Ein
katholischer und ein äußerst geheimer Geheimtipp diesmal,
geht’s doch über Großen und Kleinen Pfaffen zum Pfaffensattelhaus
und über den – längst vergessenen, aber traumhaften - Kardinal
Nagl-Steig retour zum Feistritzsattel. Daraus ergibt sich eine der schönsten
Rundwanderungen der Gegend mit allem, was dazu gehört: drei
Gipfel, eine pfundige Raststation in der Mitte, ein Waldweg wie aus
dem Bilderbuch – und eine spannende Kletterstelle.
Anfahrt
& Aufstieg
Feistritzsattel
(Parkplatz, Bus, 1290 m) – HarderKogel – Großer
(1555 m) – Kleiner Pfaff – Pfaffensattel (Gasthof Pfaffensattelhaus,
1372 m)
HU
ca. 380 m, GZ 1 ½ Stunden
Am
Harder Kogel mit Blick auf das Stuhleck
Am
Gipfel des Großen Pfaffen
Das
Gipfelkreuz des Stuhlecks
Den
Rucksack geschultert am Feistritzsattel, jenem prägnanten
Scheitelpunkt zwischen Hochwechsel und Fischbacher Alpen. Kurz die Sattelstraße
bergab, bis nach wenigen Schritten eine beschränkte Forststraße
zum "Gasthaus Pfaffensattel" leitet.
Nach wenigen Minuten an einem Stein vorbei, auf dem das Gedicht "Herbst"
von Ferdinand von Saar zu lesen ist – Verse, die ausgezeichnet in diese
Gegend passen:
Der
du die Wälder färbst,
sonniger, milder Herbst,
schöner als Rosenblühn
dünkt mir dein sanftes Glühn.
Nimmermehr
Sturm und Drang
nimmermehr Sehnsuchtsklang,
leise nur atmest du
tiefer Erfüllung Ruh.
Aber
vernehmbar auch,
Klaget ein scheuer Hauch,
Der durch die Blätter weht,
dass es zu Ende geht.
Danach
verengt sich der Weg und führt durch engen Tannenwald nie besonders
steil hoch, ehe der Weg am Rücken des Harder Kogels eine Linkskurve
vollführt. Über eine typisch steirisch-niederösterreichische
Alm-Co-Produktion, dann zum kleinen Gipfelkreuz des Harder Kogels
(3/4 St.), von dem aus schon unseren nächsten Ziele – der Große
Pfaff, das Stuhleck, aber auch Schneeberg, Rax und Hochwechsel herrlich
überblickbar sind. Nun gemächlich über Wiesenflächen
und mehrere Auf und Abs weitergeschlendert, bis die Markierung in leicht
sumpfigem Gelände einen Rechtsdrall nach Nordwesten und nicht AUF,
sondern UM unseren nächsten Gipfel vollführt. Dorthin müssen
wir dürftigen Steigspuren nach zwischen Latschen, Geröll und
Felsen den Aufstieg zum Gipfelkreuz des Großen Pfaffen
regelrecht erkämpfen. Die Aussicht bis zum Grazer Bergland und
der Tiefblick nach Rettenegg sollte doch eine direktere Wegführung
verdienen! Apropos Rettenegg: Dieser romantische Talort am Fuße
der Pretulalpe, in dessen Stadtwappen sich die Pfaffen wiederfinden,
eignet sich vorzüglich für familiengerechte Wanderurlaube!
Den "Himmel auf Erden" etwa verspricht der "Planetenweg",
der den Sternen nach von Rettenegg aufs Stuhleck führt.
Nordwärts dann einem ganz passablen Steiglein in die Senke vor
dem kleinen Pfaffenbruder gefolgt, wo ein Holzpfeil vom Pfaffensattel
Kommenden den Weg zum Gipfel weist. Dreht sich denn hier alles nur in
eine Richtung? Der markierte Weg – warum nur? – umgeht auch den 1539
m hohen Kleinen Pfaffen. Stehen die Gipfel hier unter Naturschutz,
dass sie umgangen werden müssen? Nun etwas steiler über gerölligen
Steilhang hinab bis zu einem Bildstock, wo der Waldweg auf eine Forststraße
trifft. Diesen Punkt werden wir uns merken. Auf der Straße in
wenigen Minuten zum Pfaffensattelhaus. Absolute Einkehrpflicht!
Die Familie Koglbauer hat hier einen gemütlichen Gourmettempel
mit ausgezeichneter bodenständiger Küche, hausgemachten Mehlspeisen
und familienfreundlicher Bedienung eingerichtet.
Gipfelsammler
können von hier aus über den wunderschönen Almrücken
zum Stuhleck hoch (1 Stunde) gehen. Die Mautstraße wird
nur einmal gekreuzt, ansonsten herrscht auch hier eitle Wanderwonne.
Das
ausgezeichnet geführte Pfaffensattelhaus
Retourweg
Kardinal
Nagl-Steig
GZ
2 ½ - 3 Stunden
Die
Felsspalten am Beginn des Wegs verlangen etwas Kletterkönnen ...
Der
Papa achtet auf jeden Griff des Sohnes.
Pure Wanderwonne
verspricht nun der unmarkierte Kardinal Nagl-Steig, das Missing
Link zu einer perfekten Rundtour! Anstatt nämlich mühsam und
für Kids sowieso unzumutbar über die zwei Pfaffen zurückzuhecheln
oder kompliziert und umweltfeindlich per Bus bzw. zweitem Auto herumzukurven,
wählen wir diese ideale Variante, um ohne viel Anstrengung, aber
mit umso mehr Naturerlebnis zum Ausgangspunkt zurückzugelangen.
In den Karten als punktierte Linie eingezeichnet, ist der ehemalige
Reitsteig des jagenden Kardinals Nagl (Infos siehe unten) zu Unrecht
in Vergessenheit geraten. Dabei sucht er in seiner Wegführung und
Schönheit seinesgleichen! In fast ebener Linie nämlich umkreist
er die Pfaffen und führt bequem zum Feistritzsattel zurück,
woraus sich eine perfekte Tagesrundtour ergibt mit allem, was dazu gehört:
drei Gipfel, eine pfundige Raststation in der Mitte, ein Waldweg wie
aus dem Bilderbuch – und eine spannende Kletterstelle. Gleich gegenüber
vom Pfaffensattelhaus nämlich, wo nach einem Schranken der Steig
beginnt, öffnen sich zwei etwa 4-5 m tiefe Felsspalten, die in
leichter Kletterei einmal überwunden werden müssen. Kinder,
Alarmanlagen und Anfänger unbedingt sichern! Die Stelle kann allerdings
umgangen werden, indem man zu den vorher erwähnten Bildstock zurückgeht
und dort einer schwach ausgeprägten Forststraße bis zu einem
Waldhang folgt. In südlicher Richtung hinabsteigend, trifft man
punktgenau auf den Steig.
Dann aber
Wanderwonne pur! Auf pferdebreitem und in die Waldhänge eingearbeitetem
Steig genussvoll dahingeschlendert durch lauschige Wäldchen, Beerenbeete,
über helle Lichtungen, an Riesenameisenhaufen vorbei, immer auch
begleitet von Stuhleck und Pretul um die Pfaffen herum. Nach 1,5 Stunden
und einer Bachquerung wird sich der Steig im Gehölz verlieren.
Dann heißt es den Orientierungssinn hochfahren, auf die rechts
nebenher laufende Forstraße wechseln, bei der ersten Gabelung
in scharfer Linkskurve einschwenken und ohne nennenswerten Höhenverlust
gen Feistritzsattel, und also den Schlusspunkt dieser Traumtour
schlendern.
Viel
zu entdecken gibt es am Kardinal Nagl-Steig - wie diese Riesenameisenhaufen
etwa.
Kardinal
Nagl
Franz Xaver Kardinal Nagl (* 26. November 1855 in Wien; † 4. Februar
1913 ebd.) wurde
am 14. Juli 1878 zum Priester geweiht. Anschließend war er Kaplan
in Amstetten. Ab 1887 war er Spiritualrektor am Fritaneum, ab 14. März
1889 Rektor der Anima in Rom.
Am
26. März 1902 wurde er zum Bischof von Triest-Capo d'Istria und
am 1. Januar 1910 zum Titularerzbischof von Tyrus und Koadjutor-Erzbischof
der Erzdiözese Wien mit dem Recht der Nachfolge für den fast
blinden und tauben Kardinal Anton Joseph Gruscha ernannt. Am 5. August
1911 erfolgte die Ernennung zum Erzbischof der Erzdiözese Wien.
Am 27. November 1911 wurde er als Kardinalpriester mit der Titelkirche
San Marco in das Kardinalskollegium aufgenommen.
Kardinal Nagl veranlasste den Umbau und die Erweiterung eines ehemaligen
Waisenhauses in der Boltzmanngasse (9. Wiener Bezirk), in dem seit 1914
das Wiener Priesterseminars untergebracht ist.
Schwierigkeiten:
Mühsamer
Aufstieg zum Großen Pfaffen, zwei Felsspalten am Beginn des Kardinal
Nagl-Steigs (Kletterschwierigkeit I)
Höhenmeter:
Etwa
380 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit:
ca.
4 - 4 ½ Stunden
Beste
Jahreszeit:
Außer
im tiefsten Winter jederzeit möglich
Kinder:
Die
vielen Almlichtungen, ein kleiner Teich zwischen Harder Kogel und Großem
Pfaffen, mehrere Kraxl-Möglichkeiten und nicht zuletzt die vielen
entdeckungswürdigen Naturkostbarkeiten am Kardinal Nagl-Steig machen
diese Tour auch für Kinder äußerst lohnend. Zudem liegt
mit dem Pfaffensattelhaus eine ideale Raststätte mitten am Weg.