www.BergNews.com
www.bergnews.com www.bergnews.com

Mountainbiken rund um Wien

Follow us to facebook

Mit Heimito von Doderer auf die Preinerwand:

Preinerwandsteig - Rax-Plateau - Jakobskogel - Törlweg

Raxalpe

Die Preinerwand

Intro:

Die hier vorgestellte, sehr lohnende Rundtour abseits touristischer Trampelpfade bleibt ausschließlich Rax-Gourmets vorbehalten; kaum wird man hier andere Lebewesen treffen als Gämsen und Rehe, die geheimnisvollen Buchenwälder, die hellen Kalkfelsen und das weite Rax-Plateau - die so sanften Gesichtszüge der Rax.

Einen besonderen Reiz übt aber auch die stille Ecke zwischen Edlach, Großau und Prein aus: Die Zeit scheint hier still zu stehen, weite Felder, dichte Wälder, dazwischen einzelne Bauerngehöfte und Siedlungen.

Diesem Reiz ist auch Heimito von Doderer verfallen, der sich doch oft und gern am Riegelhof in Prein aufhielt - das Raxmassiv und die Preinerwand stets vor seinem Fenster. Eben dieser Wand setzte er in der "Strudlhofstiege" ein literarisches Denkmal.

Wir wollen den Spuren folgen, die er dort hinterlassen hat, und zwei jungen Paaren, die sich anschicken, den "mächtigen Felsen im Walde" zu erklettern. Unvermutet werden wir dabei auch eine der schönsten Liebesszenen der österreichischen Literatur erleben - und einen Hauch Erotik ...


Großau - Preinerwandsteig - Preinerwandkreuz

2 Stunden/HU: 1000m

Wir beginnen unsere Tour kurz nach der Ortschaft Großau beim Wegweiser "Holzknechtsteig", 708m (kleiner Parkplatz). Von dort folgen wir der roten Markierung entlang dem Großau Wasser mäßig steil bergauf, bis mehrmals Forststraßen gekreuzt werden. Etwas deftiger durch Wald, bis wir nach etwa einer Stunde beim Bachinger-Bründl zur Abzweigung Holzknechtsteig-Preinerwandsteig gelangen. Wir wählen den rechten Weg, begegnen im folgenden, mit manchen felsigen Steilstufen versetzten Waldstück keinem anderen Lebewesen außer einer Gämse, die sich durch unsereins in keiner Weise stören lässt.

'Man hört ein Scharren, weil vier Personen einen mächtigen Felsen im Walde zu erklettern versuchen ... Zwei kommen rasch vorwärts, ... zwei sind noch weit unten: die Pastré und René Stangeler. Aber der Gymnasiast [alias H. v. Doderer] treibt sie hinauf, hilft ihr, setzt, unter ihr stehend, ihre Füße, gibt ihr den nächsten Griff für die Hand an. Sie muß sich strecken und spreizen.' (Die Strudlhofstiege, S. 205)

Bald erreichen wir die Baumgrenze, steigen über Schutthalden höher, an einer ausgehöhlten Wand vorbei, zwischen ihr und einem Felskopf hinauf, dann auf einen Schuttrücken zu den Felsen der Preinerwand, wo wir den eigentlichen Beginn des Steiges erreichen.

'Hier ist's schon exponiert, gegen die Talseite zu gut fünfzig Meter. Die Wipfel bleiben zurück. Das Gestein ist mitunter sehr brüchig.' (S. 205)

Die Preinerwand

Die Preinerwand ragt imposant und abweisend über unsere Köpfe hoch - alles Lug und Trug, wie vieles auf der Rax: Bis auf zwei mit Drahtseilen und Trittstiften gesicherte Passagen gestaltet sich der Weg relativ leicht (Nichtsdestotrotz sollte bei feuchten Witterungsverhältnissen oder im Frühjahr, wenn manche Stellen noch schneebedeckt sein können, aufgepasst werden!). Nach etwa 20 Minuten steilerem Bergauf queren wir ein glattes, abtriftendes Band (Stahlstifte), die Schlüsselstelle der Tour.

'Inzwischen hat es die Pastrè aufgegeben. Sie sagt weich und leise: "Renè, ich muß zurück. Halten Sie mich". "Ja", sagt er. Denn auch er hat genug. Nicht vom Klettern und der Assistenz dabei. Aber von dem immer mehr zunehmenden Beben, Fiebern und Vibrieren seines eigenen Körpers. ... Er half ihr vorsichtig aus ihrer Lage. Als sie frei gekommen war, stützte sie sich geradezu auf ihn, hielt sich kaum mehr am Stein, den Arm um sein Genick, ausruhend, wie geflüchtet und angelangt, aber aus weiteren Nöten, nicht nur von dieser zackenreichen Felswand mit dem Grat oben. Dorthin warf sie jetzt einen Blick. Sie lauscht Dann kam ihr Kopf um zwei Zentimeter näher gegen ihn und lag nun an seinem Hals. Sie bleiben, wie sie waren, eine halbe Minute vielleicht. Dann begann er sie zu küssen und tat jetzt nichts situationsgemäß Verkehrtes, als er ihr weißes Sporthemd entknöpfelte und mit der rechten Hand unter ihre linke Brust glitt. Hinunter ließ sie sich beinahe tragen, es war nicht ganz einfach, sie blieb dicht an ihm, doch glückten diese ein-und-einhalb Meter bis zum Waldboden. - Sie schrie nur einmal unterdrückt und kurz auf im Schmerz, dann umklammerte sie René fest, und nicht nur mit den Armen.' (S. 206)

Haben wir diese Stelle bewältigt und einen engen Kamin durchstiegen, betreten wir zwischen Latschen das Hochplateau der Raxalpe.

'Wie von einem Rollen rings um den ganzen Horizont, einem lautlosen innren Donner in den sonnigen Himmeln, so wurde in Melzer jeder Raum seiner Eindrucksfähigkeit eingerannt und dicht gepackt ausgefüllt, als er auf die Höhe und Plattform des Felsens gelangte, der gegen die Talseite zu mit gut hundert Metern fast lotrechter Wände abfiel:

Blick ins Preiner Tal

hier sah man's, worin man lebte, in einer Umgebung, die, an Schweigsamkeit nicht zu überbieten, sich zugleich unaufhörlich mit Übergewalt aussprach: Berg an Berg, ferner Fels, an den der Wald unten hinkroch wie Moos, das Gestein im milchigen Sonnendunst, die Kanten gegen den lackreinen Himmel in trillernder Schärfe des Lichts abbrechend. Und Wälder, Wälder dazwischengeschüttet mit ihrer Ferne und Tiefe, als wären sie nichts, nicht mehr als das gefallene Tuch um die Füße enthüllten Standbilds.' (S. 206f.)

Nach wenigen Minuten stehen wir am Gipfel der Preinerwand mit seinem erst kürzlich errichteten neuen Kreuz, 1783m.


Rax-Plateau - Jakobskogel - Otto Haus

45 Minuten

Nun sicher der schönste und angenehmste Teil der Tour, die Schlenderei über das Plateau der Raxalpe mit eindrucksvollem Panoramablick über die Gutensteiner und Wiener Voralpen. In sanften Auf und Ab, über Stock und Stein, vorbei am Weißen Kogel und der Hohe Kanzel, durch Latschen, über Almwiesen und mit ständigem Blick ins Preiner Tal gelangen wir zu einer Wegkreuzung. Wen der Hunger zur Hütte treibt, wählt den rechten, wer noch den Jakobskogel "mitnehmen" will, den linken.

In wenigen Minuten haben wir den 1737m hohen Gipfel des Jakobskogels und die Überreste einer Befestigungsanlage erreicht. Von hier gleich bergab, vorbei an der fragil aussehenden Wilma-von-Haid-Aussichtsplattform zum Erzherzog Otto Haus, 1642m, mit einem Gedenkstein, der an Fritz Benesch erinnert, einen Erschließer der Wiener Hausberge.

Otto Haus - Törlweg - Großau

1,5 Stunden

Der Törlweg

Gleich unter dem Otto Haus durchschreiten wir ein hübsches Felstor (Drahtseil), wovon auch der Name des Steiges herrührt, und schlängeln uns in steileren und steinigen Serpentinen bergab, wobei man fast glauben möchte, dass man ein und dieselbe Kurve immer und immer wieder begeht, sieht doch eine wie die andere aus. So gesehen vermeint man, sich keinen Schritt weiter zu bewegen. Erst ein Wegweiser "Kleinau-Großau" bestätigt, dass man doch ein Stück weitergekommen ist.

Ab hier heißt es aufmerksam zu sein, das Weggewirr kann sonst zu einem Wegverirr führen. Zwar leiten die grünen Markierungen gut nach Kleinau-Großau, die gelb markierte Abzweigung Richtung Großau kurz vor einer Lichtung mit Forststraße kann jedoch leicht übersehen werden - flugs landet man in Kleinau, was einen ordentlichen Straßenhatscher zum Ausgangspunkt verursachen kann. Das letzte Stück verläuft entlang gut gepflegter Felder.

Gesamtgehzeit:

Höhenunterschied:

Stützpunkt/Einkehr:

4-5 Stunden

1070m

Otto Haus

Tipps:
  • Diese Wanderung ist nur konditionsstarken, trittsicheren Bergsteigern vorbehalten, kann aber auch Kindern ab 15 zugetraut werden. Vor allem die Kletterei auf der Preinerwand, die mühelose Plateau-Wanderei und das einladende Otto Haus können diese Tour auch Kindern zum Erlebnis machen.
  • Die Orientierung bei Nebel kann auf der Hochfläche äußerst problematisch sein.
  • Im Frühjahr können beim Übergang von der Wand auf das Plateau noch Wächten vorhanden sein.
  • Steinschlaghelm in der Preinerwand!

Wissenswertes:

  • Der Törlweg wurde im Zuge der Errichtung des Otto Hauses gebaut und war lange der klassische Anstieg auf die Rax-Hochfläche.
  • Das von der Sektion Reichenau betreute Otto Haus wurde 1893 errichtet und gehört zu den meistfrequentierten Hütten der Rax.
  • Rax und Schneeberg waren in der Würm-Eiszeit (100.000-10.000 v.Chr.) voll vergletschert. Vom Schneeberg erstreckte sich der Eisstrom durch die Breite und Krumme Ries und durch den Schneidergraben in den Puchberger Talkessel Von der Rax stürzten die Eismassen ins Große Höllental, ins Naßtal und in die Prein hinab, wobei der Hölllentalgletscher fast bis zur Schwarza hinabreichte.

Berge schauen ins Flachland aus.

Und wir wissen längst, was wir hatten.

Denk, du warst ein Kind:

Alter Zaun mit grauen Latten

Geißblatt, Löwenzahn und Schatten,

Sonn' und Sommerwind. (Heimito von Doderer)