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Snowshoemania!

Ausrüstung, Technik, Taktik, Tipps

Text/Bilder: Thomas Rambauske
SnowshoeMANIA!
Ausrüstung, Tourenplanung | Technik, Taktik, Tipps

Geh, wohin der Schnee dich trägt!

Nur das Knirschen des Schnees, das Rascheln fallender Baumlawinen, das Klappern der Schuhe - sonst rundum Stille. Vor dir ein weiter Teppich glitzernder Kristalle, um dich die weichen Pölster der verschneiten Hügel, hinter dir deine eigenen Fischspuren im Pulverschnee - sonst nur Einsamkeit. Winterlich verschneite Wälder, unberührte Bergrücken, gelbrote Abenddämmerung - sonst nur du.

Schneeschuhgehen öffnet eine neue Welt.

Liegen der Reiz des Schneeschuhgehens in diesem sanften Verschmelzen mit der winterlichen Landschaft? Im grenzenlosen Gehen durch unverspurtes Gelände? In der Entdeckung der Langsamkeit, der Einsamkeit? Oder ist es diese neue Freiheit der Wegwahl, die einem auch im Winter dorthin gelangen lässt, wohin er per pedes niemals gelangen könnte? Oder ist es die Einfachheit der Fortbewegung und Technik, die mit geringem Risiko verbundene, direkte Berührung mit den Winterelementen? Was ist es denn, was jeden, der einmal diese vermaledeiten "Teller" angeschnallt hat, nicht mehr davon loskommen lässt?

Schneeschuhgehen. In einer von Geschwindigkeit und Selbstentfremdung bestimmten Zeit sicher ein Trend der Zukunft. Denn wo kann die Sehnsucht nach Verlangsamung, Wellness und Selfness besser gestillt werden als im sanften, rhythmischen Gehen durch ansteckend friedliche Natur?

Eine Warnung sei vorangestellt: Einmal die Teller angeschnallt und du kommst nicht mehr los davon! Das Gebot "Geh, wohin der Schnee dich trägt!" macht nämlich unheilbar süchtig! Wer ein Snowshoemaniac sein will, sollte allerdings ein paar Dinge beachten:

Richtige Ausrüstung und Tourenplanung

  • Da die Auswahl an Schneeschuhen mittlerweile unüberschaubar groß geworden ist, wird hier auf eine Modellübersicht verzichtet. Im Groben unterscheidet man die "Originals" mit Holzrahmen und bespanntem Leder, "Classics" mit Alurahmen und durchgehender Kunststoffbespannung sowie "Moderns" aus flexiblem Plastik und gut fixierenden Riemenbindungen. Zur Zeit gibt es sogar Schuhe mit Steighilfe, Verlängerungen und integrierten Harschkrallen, die das Gehen auf harter Unterlage erleichtern (Bild siehe unten).

ClassicModern
Classic                                                      Modern

  • Eine kleine Entscheidungshilfe:

Classics
Moderns
Für Wanderer, Genussgeher, Abfahrtszustiege für Snowboarder etc. Für den sportlichen (Hoch-)Alpin-Einsatz

Universell einsetzbar, gehtechnisch angenehmer

Besseres Einkanten bei Traversen und steilen Hängen, besserer Seitenhalt
Auf hartem Schnee weniger griffig als Moderns Ideal bei hartem Schnee, Firn
Am besten für mäßig geneigtes Gelände Integrierte Steighilfe für steile Hänge
Breite Gehweise, ein Verhaken oder Verhaspeln leichter möglich Gehweise nahezu natürlich, durch geringere Länge Line-Step besser setzbar
Teurer als "Moderns" Meist billiger als "Classics"
An kleinen Tagesrucksäcken kaum montierbar Wegen geringer Ausmaße besser am Rucksack zu befestigen
Breitere Auflage > besser im Tief- und Pulverschnee Kleinere Auflage > sinkt im Tief- und Pulverschnee mehr ein
Nieten sind einzeln ersetzbar Reparatur bei Plattenbruch nicht möglich
  • Tipps für den Schneeschuhkauf: Leider ist auch bei den Schneeschuhen die "eierlegende Wollmilchsau" noch nicht erfunden worden. Daher lohnt es sich, die kompetente Beratung eines Schneeschuh-Spezialisten zu nutzen und sich die Modelle erklären zu lassen, dann je nach Ansprüchen und Geldbörse den passenden zu wählen. Bei diversen Alpenvereinen kann man sich Schneeschuhe sogar ausleihen, bevor man sich evtl. für einem Kauf entscheidet.
    Worauf
    aber beim Schneeschuh achten, um für die Schneeschuhtour ein möglichst komfortables, ermüdungsfreies und effizientes Vorwärtskommen zu erreichen?
    • Einsatzgebiet: Meist bietet jeder Schneeschuhhersteller verschiedene Serien an Schneeschuhen, die für jeweils bestimmte Zwecke gefertigt wurden. Man sollte sich daher unbedingt über das Einsatzgebiet im Klaren sein: Will ich laufen (Fitnesstraining im Winter), winterwandern (leichtes Terrain wie Forst- oder Wanderwege, sanft gekuppte Hügel oder mäßig steiles Alpingelände), winterbergsteigen (anspruchsvolle Bergwanderungen mit Gipfelziel) oder Expeditionen bzw. Schneeschuhtrekking unternehmen (extreme Bedingungen, steile Hänge, Eis- und Felspassagen)?
    • Größe: Die Größe der Schuhe richtet sich nach Körpergewicht (inkl. Rucksack!), Schrittlänge und Verwendungszweck. Schwerere Trapper brauchen leider auch größere Schneeschuhe, um nicht allzusehr einzusinken.
    • Gewicht: Der Schneeschuh sollte natürlich nicht zu schwer sein, obwohl stabile Materialien leider oft schwerer sind. Hier sollte das richtige Maß angesetzt werden, z. B. für einen 70 kg schweren Menschen 1,7 kg/Paar
    • Bindung: Auch über die Bindung ließe sich seitenweise schreiben. Im Grunde kauft man die Bindung aber mit dem gewählten Schuh mit. Unterschieden werden Riemenbindungen (Kunststoff oder Gummi), Ratschenbindungen (Schnallenbindung mit Zähnchenverstellung) oder sogar Snowboardbindungen für Hardboots und Kipphebelbindungen für Plastik-Bergschuhe. Zu beachten ist, dass Harscheisen in die Bindung integriert sind, dass die Riemen mit Handschuhen bzw. Fäustlingen leicht und komfortabel zu bedienen bzw. auch bei Vereisung noch zu öffnen/schließen sind.
    • Harscheisen: notwendig auf Eis und Harsch; je nach Vorhaben mehr oder weniger ausgeprägt oder sogar austauschbar
    • Steighilfe: Erleichtert das Gehen an steilen Hängen. Wenn man sie hat, wird man sie nicht mehr missen wollen, wenn man sie nicht hat, ist's im Grunde auch egal.
    • Drehpunkt bei beweglichen Bindungen: möglichst zentral unter dem Fußballen
  • Für das Schneeschuhgehen werden keine speziellen Schuhe benötigt. Feste, gut imprägnierte und mit steifer Profilsohle versehene Allwetter-Lederbergschuhe genügen im Prinzip. Optimal sind jedoch schnee- und wasserdichte Winterstiefel oder Plastikschalen-Bergschuhe, die auch die nötige Wärme und Festigkeit beim Aufkanten gewähren und mit Steigeisen kompatibel sind.
  • Gamaschen bis zu den Knien verhindern ein Eindringen von Schnee in den Schuh.
  • Was die Kleidung angeht, gelten dieselben Ausrüstungsregeln wie beim Skitourengehen oder Wanderwandern: warm, funktionell und wasserdicht.
  • Grödeln oder sogar Steigeisen kommen dort zum Einsatz, wo z.B. in einer steilen, vereisten Hangquerung die Harscheisen der Schneeschuhe nicht mehr fassen (hochalpines Schneeschuhgehen).
  • Der Rucksack sollte Befestigungsmöglichkeiten für die Schneeschuhe bieten (zumindest einen Deckel, unter den die Schuhe eingeklemmt werden können), da man sie sicher hin und wieder tragen muss. Der Rucksack soll so groß wie nötig und so klein wie möglich sein. Für Tagestouren reicht im Grunde ein Rucksack mit ca. 30 Litern. Mehrtägige Touren erfordern Rucksäcke ab 40 bzw. 60 Liter.
  • Stöcke sind beim Schneeschuhgehen unabdingbar. Sie helfen Kraft sparen, die Balance halten - vor allem beim Abstieg! - und verhindern Ausrutscher und Stürze. Da Teleskopstöcke mit ihren vielen Schwachstellen (Gelenken) gerne mitten in der Tour den Geist aufgeben oder vereisen, bewähren sich beim Schneeschuhgehen die guten alten und überaus belastbaren Skistöcke. Schließlich bleiben ja die Stöcke meist in der Hand und müssen selten verstaut werden. Wichtig sind breite Schneeteller.
  • Skibrillen, Sturmhaube und Anorak-Kapuze für eisige Höhen
  • Da Lawinen keinen Unterschied zwischen Skitouren- und Schneeschuh-Gehern machen, müssen im lawinengefährdeten Gelände stets LVS-Gerät sowie Lawinenschaufel und -sonde mitgeführt werden. Vor der Tour unbedingt den Lawinenlagebericht abrufen! Das richtige Verhalten bei Lawinengefahr, Lawinenabgang und -unglück ist jeden Winter aufs Neue zu erlernen.
  • Route: Im Gegensatz zu Skitouren, wo die Abfahrt einiges an Zeit erspart, wird bei einer Schneeschuh-Route eine kürzere Variante gewählt werden müssen. Schließlich muss man den Weg, den man hinauf, auch wieder hinunter stapfen, außerdem sind die Tage im Winter kurz! Ein 1.000er im Wienerwald-Gebiet wird garantiert zu einem tagesfüllenden Erlebnis, wenn genug Schnee liegt! Besorge dir auf jeden Fall eine detaillierte Karte (1:25.000 oder 1:50.000) von deinem Zielgebiet! Kompass und Höhenmesser helfen gegen Irrungen & Wirrungen.

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