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Der Pilgerweg von Neustadtl

Weg nach innen

Juli 2008

Pilgern um Neustadtl

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Pilgern als sprichwörtliche Gegen-Bewegung zum Still-Stand im Alltag, Pilgern als Möglichkeit, sich durch Gehen zu verlangsamen, Pilgern als Chance, sich zu stärken, aufzurichten, zu erneuern. Pilgern bedeutet Ballast abwerfen, sich auf das Wesentliche reduzieren, von irgendwo weggehen, um am Ende des Weges bei sich selbst anzukommen.Es muss aber nicht immer ein Wochen füllender großer Pilgerweg sein, um all das zu erreichen, es genügt auch ein schmucker, kleiner wie jener in Neustadtl an der Donau im Herzen des Mostviertels. Für diesen Jakobsweg en miniature braucht man nicht mehr als 2-2,5 Stunden, an 13 Stationen erhält man geistige Wegzehrung in Form von Lebensweisheiten, Erfahrungsberichten und Wissenswertem über den Jakobsweg im Allgemeinen.

Neustadtl
Neustadtl im Mostviertel ist von Kornfeldern, Hügeln und kleinen Wäldern umgeben ...

Route

Neustadtl (Kirche) – Bildbirnbaum Nadlingerhof Neustadtl

GZ 2 ½ Stunden

Weg

 

 

Getreide

 

 

 

gehen

 

 

Wald

 

 

 

 

Nadlinger

Das Motto des Neustadtler Pilgerweges "Der Weg ist das Ziel" trifft dessen Sinn punktgenau: Im bedächtigen Auf und Ab durch die Wälder, Felder und Äcker der Mostviertler Landschaft eröffnet sich zugleich ein möglicher Weg zu sich selbst.
Aufgebrochen wird bei der Kirche von Neustadtl. Hier spürt man vor allem im Herbst während der Erntezeit und der vielen Feste, dass die ländliche Kultur mit ihren Traditionen und bäuerlichen Brauchtümern im Vordergrund steht. Genauso aber scheint Neustadtl ganz in der Hand des Heiligen Jakobus: Der österreichische Abschnitt des Jakobweges führt direkt durch das Gemeindegebiet, die Pfarrkirche ist dem Heiligen Jakob geweiht und last but not least führt uns die Jakobstraße zur zweiten Station des Pilgerwegs am Ortsausgang. "Interessiere dich für dein Leben, du bist der einzige, der etwas daraus machen kann", ist auf einem Schild zu lesen. Wie wahr. Hier, wie auch im Leben gilt es neben dem Du das eigene Ich nicht zu vergessen, denn erst aus dem harmonischen Ich kann das Du umfasst werden. Die Sinnsprüche auch der kommenden Stationen regen zu eigenen Gedanken an, man nehme von dem Geistesfutter, was einem zusagt. Dann aber los, auf den Weg gemacht durch ein typisches, besonders reizvolles Stück Mostviertel. Wie keine andere passt sie zum meditativen Pilgern. Anmutig geformt, nie steil, nie monoton, aber umso farbenfroher ruht sie in sich selbst und atmet erheiternde Frische aus. Korn- und Maisfelder, dazwischen eingestreut kleine Wäldchen, Birnbaumhaine, Almwiesen und Gehöfte. Es ist genau diese Legierung aus Natur- und Kulturlandschaft, aus Brauchtums- und Landschaftspflege, auf dem eine Pilgerwanderung zu sich selbst gelingen kann. Alles, Mensch und Natur, selbst der Zug der Wolken, scheint hier entschleundigt, auf das Wesentliche reduziert, ruhiger, gemächlicher, feierlicher.
Etwas bergab über eine Wiese und den Waldrand entlang, wo beim sog. Bildbirnbaum die nächste Station wartet: "Die Wahrheit hat weder Zukunft noch Vergangenheit". Also muss sie immer im gegenwärtigen Augenblick liegen. Zwischen Waldrand und Maisfeldern weiter, hin und wieder durch kühlenden Wald, dann wieder über saftige, von Blumen und Kräutern durchwirkten Wiesen oder sonnenüberflutete Lichtungen. Es ist auch dieser ständige Wechsel der Perspektive und der Geländeformen, der den Reiz dieses kleinen Pilgerweges ausmacht. Schmetterlinge tanzen durch die Luft, schaukeln dem Wanderer jene Leichtigkeit des Seins vor, zu der uns dieser Weg führen will. Lass dich nicht fesseln, hören wir sie sagen, am wenigsten von dir selbst. Wenn der Wind durch die festen, großen Blätter des Maisfeldes fährt, rauscht es und ergibt eine Art von Musik, die bis ganz innen alles glatt streift, was sich dort kantet und spießt. 4. Station: "Der langsame Rhythmus des Gehens, das einfache Leben in der Natur, die meditative Aura der Landschaft verweisen auf die Grundlagen des Menschseins", der Satz scheint der Gegend hier auf den Leib geschrieben, strahlt sie doch ansteckende Harmonie aus, um den Blick zugleich auf das Wesentliche zu verengen. Apropos Blick: Das Panorama muss um Neustadtl nicht erkämpft oder mühsam gesucht werden muss, es ist immer da und um uns herum. Wohin man auch sieht, der Blick gleitet weit, weit über ein grenzenloses Meer an Hügeln, Wäldchen und Feldern. Da und dort thront wie ein Wachturm eine Kirche auf einem Berg, ganz hinten allerdings begrenzen der Vaterberg der Mostviertler, der Ötscher, das Hochkar, und die Hochschwabberge den Horizont. Waldrand, Wald, Bach, Sonne, Schatten, heiß, kühl. Die Aura des Weges wechselt ständig. Auch das ein Sinnbild für das Leben an sich, jeder Wegabschnitt steht für ein Geheimnis des Lebens, das mal offen für das Viele oder auch konzentiert auf das Eine ist, das mal beschattet von Trauer oder sonnendurchflutet von Heiterkeit sein kann: "Hab Sonne im Herzen, und alles wird gut!", heißt es da am leise dahin gurgelnden Bach, der unter einem Baldachin von Farnen dahinfließt. Auf diesem Jakobsweg hier wie im Mostviertel überall, ist es das unbeschwerte, das leichte, das beschwingte Gehen, das einen unwiderstehlichen Reiz ausmacht. Da ist nichts, was dem leichten Gehen Einhalt gebieten würde, nichts was sich in den Weg stellt, alles öffnet die Sinne und füllt sie zugleich mit Frische und Kraft. Mitten im Wald eine Art Zwischenstation, eine Bank und die Aufforderung, Platz zu nehmen: "Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick, der bedeutsamste Mensch in unserem Leben ist immer der, der uns gerade gegenübersteht, das notwendigste Werk in unserem Leben ist stets die Liebe." (Leo Tolstoi). Zwischen Wiesen und Kornfeldern zum Nadlingerhof, wo ein Erlebnismuseum errrichtet wurde, das u. a. auch zeigt, wie die Pilger früher genächtigt haben. Nach rund zwei Stunden kehrt man nach Neustadtl zurück. Als anderer, als reicherer, als ruhigerer Mensch.


Schwierigkeiten:
Keine
Gesamthöhenmeter:
Nicht nennenswert
Gesamtgehzeit:
2,5 Stunden
Beste Jahreszeit:
Außer Winter immer
Eignung für Kinder:
Bestens geeignet
Eignung für Hund & Katz':
Bestens geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Neustadtl
Anforderung von Karte und Literatur

Marktgemeinde Neustadtl an der Donau: Marktstraße 16, 3323 Neustadtl an der Donau. Tel.: 43 (0) 74 71/2240-0, gemeinde@neustadtl.at, www.neustadtl.at

oder

Mostviertel Tourismus: Adalbert Stifter-Straße 4, 3250 Wieselburg, Tel.: +43 (0) 7416/521 91, Fax 530 87, office@most4tel.com, www.mostviertel.info


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