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Mountainbiken rund um Wien

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Expedition durch das alpine Universum

Schneeberg

Weichtalklamm - südlicher Grafensteig - Klosterwappen - Ferdinand-Mayr-Weg

Wir nähern uns dem Klosterwappen

Vorbemerkung:

Wer den Schneeberg in seiner Ganzheit ergehen will, sei diese Tour empfohlen: aus dem romantischen Höllental durch die tiefe Felsschlucht der Weichtalklamm, durch märchenhafte (Ur-)Wälder, die Latschengassen des Grafensteigs, über die mit Enzian bedeckten Almmatten des Hochplateaus, bis zum breiten Gipfeltisch des Klosterwappens - alle Gesichter, alle Eigenarten, alle Charakterzüge dieses alpinen Universums. All das jedoch nicht unbedingt zum Sondertarif - 1500 Höhenmeter, 7-8 Stunden Gehzeit - eine Tour nicht für Normalverbraucher, sondern für den alpinen Fünfkämpfer.

Die Weichtalklamm, der Mittelpunkt der hier vorgestellten Tour, gehört zu den eindrucksvollsten Naturbildungen des Wiener Voralpengebietes: geheimnisvolle Spalten, zünftige Kletterstellen, senkrechte Kalkwände - die Hinterlassenschaft eines Flusses, der vor langer Zeit jene Schlucht aus dem Felsen gefressen hat. Ein MUSS für jeden Ostalpler!


Weichtalhaus - Weichtalklamm (B) - Kienthaler Hütte

2,5 Stunden, 853m

Weichtalklamm

Wir starten beim Weichtalhaus der Naturfreunde am Ufer der glasklaren Schwarza (Höllental).

Zunächst folgen wir der roten Markierung durch das ausgetrocknete Bachbett aufwärts. Nach einer Talverflachung (30 Minuten) gelangen wir zu einer etwa 80m hohen Felswand, die wir durch einen nur wenig breiten Spalt durchsteigen (Leiter). Wir erreichen den eigentlichen Beginn und eindrucksvollsten Teil der Klamm. Über eine Leiter klettern wir in einen Schlund, dann öffnet sich der Graben, bis eine weitere felsige Engstelle folgt. Nun über eine Eisenleiter (+ Kette) in eine höhlenartige Nische, von hier an über Stufen (eingemeißelte Tritte, Ketten), Flachstücke, durch Wald und dunkle Felswinkel zu einer Forststraße und zum Ende der Weichtalklamm.

Nun gleich rechts in den Wald, zur nahen Jakobsquelle und zügig zur Kienthaler Hütte (1380m). Diese am Fuß des Turmsteins (1416m, Klettersteig B, sehr luftige O-Kante, 5 Minuten, Gipfelkreuz) gelegene Hütte wird von einzelnen Familien geführt, die sich bei der Bewirtschaftung abwechseln. Eine Rast zahlt sich hier auf jeden Fall aus, folgt doch noch ein gehöriges Stück Weg.

Kienthaler Hütte - Südlicher Grafensteig - Stadelwandleiten - Klosterwappen (2076m)

2,5 Stunden, 660m

Von der Hütte wenden wir uns in südöstliche Richtung zunächst durch Wald, Geröllrinnen, dann unter den Felsaufschwüngen der Schönleitenmauer zur Lichtung der Schönleiten. In einem Linksbogen um den Rücken der Schönleiten Schneide und fast eben in den Kolingraben. Hier sieht man auch schon das Pottschacher Kreuz am Gipfelgrat. Durch Latschenfelder zu einer Kehre am oberen Ende des Lärchkogelgrates. Dieser Abschnitt des Weges ist sicher der lohnendste, da gilt es zu schauen und Kraft zu sammeln für den nun folgenden Schlussanstieg. Dorthin, in nordöstliche Richtung, lenkt uns ein Wegweiser (Achtung! Zur Zeit der Begehung im Juni 2002 lag dieser Wegweiser hinter einem umgestürzten Baum versteckt. Leicht zu übersehen!).

In Serpentinen bergan in den latschenbedeckten Aufschwung der Stadelwandleiten, dann über Geröll zu einem schrofigen Abschnitt, endlich unseren Gipfel vor Augen durchschlendern wir die mit Enzianen übersäten Rasenflächen des Hochplateaus, kommen am Pottschacher Kreuz vorbei, der letzte Steilaufschwung auf das Klosterwappen zehrt schon ordentlich an unseren Kräften, bis man sie endlich erreicht hat, die hässlichen Sendeanlagen am Gipfel. Man erträgt sie angesichts des grandiosen Rundblicks auf Rax, Schneealpe und Hochschwab.

Klosterwappen - Kienthaler Hütte - Ferdinand-Mayr-Weg - Weichtalhaus

2,5 Stunden

Die Tour ist aber lange nicht zu Ende, noch warten 1500 Höhenmeter Abstieg! Zunächst über den "Normalweg", den steinigen und rutschigen Rücken bergab, dann durch Latschengewirr und Almmatten in dichter werdenden Wald, ehe man nach etwa 1 1/4 Stunden die Kienthaler Hütte erreicht.

Von hier zurück zu jener Forststraße, wo sich Weichtalklamm und Ferdinand-Mayr-Weg kreuzen. Wir halten uns eine Weile auf der Forststraße, bis ein Schild zum Ferdinand-Mayr-Weg weist. Sanft in Serpentinen, also knieschonend durch schönen Laubwald und Lichtungen. Nach etwa 2,5 Stunden treffen wir beim Weichtalhaus ein und haben diese Expedition durch das alpine Universum des Schneebergs geschafft.

 

Gesamtgehzeit:

Höhenunterschied:

Stützpunkt/Einkehr:

7,5-8 Stunden

ca. 1500 Meter

Weichtalhaus, Kienthaler Hütte

Tipps:
  • Diese Wanderung ist nur konditionsstarken, trittsicheren Bergsteigern vorbehalten. Sämtliche Teilabschnitte können allerdings auch einzeln und mit Kindern absolviert werden: Vor allem die Weichtalklamm mit ihren kurzen, aber zünftigen Kletterstellen birgt unvergessliche Genüsse für kleine Abenteurer.
  • Die Orientierung bei Nebel kann vor allem auf der Hochfläche äußerst problematisch sein.
  • Das Weichtalhaus an der Schwarza bietet neben seinem eindrucksvollen "rauschenden" Ambiente auch hervorragende Fischköstlichkeiten.

Wissenswertes:

Die erste dokumentierte Besteigung des Schneebergs gelang Charles de l'Ecluse (Carolus Clusius). Er bestieg diesen Berg aus naturwissenschaftlichen Gründen, nämlich um die österreichische Flora er zu erkunden. Das einschneidende Ereignis für die massentouristische Erschließung des Schneebergs war 1897 die Eröffnung der Schneebergbahn von Wr. Neustadt nach Puchberg am Schneeberg und der Zahnradbahn von Puchberg zum Hochschneeberg.

Der Name "Klosterwappen" rührt vom Wappen der geistlichen Herren von Reichenau her, das im Gipfelfelsen eingeschlagen war. Vorher wurde der Gipfel "Hoher Schneeberg" oder "Alpengipfel" genannt.

Die Weichtalklamm wurde erstmals am 1880 touristisch begangen. Vorher diente sie Jägern als Durchstieg, man sprach auch von einem "halb Drachenschlund - halb Blumengrund". An seinem Eingang war auf einer Tafel zu lesen:

"Weichtalklamm - der das Genick brechende Aufstieg zum Schneeberg beginnt!"

Das original erhaltene Weichtalhaus wurde zwischen 1922 und 1924 von den Naturfreunden Wien erbaut. Das Motto, dem sie sich verschrieben hat - "aktiv im schönsten Tal der Welt" - umreißt die wichtigsten Angebote des Höllentals: Klettern in allen Schwierigkeitsgraden, Wanderungen, Radtouren, Rafting und Kajakfahren auf der Schwarza.


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