Der
Stadtwanderweg 4: auch so eine typisch Wiener Melange zwischen Wanderung,
Spaziergang und Sightseeing-Tour, mit würzigem Aroma (Dehnepark
und seine Teiche), ein wenig Süßstoff (Jubiläumswarte
und sein Ausblick), einem Häubchen Schlagobers (Raststationen mit
g’schmackigem Gourmetangebot), dennoch ein wenig bitter (unvermeidliches
Gasselwerk), aber mit umso mehr munter machendem Inhaltsstoffen, vor
allem wenn die Tour durch die herbstlichen Laubwälder Ottakrings
führt.
Anfahrt
& Aufstieg
Linzer
Straße (218 m) - Rosentalgasse - Dehnegasse - Dehnepark
- Silbersee - Satzberg (435 m) Steinböckengasse - Wickengasse
- Seglerweg - Jubiläumswarte (449 m) - Kreuzeichenwiese
- Galizin Berg (388 m) - Loiblstraße - Dehnepark - Rosentalgasse
- Dehnegasse - Linzerstraße
HU
ca. 250 m, GZ 2 ½ - 3 Stunden
Silbersee
Blick
über Wien von der Jubiläumswarte
Eine
wahre Insel der Seligen - die Kreuzeichenwiese
Villa
Aurora
Von der
verkehrsreichen Linzer Straße (Straßenbahnlinie 49)
in die Rosentalgasse und durch die Dehnegasse, bis man
den Rosentalbach rauschen hört. Nach wenigen Minuten in einen der
stillsten Orte Wiens eingetaucht, in den idyllischen Dehnepark
mit altem Baumbestand, großem Kinderspielplatz und Ententeich.
So nah liegen in Wien Trüb- und Labsal, Wahn- und Natursinn beieinander.
Hier gilt es länger zu verweilen, Luft zu holen, das kleine Biotop
am Stadtrand zu erfühlen.
Nach 20
Minuten wieder aus dem Park, am "großen Schutzhaus"
Rosental vorbei (diese "Schutzhäuser" am Rande Wiens
dienten ursprünglich weniger müden Wanderern als vielmehr
den Kleingärtnern der Umgebung) oder darin eingekehrt und über
bequeme Serpentinen den Lichtungen des Satzbergs entgegen. Wieder
steht man vor einem kleinen Teich, großspurig Silbersee
genannt, der in einem alten Steinbruchgelände mit bemerkenswerten
Sandsteinfelsen geheimnisvoll vor sich hintümpelt. Vom See weiter
unsteil hoch, bis der Weg in eine Straßengabelung mündet.
Rechts in die Steinböckengasse weiter, die bei einer beschrankten
Forststraße endet. Her geradeaus weiter und nett durch Wald in
die Wickengasse. Weiter auf dem Seglerweg links, dann
nach rechts, kurz durch Wald, und längs der Straße bis zur
Jubiäumswarte (1,5 Stunden).
Die
Warte hochzusteigen sollte man sich nicht entgehen lassen: Hat man über
eine Spiraltreppe und 183 Stufen die Spitze der Warte erreicht, wird
man mit einem 360°-Panoramablick vom Wiener Becken über die
Hainburger Berge, das Leithagebirge, den Schneeberg bis zum Ötscher
- und natürlich Wien selbst - belohnt. Neu an ihrem Fuß die
Wiener Waldschule, die mit Schautafeln, Holzproben und ausgestopften
Tieren einen Überblick über den Tier- und Baumreichtum des
Wienerwaldes verschafft. Neben Stammscheiben, Wurzeln, Geweihen und
weiteren angreifbaren Waldgegenständen können in der Waldschule
auch präparierte Wildtiere gestreichelt werden. Das Sehen und Fühlen
des struppigen Dachsfelles, der mächtigen Eckzähne des Wildschweins
oder der Schwimmhäute des Bibers geben Kindern einen Eindruck über
die unterschiedlichen Lebensweisen dieser Tiere.
Weiter aber in Richtung Kreuzeichenwiese. Zuerst wieder durch
Wald bis zur einer stillen kleinen Insel über der Metropole. Picknick-Fans,
spielende Kinder, Sonnenanbeter und müßiggängerische
Stadtflüchtige geben sich hier ein munteres Stelldichein. Ja, die
Kreuzeichenwiese gewährt zu jeder Jahreszeit einen Kurzurlaub vom
Alltag. Dem Schild nach entlang des Gehegezauns des Forschungsinstitutes
für Wildtierkunde und Ökologie (Erläuterung siehe unten)
sowie an der Vogelwarte vorbei bis zum Eingang in die Steinhofgründe
(Basislager der freiwilligen Feuerwehr), auch ein Naherholungszentrum.
Dort auch ein Denkmal zu Ehren Ferdinand Degens, eines Alpenvereinsfunktionärs,
der sich um die Erhaltung des Wienerwaldes verdient gemacht hat. Meldet
sich hier der Hunger, sollte man einen Umweg von etwa 15 Minuten nicht
scheuen und entlang der Savoyengasse (Info-Tafeln) zum Schloss
Wilhelminenberg bzw. zur Villa Aurora am Predigtstuhl knapp
daneben pilgern. Beide Restaurants bieten neben einem beeindruckenden
Blick über die Bundeshauptstadt ausgezeichnetes Essen. Gegenüber
die Eingänge zum Konrad Lorenz Institut für Vergleichende
Verhaltensforschung (Erklärung siehe unten) und zum Forschungsinstitut
für Wildtierkunde und Ökologie, wo sich an schönen Abenden
sogar Damhirsche und Rehe aus dem Wald wagen.
Wieder zurück zur Feuerwehr und dem Eingang in die Steinhofgründe.
Nun nicht auf diese, sondern rechts davon die Loiblstraße
bergab. Nach wenigen Minuten über eine Brücke, links und auf
einem Schotterweg durch Kleingartensiedlung Satzberg bis zur Berghütte
Rosental, dort weiter in den Dehnepark und den vom Aufstieg bekannten
Weg retour zum Ausgangspunkt.
Wienerwald
Für die Wiener ist der Wienerwald DAS Ausflugs- und Erholungsgebiet
schlechthin. Wanderer, Orientierungsläufer, Kletterer, Mountainbiker,
Langläufer, Jogger - sie alle finden direkt vor der Haustüre
ein überreiches Betätigungsfeld, etwas unschätzbar Einmaliges,
um das uns eigentlich alle Hauptstädte dieser Welt beneiden müssten.
Wo sonst steigt man aus der Straßenbahn aus und begegnet bald
darauf einem Reh oder Fuchs? Die leichte Erreichbarkeit und die Möglichkeit,
nahtlos von der grauen Alltagswelt in die grüne Freizeitwelt einzudringen,
machen den Wienerwald zu einem Fluchtpunkt par excellence. Der Wienerwald
ist Biosphärenpark und damit Teil von z. Z. 482 weltweit herausragenden
Naturgebieten in 102 Staaten, die das Welt-Netzwerk Biosphärenreservate
bilden.
Ottakringer
Wald
Der
192 ha große Ottakringer Wald diente früher hauptsächlich
als Brenn- und Bauholzlieferant für die Bürgerinnen und Bürger.
Der Steinbruch an der Johann-Staud-Straße lieferte das Baumaterial
für viele Ottakringer Bauwerke. 1533 gelangten alle Wälder
in den landesfürstlichen Besitz: Die Verwaltung erfolgte durch
einen Amtmann. Die Holznutzung für die Bevölkerung wurde eingeschränkt.
Der Ottakringer Wald hatte früher große Bedeutung als Wasserlieferant:
Eine der ältesten Wasserleitungen (zirka 1750) führte das
Wasser bis zum Palais Schönborn. Die albertinische Wasserleitung
übernahm die Versorgung der Innenstadt. Sie hatte ihren Ursprung
zum Teil im Ottakringer Wald. 1756 führte die zweite Ottakringer
Wasserleitung, die "Hofwasserleitung", vom Liebhartstal zum
Brunnen am Neuen Markt. 1881 erfolgte der Anschluss Ottakrings an die
Erste Wiener Hochquellenleitung. Bauwerke der Wasserversorgung sind
der Wasserbehälter Schmelz, der Wasserturm und der Behälter
in der Johann-Staud-Straße.
Eine Besonderheit des Ottakringer Waldes sind die vielfältigen
Standortverhältnisse: Trockene Eichenwälder am Südhang
der Steinbruchwiese, frische Buchenwälder am westlichen und nördlichen
Gallitzinberg, viele feuchte Kleinstandorte der Quellenbereiche und
Bachgräben an den Hängen des Wolfsgrabens
Im Ottakringer Wald finden sich fast alle typischen Waldgesellschaften
des Wienerwaldes: Rotbuchenwälder an kühlen und feuchten West-
und Nordhängen oder an Gräben, Eichenwälder an sonnigen
Kuppen und Rücken oder an südexponierten Hängen
Im Gebiet des Ottakringer Waldes finden sich artenreiche Wiesengesellschaften.
Wie die Kreuzeichenwiese, die Vogeltennwiese, Teile der Steinbruchwiesen
und die Wiesen rund um das Schloss Wilhelminenberg. Sie sind der Lebensraum
zahlreicher Tiere (wie Mittelspecht, Seidenschwanz) und Pflanzen (wie
Grüne Schneerose), der Ottakringer Wald weist die europaweit höchste
Dichte an gefiederten Spechten auf. Auch die Quellenbereiche, Gräben
und Tümpel beherbergen eine vielfältige Fauna und Flora.
Jubiläumswarte
Ihr
Anfang bestand in einer Warte, die der "Ottakringer Verschönerungsverein"
zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph
I. errichten ließ. Am 4. Dezember 1898 fand die symbolische Grundsteinlegung
statt, am 6. Juli 1899 wurde die "Kaiser Jubiläumswarte in
Ottakring" feierlich eröffnet. Nach dem 2. Weltkrieg war die
Warte bereits dermaßen von Rost zerfressen, dass sie 1952 baupolizeilich
gesperrt werden musste.
Mit dem Neubau der Jubiläumswarte, die mit 13 Stiegenabsätzen,
183 Stufen und einer Aussichtsterrasse in 31 m Höhe konzipiert
war, wurde am 15. August 1955 begonnen. Am 7. September 1956 erfolgte
durch Vizebürgermeister Karl Honay und Stadtrat Leopold Thaller
die feierliche Eröffnung der neuen Jubiläumswarte.
Konrad
Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Otto König, ein Fotograf, der von der vergleichenden Verhaltensforschung
Konrad Lorenz' begeistert war, gründete 1945 mit seiner Frau Lilli
in alten Militär-Baracken die "Biologische Station Wilhelminenberg".
Die Station wurde bald österreichweit bekannt, weil König
seit den Anfängen des Österreichischen Fernsehens 1956 Tiersendungen
gestaltete und damit der am längsten tätige Moderator derartiger
Sendungen im deutschsprachigen Raum war. Arbeitsschwerpunkt waren Funktion
und Evoluation des Verhaltens von Mensch und Tier. Die Verhaltensrepertoires
verschiedener Tierarten wurden sehr genau beschrieben, womit auch viel
für die Naturschutzarbeit getan wurde. Nach dem Tod des Nobelpreisträgers
Konrad Lorenz wurde das Institut in "Konrad Lorenz-Institut für
Vergleichende Verhaltensforschung" umbenannt.
Forschungsinstitut
für Wildtierkunde und Ökologie
Die zentrale Aufgabe des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde
und Ökologie ist es, Bedürfnisse und Verhalten von Wildtieren
in ökologischen Zusammenhängen zu erforschen, um damit wissenschaftliche
Grundlagen für effizienten Natur-, Tier- und Umweltschutz, für
eine naturgerechte Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Landschaftsnutzung
zu schaffen. Das Institut forscht langfristig, interdisziplinär
und grenzüberschreitend auf verschiedenen Ebenen: Individuen, Populationen,
Ökosysteme. Dabei werden unterschiedlichste Methoden eingesetzt,
von der einfachen Beobachtung bis hin zur chemischen Feinanalyse, Molekularbiologie
und mathematischen Modellierung. Auf der Basis fundierter Forschungsergebnisse
werden praxisnahe Konzepte und Lösungen entwickelt, um Wildtieren
auch in der vielfach genutzten Kulturlandschaft die Lebensgrundlage
zu sichern, sowie Interessenkonflikte und Probleme mit Wildtieren zu
reduzieren.
Schloss
Wilhelminenberg
1781 erwirbt der Herr der Herrschaft Schloss Neuwaldegg, Feldmarschall
Franz Moritz Graf von Lascy (Lacy), die Gründe am Predigtstuhl
und beginnt mit dem Bau eines Schlosses. 1784 kauft der russische Botschafter
in Wien, Demetrius Michalowitsch Fürst von Galitzin (Galicin),
seinem Freund Moritz Graf von Lascy die Besitzungen am Predigtstuhl
ab, erwirbt später von der Gemeinde Ottakring weitere Waldteile
und Hutweiden und lässt alles zu einem großartigen Park umgestalten.
Ihn zieren heute noch mehrere Teiche, ein Rundtempel, römische
Ruinen und ein Jagdschlösschen.
In Verehrung der Wohltätigkeiten, die der Fürst von Galitzin
der Gemeinde Ottakring zukommen lässt, wird das Gebiet im allgemeinen
Galtitzenberg genannt.
Nach oftmaligen Besitzerwechsel kauft Julius Fürst Montléart
und seine Gattin Maria Christine 1824 die Liegenschaft mit dem bereits
renovierungsbedürftigen Schloss. Nach dem Tod des Fürsten
wird das Landgut auf dem Galitzinberg gerichtlich feilgeboten. Um 125.000
Gulden erhält Moritz Fürst von Montléart, der Sohn
des Verstorbenen, den Zuschlag und schenkt den Besitz seiner Gattin
Wilhelmine. Da seinem Wunsch nach Umbenennung von Galitzinberg auf Wilheminenberg
amtlicherseits nicht entsprochen wird, lässt der Fürst an
allen Zugängen zum Schloss Tafeln mit der Aufschrift "Wilheminenberg"
anbringen und erreicht somit eine indirekte Namensänderung, die
bis heute erhalten bleibt.?
Nach dem ersten Weltkrieg wird das Schloss zum Lazarett und Genesungsheim
für Kriegsopfer, 1927 zum Kinderheim der Stadt Wien, 1934 - 1938
sogar Sitz der Wiener Sängerknaben. 1987 erfolgt der Umbau des
Schlosses zu einem 3-Stern-Hotel. Aus dem "Gästehaus"
entsteht im Jahr 2000 das "Hotel Schloss Wilheminenberg",
aus dem Schloss 2003 ein 4-Stern-Hotel, wo jedoch auch "Normalsterbliche"
zu normalen Preisen speisen können. Im Winter rühmt sich das
Schloss des "höchst gelegenen Eislaufplatzes" Wiens.
Dehnepark
Der
Dehnepark ist einer der letzten ursprünglichen Wienerwaldoasen und
ist aufgrund seines Altbaumbestandes und seines Lebensraumes einzigartig.
Er liegt am Osthang des Hausberges von Hütteldorf, dem Satzberg und
auf der Gegenseite an den Hängen der Steinhofgründe. Das Tal
wird durch den romantischen Rosenbach durchzogen, wo jedes Jahr im Frühjahr
die berühmte Krötenwanderung stattfindet. Das Zentrum des Dehneparks
bildet der "Dehneteich", ein künstlich aufgestauter Teich
und wichtiger Lebesraum für die hier heimisch gewordene Schmuckschildkröten.
Von großer ökologischer Bedeutung ist hier ebenfalls der Rosenbach,
der an manchen Stellen sumpfartige Lebensräume schafft.
Der Dehnepark wurde ursprünglich im Stil eines englischen Landschaftsgartens
für die Fürstin Paar, geborene Lichtenstein, errichtet. Durch
viele verschiedene Bauten, wie der Ruinenvilla aus dem späten 18.
Jhdt. und verschiedenen kleinen Tempeln bekam der Park erst sein richtiges
Flair und sein biedermeierliches Ambiente. Seinen
Namen bekam der Park von dem Zuckerbäcker August Dehne, der im 19.
Jahrhundert mit seiner Konditorei am Kohlmarkt ein kleines Vermögen
verdiente, das er in Hütteldorf in ein großes, bewaldetes Grundstück
investierte. Jahrzehnte später kaufte dieses Naturparadies der Wiener
Filmregisseur Willi Forst und errichtete auf dem Gelände eine Villa.
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die Gemeinde Wien den Hain, machte
den Dehnepark daraus und öffnete ihn 1973 der Öffentlichkeit.
Seither steht der Dehnepark in der Verwaltung und Betreuung des Forstamts
der Stadt Wien.
Schwierigkeiten:
Keine
Höhenmeter:
Etwa
250 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit:
ca.
2 ½ - 3 Stunden
Beste
Jahreszeit:
Jederzeit
Kinder:
Absolut
zu empfehlen. Kinder ab 7 schaffen den Weg locker, zumal es mit dem Spielplatz
im Dehnepark, der Jubiläumswarte und den Teichen unschlagbare Höhepunkte
gibt.