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Lainzer
Tiergarten
Der Lainzer Tiergarten ist kein Zoo im herkömmlichen Sinn, sondern
eine große ummauerte Naturanlage mit frei lebenden Hirschen, Wildschweinen
und Rehen. Auf einer Fläche von 2.450 ha finden sich parkartige
Wiesenlandschaften, jede Menge Wildschweine und sogar ein Urwald mit
500-jährigen Eichen. Damit das Getier zumindest zeitweilig seine
Ruhe hat, bleibt der Tiergarten von Ende Oktober bis Ende März
durchgehend geschlossen. Weitere Attraktionen sind diverse Tiergehege
für Auerochsen, Wildpferde, Mufflons, Damwild, die Hermesvilla
sowie die Gasthöfe Rohrhaus und Hirschgstemm.
Urkundlich
wird der "Auhof" erstmals 1270 erwähnt, ab 1457 spricht
man vom "Tier- und Saugarten zu Laab im Walde". Kaiser Josef
II. beauftragte schließlich Philipp Schlucker eine 22 Kilometer
lange Mauer um das 2450 ha große Revier zu bauen. Die
defizitären Mühen des Philipp Schlucker waren – angeblich
– Ausgangspunkt für die Bezeichnung "armer Schlucker",
obwohl der nach Fertigstellung der Mauer kein so armer Schlucker mehr
gewesen sein soll. Johann Nestroy bezeichnete die wenig ansehnliche
Mauer jedoch als "das Junge der Chinesischen Mauer".
1935
Hektar des Tiergartens sind Wald (hauptsächlich Buchen und Eichen).
Im Naturwaldreservat
des Johannser
Kogels kann man noch Reste eines 400-jährigen Eichenbestandes finden
– mit Bäumen, die einen Stammumfang von mehr als 4 Metern haben!
Der derzeitige Wildbestand umfasst rund 1000 Wildschweine, 90 Hirsche,
250 Damhirsche, 120 Rehe, 700 Mufflons und mich, den joggenden Stammgast.
Am späteren Nachmittag finden Hirsch- und Wildschwein-Schaufütterungen
statt, zu
denen die Wildschwein-Kolonien in Scharen auftreten. Die Fütterungsstellen
werden an den Toren
bekanntgegeben. Seit
1941 ist der Lainzer Tiergarten Naturschutzgebiet und nun auch "Natura
2000"-Region.
Im Tiergarten befinden sich drei Rasthäuser (Hermesvilla, Rohrhaus,
Hirschgstemm - Bild links), eine Aussichtswarte (Hubertuswarte am Kaltenbründlberg;
508 Meter), ein Naturlehrpfad (vom Lainzer Tor bis zur Hermesvilla;
Länge: 1 Kilometer) und fünf Kinderspielplätze.
Der
Zutritt zum Lainzer Tiergarten ist bei folgenden Toren möglich:
Lainzer Tor, Gütenbachtor, Laaber Tor, Pulverstampftor, Nikolaitor,
Sankt Veiter Tor (täglich geöffnet).
Die sich im Laufe des Jahres ständig ändernden Öffnungszeiten
sind am besten via Internet (www.wien.gv.at/wald/lainz-tg/)
zu erfragen.
Nikolaikapelle
Die Nikolaikapelle ist eines der ältesten erhaltenen Sakralbauten
Wiens, ein spätromanischer Bau, der dem heiligen Nikolaus, dem
Patron der Schiffer, geweiht wurde. Bei archäologischen Grabungen
wurden unweit der Kapelle Spuren aus dem 2. Jh. nach Chr. gefunden,
was auf Siedlungstätigkeit der Römerzeit hinweist. Erstmals
urkundlich erwähnt 1321.
Wildschweine
Wildschweine
(Schwarzwild) haben ein borstiges, dunkles, graubraunes Haarkleid. Die
männlichen Tiere (Keiler) sind an den großen, gebogenen Eckzähnen
zu erkennen, die im Frühjahr geborenen Jungtiere (Frischlinge)
an ihrer braun-beigen Längsstreifung. Wildschweine, die Stammform
aller Hausschweinrassen, sind Allesfresser und sehr gesellig. Die weiblichen
Tiere (Bachen) mit ihren Frischlingen allerdings können grantig
sein, wenn sie gestört werden. Die Wildschweine im Lainzer Tiergarten
gelten aber als äußerst freundlich und tun niemanden was
an - außer vielleicht, wenn im Frühjahr die "Bachen"
Frischlinge führen - dann reagieren sie auf Störungen womöglich
aggressiv.
Hermesvilla
Inmitten
des ehemaligen kaiserlichen Jagdgebietes Lainzer Tiergarten liegt idyllisch
eingebettet das "Schloss der Träume", wie Kaiserin Elisabeth
ihre Villa einmal nannte. Kaiser Franz Joseph machte sie ihr zum Geschenk,
in der Hoffnung, seine reisefreudige Frau damit öfter in Wien halten
zu können. In fünfjähriger Bauzeit schuf der bekannte
Ringstraßen-Architekt Carl von Hasenauer diesen für viele
romantische Landhäuser des Großbürgertums beispielgebenden
Bau. Im
Zuge der Bauarbeiten befahl der Kaiser übrigens "die Beseitigung
der Maulwurfshügel", weil "Ihre Majestät sonst hierorts
nicht reiten könnte". Am 24. Mai 1886 betraten Franz Josef
und Elisabeth zum ersten Mal die fertig gestellte "Villa Hermes".
Sisis Begeisterung hielt allerdings sich in Grenzen, das Haus war noch
feucht vom Bau, der Garten nicht fertig angelegt - des Kaisers Wunschtraum,
sie mit diesem neuen Domizil von ihren rastlosen Reisen abzuhalten,
sollte nicht in Erfüllung gehen. Trotzdem verbrachte das Kaiserpaar
immer wieder einige gemeinsame Tage in der Hermesvilla. Im Frühjahr
1898 reiste Elisabeth zum letzten Mal für einige Tage nach Lainz,
am 9. September schrieb der Kaiser von hier seinen letzten Brief an
die Kaiserin. Dieser sollte sie nicht mehr erreichen - am 10. September
1898 fiel Sisi ihrem Attentäter zum Opfer.
Während
der Besatzungszeit wurde das Gebäude von Russischen Truppen so
sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass sie sogar einzustürzen drohte.
Erst im Jahre 1962 - nach einer Walt Disney-Filmproduktion - erwachte
wieder das Interesse an diesem wunderschön und romantisch gelegenen
Haus. Durch Privatinitiative namhafter Persönlichkeiten konnte
ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende mit umfangreichen Renovierungsarbeiten
begonnen werden. Die erste Ausstellung im Jahre 1971 wurde als Österreichs
Beitrag an der Weltjagdausstellung in Budapest eröffnet. Seither
hat sich die Hermesvilla als Kleinod inmitten eines über 2500 Hektar
großen Naturschutzgebietes bestens als Ausstellungsgebäude
bewährt und stellt ein beliebtes Ausflugsziel in Verbindung mit
Kultur, Geschichte und Sisi-Mythos dar.
Wie
ein Kaiserpaar privat, zeigt eine eindrucksvolle Schau zur Geschichte
des Hauses im ersten Stock: Fotos, Pläne und Dokumente, vor allem
die erhaltenen Teile der originalen Einrichtung sowie viele persönliche
Gegenstände aus dem Besitz des Kaiserpaares vermitteln kaiserliches
Wohngefühl abseits der höfischen Repräsentation. Sensationell
auch das Schlafzimmer der Kaiserin: Das riesige Prunkbett stammt noch
aus der Zeit Maria Theresias.
Beliebt ist die Hermesvilla aber auch als Schauplatz vielbeachteter
Sonderausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen. Infos unter www.hermesvilla.at
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