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Bergfreunde –
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Von Thomas Rambauske
Vorbemerkung:
Nein,
nein, mit "Hausschweinen" meine ich nicht meine oder Ihre
Nachbarn, werter Leser, sondern tatsächlich jene schlappohrigen
Rüssel-Wesen, die sich von der menschlichen Spezies nur in wenigen
Genen unterscheiden.
Wie kam mir aber die Idee zu dieser Lehrschrift? Ein Freund von mir,
stolzer Besitzer eines Hausferkels, beklagte sich einmal, dass ich jede
Tour zwar auf ihre Kinder- und Hundetauglichkeit hin bewerte, aber schlichtweg
auf Hausschweine& Co. vergesse, schließlich
hätten auch sie das Recht, aus ihren engen Stallwänden hinaus
und in den Genuss einer artgerechten Wanderung zu kommen.
Nun,
weil mir die Wünsche meiner Besucher Befehl sind, soll hiermit
eine Tour vorgestellt werden, die sich sowohl für Hund' und Katz'
als auch für Schweine und anderes Getier eignet.
Ich nehme überdies die Gelegenheit wahr, ein paar Tipps für
die richtige Führung von wandernden Schweinen einfließen
zu lassen, schließlich will man ja unbeschadet sein Ziel erreichen
- und das edle Tierchen auch. Darüber hinaus soll es ja auch für
weitere Touren begeistert und dazu animiert werden, hehrere Ziele als
Fressen, Saufen und Fernsehen zu verfolgen. Der Kochtopf kann und darf
nicht das einzige Ziel eines schweinischen Lebens sein, auch die größte
Sau hat ein RECHT auf Freiheit, Emanzipation und Selbstfindung!
Wie
nennen wir das Schwein? Wolfi? Nein, zu politisch. Dschordschi
Dabbl-Yu? Eine Beleidigung für jede halbwegs vernünftige
Drecksau. Nein - nennen wir es einfach Sigi,das ist historisch
und meteorologisch unbelastet.
Welche
Test-Strecke? Der Saukogel am Schneeberg. Warum? Weil man ihn
kaum so benannt hätte, wenn dort oben noch nie eine Sau gestanden
wäre. Wie ja auch der Kuhschneeberg, auf dem der Saukogel
liegt, Stalltieren und und anderen Nachbarn vorbehalten sein muss. Schließlich
liegt am Schneeberg auch öfter Schnee,wird
der Hirschenkogel am Semmering Winter für Winter von Tausenden
Wiener Hirschen heimgesucht und rührt der Name des WildenKaisers doch auch davon her, dass einst tollwütigeHabsburger um seine Gestade gekrebst sind ... so erzählte
es mir zumindest Sigi.
Also
auf die "Sau", den Kogel, mit Sigi, dem Schwein.
Start
bei einer, der heiligen Magdalena gewidmeten Kapelle, grüne Markierung,
Wegweiser Kuhschneeberg. Nach 10 Minuten steiler Waldweg, erstmals
wird eine Forststraße gequert.
Gleich
vorweg: Ihr vierbeiniger Begleiter
soll in Ihnen keinen Tierhalter, sondern eine Vater- bzw. Muttersau
sehen.
Gewähren
Sie dem Schwein das Recht, sich frei zu entwickeln, sich selbst zu
finden und seinen Gefühlen und Stimmungen freien Lauf zu lassen.
Nehmen Sie Rücksicht auf dessen angeborene Bedürfnisse,
es muss sich bejahen, muss mit sich im Einklang sein, um sich zu voller
Blüte entfalten zu können. Denken Sie daran: Nur ein glückliches
Schwein legt auch glückliche Eier ...
Bockt
und revoltiert Sigi, berücksichtigen Sie eventuell dessen pubertäre
Entwicklungsphase - lassen Sie ihm seinen Willen! Auch Sie haben sich
in Ihrer Kindheit aufgelehnt und sind darob nicht gleich im Kochtopf
gelandet!
Immer
wieder wird - sehr interessant! - eine Forststraße gequert. Nach
etwa einer Stunde haben wir - überhaupt nichts erreicht. Hier schwenken
wir nach links, um irgendwann irgendwohin zu gelangen ...
Treten
Sie Ihr schweinisches Gegenüber nicht, sondern gestehen Sie ihm
öfter, dass Sie es lieben, dass Sie für es da sind, hören
Sie ihm geduldig zu und quälen Sie es nicht mit Fragen, wenn
es momentan nicht antworten oder erzählen will.
Loben
Sie Sigi, verstärken Sie seine Regungen positiv, lassen Sie ihn
spüren, dass Sie ihn für ein wertvolles Schwein halten,
für ein Geschöpf mit Individualität, Eigenwillen und
Talenten, die es zu stärken gilt. Und wenn es nur die Fähigkeit
ist, lautstark zu quiecken und grunzen - fördern Sie es, vielleicht
wird ja eine Britney Spears daraus! Glauben Sie mir, ein von Jugend
an als hoffnungslos abgestempeltes Ferkel hat es sogar geschafft,
diese Geschichte zu schreiben!
Der
abwechslungsreiche Steig scheint immer denselben Bogen zu nehmen, an
denselben Bäumen vorbei, nicht zu vergessen die zu querende Forststraße,
die das ganze Unternehmen zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
Zwingen
Sie Ihr Schwein niemals etwas zu tun, wozu es momentan keine Lust
hat: "Danke" sagen beispielsweise oder Händchen geben
oder gar Schillers "Glocke" vortragen ... lassen Sie ihm
Zeit, selbst aus der kleinsten Drecksau wird einmal eine große..
Überfordern
Sie Sigi nicht und verlangen Sie von ihm nicht, was Ihnen genauso
gut auch Ihre Schwiegermutter geben könnte.
Projezieren
Sie nicht Ihre eigenen Sehnsüchte und Wunschvorstellungen in
das Ferkel - das meiste ist sowieso verboten. Und vergessen Sie nicht:
Manches Schwein spiegelt Ihr wahres Ich besser wider als Sie glauben!
Der
wirkliche Sigi, vulgo "Siggi"
2
Stunden sind wir nun mit Sigi, dem Hausferkel, unterwegs. Der Ausblick
auf gar nichts ist imposant, nördlich ein Baum, südlich ein
Baum, und westlich - unfassbar! - auch ein Baum. Sigi, dieser Genuss-Muffel,
nimmt von all dem natürlich nichts wahr, suhlt sich nur im Deck
...
Suhlt
und wälzt
sich das Schwein im Dreck - gewähren Sie es ihm um Gottes Willen!
Es sehnt sich in die embryionale Geborgenheit des Mutterschoßes
zurück, sucht im Schlamm nach jenem Glück, das andere vielleicht
beim Fußball oder Wahlkampf finden.
Lassen
Sie Ihr Schwein doch futtern, was am Weg liegt! Tun Sie die mitunter
lautstarken Fressgewohnheiten Ihrer Sau nicht als unkultiviert ab
- Ihre Kinder dürfen ja auch zu McDonald's ...
Lassen
Sie das Schwein ruhig furzen und sabbern, schließlich gewährt
man das ja auch Politikern.
In
weitem Linksbogen um den Laudon Kogel herum und auf die spärlich
bebaumte Hochfläche, wo wir nach kurzer Zeit auf dem Saukogel
stehen.
Außer
dass der Steig sau-steil, sau-eng und sau-anstrengend ist, deutet dort
oben rein gar nichts auf irgendetwas Schweinisches hin.
Zeit also, Sigi das tun zu lassen, was Sigi zu Sigi macht:
Lassen
Sie der kleinen Wandersau ihren angeborenen Jagdtrieb ausleben - schließlich
stammt sie ja von Dinosaurieren
ab, und die waren laut Prof. Dr. Steven Spielberg arge Wüteriche,
wie er es in seiner wissenschaftlichen Dokumentation "Jurassic
Park" bewiesen hat.
Kommt
es nun zu dem einen oder anderen Urinal-Debakel, schelten und beleidigen
Sie das Tierchen nicht, das könnte im hohen Alter zu Inkontinenzproblemen
und Blasenschwäche führen!
Abstieg
Wie
oben
2
Stunden
Denselben
Weg zurück. Ein besonderes Vergnügen ist es nun, die Bäume
und Forststraßen aus einer gänzlich anderen Perspektive
zu sehen, der Erlebnisreichtum dieser Tour scheint unerschöpflich.
Jetzt kann es natürlich passieren, dass Sigi partout nicht mehr
weiter will. Dann sollten Sie folgende Ratschläge berherzigen:
Drohen
Sie unserem Rüssel-Monster niemals mit Kochtopf oder Pfanne,
das kann sein Selbstwertgefühl erheblich mindern und schwere
traumatische Störungen nach sich ziehen.
Würdigen
Sie
das Schwein niemals als "Gulasch", "Schnitzel"
oder gar "Hackbraten" herab! Schon unser alter Couch-Vater
Sigi Mundl Freud betonte, dass solche Demütigungen tiefe
Wunden im Seelenleben eines Wesens und schlimme ödipale Komplexe
hervorrufen können. Sie sollten es auch niemals "Ringelschwänzchen"
nennen (> kann zu Potenzstörungen führen!), niemals
"Dreckschwein" (>
Waschzwang!) oder gar "Fette Sau" (>
Essstörungen!)!
Als tragisches Fallbeispiel sei hier anzuführen, dass Tierchen,
die man von Kindesalter an als "Gierige Wildsau" bezeichnet,
allzu oft im Finanzministerium landen und "Arme Schweine"
wegen Steuerschulden vor Gericht.
Warum Sigi nicht hin und wieder "Mein liebes Rüsseltierchen",
"Herzallerliebstes Grunze-Schweindi" nennen
oder gar "EU73-591C"?
Abschließend
zwei letzte Ratschläge:
Die
Persönlichkeit eines Schweines beginnt und endet nicht bei
dessen Ringelschwänzchen - das mag für die Männchen
des homo sapiens gelten - nein, auch die Koteletts und Filets können
Vorzüge in sich bergen.
Denken
Sie daran, dass manche Menschen eher Schweine sein können als
Schweine Menschen!
Informationen
- Gehzeiten - Höhenmeter ...
Eignung
der Tour für Kinder:
Nicht
geeignet; der Berg heißt ja "Sau-" und nicht
"Kindkogel".
Eignung
für Hund und Katz':
Eventuell,
so sie nichts Besseres zu tun haben.
Eignung
für Meerschweinchen:
Nur
bedingt; Gehzeit: 12 Tage (Beißkorb sollte
immer dabei sein!)
Eignung
für Goldfische:
Mit
erheblichem Risiko verbunden;
Eingehzeit: 3 Minuten
Eignung
für Hamster:
Nur
für trainierte!
Brustgurt und Steinschlag-Helm nicht vergessen!
Eignung
für Kanarienvögel
und Wellensittiche:
Flugzeit
(je nach Windstärke): 10 Minuten bei schwachem bis
ewig bei starkem Wind (dann auch Landung in Burundi möglich
... GPS!)
Achtungbei Sturm: Seilsicherung!
Gesamtgehzeit:
Ungefähr
so lang (je nach Begleitung) ...
Schwierigkeiten:
Jede
Menge, siehe oben ...
Ausrüstung:
Verzichten
Sie auf die Mitnahme von Wanderstöcken, Eisschrauben
und ähnlichen Alpin-Vibratoren, das könnte in ihrem
schweinischen Begleiter ähnliche Alpträume des Aufgespießtseins
hervorrufen wie bei Eislutschern im Sommer.
Auch
Hot-Dogs sollten zu Hause bleiben, schließlich ist
es auch nicht Ihr schönster Traum, als Würstchen in einer
Semmel zu enden!