Röhrende Hirsche, eine Hexenküche, ein aussichtsreicher Gipfel und eine uralte Eiche bilden die Ingredienzien dieser etwa 4-stündigen Tut gut!-Wanderung (Route 3 Mauerbach). Sie führt von der Kartause Mauerbach ausgehend sehr beschaulich durch den Pitzelsdorfer Wald auf den Scheiblingstein. Nach der zweiten Bergetappe auf den Tulbingerkogel wandern wir über den Herrnberg wieder nach Mauerbach hinunter.
Von der Kartause in den Urwald
Wir schultern den Rucksack am Parkplatz der Kartause Mauerbach (auch per Bus zu erreichen). Dieses kulturell-spirituelle Gustostückerl ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler seiner Art in Österreich und könnte – ja, sollte! – man im Anschluss an die Tour unbedingt besichtigen!
Wir biegen in die Friedhofstraße ein und folgen dem Weg 21 vom unteren Friedhofsparkplatz an der Kartause vorbei bis zum "Wald der Ewigkeit", einer Naturbestattungsanlage.
Von nun an sehr beschaulich am Pitzelsdorfer Steig durch den vorwiegend aus Buchen bestehenden Pitzelsdorfer Wald. Eine besonders schöne Etappe unseres Wanderwegs. Nachdem wir den Pitzelsdorfer Bach überstiegen haben, gelangen wir zum sog. Rastplatz der Einsiedelei, wo sich die "Tut gut!"-Wanderwege 2 und 3 trennen und ein Bankerl zur Rast einlädt. Wir halten uns nun rechts und betreten den „Urwald von morgen“, wie die "Kernzone Mauerbach" genannt wird. Sie ist eine von besonders geschützten Kernzonen des Biosphärenparks Wienerwald und umfasst eine Fläche von 235 Hektar. Seltene Tierarten wie die Gelbbauchunke, der Weißrückenspecht und der Baummarder gehören zu den scheuen Bewohnern des Schutzgebietes. Ihren Lebens- und Zufluchtsraum bildet ein dichter Wald aus teilweise über 100 jahre alten Buchen, Schwarzerlen und Eschen. Weil der Wald weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt wird und sich also die Natur so entwickeln darf, wie sie will, bilden sich Urwälder wir hier. Wir folgen dem "Pitzelsdorfer Steig" (Weg 4), der uns zwischen einem umzäunten Wildgehege und dem Pitzelsdorfer Bach durch den Kellergraben führt.
Hirsche röhren hören
Wenn wir Mitte September bis Mitte Oktober hier unterwegs sind, heißt es die Ohren spitzen: Dann hören wir sie nämlich röhren, die männlichen Rothirsche des Pitzelsdorfer Waldes. Diese Tiere gehören mit 150 cm Schulterhöhe und einem Gewicht von ca. 250 kg zu den größten unserer Wälder. Während der Paarungszeit Anfang Herbst lassen die männlichen Platzhirsche ein markantes, tiefes Röhren hören, um Rivalen abzuschrecken. Gelingt dies nicht, kommt es oft zu heftigen Kämpfen zwischen den imposanten Geweihträgern. Der Gewinner ist der Boss im Revier und Hirschkuhrudel. Einer der wenigen Orte in Ostösterreich, wo man dieses imposante Schauspiel der Brunftduelle gleichsam im Vorbeigehen zu Gehör und Gesicht bekommt, ist der Pitzelsdorfer Wald.

Lange bleiben wir stehen, lauschen dem unheimlichen Hörspiel und lugen durch die Bäume, um einen Blick auf das spannende Geschehen zu erhaschen. Fast wähnen wir uns in der Wildnis von Alaska und vergessen, dass wenige Kilometer entfernt eine Großstadt pulsiert. Wir wandern weiter und folgen dem Pitzelsdorfer Bach durch den Talgrund. An dessen Ende heißt es, ein paar Gänge zurückzuschalten, geht es doch etwas steiler bergauf bis zur Tullner Straße am Scheiblingstein, den wir nach rund einer Stunde Gehzeit erreichen.

"Hexenkuchl" und Waldschenke
Kurz vor der Straße lenken wir die Schritte nach links Richtung Hainbuch (gelb markierter Weg Nr. 1) und wandern mehr oder weniger parallel zur Straße durch Wald, bis wir an eine Weidewiese stoßen. Diese entlang, bis wir die …straße überqueren und das ehemalige Gasthaus Radlherr in Hainbuch erreichen. Wenig später eine nette Überraschung: "Gigis Hexenkuch'l", ein kleiner Selbstbedienungsladen, wo die Köchin der Waldschenke regelmäßig selbstgemachte Schnäpse, Marmeladen, Liköre u.v.m. anbietet. Ein paar Schritte weiter eine der urigsten Einkehrstationen im Nahbereich Wiens: die "Waldschenke Staar", wo bei offenem Buchenholz-Feuer Henderl'n gegrillt und regionale Köstlichkeiten kredenzt werden.

Hoch überm Tullnerfeld
Von hier aus an einem Pferdegestüt vorbei auf einen Waldpfad (Weg Nr. 1), dann etwas anhebend weiter durch Buchen- und Birkenwald. Sobald wir eine weitere Wegkreuzung Richtung Königstetten erreichen, heißt es eine 90°-Wendung zu vollziehen und ein paar Höhenmeter zum Gipfel des Tulbinger Kogels hinaufzusteigen. Der Hügel ist mit seinen 494 m die höchste Erhebung im Bezirk Tulln sowie der gesamten nordwestlichen Kante zum Tullnerfeld. Wir steigen die Leopold-Figl-Warte hinauf, die einen weiten Blick über das Tullnerfeld ermöglicht. Die nach Österreichs erstem Bundeskanzler nach dem 2. Weltkrieg benannte Warte wurde 1966/67 nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister in Stahlbetonbauweise erbaut.

Ein uralter Baum
Für den Weiterweg halten wir uns in südwestlicher Richtung und steigen zum Berghotel Tulbingerkogel (Kinderspielplatz) hinunter. Danach überqueren wir eine Straße und eine Wiese, stoßen an eine Straße und folgen dieser über den Herrnberg Richtung Passauerhof. Ab nun teils auf schmalen Waldwegen, teils auf Schotterstraßen, ehe wir auf den Weg 16 einschwenken und in sanften Waldwellen schnurgerade die über 250 Jahre alte Millenniumsreiche ansteuern. Was der Baum wohl schon alles gesehen oder gehört hat? Nach einem weiteren beschaulichen Waldstück betreten wir eine Wiese und umrunden das Reitsportzentrum Mauerbach. Nach einem Parkplatz wenden wir uns nach links auf einen Schotterweg, passieren Äcker, bis wir links unten schon die Kartause Mauerbach erkennen. Zu dieser führt eine schmale Gasse. |