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Thomas Rambauske: Wienerwald-Abenteuer

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Drei Kirchen Rundwanderweg (Hafnerberg)
Vier Beine für ein Halleluja

Drei Kirchen Rundwanderweg

Wanderung, Wienerwald, 2019; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Ein selten schöner Weg verbindet Spiritualität mit einem sportlichen Marsch durch typischen Wienerwald. Zu den Attraktionen der Mini-Pilgertour gehören die drei Wallfahrtskirchen von Hafnerberg, Klein-Mariazell und Altenmarkt.

Die Route

Zum Wienerwald gehören Wallfahrtskirchen wie die Basilika von Mariazell zur Via Sacra. Einen Beweis für die lebendige Wallfahrtstradition im Wienerwald finden wir in der Marktgemeinde Altenmarkt an der Triesting, wo erst vor kurzem anlässlich "10 Jahre Biosphärenpark Wienerwald" ein besonderer Weg aus aus der Taufe gehoben wurde: Der Drei Kirchen Rundwanderweg. Dieser Weg verbindet ein liebliches Wienerwalderlebnis mit einem kulturellen und spirituellen, passieren wir doch drei der wichtigsten sakralen Bauwerke an der Via Sacra, die "Basilika" von Klein-Mariazell und die alten Sakralbauten von Hafnerberg und Altenmarkt. Dazwischen begehen wir eine wienerwaldtypische Landschaft mit sanften Hügeln, Laubwäldern, Wiesen und Feldern mit den dazugehörigen Gehöften. Dem nicht genug, dürfte die Gegend rund um Hafnerberg und Nöstach früher auch ein keltisches Druiden-Zentrum gewesen sein, gibt es doch etliche mystische Plätze, die an sie erinnern.

Hafnerberg
Unsere Wanderung beginnt mit einem kulturellen Leckerbissen, nämlich der Wallfahrtskirche "Unserer lieben Frau" am Hafnerberg. Der barocke Sakralbau wurde zwischen 1729 und 1745 erbaut. Die überreiche Vergoldung und die Verwendung von Kunstmarmor, der tiefräumliche Hochaltar, die Wandmalereien und Figuren aus den Händen bedeutender Künstler geben der Kirche ein prunkvolles Aussehen. Das grandiose Deckengemälde enthält ein politisches Programm: Es bringt die Frömmigkeit und Stärke der Häuser Habsburg und Lothringen zum Ausdruck. Die Orgel der Kirche stammt aus dem Jahr 1767 und wurde von Johann Pfliegler gebaut. Ihr Klang trägt wesentlich zur barocken Stimmung im Kirchenraum bei. (www.hafnerberg.at)

Kreuzweg
Kurz nach Hafnerberg beginnt ein sehr schön angelegter Kreuzweg

Von der Kirche erreichen wir mit wenigen Schritten einen lichten Föhrenwald, in dem ein Kreuzweg mit 14 Stationen leicht ansteigend hinüber zur 1880 errichteten inmitten lichter Wiesen liegenden Fuchsbauer-Kapelle leitet.
Ein würdiger Auftakt für einen Wienerwald-Pilgerweg. Während des Wanderns kann man an den Stämmen mancher Föhrenbäume Spuren des alten Pecherhandwerkes entdecken. Ein kleiner Abstecher von der Kapelle weg auf die bewaldete Bergkuppe dahinter führt uns zur "Druidenstein Felsnadel", einem spitzen Menhir und "Visier-Stein" mit Lehn- und Sitznischen. Dieser Stein befindet sich lt. Tafel in einer "energetisch positiven Zone", die sich positiv auf Menschen auswirken soll. Wieder zurück auf dem regulären Weg oder auf der anderen Seite hinunter erreichen wir bei einem weiteren Druidenstein, einen Lochstein. Solche Lochsteine umgrenzten einst als Marktsteine das "Kalendarium" auf der Wiese des Fuchshofes. Diese Wiese überschreiten wir nun und kommen zum eigentlichen "Kalendarium" mit dem Visurhügel und weiteren Lochsteinen. Auf der Weide nach dem Lochstein sind links das Hocheck, die Araburg, der Kirchenberg bei Hainfeld, die Ramsauer Berge und die Reisalpe zu sehen. Rechts sind die St. Pankraz Burgruine und der Peilstein zu entdecken. Der Peilstein wurde bereits in prähistorischer Zeit vom "Fux-Hof" durch zwei Erdhügel (Visurhügel) angepeilt. So galt dieses uralte Bauerngut seit jeher als Licht-Beobachtungsplatz, von dessen Standort die für den Feldbau wichtigen Jahreszeiten astronomisch abgelesen wurden. Nach dem Hof schwenken wir auf die Via Sacra ein und gelangen zum Hübnerkreuz. Hier links und über eine Wiese mit schönem Blick aufs Hocheck. Dann der anspruchsvollste Teil: der Abstieg über den Ganslsteig in den Eisgraben hinunter. Sechs Rufzeichen betonen die Steilheit und Schwierigkeit dieses Steigs. Bei Nässe kann der wurzelige und matschige Pfad tatsächlich eine Herausforderung darstellen. Im Talgrund folgen wir kurz dem Klauswies-Bach und steigen zum Schacher-Kreuz auf, das die Zeit erinnert, als die hiesigen Bürger im Wald „Am Schachen“ für die Stiftherren hart arbeiten mussten. Der Endspurt nach Klein-Mariazell erfolgt auf einer Forststraße bzw. auf Abkürzungen quer durch Wald.

Wandern

Klein-Mariazell
Vor oder nach der Einkehr beim Kirchenwirt sollte man auch unbedingt die neu renovierte, spätromanische, im 18. Jhd. barockisierte Basilika Klein Mariazell(eine ehemalige Stiftskirche, siehe Bild) besuchen. Ihre Anfänge gehen ins 12. Jahrhundert zurück, als aus einem Flurheiligtum, einer "Zelle" mit einer Muttergottesstatue und einer kleinen Quelle,  das Benediktinerkloster "Cella Sanctae Marie" ("Marienzelle") entstand. Der Stifter war der Hl. Leopold, ein Babenberger Markgraf. Das Kloster wurde oft zerstört und schließlich im 18. Jahrhundert durch Joseph II. aufgehoben. Aufgrund des desolaten Zustandes des Gebäudes kam es in den 1960er-Jahren zum Abbruch des Klosters, wobei der sehenswerte romanische Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert, einige Gewölberäume, die berühmten Bergl-Fesken (Marienzyklus) erhalten blieben. 1994 bis 1998 erfolgte eine Generalrenovierung der ehemaligen Klosterkirche. Im Zuge dessen wurde unter dem Altarraum eine neue Unterkirche errichtet. Dabei entdeckte man sieben übereinanderliegende Böden, die Grundmauern der allerersten Kirche und 300 Gräber. Unter den Funden war auch das bereits erwähnte keltische Quellheiligtum mit den Wurzeln eines Kultbaumes aus dem 1. Jahrtausend. Ein kleiner Teil der Ausgrabungen wurde zugänglich gemacht. (www.kleinmariazell.at) Originelles Detail am Rande: Im Vorraum der Kirche steht ein sog. "Sanktomat". Nach Einwurf einer Münze werden wir umgehend heilig gesprochen … Schön wär’s. Nein, wir erhalten Informationen über Heilige und zur Kirche. Der Weg nach Altenmarkt führt nun entlang der Straße, bis nach dem letzten Haus links ein Drehkreuz auf eine Weide führt (gelbe Tafel: Via Sacra Rundwanderweg, Altenmarkt und Tafel  Achtung Viehtrieb). Auf teils unscheinbaren Wiesenweg queren wir die Wiese und erreichen das Köglkreuz. Nach einem kurzen Waldstück taucht die Wallfahrtskirche Altenmarkt vor uns auf.


Kurz vor der Wallfahrtskirche von Altenmarkt

Altenmarkt
Der Ursprung des gotischen Baudenkmals reicht bis ins 11. Jhdt. zurück. Der Markt Altenmarkt gehört zu den ältesten Besitzungen des 1136 gegründeten Klosters Klein-Mariazell (= Mariazell in Österreich). Die Pfarre Altenmarkt – die älteste im oberen Triestingtal – bestand möglicherweise aber schon, bevor 1136 der babenbergische Markgraf Leopold III. diese wichtige Herrschaft an Österreich brachte. Im schlichten Mauerwerk des anmutigen spätgotischen Chors der Pfarrkirche atmet noch die Vergangenheit.  Ab dem 17. Jahrhundert wurde Altenmarkt zur Wallfahrtsstation an der "Via Sacra" nach Mariazell in der Steiermark. Aus der Wallfahrerzeit, insbesondere aus dem 17. und 18. Jahrhundert, stammen zahlreiche Bildstöcke. Anschließend folgen wir nicht mehr den gelben Wegweisern Via Sacra, Wr. Wallfahrerweg (dieser führt in Kürze zum Hauptplatz von Altenmarkt), sondern wenden uns durch die Kirchengasse und Gartengasse an der 1636 errichteten Pestsäule der "Schwarzen Mutter Gottes" vorbei Richtung Hafnerberg. Wir verlassen das Ortsgebiet und steigt kurz durch Wald hinunter zur "Hofnerbruck", überqueren den Bach und steigen auf der anderen Seite kurz zur "Nepomukkapelle" und die Bundesstraße B 11 hinauf. Wir überqueren die Straße und steigen links auf einer teils steilen Forststraße (Markierung blau) zurück zum Ausgangspunkt Hafnerberg hinauf.


Route:
Hafnerberg (478 m) – Kreuzweg – Druiden-Nadel – Fuchsbauer (Visurhügel) – Eisgraben – Schacherkreuz – Klein-Mariazell (432 m)  – Altenmarkt an der Triesting (410 m) – Nepomukkapelle – Hafnerberg
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 350
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up Pfeil down ca. 3–3,5
Schwierigkeiten:
Keine
Eignung für Kinder:
Wenn gehfreudig und trittsicher, gut geeignet
Attraktionen:
Druidenstein, Kreuzweg, drei Kirchen, etliche historische Wegkreuze
Ausrüstung:
GPS-Track:
Einkehrmöglichkeiten:
Gasthaus zur Linde, Kirchenwirt Hafnerberg, Cafe Via Sacra in Altenmarkt, Gasthaus Zum Schwarzen Adler in Altenmarkt, Kirchenwirt in Klein-Mariazell
Hilfreiche Links:
Buchtipps aus dem Kral Verlag:
Thomas Rambauske: 45 Wienerwald-Abenteuer
Otto Kurt Knoll: WallfahrtsWeg WienerWald
Robert Bouchal: Verborgener Wienerwald

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