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Edward Theodore Compton_______________________

Ein genialer Künstler

Von Gerhard Schirmer (Text und Bilder)                                            Zur Übersicht

Seine Gemälde hochalpiner Szenerien machten E. T. Compton weithin bekannt. Der begeisterte Bergsteiger unternahm zudem weite Reisen, die ihn von Nordafrika bis hinauf zum Nordkap führten.

"Gestern mittag ist nun endlich erlösend der Tod zu meinem Vater gekommen. Ob er wohl jetzt die strahlenden lichten Höhen und die Gottesherrlichkeiten schaut, auf die er immer so zuversichtlich gebaut hat?", schrieb Comptons Tochter Marion am 23. März 1921 an Dr. Karl Blodig, dem treuen Freund und langjährigen Seilgefährten des Verstorbenen.
Schon Fritz Schmitt, der bekannte Bergsteiger-Biograf, der sich auch mit E. T. Compton beschäftigt hat, nannte diesen einen zweifachen Klassiker: Als Maler und Zeichner hat er an die 2000 Zeichnungen und Gemälde geschaffen und als Bergsteiger konnte er gut 300 bedeutende Ersteigungen durchführen. Die meisten Bergsteiger haben sicher schon einmal eine alpine Szene dieses bedeutenden Malers zu Gesicht bekommen, doch nur wenigen ist bekannt, dass Compton auch außeralpine Gebiete besucht hat, wie beispielsweise die Lofoten und das Schottische Hochland, aber auch die Hohe Tatra, das Nordkap und die Hebriden.

Compton im PortraitCompton kam in einem Londoner Vorort als Sohn eines Versicherungsbeamten zur Welt. Als junger Mensch besuchte er verschiedene englische Kunstschulen und schuf zunächst Naturstudien, wobei er geeignete Motive vor allem in den englischen Seengebieten fand, in denen seine Familie über viele Jahre hinweg den Sommer verbrachte. 1867 übersiedelte man schließlich nach Darmstadt. 1872 heiratete der junge Maler die Münchnerin Gusti von Romako und unternahm mit ihr eine zweijährige Reise, die das junge Paar nach Tirol, Kärnten und Italien führte. 1874 ließen sich die beiden schließlich in Feldafing nieder, wo sie sich ein behagliches Heim errichteten.
E. T. Compton bereiste nun Nordafrika, Spanien, Korsika und Skandinavien, den größten Eindruck machten auf ihn jedoch die gewaltigen hochalpinen Szenerien im Berner Oberland, so dass er sich fortan nur mehr der Gebirgsmalerei widmete. Anfänglich noch der englischen Romantik verhaftet, entwickelte er später eine zunehmend realistische Darstellungsweise. Er malte Ölbilder und Aquarelle, schuf aber auch Tuschezeichnungen und topographisch genaue Hochgebirgsdarstellungen. Seine vom eigenen Erleben geprägten Werke mit ihren äußerst anschaulichen Szenen sind häufig von hohem dokumentarischem Wert, lassen sie uns doch einen eindrucksvollen Blick in die Frühzeit des Alpinismus tun. Nicht unerwähnt möge in diesem Zusammenhang auch seine Tätigkeit als Illustrator für verschiedene alpine Publikationen und Zeitschriften sein. So etwa gehen die Abbildungen in Emil Zsig
mondys Buch "Im Hochgebirge" (1889) auf ihn zurück, ebenso die Illustrationen in "Alpinismus in Bildern" von Steinitzer (1913) oder "Über Fels und Firn" von H. Hess (1901). Viele seiner Arbeiten kamen in Form von Ansichtskarten auf den Markt, die heute vor allem in Sammlerkreisen sehr geschätzt werden. Aber auch die alpinen Vereine erwarben seine Bilder, und noch heute hängt in so manchem Vereinslokal ein "echter Compton" an der Wand.

"Sein bergsteigerisches Können, seine bewundernswerte Ausdauer und sein Pfadfindertalent werden vielleicht noch von seinem Gleichmute und seiner unverwüstlichen Heiterkeit übertroffen." Karl Blodig über E.T. Compton

Während des Ersten Weltkriegs erreichte Compton eine Einladung des österreichischen Heereskommandos, Bilder von der Gebirgsfront zu malen. Das Bayerische Oberkommando untersagte ihm dies aber, obwohl sich Berlin zustimmend geäußert hatte. Zudem wurde er von der Münchener Künstlergenossenschaft ausgeschlossen, weil er Engländer war. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er sich mit seinen Werken an zahlreichen Ausstellungen beteiligen, was seiner Popularität als Künstler, der seit 1880 auf eine Mitgliedschaft bei der angesehenen Royal Academy verweisen konnte, sehr entgegenkam. Mit seinen Arbeiten beeinflusste E. T. Compton die Werke von Ernst Heinrich Platz, Karl Arnold und nicht zuletzt auch die seines Sohnes Edward Harrison Compton (1881 – 1960). Viele seiner Berggefährten konnten E. T. Compton bei seinen Arbeiten beobachten. Von einer Begegnung mit einem Kärntner Bauern berichtet Dr. Karl Blodig im "Bergsteiger" (1938/39, S. 678 ff.) folgendermaßen: "Als er (Compton) einmal einem Bauern sein Skizzenbuch durchzublättern erlaubte, brach der zuletzt in die Worte aus: ,Bua, Bua, aber du kannst es!‘“ Über eine weitere köstliche Begegnung berichtet Blodig in dem erwähnten Aufsatz an anderer Stelle. Compton arbeitete in der Umgebung von Chamonix an einem Bild der kühn aufragenden Aiguille du Midi, als ein Spaziergänger gönnerhaft bemerkte: "C’est bien, continuez comme ça!" ("Das ist gut, machen Sie nur weiter so!“) Nach einer halben Stunde kam der Mann wieder, blickte Compton über die Schulter und sagte: "Ah, Monsieur, vous êtes peintre" ("Ah, mein Herr, Sie sind ein Maler.") Schließlich kam der Franzose ein drittes Mal vorbei. Das Bild war schon ziemlich weit gediehen, und voller Staunen sagte er diesmal: "Ah, Monsieur, vous êtes un artiste!" ("Ah, mein Herr, Sie sind ein Künstler!") Als dann der Kritiker nach einiger Zeit noch einmal bei Compton vorbeischaute, verneigte er sich tief und rief: "Pardon Monsieur, vous n’êtes ni peintre et ni artiste, vous êtes un grand génie!" ("Entschuldigung, mein Herr, Sie sind weder ein Maler, noch ein Künstler, sondern ein großes Genie!")

Der Wolfendorn am Brenner
Der Wolfendorn am Brenner

Der geniale Hochgebirgsmaler war jedoch auch ein ausgezeichneter Bergsteiger. Unter seinen zahlreichen Touren in Ost- und Westalpen finden sich nicht weniger als 27 Neutouren bzw. Erstersteigungen. "Nach Purtscheller nimmt Compton von allen trefflichen Bergsteigern, mit denen zu wandern mir beschieden war, unbestritten den ersten Platz ein", schreibt Dr. Karl Blodig. "Sein glänzendes bergsteigerisches Können auf Eis und Fels, seine geradezu bewundernswerte Ausdauer, seine unerschöpfliche Geduld im Ertragen von Mühseligkeiten, sein wirklich geniales Pfadfindertalent, sie alle werden vielleicht noch von seinem erhabenen Gleichmute und seiner unverwüstlichen olympischen Heiterkeit übertroffen." Diese Leistungen waren es auch, die 1880 den exklusiven britischen Alpine Club bewogen, E. T. Compton die Mitgliedschaft anzubieten. Im selben Jahr konnte er auch dem Österreichischen Alpenklub beitreten. Darüber hinaus nahmen ihn der Deutsche und Österreichische Alpenverein (DuÖAV) und der Schweizer Alpenklub (SAC) in ihre Reihen auf. 1919 unternahm Compton seine letzte große Bergfahrt, die ihn auf den Großglockner führte. Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde der Bau der Compton-Hütte am Reißkofel (Kärnten) beschlossen, ihre Eröffnung fand jedoch erst nach seinem Tod im Jahr 1928 statt.

Die Compton-Hütte in der Reißkofel-Gruppe (1929)
Die Compton-Hütte in der Reißkofel-Gruppe (1929)

Steckbrief

Edward Theodore Compton, geb. 27. 7. 1849 in Stoke Newington (London); gest. 22. 3. 1921 in Feldafing (Deutschland). Beruf: Maler, Zeichner, Grafiker

Bilder: Redaktion