreuz steht des Sperkhermsteins steht aber auch da, um an diesem "Ort der Stille ein Zeichen zu setzen", vermerken die drei Waldläufer auf der ersten Seite des Gipfelbuches.
Nun zurück zum Hauptweg zur Kugelwiese. Dieser verläuft durch herrlichen Wiener Wald bis zur Kugelwiese. Über diese erreicht man das beliebte, gleichnamige Gasthaus (519 m).

Großer Sattelberg und Predigerstuhl
Gleich hinter dem Gasthaus folgen wir nun in nordwestlicher Richtung dem Weg nach Kaltenleutgeben, sobald wir nach kurzer Zeit links eine deutliche Pfadspur erkennen, folgen wir dieser über einen Kamm zum Kreuz des Großen Sattelberges (auch Hoher Relhof, 569 m). Wieder dürften wir unseren Namen eintragen und die Stille über der Welt genießen.

Großer Sattelberg

Für den Weitermarsch folgen wir dem Waldkamm in westlicher Richtung. Durch eine Waldschneise gelangen wir auf gut erkennbarem Pfad zu einer Weggabelung. Hier nehmen wir den linken Ast, sonst gelangen wir zu einem Felsabsturz. Der Weg führt zu einer großen Wiese, die wir der Länge in westlicher Richtung überqueren, nach einem kurzen Waldstück folgt eine weitere Wiese, an deren Ende wir auf die breite Hochstraße treffen. Dieser folgen wir in wenigen Schritten bis zum Gasthaus Seewiese (566 m, geschlossen, Stand 2018).
Nach einer Stärkung wandern wir auf der breiten Gießhübler Hochstraße Richtung Gießhübl und Kugelwiese. Sobald wir zu einer markanten Wegkreuzung (Pertcholdsdorf/Kugelwiese) und dem Rastplatz Predigerstuhl gelangen, wenden wir uns nun nach rechts und passieren einen Gedankstein für Richard Lehmann, war einen Widerstandskämpfer gegen den Austrofaschismus, der auf der Predigtstuhlwiese während einer Kundgebung erschossen wurde. Wir folgen dem zum Predigtstuhl weisenden Pfeil auf einem schmalen Steiglein zum Predigt- oder Predigerstuhl (Gipfelbuch, 541 m). Auf den mit einem eisernen Kreuz dekorierten Gipfel führen von der Hangseite her ein paar harmlose Felsstufen (I).

Predigerstühl

Talseitig bricht der Felsen 10 m senkrecht ab. Nun den gut ausmachtbaren Steig weiter um den Felsturm herum und weiter hinunter, bis wir auf die Hochstraße treffen. Dieser folgen wir nun nach rechts bis zum Kleinen Sattel.

Der Nackte Sattel
Einen Gipfel haben wir noch! Und welchen! Beim sog. Nackten Sattel handelt es sich um ein echtes Wienerwald-Schmankerl und eine botanische Kostbarkeit, wie wir sie auch im Wienerwald selten finden. Wie ist er zu erreichen? Sehr einfach. Gleich nach dem Rastplatz Hochstraße, den wir schon vom Beginn unserer Tour her kennen, biegt nach links ein sehr breiter, unmarkierter Pfad ab. Diesem folgen wir bis knapp vor den Rand eines Steinbruches. Der Pfad lenkt dann nach rechts ab und führt uns nach kurzer steiler Anstieg zu einem felsigen, mit einer Bank möblierten Aussichtsbalkon. Eine Tafel bezeichnet diesen als "Kleinen Sattel Auslug". Die Bezeichnung "Kleiner Sattel" ist eigentlich falsch, die Erhebung, auf der sich eine Bank samt tollem Ausblick befindet, hört eigentlich auf den Namen "Nackter Sattel" (527 m).

Nackter Sattel

Weiters ist zu beachten, dass der Ausdruck "Sattel" in dieser Gegend nicht nur Pässe zwischen zwei Erhebungen bezeichnet, sondern auch die Erhebung selbst, der Nackte Sattel müsste also analog zum Großen Sattelberg, Nackter Sattelberg heißen. Wie auch immer, die Erhebung wird von Botanikern als einer der "schönsten und schutzwürdigsten Hügel Österreichs"* bezeichnet. Grund sind die vielen botanischen Raritäten und die pannonische Flora, die er beherbergt. Trockenrasen bedeckt seinen Südhang und den Gipfel. Seltener, sehr schön ausgebildeter (Gipfel-)Eschenwald beherrscht die Schattseite des Gipfelbereiches. Zu den Besonderheiten gehören auch das seltene Hoch-Hasenohr, der Mittel-Tüpfelfarn, die Zwerg-Schwertlilie und eine große Rarität: der Glanz-Storchschnabel. Der Name "Nackter Sattel" geht wohl auf den spärlichen Baumbewuchs zurück. Seit langem kämpfen Naturschützer und Botaniker für den besonderen Schutz dieses Kleinods, das vom Steinbruch Kleiner Sattel bedroht wird.
Wir bleiben lange sitzen, genießen das Zauberplätzchen, ehe wir zur Hochstraße zurückkehren und über die Gießhübler Heide zum Ausgangspunkt zurückkehren.

*Quelle: Wolfgang Adler, in „Der Nackte Sattel nächst Giesshübl (im Kalk-Wienerwald) – ein höchst gefährdetes botanisches Kleinod“, www.biologiezentrum.at, 2008)


Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Gießhübl (Kuhheide, Eichbergstraße) – Rastplatz Hochstraße – Kleiner Sattel – Sperkhermstein (563 m) – Gasthaus Kugelwiese (519 m) – Großer Sattelberg (auch Hoher Relhof, 569 m) – Gasthaus Seewiese (566 m) – Predigt- oder Predigerstuhl (541 m) – Kleiner Sattel – Rastplatz Hochstraße – Nackter Sattel (527 m) – Gießhübl
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 250
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up Pfeil down ca. 2
Schwierigkeiten:
Beim Sperkhermstein ist ein wenig pfadfinderisches Gespür notwendig, am Predigerstuhl Trittsicherheit
Eignung für Kinder:
gut geeignet
Eignung für Hund & Katz':
gut geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Gasthaus Kugelwiese
Karte:
freytag & berndt Wanderatlas "Wienerwald"

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