Nach dem Winter oder schulischen Stresszeiten ist es Zeit, Kinder schleunigst "auszuwildern" und ihre Sinne und Phantasie wieder zu beleben. Am besten in einem unserer Naturparke, wo sogar die bislang unentdeckten "Flaggenbäume" zu finden sind.
Weil wir nicht lange nach wilder Natur suchen wollen, machen wir uns in einen jener Naturparke am Rande Wiens auf, die ausgezeichnet für Kinder aufbereitet sind und sich ideal zur "Auswilderung", sprich: Annäherung an die Natur, eignen. Wie etwa der Naturpark Purkersdorf-Sandstein, der das Waldgebiet am westlichen Stadtrand von Wien umschließt. Wild- und Streicheltiergehege, ein Naturlehrpfad, Abenteuerspielplätze und allerlei Geblüm zwischendurch bieten reichlich Gelegenheit zum BeGREIFEN und ErLEBEN – und zur Entdeckung neuer Fauna und Flora. Fulminanter Auftakt am Eingang des Naturparks bei der Kellerwiese: In einem Streichelzoo darf Ponys, Zwergziegen, Schafen und Eseln das Fell gekrault werden. Tut gut, macht vieles wieder gut. Ein Erlebnisspielplatz wartet mit einem "Fliegenden Fuchs" und Wipp-Schaukeln auf – manche sogar mit Drehschwindel-Garantie.
Beim Sängerbrunnen nimmt ein erlebnisreicher Naturlehrpfad seinen Ausgang, wo auf Infotafeln neben vielen heimischen Baum- und Straucharten auch Vögel, Schmetterlinge und Käfer vorgestellt werden – und das auf sehr kindgerechte Weise. So etwa fragen Bäume per Klapptafel nach ihrem Namen. Neben Fichten, Buchen, Kiefern etc. allerdings nicht dabei der "rot-weiß-rote Flaggenbaum" (erstmals entdeckt von Wiwi), erkennbar an den flaggenartigen Markierungen (siehe Bild rechts).
Am Wienfluss helfen zwei Wasserstationen und seichte Flussbuchten, die Besonderheiten und Lebewesen eines Flusses zu erforschen. Nach der Flusspromedade die nächsten Highlights: Ein großer Spielplatz und das Wienerwaldhaus mit der Ausstellung über die sog. "Duckhüttler", die uns vor ein weiteres Rätsel stellen. "Duckhüttler" sind Forstarbeiter, die im 17. Jahrhundert aus den Bundesländern zur Waldbewirtschaftung in den Wienerwald geholt wurden. Um das Wienerwaldhaus mehrere Tiergehege, in denen sich Rehe – darunter Jungbock Emil –, Hirsche und Wildschweine hautnah beobachten lassen. Entlang eines Geologielehrpfades weiter bis zu einer Unterstandshütte, wo unsere kleine Wiwi-Frosch die Bergführerschaft übernimmt. "Alle mir nach!", befiehlt sie streng, "wer mich überholt, bekommt 'Hauer'!" Also duckhüttlerisch durch Gestrüpp gekrochen, über Baumstämme balanciert, durch Wasserlacken geschlurft – wehe, wer dem Kommandanten zuwiderhandelt!
Am Weg Buschwindröschen, Sumpfdotterblumen und Veilchen – gut, dass wir Muttern dabei haben, die uns benennt, was niemand kennt. In einigen Serpentinen zur 28 Meter hohen Rudolfswarte mit grandiosem Fernblick über Wien und die südlichen Voralpenberge bis zum Schneeberg. Manchen Hausmensch-Arten wie dem "langhaarigen Frechmäulchen" Celine bereitet der Blick über das Geländer allerdings Übelkeit: "Ich sterbe aus ...!", kündigt sie den Untergang ihrer Spezies an und begehrt den sofortigen Abstieg.
Auf dem gleichen Weg zurück zur Unterstandshütte und von dort entweder zum Schöffeldenkmal hinauf oder durch einen Graben direkt hinunter zur Kellerwiese. Vier Stunden waren wir unterwegs, für Wesen der Gattung "Häusliches Mädesüß" eine respektable Leistung.
Naturpark Purkersdorf Sandstein
Der Naturpark umschließt ein Waldgebiet am westlichen Stadtrand von Wien mit der Rudolfshöhe (475 m) als höchste Erhebung. Die Buchenwälder bilden hallenartige, schattige Bestände, sodass hier vor allem auch im Sommer ein angenehm kühles Klima entsteht. Der geeignete Ort für eine rasche und erholsame Abwechslung zur Großstadt.
Einrichtungen und Angebote:
Naturparkzentrum Wienerwaldhaus mit Ausstellung zu den "Duckhüttlern" im Wienerwald
Reh-, Rotwild- und Wildschweingehege
Streichelzoo, Holzlabor
Neu erweiterter Naturlehrpfad
Themenwege
Aussichtswarte auf der Rudolfshöhe
Josef Schöffel-Gedenkstein
Erlebnisstationen mit Kindermaskottchen Grünspecht SAWI
Ganzjährig geführte Erlebniswanderungen gegen Voranmeldung (Naturpark Schule)
Saisonal viele Themennachmittage, Veranstaltungen und Naturpark-Tipps für Kinder
Der Naturpark ist vom Bahnhof Purkersdorf-Gablitz in 3 Minuten erreichbar. Auf der Kellerwiese erwartet Sie ein Streichelzoo und ein naturnaher Erlebnisspielplatz. Von dort führt ein 1,5 km langer Naturlehrpfad ins Naturparkzentrum Wienerwaldhaus, wo man in einer Ausstellung mehr über das Leben der Wienerwaldbauern (Duckhüttler) und deren Handwerkszeug erfährt.
Direkt angrenzend können Rehe und Rotwild beobachtet werden, ein Info-Rundweg entlang des Wildschweingeheges erzählt über das Leben der Tiere. Bei mehreren Abenteuerstationen kann das Leben im Wald erforscht werden.
Der Schöffelstein (425 m) mit der Schöffel-Gedenkstätte erinnert an den gleichnamigen Retter des Wienerwaldes Josef Schöffel (1832-1910). Die Aussichtswarte auf der Rudolfshöhe bietet einen weiten Ausblick auf den Wienerwald und die Bundeshauptstadt.