Über 27 km zieht sich die neue Themenwanderung "Die Türme des Wienerwaldes" von einer Aussichtswarte zur nächsten. Aufgefädelt wie Perlen reihen sich acht Türme des Wienerwaldes entlang der massiven Kalkstein-Gebirgskette von Mödling bis Bad Vöslau und erzählen jeder für sich seine eigene Geschichte. Sie gehören zu den vielen historischen Aussichtswarten, die man im Wienerwald vorfindet, zu jenen Kulturdenkmälern, die an überragenden, aussichtsreichen Plätzen erbaut wurden, die überragende Weitblicke garantieren. Da uns der Weg in einem "Aufwaschen" zu lang ist, teilen wir ihn in drei Etappen.
Die erste führt von Mödling über den Husarentempel und den Anninger nach Gumpoldskirchen.
Von Mödling zum Husarentempel
Start beim Mödlinger Bahnhof. Von dort wählen wir die Bachstraße, die uns zur Toni-Berg-Promenade lotst. Sehr beschaulich entlang des Möglingbachs bis zur Achsenaugasse. Nach der Überquerung der Badstraße biegen wir nach rechts in die Babenbergergasse ein, passieren das alte Stadttheater und verschiedenen Gaststätten, ehe in der Brühler Straße die spätgotische Spitalskirche zum hl. Ägidius unsere Aufmerksamkeit erregt. Sie wurde zwischen 1443 und 1453 als Fortsetzung des ehemaligen Bürgerspitals erbaut.

Noch ein Stück durch die Brühler Straße, dann links auf Spitalmühlgasse und nach wenigen Schritten über den Mödlingbach. Gleich danach rechts und entlang des Bachs stadtauswärts. Wir unterschreiten das Aquäduckt Mödling und steuern am sog. Neuweg den Naturpark Föhrenberge an. Auch wenn uns manche Wege nach links hinauf entführen wollen, bleiben wir im Talgrund und wandern am Fuß imposanter Felswände westwärts. Sobald wir den Kurpark passieren, zieht uns gegenüber einer der "Türme" des Wienerwalds, der Schwarze Turm, in seinen Bann. Er liegt allerdings nicht auf unserer Route.

Vorbei am Glockner- und Efeugrat, zwei beliebten Trainingsfelsen für Kletterfans, und stets dem Mödlingbach und der Brühler Straße folgend, wandern wir unterhalb der Burgruine Mödling durch den Föhren- und Mischwald der Mödlinger Klause.
Erst bei einer Straßenkreuzung (Pizzastand) in Vorderbrühl wenden wir uns nach links Richtung Burgruine Mödling und Anninger. Ein paar Meter nur durch die Jägerhausgasse, ehe uns nach einem Parkplatz, aber noch vor "Pepi's Märchenteich" ein sehr unscheinbarer Weg nach rechts von der Straße wegführt. Nun grün-gelb markiert am Rand der Meiereiwiese und am Landhaus Föhrenhof vorbei mitten in den Naturpark Föhrenberge hinein.
Bei einer markanten Wegkreuzung wählen wir den blau markierten Waldweg nach rechts, der uns nun zwischen schönen Schirmföhren konsequent bergauf führt. Bald schließen wir uns dem Dreistundenweg an, passieren den gleichnamigen Rastplatz und begehen eine Forststraße, die uns langsam aber sicher in das Oberstüberl des Anningermassivs führt.
Sobald wir rechts oben den Husarentempel (496 m) erkennen, steuern wir diesen über einen steilen Waldsteig an. Der erste Turm unserer Weitwanderweg ist hiermit erreicht.

Es war der bekannte Architekt Joseph Kornhäusel, der diesen „Tempel des Kriegsruhms“ im Jahre 1813 in klassizistischer Bauweise errichtete und ihn den Gefallenen der Schlacht von Aspern widmete.
Durch den Eschenbrunngraben auf den Anninger
Nun blau markiert geradeaus weiter und am Grenzweg über sanfte Geländewellen durch schönen Föhrenwald. Bald schließen wir uns dem blaut markierten Schubertweg an und folgen diesem abwärts und zugleich um den Kleinen Anninger herum. Das ist das Anstrengende an dieser Tour: Was wir vorher an Höhenmetern erkämpft haben, müssen wir nun absteigen, um dann erst wieder zum Anninger Schutzhaus mühevoll hinaufzusteigen. Aber der Reihe nach: Noch queren wir am Schubertweg den Westrücken des Kleinen Anningers, ehe es etwas anstrengender ins Kiental hinuntergeht. Sobald wir auf die Kientalstraße treffen, schwenken wir auf diese linksseitig ein und wandern langsam bergauf durchs Kiental. Bei einer Wegkreuzung halten wir uns rechts und schwenken in den Eschenbrunngraben ab, womit auch der längste und anstrengendste Teil der Wanderung beginnt, der lange Aufstieg durch den steilen Graben zum Anninger Schutzhaus. Eine Stunde wird die Bergetappe dauern – für Wienerwald-Verhältnisse sehr lang! Sobald wir die Traditionshütte erreicht haben, ist das mühsamste Teilstück schon geschafft und wir können uns zur verdienten Rast in die gemütliche Gaststube setzen.
Bevor wir absteigen, müssen wir jedoch noch unbedingt den zweiten "Turm des Wienerwalds" besuchen, die Kaiser Jubiläums-Warte am Eschenkogel, einem Gipfel des Anninger.

Die erst 2021 errichtete, 20 Meter hohe Aussichtswarte aus feuerverzinktem Stahl erreichen wir in nur 5 Minuten. Prachtvoll der Ausblick: Im Norden grüßt der kleine Anninger mit dem Husarentempel sowie die Bundeshauptstadt Wien mit ihren Hausbergen. Bei klarer Sicht sind auch der Hohe Lindkogel, der Schneeberg und der Schöpfl zu erkennen.
Am Kaisergerndlweg nach Gumpoldskirchen
Zurück zum Anningerhaus wählen wir den blau markierten Kaisergerndlweg, der uns über das sog. Kaisergerndl nach Gumpoldskirchen führen wird. Nun mehr oder weniger steil teils auf schmalen Waldwegen, teils auf Waldstraßen durch Ahorn- und Buchenwald bergab. "Achtung Lebensgefahr!" warnen uns Schilder beim Golfclub Gut Richardhof, weil uns hier nämlich Golfbälle um die Ohren fliegen können. Geduckt passieren wir den Sportplatz, bis wir zum Restaurant Richardhof und den es umgebenden Parkplatz gelangen. Ihn umgangen treffen wir auf eine Straße, die uns zunächst zur Abzweigung zum Beethoven-Spazierweg führt. Weiter abwärts zum Heurigen Hochkräutl. Kurz darauf durch die ersten Weingärten von Gumpoldskirchen die Josef Schöffel-Straße.

Auf diese links eingebogen zum großen Melkerhof, nach dem wir uns rechts halten und zum Kirchenplatz gelangen. Gemeinsam mit den angrenzenden Renaissance-Höfen gehört die Pfarrkirche St. Michael zu den architektonischen Juwelen Gumpoldskirchens. Schlendern wir dann durch die Kirchen- und die Wienerstraße, bekommen wir das Gefühl, durch eine andere Zeit zu wandern. Die vorwiegend im 16. und 17. Jahrhundert errichteten Renaissance-Häuser beherbergen Restaurants, Weingüter und Heurige, die zum Verweilen und Genießen der weltbekannten Gumpoldskirchner Weine einladen.

Am Ende der Kirchengasse erreichen wir den Bahnhof und kehren per Bahn nach Mödling zurück. |