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Mountainbiken rund um Wien

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Christian Stangl____________________________________________________

Skyrunner

Von Thomas Rambauske                                                              Zur Übersicht

Neun Anden-Sechstausender in 18 Tagen und Rekordzeiten. Ruhepuls 37 auf 5.300 m. Aconcagua in 4.25 Stunden vom Basislager bis zum Gipfel. Ziel: in 24 Stunden auf den Achttausender Dhaulagiri und retour, Everest-Lhotse Überschreitung. Beruf: Skyrunner. Name: Christian Stangl. Er hat jene Berg-Disziplin entdeckt, in der heute noch Herausforderungen möglich sind - und Rekorde.

Der Anfang

1991, vor seiner Zeit als Skyrunner, wäre für Christian Stangl beinahe das letzte Lebensjahr gewesen: Im Karakorum überraschte ihn eine Lawine im Schlaf, zum Glück bedeckt ihn und seinen Weggefährten nur ein halber Meter Schnee. In Todesangst und mit gebrochenem Oberschenkel kriecht Stangl ins Freie, sein Kamerad seilt ihn ab und lässt ihn im Basislager zurück, um Hilfe zu holen. Drei zufällig vorbeikommende Trekker bringen den Schwerverletzten auf einer improvisierten Tragbahre ins Tal. Nach elf Tagen (!) mit schier unerträglichen Schmerzen landet er endlich im nächst gelegenen Krankenhaus.

Geboren in Landl im Steiermärkischen Gesäuse, nahm Vater Stangl den Kleinen im zarten Alter von zwei Jahren auf den ersten Berg mit. Mit 14 dann die ersten Bergwandertouren, mit 18 die ersten Berge im Alleingang. Danach folgten zahllose Berggipfel, Überquerungen und 1998 als Krönung seiner Alpinerfahrung die Südwand der Shisha Pangma (Zentralclouloir/Britenroute von 1982), die er als erster Mensch solo begeht und 2001 die Solo Erstbegehung der Nordwand des Cho Oyu im Alpinstil.

Vor ein paar Jahren entdeckte Stangl sein spezielles Talent. Wo andere schlapp machen, kommt der Admonter erst so richtig auf Touren: In extremen Höhen kann er seinen Bewegungsdrang kaum bremsen, muss einfach laufen. Ein Sportarzt wollte seinen Augen nicht trauen, als er Stangl untersuchte. Unglaubliche anaerobe Werte und einen Ruhepuls von 37 nach Akklimatisierung auf 5.300 Metern! Ideale Werte für einen Ausdauersportler, der sich in großen Höhen herumtreibt. Und die verträgt Stangl blendend: "Bei den meisten beginnt die Todeszone bei 7.800 Metern, bei mir wahrscheinlich erst bei 8.200", so Stangl.

Wo andere schlapp machen, kommt der Admonter erst so richtig auf Touren.

2002 lässt Stangl seinen erlernten Beruf als technischer Angestellter sausen und startet als Vollprofi in der Disziplin "Skyrunning" durch. Skyrunning (= Solo-Berglauf mit minimalster Ausrüstung, auf der schnellsten Route im Laufstil vom Basislager bis zum Gipfel) hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn auf die Berge gibt es meistens keine Laufpisten. Stangls muss seine Routen meist durch ewiges Eis, Hänge mit 40 Grad Steigung, über Eisspalten, Geröllhänge mit Steinschlag legen, und das in Laufhose und leichten Bergschuhen. Seine letzte "Schandtat", wie er das nennt: die neun Sechstausender in den Anden mit neun Rekordzeiten innerhalb von 18 Tagen.

Das Training

Ohne Vorbereitung geht nichts im Skyrunning. "Ich bereite mich immer akribisch vor, studiere Karten, hole Meinungen ein. Ich bin kein Lebensmüder, der von der Zivilisation die Nase voll hat. Ich will an meine Grenzen gehen und Höchstleistungen bringen. Ich sehe mich eher in Verwandtschaft zu den Spitzensportlern, die etwa den Ironman in Hawaii bestreiten und nicht so sehr mit den klassischen Bergsteigern. Obwohl ich natürlich meine Alpinerfahrung immer nutze, wenn ich einen Skyrun mache. Dennoch: Mein Ansatz ist ein sportlicher, kein alpiner", so Stangl über seine Motivation.

Einen 40-Kilo-Traktorreifen umgebunden, schindet er sich die Abhänge hinauf.

Dazu gehört auch das Training. Einen "normalen" Berg hinauf zu joggen reicht Stangl schon lange nicht mehr, um seinen drahtigen Körper in Form zu bringen. Einen 40-Kilo-Traktorreifen umgebunden, schindet er sich die Abhänge hinauf. Um die Ausdauer zu erhöhen, fährt er mit dem Fahrrad mal in 21 Tagen von Admont nach Gibraltar. Oder umrundet so zum Spaß in 16 Stunden am Stück seine Heimat den Nationalpark Gesäuse, 69 Kilometer und 11.600 Höhenmeter, Kletterpassagen in Turnschuhen inklusive.

Mr. Skyrun

Privat ist der Extremsportler eher von der ruhigen Sorte. Er redet nicht viel, kommt schnell auf den Punkt. Dem Leben zugetan schätzt er ein gutes Glas Rotwein, kann tagelang - wer würde es ihm verdenken - rumliegen, so es die Zeit erlaubt. Die wird durch diverse Sponsorentermine, Trainingseinheiten und Journalistenanfragen jedoch immer knapper: Die "Marke" des Mr. Skyrun entwickelt sich. Um sich voll aufs Training und die 2004er Dhaulagiri-Expedition konzentrieren zu können, hat er seine Marketing- und PR-Angelegenheiten in die Hände der deutsch-österreichischen Kommunikationsagentur Wilkom gegeben. "Wir werden weitere Sponsoren für Christian Stangl finden, ihm die Resonanz verschaffen, die er sich wünscht, damit er die Zeit hat für weitere sensationelle Rekorde", so der Chef von Wilkom Dr. Ernst Wilde.

Ich bin kein Lebensmüder, der von der Zivilisation die Nase voll hat. Ich will an meine Grenzen gehen.

Neun Sechstausender in 18 Tagen - und das in Spitzenzeiten! Einmal gingen sich sogar zwei Berggipfel an einem Tag aus: die des Cerro Acotango (6.040 m) und des Volcan Guallatiri (6.052m). Zuerst in knapp vier Stunden auf den Acotango, vorbei an Geröllhalden, weiter oben eine "kleine" Steigung mit 40 Grad Neigung, über ein Eisfeld, wieder im Schweinsgalopp hinab und gegenüber auf den nächsten Berg, in vier Stunden hinauf, Siegerfoto und bergab ins Basislager. Insgesamt unglaubliche elf Stunden und 27 Minuten und 4.500 Höhenmeter.

Hinterher befragt, ob das noch Spaß mache, der 37jährige Stangl: "Es geht um die sportliche Höchstleistung. Fragen Sie mal einen Marathonläufer, ob Ihm das Spaß macht. Wenn er gewinnt sicher. Ich habe neun Speedrekorde in den Anden aufgestellt. Ganz genau weiß ich das nicht, da es für die Mehrzahl der Berge keine richtigen Zeiten gibt."

Besonders stolz ist Stangl auf seine "Königsetappe": den Illimani, höchster Berg Boliviens mit 6.439 Metern. Den bezwang Stangl in drei Stunden 43 Minuten. Logisch, dass niemand Stangl diese Leistung vor Ort abnahm.
Zum "Eingewöhnen" joggte Stangl in seiner ersten Andenwoche mit vier Lauf-Rekorden los: Die Sechstausender Volcan San Pedro, den Aucanquilcha, den Cerro Parinacota und den Cerro Pomerape mussten sich dem Skyrunner geschlagen geben. Und dazwischen noch zwei weitere, nicht gewertete Sechstausender, speziell für die Dreharbeiten des "Jogging-High"-Films. Denn Kamaramann Raimund Reiter aus Graz konnte nicht immer auf die Sechstausender "vorlaufen", war auf "Drehbuchaufnahmen" angewiesen. Herausgekommen ist dabei der 20-Minuten Film "Jogging High - Skyrunning in den Anden", der unter großen Beifall des Publikums der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der Film ist das Erstlingswerk von Sportstudent und Filmer Reiter.

Bei den meisten beginnt die Todeszone bei 7.800 Metern, bei mir wahrscheinlich erst bei 8.200.

Der Run seines Lebens - in 16 Stunden auf den Everest

Am 25. Mai legt der Steirer schließlich den "Run" seines Lebens in den Schnee des Everest und läuft vom 6400 Meter hoch gelegenen Basislager auf der chinesischen Nordseite des Giganten in unglaublichen 16 Stunden und 42 Minuten auf den mit 8848 Metern höchsten Punkt der Erde. Für den Weg zurück brauchte er nur sechs Stunden.
"Ich habe das Basislager um 17 Uhr verlassen. Die Bedingungen waren gut", so der "Skyrunner" zum "Run" seines Lebens. "Ich nahm nur einen Skistock mit, Salzkekse, etwa zum Trinken und Kohlehydratgel". Stangl verzichtete bei seinem Rekordlauf auch auf jede wie auch immer geartete Hilfestellung - keine Träger, keine Wegbereiter, keine Funkgeräte, "denn ich möchte keine Rennstrecken auf den Bergen." Schließlich sind für Stangl Berge schon von Natur aus zum Laufen da. Unterwegs lief es wie geschmiert, Stangl lief im wahrsten Sinne des Wortes zur Höchstform auf: "Mein Körper arbeitete perfekt. Richtige Renn-Euphorie kam auf." Ein paar Fotos zum Beweis des Gipfelsturms - um nach drei Minuten wieder abwärts zu laufen.

Stangl am Everest

Mein Körper arbeitete perfekt. Richtige Renn-Euphorie kam auf.

Auf 7500 Metern fing es an zu schneien. "Der Nordrücken wurde so zur Rutschbahn." Stangl klammerte sich an die Fixseile, rutschte am Hosenboden talwärts - und sparte so Zeit und Energie. Als er nach 6 Stunden ins Basislager zurückkam, "haben der Koch und der Küchenboy laut gelacht. Ich war ja nur einen Tag weg und habe ihnen gesagt, dass ich inzwischen auf dem Gipfel war." Sie lachten, bis sie die Fotos sahen ...

Die "Everest-Rennen" werden bekanntlich in den zwei Disziplinen Nord- und Südroute ausgetragen, wobei die Nordroute die wesentlich längere ist. Während die Südroute mit 8 Stunden und zehn Minuten noch immer von einem nepalesischen Sherpa gehalten wird, schuf Stangl mit 22 Stunden und 45 Minuten auch auf der Langstrecke eine Marke, auf die die Konkurrenz nicht anders als schockiert reagiert.

Biografische Daten

Christian Stangl, 37 Jahre, stammt aus Admont in der nördlichen Steiermark

Profession: Profi-Skyrunner und Bergsteiger seit 2002

Skyrunning: Jüngste Disziplin des alpinen Bergsports: Solo-Berglauf ohne Versorgungskette vom Basislager auf den Gipfel nur mit leichter Bergausrüstung auf Zeit.

Highlights Christian Stangls:

1990: Huayna Potosi, Peru, 6.088 m, Erstbegehung Nordwestwand
1995: Huascaran, 6.768 m, Peru, Skiabfahrt, solo
1998: Shisma Pangma, 8.046 m, Tibet, Südwand, Alpinstil, solo
2001: Cho Oyu, 8.201 m, Tibet, Erstbegehung "Odyssee Nord"
2002: Khan Tengri, Tibet, 7010 m
2002: Aconcagua, 6.956 m, Argentinien: Erster Skyrun: Basislager - Gipfel in 4 Stunden 25 Minuten (Weltrekord)
2
003: Versuch Lhotse-Everest Soloüberquerung: bei 8.200 m wegen enormer Wetterprobleme abgebrochen
2005: Mount Everest, 8848 m, in 16 Stunden 42 Minuten (von der Nordseite)

August 2003: Andentour:
13.8.: Volcan San Pedro, Chile: 6.159 m, 6h 27 min
14.8.: Aucanquilcha, Chile: 6.180 m, 5h 30min
17.8.: Cerro Parinacota, Bolivien/Chile: 6.330 m, 2h 22 min
18.8.: Cerro Pomerape, Bolivien/Chile: 6.240 m, 3h 09 min
20.8.: Navado Sajama, Bolivien: 6.542 m, 3h 18 min
22.8.: Cerro Acotango, Bolivien/Chile: 6.040 m; 3h 58 min; Volcan Guallatiri, Chile: 6.052 m; 3h 57 min
25.8.: Huayna Potosi, Bolivien: 6.088 m, 2h 28 min
28.8.: Illimani, Bolivien: 6.439 m, 3h 43 min.

Trainingstouren:

2001: Radtour von Admont (Steiermark) bis Gibraltar in 21 Tagen (3046 km)
2002: Radtour von Admont nach Izmir in 17 Tagen (2.400 km)
2003: Einmal um Neuseeland ca. 4.000 km

Christian Stangl:
www.skyrunning.at
Pressekontakt: Dr. Ernst Wilde, WILKOM, Dr. Wilde Kommunikationsberatung; Tel. 01-59 56 297, Fax 01-59 56 298; E-Mail: wilkom@wilkom.at, www.wilkom.at
Bilder:
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