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Mountainbiken rund um Wien

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"Die Donau blitzt aus tiefem Grund ..."

Bisamberg
Stadtwanderweg 5

September 2005

Bisamberg

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

"Die Donau blitzt aus tiefem Grund", schwärmt der wohl erste Aussteiger der Weltliteratur, nämlich der Taugenichts aus Joseph von Eichendorffs berühmter Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts". Der Müllersohn kommt auf seiner Wanderung auch in Wien vorbei, wie auch sein Schöpfer Eichendorff. Es kann durchaus gewesen sein, dass der Dichter auch den Bisamberg bestiegen hat und sich vom Charme seiner Landschaft inspirieren ließ. Trotzdem es nicht bewiesen ist, nehmen wir es einmal an und tun so, als ob wir den Spuren des Taugenichts folgten.

Der Bisamberg bildet den nördlichen Pfeiler der sogenannten Wiener Pforte, der markanten Verengung des Donautals. Die Wege auf die kaum 360 m hohen Erhebung führen durch das größte Weinbaugebiet der Bundeshauptstadt und ein Stück Weinviertel.


Anfahrt & Aufstieg

Stammersdorf (165 m) - Josef Flandorfer Straße - Luckenschwemmgasse - Liebleitnergasse - Clessgasse - Neusatzgasse - Steinernes Kreuz - Hagenbrunner Straße - Senderstraße - Unterer Senderrundweg - Magdalenenhof - Eichdorffhöhe - Wirtshaus Gamshöhe - Elisabethhöhe (358 m)

HU ca. 200 m / GZ 2½ Stunden

Buschenschänke laden zur Rast ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eichendorffhöhe

 

 

 

 

 

Wirtshaus Gamshöhe

 

Fliegt der erste Morgenstrahl
Durch das stille Nebeltal,
Rauscht erwachend Wald und Hügel:
Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!

Mit dem "stillen Nebeltal" könnte Eichendorff die Wiener Pforte gemeint haben, denn an einem Sonntag Morgen ist's selbst im sonst so lebendigen Stammersdorf still, statt der Flügel nehmen wir an der Endstation der Straßenbahnlinie 31 den Rucksack hoch und spazieren eine Weile durch die Gassen von Stammersdorf. Vorbildlich restaurierte Weinhauerhäuser, Schenken und verschlafene Heurige machen bewusst, dass in Stammersdorf Weinkultur gelebt, ja zelebriert wird.
Sobald man die uralte Dorfkirche (erstmals erbaut 1478) passiert hat, geht es schon durch die ersten Weingärten. Ein Keller reiht sich hier an den anderen, manche mit einem hübschen Terrassengarten drauf, andere von Schlingpflanzen beinahe zugewachsen. Ein paar Buschenschänke wollen zu einem Umweg verführen, allerdings erst am Nachmittag. Über die schummrigen Hohlwege hängen Hagebutten- und Hollerbüsche. Die Farben grün, rot und violett bestimmen hier eindeutig das Gesicht der Landschaft. Weiter oben reifen grüne und lila Trauben ihrer Bestimmung entgegen, die sich in einem der vielen umliegenden Floridsdorfer Heurigen in Bälde erfüllen wird.

Wein, Wein, Wein

Von der Senderstraße, einem der schönsten und ältesten Kellergassen Wiens, und dem Unteren Senderrundweg greift der Blick schon weit über die Stadt. Maisfelder lösen nun die Weingärten ab, ehe mit dem Weingut und Stadtheurigen Magdalenenhof der erste Rast- und Kinderspielplatz wartet. Von dort sind es nur wenige Minuten, ehe man am höchsten Punkt des Wiener Stadtwanderweges Nr. 5 steht, der Eichendorffhöhe (2 Stunden). Ein Denkmal am Rande einer weitsichtigen Lichtung erinnert an den Poeten und jenes Lied aus seiner Novelle, zu dem er hier inspiriert wurde, wie man annimmt.

Die Donau blitzt aus tiefem Grund,
Der Stephansturm auch ganz von fern,
Guckt übern Berg und säh' mich gern.

Rund um das Denkmal eine große Lichtung mit Sitzbänken und jeder Menge Rundumsicht von der Bundeshauptstadt bis zu den Kleinen Karpaten und der Thebener Pforte.
An sich hat hier der Stadtwanderweg 5 bereits seinen höchstgelegenen Wendepunkt erreicht. Wer noch Lust hat für eine etwa 1-stündige Draufgabe, sollte sich den Weitermarsch zum Wirtshaus Gamshöhe und dem eigentlich höchsten Punkt des Bisambergs, der Elisabethhöhe, nicht entgehen lassen. Es wird kaum steiler, dafür aber waldiger. Vom Eichendorff-Denkmal rot markiert Richtung "Bergheuriger Langer" durch alten Mischwald und gut markiert bis zum Wirtshaus Gamshöhe. Von hier ist in wenigen Minuten die Elisabethhöhe (358 m) erreicht, einer groß angelegten Lichtung mit Schaukeln, Rutschen und einem famosen Ausblick auf Klosterneuburg, Donau, die nördlichsten Kuppen des Wienerwaldes und den Südwesten von Wien. Die dort 1899 errichtete Elisabethsäule erinnert an die 1898 in Genf ermordete Kaiserin Elisabeth von Österreich. Von ihr wird berichtet, dass sie einst einen Ausflug auf den Bisamberg unternommen hätte und von der herrlichen Aussicht entzückt gewesen sei. Ein Dichter und eine Kaiserin vom Bisamberg begeistert - das will was heißen. Auf der mit Spielplatz und vielen Bänken bestückten Lichtung findet sich auch jene bunte Mischung von Bisamberg-Besuchern versammelt, die dem Taugenichts durchaus ähnlich sind: Mountainbiker, Läufer, Nordic Walker, Spaziergänger, Wanderer - allesamt Wochenend-Aussteiger, denen ins Gesicht geschrieben ist: Der Bisamberg ist was Feines und ich bin happy!


Der Taugenichts
Und sein Hütlein in die Luft
Wirft der Mensch vor Lust und ruft:
Hat Gesang doch auch noch Schwingen,
Nun so will ich fröhlich singen!

Auf der Elisabethhöhe


Abstieg

Wirtshaus Gamshöhe - Eichendorffhöhe - Promenadeweg Falkenberg - Herrenholz - Schießstätten - Luckenholzgasse - Clessgasse - Endstation der Straßenbahnlinie 31 in Stammersdorf

HU ca. 200 m / GZ 2 Stunden

Wer in das im Wald versteckte Wirtshaus Gamshöhe einkehrt, wird mit opulenter Hausmannskost und freundlicher Bedienung belohnt. Als mir der Kellner den zu drei Stockwerken aufgetürmten Bauernschmaus mit XXL-Knödeln serviert, meint er dazu: "So, der Herr, Ihre Jaus'n bittschön ..."

Mit etwas erweitertem Magen zur Eichendorffhöhe zurück gerollt und am Promenadeweg Falkenberg eine Lichtung entlang, die reichlich Spielplatz (Falkenberg), freie Sicht und Rastplätze bietet. Ein Picknick hier über der Großstadt kann zu einem Erlebnis werden. Auf dem Rückweg fallen die aus dem Boden wachsenden Weinfässer auf; sie sollen wohl daran erinnern, dass man sich durch eine Weinbaugegend bewegt. Der Weg zieht dann gemächlich aus dem Wald durch Maisfelder und das sog. Herrenholz, ein wichtiges Naturelement sowie Schutz- und Lebensraum für viele Tierarten, durch Kellergassen und das Zentrum von Stammersdorf wieder retour zum Ausgangspunkt.


Bisamberg

Der Bisamberg bildet den nördlichen Pfeiler der sogenannten Wiener Pforte, der markanten Verengung des Donautals und war schon in der Steinzeit besiedelt, wie die in den 1950er-Jahren befundene "Venus vom Bisamberg" beweist. Aber auch als Festungsberg beispielsweise gegen die Preußen 1866 und im Ersten Weltkrieg fand der Hügel Verwendung. Der Bisamberg trägt das höchste Bauwerk Wiens, den 265 Meter hohen Sendmast.


Joseph von Eichendorff bei Wikipedia >>>

Die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts"

Die Sehnsucht nach der Ferne und der väterliche Unmut führen einen Müllersohn dazu, in die Welt hinauszugehen, in der er sein Glück finden will. Mit seiner Geige streift er ziellos umher und lässt sich von Zufällen und Abenteuern bestimmen. Als erstes kommt er auf ein Schloss in der Nähe von Wien. Dort wird er Gärtnerbursche und später Zolleinnehmer. Er verliebt sich in Aurelie, eine der "schönen Damen" des Schlosses. Ihre Unerreichbarkeit treibt ihn jedoch dazu, seine Wanderung fortzusetzen. Sein Weg führt ihn nach Italien, wo er sich in eine bunte und geheimnisvolle Kette von Liebeleien unter verkleideten Gräfinnen, Bauern, Malern und Musikanten verwickelt, bis er aus Sehnsucht nach der Heimat und nach Aurelie Rom verlässt. Mit einer Schar musizierender Studenten aus Prag kehrt er auf einem Donauschiff zum Schloss zurück und erfährt, dass Aurelie keine Gräfin, sondern eine Nichte des Schlossportiers ist und ihn liebt. Nachdem sich alles aufgeklärt hat, heiratet er Aurelie.

"Schweigt der Menschen laute Lust!
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewusst,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust."

Schwierigkeiten:
Keine
Höhenmeter: Etwa 200 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 4,5 Stunden
Beste Jahreszeit: Selbst im Winter jederzeit möglich
Kinder: Eine Menge Spielmöglichkeiten machen den Spaziergang für Kinder kurzweilig. Bei warmen Wetter wäre auch ein Picknick auf der Elisabethhöhe eine attraktive Erweiterung.
Hund und Katz': Gut geeignet
Ausrüstung: Pack-Checkliste
Einkehrmöglichkeiten:

Wirtshaus Gamshöhe, Stadtheuriger Magdalenenhof

Empfehlenswert im Anschluss an die Wanderung ist ein Besuch eines der nahen Heurigen von Langenzersdorf, Bisamberg oder Stammersdorf.

Karte: Freytag & berndt "Wanderatlas Wienerwald"
Internet:

www.bisamberg.at
www.bisamberg.net