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Inseln über der Stadt

Dehnepark Jubiläumswarte Satzberg

Stadtwanderweg 4, Oktober 2006

 

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Der Stadtwanderweg 4: auch so eine typisch Wiener Melange zwischen Wanderung, Spaziergang und Sightseeing-Tour, mit würzigem Aroma (Dehnepark und seine Teiche), ein wenig Süßstoff (Jubiläumswarte und sein Ausblick), einem Häubchen Schlagobers (Raststationen mit g’schmackigem Gourmetangebot), dennoch ein wenig bitter (unvermeidliches Gasselwerk), aber mit umso mehr munter machendem Inhaltsstoffen, vor allem wenn die Tour durch die herbstlichen Laubwälder Ottakrings führt.


Anfahrt & Aufstieg

Linzer Straße (218 m) - Rosentalgasse - Dehnegasse - Dehnepark - Silbersee - Satzberg (435 m) Steinböckengasse - Wickengasse - Seglerweg - Jubiläumswarte (449 m) - Kreuzeichenwiese - Galizin Berg (388 m) - Loiblstraße - Dehnepark - Rosentalgasse - Dehnegasse - Linzerstraße

HU ca. 250 m, GZ 2 ½ - 3 Stunden

 

 

 

 

 

 

Silbersee
Silbersee

Blick über Wien von der Jubiläumswarte
Blick über Wien von der Jubiläumswarte

 

Eine wahre Insel der Seligen - die Kreuzeichenwiese
Eine wahre Insel der Seligen - die Kreuzeichenwiese

 

 

Villa Aurora
Villa Aurora

 

Von der verkehrsreichen Linzer Straße (Straßenbahnlinie 49) in die Rosentalgasse und durch die Dehnegasse, bis man den Rosentalbach rauschen hört. Nach wenigen Minuten in einen der stillsten Orte Wiens eingetaucht, in den idyllischen Dehnepark mit altem Baumbestand, großem Kinderspielplatz und Ententeich. So nah liegen in Wien Trüb- und Labsal, Wahn- und Natursinn beieinander. Hier gilt es länger zu verweilen, Luft zu holen, das kleine Biotop am Stadtrand zu erfühlen.

Im Dehnepark

Nach 20 Minuten wieder aus dem Park, am "großen Schutzhaus" Rosental vorbei (diese "Schutzhäuser" am Rande Wiens dienten ursprünglich weniger müden Wanderern als vielmehr den Kleingärtnern der Umgebung) oder darin eingekehrt und über bequeme Serpentinen den Lichtungen des Satzbergs entgegen. Wieder steht man vor einem kleinen Teich, großspurig Silbersee genannt, der in einem alten Steinbruchgelände mit bemerkenswerten Sandsteinfelsen geheimnisvoll vor sich hintümpelt. Vom See weiter unsteil hoch, bis der Weg in eine Straßengabelung mündet. Rechts in die Steinböckengasse weiter, die bei einer beschrankten Forststraße endet. Her geradeaus weiter und nett durch Wald in die Wickengasse. Weiter auf dem Seglerweg links, dann nach rechts, kurz durch Wald, und längs der Straße bis zur Jubiäumswarte (1,5 Stunden).
Die Warte hochzusteigen sollte man sich nicht entgehen lassen: Hat man über eine Spiraltreppe und 183 Stufen die Spitze der Warte erreicht, wird man mit einem 360°-Panoramablick vom Wiener Becken über die Hainburger Berge, das Leithagebirge, den Schneeberg bis zum Ötscher - und natürlich Wien selbst - belohnt. Neu an ihrem Fuß die Wiener Waldschule, die mit Schautafeln, Holzproben und ausgestopften Tieren einen Überblick über den Tier- und Baumreichtum des Wienerwaldes verschafft. Neben Stammscheiben, Wurzeln, Geweihen und weiteren angreifbaren Waldgegenständen können in der Waldschule auch präparierte Wildtiere gestreichelt werden. Das Sehen und Fühlen des struppigen Dachsfelles, der mächtigen Eckzähne des Wildschweins oder der Schwimmhäute des Bibers geben Kindern einen Eindruck über die unterschiedlichen Lebensweisen dieser Tiere.
Weiter aber in Richtung Kreuzeichenwiese. Zuerst wieder durch Wald bis zur einer stillen kleinen Insel über der Metropole. Picknick-Fans, spielende Kinder, Sonnenanbeter und müßiggängerische Stadtflüchtige geben sich hier ein munteres Stelldichein. Ja, die Kreuzeichenwiese gewährt zu jeder Jahreszeit einen Kurzurlaub vom Alltag. Dem Schild nach entlang des Gehegezauns des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie (Erläuterung siehe unten) sowie an der Vogelwarte vorbei bis zum Eingang in die Steinhofgründe (Basislager der freiwilligen Feuerwehr), auch ein Naherholungszentrum. Dort auch ein Denkmal zu Ehren Ferdinand Degens, eines Alpenvereinsfunktionärs, der sich um die Erhaltung des Wienerwaldes verdient gemacht hat. Meldet sich hier der Hunger, sollte man einen Umweg von etwa 15 Minuten nicht scheuen und entlang der Savoyengasse (Info-Tafeln) zum Schloss Wilhelminenberg bzw. zur Villa Aurora am Predigtstuhl knapp daneben pilgern. Beide Restaurants bieten neben einem beeindruckenden Blick über die Bundeshauptstadt ausgezeichnetes Essen. Gegenüber die Eingänge zum Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (Erklärung siehe unten) und zum Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, wo sich an schönen Abenden sogar Damhirsche und Rehe aus dem Wald wagen.
Wieder zurück zur Feuerwehr und dem Eingang in die Steinhofgründe. Nun nicht auf diese, sondern rechts davon die Loiblstraße bergab. Nach wenigen Minuten über eine Brücke, links und auf einem Schotterweg durch Kleingartensiedlung Satzberg bis zur Berghütte Rosental, dort weiter in den Dehnepark und den vom Aufstieg bekannten Weg retour zum Ausgangspunkt.


Wienerwald

Für die Wiener ist der Wienerwald DAS Ausflugs- und Erholungsgebiet schlechthin. Wanderer, Orientierungsläufer, Kletterer, Mountainbiker, Langläufer, Jogger - sie alle finden direkt vor der Haustüre ein überreiches Betätigungsfeld, etwas unschätzbar Einmaliges, um das uns eigentlich alle Hauptstädte dieser Welt beneiden müssten. Wo sonst steigt man aus der Straßenbahn aus und begegnet bald darauf einem Reh oder Fuchs? Die leichte Erreichbarkeit und die Möglichkeit, nahtlos von der grauen Alltagswelt in die grüne Freizeitwelt einzudringen, machen den Wienerwald zu einem Fluchtpunkt par excellence. Der Wienerwald ist Biosphärenpark und damit Teil von z. Z. 482 weltweit herausragenden Naturgebieten in 102 Staaten, die das Welt-Netzwerk Biosphärenreservate bilden.

Ottakringer Wald

WaldDer 192 ha große Ottakringer Wald diente früher hauptsächlich als Brenn- und Bauholzlieferant für die Bürgerinnen und Bürger. Der Steinbruch an der Johann-Staud-Straße lieferte das Baumaterial für viele Ottakringer Bauwerke. 1533 gelangten alle Wälder in den landesfürstlichen Besitz: Die Verwaltung erfolgte durch einen Amtmann. Die Holznutzung für die Bevölkerung wurde eingeschränkt. Der Ottakringer Wald hatte früher große Bedeutung als Wasserlieferant: Eine der ältesten Wasserleitungen (zirka 1750) führte das Wasser bis zum Palais Schönborn. Die albertinische Wasserleitung übernahm die Versorgung der Innenstadt. Sie hatte ihren Ursprung zum Teil im Ottakringer Wald. 1756 führte die zweite Ottakringer Wasserleitung, die "Hofwasserleitung", vom Liebhartstal zum Brunnen am Neuen Markt. 1881 erfolgte der Anschluss Ottakrings an die Erste Wiener Hochquellenleitung. Bauwerke der Wasserversorgung sind der Wasserbehälter Schmelz, der Wasserturm und der Behälter in der Johann-Staud-Straße.
Eine Besonderheit des Ottakringer Waldes sind die vielfältigen Standortverhältnisse: Trockene Eichenwälder am Südhang der Steinbruchwiese, frische Buchenwälder am westlichen und nördlichen Gallitzinberg, viele feuchte Kleinstandorte der Quellenbereiche und Bachgräben an den Hängen des Wolfsgrabens
Im Ottakringer Wald finden sich fast alle typischen Waldgesellschaften des Wienerwaldes: Rotbuchenwälder an kühlen und feuchten West- und Nordhängen oder an Gräben, Eichenwälder an sonnigen Kuppen und Rücken oder an südexponierten Hängen
Im Gebiet des Ottakringer Waldes finden sich artenreiche Wiesengesellschaften. Wie die Kreuzeichenwiese, die Vogeltennwiese, Teile der Steinbruchwiesen und die Wiesen rund um das Schloss Wilhelminenberg. Sie sind der Lebensraum zahlreicher Tiere (wie Mittelspecht, Seidenschwanz) und Pflanzen (wie Grüne Schneerose), der Ottakringer Wald weist die europaweit höchste Dichte an gefiederten Spechten auf. Auch die Quellenbereiche, Gräben und Tümpel beherbergen eine vielfältige Fauna und Flora.

Jubiläumswarte

Ihr Anfang bestand in einer Warte, die der "Ottakringer Verschönerungsverein" zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. errichten ließ. Am 4. Dezember 1898 fand die symbolische Grundsteinlegung statt, am 6. Juli 1899 wurde die "Kaiser Jubiläumswarte in Ottakring" feierlich eröffnet. Nach dem 2. Weltkrieg war die Warte bereits dermaßen von Rost zerfressen, dass sie 1952 baupolizeilich gesperrt werden musste.
Mit dem Neubau der Jubiläumswarte, die mit 13 Stiegenabsätzen, 183 Stufen und einer Aussichtsterrasse in 31 m Höhe konzipiert war, wurde am 15. August 1955 begonnen. Am 7. September 1956 erfolgte durch Vizebürgermeister Karl Honay und Stadtrat Leopold Thaller die feierliche Eröffnung der neuen Jubiläumswarte.

Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung

Otto König, ein Fotograf, der von der vergleichenden Verhaltensforschung Konrad Lorenz' begeistert war, gründete 1945 mit seiner Frau Lilli in alten Militär-Baracken die "Biologische Station Wilhelminenberg". Die Station wurde bald österreichweit bekannt, weil König seit den Anfängen des Österreichischen Fernsehens 1956 Tiersendungen gestaltete und damit der am längsten tätige Moderator derartiger Sendungen im deutschsprachigen Raum war. Arbeitsschwerpunkt waren Funktion und Evoluation des Verhaltens von Mensch und Tier. Die Verhaltensrepertoires verschiedener Tierarten wurden sehr genau beschrieben, womit auch viel für die Naturschutzarbeit getan wurde. Nach dem Tod des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz wurde das Institut in "Konrad Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung" umbenannt.

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie

Die zentrale Aufgabe des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie ist es, Bedürfnisse und Verhalten von Wildtieren in ökologischen Zusammenhängen zu erforschen, um damit wissenschaftliche Grundlagen für effizienten Natur-, Tier- und Umweltschutz, für eine naturgerechte Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Landschaftsnutzung zu schaffen. Das Institut forscht langfristig, interdisziplinär und grenzüberschreitend auf verschiedenen Ebenen: Individuen, Populationen, Ökosysteme. Dabei werden unterschiedlichste Methoden eingesetzt, von der einfachen Beobachtung bis hin zur chemischen Feinanalyse, Molekularbiologie und mathematischen Modellierung. Auf der Basis fundierter Forschungsergebnisse werden praxisnahe Konzepte und Lösungen entwickelt, um Wildtieren auch in der vielfach genutzten Kulturlandschaft die Lebensgrundlage zu sichern, sowie Interessenkonflikte und Probleme mit Wildtieren zu reduzieren.

Schloss Wilhelminenberg

1781 erwirbt der Herr der Herrschaft Schloss Neuwaldegg, Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lascy (Lacy), die Gründe am Predigtstuhl und beginnt mit dem Bau eines Schlosses. 1784 kauft der russische Botschafter in Wien, Demetrius Michalowitsch Fürst von Galitzin (Galicin), seinem Freund Moritz Graf von Lascy die Besitzungen am Predigtstuhl ab, erwirbt später von der Gemeinde Ottakring weitere Waldteile und Hutweiden und lässt alles zu einem großartigen Park umgestalten. Ihn zieren heute noch mehrere Teiche, ein Rundtempel, römische Ruinen und ein Jagdschlösschen.
In Verehrung der Wohltätigkeiten, die der Fürst von Galitzin der Gemeinde Ottakring zukommen lässt, wird das Gebiet im allgemeinen Galtitzenberg genannt.
Nach oftmaligen Besitzerwechsel kauft Julius Fürst Montléart und seine Gattin Maria Christine 1824 die Liegenschaft mit dem bereits renovierungsbedürftigen Schloss. Nach dem Tod des Fürsten wird das Landgut auf dem Galitzinberg gerichtlich feilgeboten. Um 125.000 Gulden erhält Moritz Fürst von Montléart, der Sohn des Verstorbenen, den Zuschlag und schenkt den Besitz seiner Gattin Wilhelmine. Da seinem Wunsch nach Umbenennung von Galitzinberg auf Wilheminenberg amtlicherseits nicht entsprochen wird, lässt der Fürst an allen Zugängen zum Schloss Tafeln mit der Aufschrift "Wilheminenberg" anbringen und erreicht somit eine indirekte Namensänderung, die bis heute erhalten bleibt.?
Nach dem ersten Weltkrieg wird das Schloss zum Lazarett und Genesungsheim für Kriegsopfer, 1927 zum Kinderheim der Stadt Wien, 1934 - 1938 sogar Sitz der Wiener Sängerknaben. 1987 erfolgt der Umbau des Schlosses zu einem 3-Stern-Hotel. Aus dem "Gästehaus" entsteht im Jahr 2000 das "Hotel Schloss Wilheminenberg", aus dem Schloss 2003 ein 4-Stern-Hotel, wo jedoch auch "Normalsterbliche" zu normalen Preisen speisen können. Im Winter rühmt sich das Schloss des "höchst gelegenen Eislaufplatzes" Wiens.

Dehnepark

Der Dehnepark ist einer der letzten ursprünglichen Wienerwaldoasen und ist aufgrund seines Altbaumbestandes und seines Lebensraumes einzigartig. Er liegt am Osthang des Hausberges von Hütteldorf, dem Satzberg und auf der Gegenseite an den Hängen der Steinhofgründe. Das Tal wird durch den romantischen Rosenbach durchzogen, wo jedes Jahr im Frühjahr die berühmte Krötenwanderung stattfindet. Das Zentrum des Dehneparks bildet der "Dehneteich", ein künstlich aufgestauter Teich und wichtiger Lebesraum für die hier heimisch gewordene Schmuckschildkröten. Von großer ökologischer Bedeutung ist hier ebenfalls der Rosenbach, der an manchen Stellen sumpfartige Lebensräume schafft.
Der Dehnepark wurde ursprünglich im Stil eines englischen Landschaftsgartens für die Fürstin Paar, geborene Lichtenstein, errichtet. Durch viele verschiedene Bauten, wie der Ruinenvilla aus dem späten 18. Jhdt. und verschiedenen kleinen Tempeln bekam der Park erst sein richtiges Flair und sein biedermeierliches Ambiente.
Seinen Namen bekam der Park von dem Zuckerbäcker August Dehne, der im 19. Jahrhundert mit seiner Konditorei am Kohlmarkt ein kleines Vermögen verdiente, das er in Hütteldorf in ein großes, bewaldetes Grundstück investierte. Jahrzehnte später kaufte dieses Naturparadies der Wiener Filmregisseur Willi Forst und errichtete auf dem Gelände eine Villa. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die Gemeinde Wien den Hain, machte den Dehnepark daraus und öffnete ihn 1973 der Öffentlichkeit. Seither steht der Dehnepark in der Verwaltung und Betreuung des Forstamts der Stadt Wien.

Schwierigkeiten:
Keine
Höhenmeter: Etwa 250 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 2 ½ - 3 Stunden
Beste Jahreszeit: Jederzeit
Kinder: Absolut zu empfehlen. Kinder ab 7 schaffen den Weg locker, zumal es mit dem Spielplatz im Dehnepark, der Jubiläumswarte und den Teichen unschlagbare Höhepunkte gibt.
Hund und Katz': Sehr gut geeignet
Ausrüstung: Pack-Checkliste
Einkehrmöglichkeiten:

Gasthaus Silbersee, Rosental (großes Schutzhaus), Schloss Wilhelminenberg, Villa Aurora

Karte: Freytag & berndt "Wanderatlas Wienerwald"