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Erdgeschichte aus Stein und Eis
Expedition Eiskargletscher

Titel

Wanderung, Karnische Alpen, Juli 2011; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Der Eiskargletscher, Österreichs südlichster Gletscher, liegt eingebettet in einer Mulde der Kellerwand zwischen 2115 m und 2370 m Seehöhe in den Karnischen Alpen. Ein Festsaal für Glaziologen und Geologen! Und für Naturliebhaber – treffen hier doch mehrere atemberaubende Naturphänomene zusammen: die 800 m hohe, fast senkrechte Kellerwand, der 30 ha große Gletscher, ein 30 m hoher Moränenwall, dazu Myriaden von versteinerten Korallen, Schwemmgut aus einem fernen, afrikanischen Meer vor 300 Mill. Jahren ...

Die Expedition

AbeilübungEdelweiß und seltene Orchideen säumen den Weg, Murmeltiere pfeifen um die Wette, schwer drücken Regenwolken auf das oberste Stockwerk des Cellon. Kaum zu glauben, dass hier – mitten in den Karnischen Alpen – Jahrmillionen alte Korallenriffe liegen sollen. Ebensowenig lässt sich erahnen, dass knapp oberhalb der Blumenwiesen ein Gletscher liegen soll. Unfassbar auch, dass hier in dieser lieblich stillen Bergwelt eine der am heftigsten und grausamsten umkämpften Frontlinien des 1. Weltkrieges verlaufen war. Welche unfassbaren Sensationen verbergen sich doch hinter der harmlosen Almidylle über dem Plöckenpass?!

Wir müssen uns sputen, mahnt Bergführerin Andrea Dabernig, am frühen Nachmittag könnten Gewitter losbrechen, dann sollten wir schon längst wieder zurück sein vom Gletscher. Also forcieren wir das Tempo, verzichten auf die obligaten Jausenpausen und steigen behende höher.
Der am Plöckenpass beginnende Karrenweg Nr. 147 veräuft durch blumenreiche Wiesenhänge. Auf ca. 1650 m zweigen wir vom Weg Richtung Westen ab und gelangen auf einem serpentinenreichen Steig auf die Grüne Schneid (2086 m) auf der Westschulter des Frischenkofels (Cellon).
Ohne es bewusst wahrzunehmen, durchwandern wir eine Nahtstelle der Erdgeschichte. Nirgendwo in Europa ist die Entwicklung unseres Kontinents so klar ablesbar wie hier in den Karnischen Alpen; nirgendwo sind die Entwicklungsräume des Meeres, der Kontinentalränder und der Riff-Lagunen der Erdantike so nahe zusammengerückt, dass man sie auf einen Blick in direkter Nachbarschaft im Gelände erkennen kann. Nur hier finden sich Ablagerungen von Riffen, Schelfen, Lagunen und Ablagerungen aus der Tiefsee! Das macht die Einzigartigkeit dieser Region aus, das macht sie für Geologen zu einem offenen Buch der Erdgeschichte und deshalb zur begehrten Pilgerstätte. Die Gipfel der Karnischen Alpen lagen vor 360 Millionen Jahren noch im Meer und bildeten ein Korallenriff. Schichten aus dem Devon liegen hier neben solchen aus dem Karbon – unfassbar und ernüchternd zugleich, wenn man daran denkt, wir winzig sich darin die Menschheitsgeschichte ausnimmt.

Muschel

Von der Grünen Schneid wandern wir nach Westen, bis man nach Norden einen alten Kriegssteig folgend ins Grüne Tal gelangt. Immer wieder passieren wir Reste von Stellungen und Kavernen aus dem Gebirgskrieg von 1915 bis 1918. Überall noch Drahtseile, verrostete Nägel, künstlich in den Felsen geschlagene Höhlen. Als es abrupt in felsiges Gelände geht, legen wir Steinschlaghelme und Klettergurten an. Man kann ja nie wissen, Bergführerin Andrea ist sehr vorsichtig. Nun wird der Steig anspruchsvoller, bis zum Gabelekopf (2289 m) sind einige heikle Stellen zu meistern. Der nur angedeutete Weg ist schwer zu finden und schlängelt sich unmarkiert und oft exponiert über brüchige Felsbänder, steile Grashänge und Schneefelder um den SeilsicherungCellon herum. An mehreren Stellen legt Andrea ein Seil, an dem wir uns mit wackligen Knien über Abgründe hanteln. Insofern ist der Weg nur geübten, trittsicheren, konditionsstarken und schwindelfreien Bergwanderern zumutbar.

Schließlich das erste Schneefeld, ehe sich hinter einem grauen Nebelvorhang der 16 ha große Eiskargletscher zeigt (8-9 Stunden). Verborgen liegt er zwischen 2115–2370 m hoch in einer Mulde der 400 m hohen Nordwand des Kellerwandmassivs und ist somit nicht nur der einzige Gletscher der Karnischen Alpen, sondern auch der südlichst gelegene Österreichs. Seine schattige Lage, große Niederschlagsmengen und Lawinen, die zuhauf aus der Kellerwand auf den Gletscher niedergehen, trugen dazu bei, dass sich dieser sog. Kar- oder Lawinen-Gletscher so Eiskargletscherlange in solch geringer Höhe halten konnte und seit 2008 nichts an Volumen verliert!
An seinem nordöstlichen Rand begrenzt ihn ein rund 30 m hoher Moränenwall, in seinem westlichen Abschnitt endet er in einer schön ausgebildeten Gletscherzunge in nur 2.115 m Seehöhe. Wie lange das Eiskar noch den Status eines Gletscher beibehalten kann, wird die Zukunft weisen. Schon in den nächsten Jahren muss man damit rechnen, dass die Gletscherzunge vom restlichen Eiskörper abreißt. Ein Abreißen der Zunge wäre dann wohl der endgültige Anfang vom Ende für diesen kleinen, 20.000 Jahre alten Gletscher. Eis wird es im eisigen Kar in der Kellerwand aber noch viele Jahre geben, denn wie die ersten Auswertungen einer Eisdickenmessung im Juli 2010 zeigen, beträgt die Eisdecke noch verbreitet 25 bis 30 m, an den dicksten Stellen sind es sogar knapp 40 m.
Das Eiskar wurde bereits im Jahr 1897 vom italiensichen Geografien O. Marinelli kartiert. Das Verhalten des Gletschers wurde in der Zeit von 1897 bis 1992 beobachtet und dokumentiert. Seit 1992 führen Gerhard Hohenwarter und sein Sohn im Auftrag des ÖAV die Nachmessung durch. Rührig, mit welcher Inbrunst und Leidenschaft sich die beiden um "ihren" Gletscher kümmern. Statt dem vorgeschreibenen einen Mal steigen die beiden vier Mal im Jahr hoch, vermessen und beäugen "ihr Baby" mit SorgfMarkierungenalt und Sorge. Als Gerätschaft kommen da bloß Kompass, Maßband und Neigungsmesser zum Einsatz, für hochtechnische Geräte fehlt das Geld. Viele auf Felssteine gemalte Ziffern und Markierungen erinnern an die Jahreszahlen, die Eltern an die Türstöcke malen, um das Wachstum ihrer Kinder zu dokumentieren. Wir wandern über den spaltenlosen Gletscher zur Gletscherzunge hinab, die sich steil nach unten zieht. Früher kalbte der Gletscher sogar auf die im Tal darunter liegende Valentinalm! Wir staunen ob des Eisjuwels vor uns und dass es so etwas noch gibt.
Der Rückweg verläuft im Großen und Ganzen wie der Aufstiegsweg. Auf der Grünen Schneid nehmen wir die Helme und Gurten ab und steigen ohne Stress abwärts. Unsere jetzige Aufmerksamkeit gilt der vielfältigen Alpenflora. Auch das ein Thema für sich, denn Edelweiß und Orchideen gedeihen nicht mehr überall ...

Weitere Bilder

Grüne Schneid Aufstieg Balanceakt Markeirngen Edelweiß
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Lexikon:
Der GeoPark Karnische Alpen und seine geologischen Besonderheiten

Der rund 830 km2 große „GeoPark Karnische Alpen“ im Süden Österreichs reicht von Feistritz/Gail im Osten bis Maria Luggau im Westen, von der Staatsgrenze im Süden bis zum Weißensee im Norden. Er umfasst die Karnischen Alpen, die Gailtaler Alpen, die südlichen Lienzer Dolomiten und das Gailtal innerhalb des Bezirks Hermagor.
Der GeoPark Karnische Alpen startet zur Zeit mit seiner Bewerbung zur Mitgliedschaft im Global UNESCO Network of Geoparks. Er wird der zweite von der UNESCO anerkannte Geopark Österreichs sein. Weltweit gibt es mit Stand 2009 64 anerkannte Geoparks in 19 Ländern.
SeelilieAls Geopark wird ein Gebiet verstanden, das sich durch zahlreiche geologisch außergewöhnliche Vorkommen auszeichnet, die einen besonderen ästhetischen und wissenschaftlichen Wert haben. Diese Kriterien treffen auf die gesamte Karnische Region zu und waren der Grund, sie zu einem nationalen Geopark zu erklären. Denn kein anderes Gebiet in den Alpen besitzt ähnlich viele Zeugnisse in Form von Fossilien aus dem Erdaltertum.
Ziel des Geoparks wird es unter anderen sein, die erdgeschichtlichen Besonderheiten (Geotope) einer breiten Öffentlichkeit und den Gästen bekannt zu machen und damit zur Belebung der Region sowie zur Bewusstseinsbildung beizutragen. Das Besucherzentrum (siehe unten) wird neben der durch moderne Informationstechniken aufbereiteten Präsentation der Erdgeschichte vor allem der Information, dem Besucherservice und der Vernetzung von Kontakten dienen.

Die Karnische Region ist hinsichtlich ihres Reichtums an erdgeschichtlichen Zeugnissen eine Weltberühmtheit. Nassfeld, Plöcken, Zollner und Wolayersee sind Pilgerstätten für Geologen, weil kein anderes Gebiet in den Alpen ähnlich viele Zeugnisse in Form von Fossilien aus dem Erdaltertum besitzt. 500 Millionen Jahre Erdgeschichte haben hier ihre Spuren hinterlassen.
Diese besonderen Highlights werden im Buch „Der wahre Held ist die Natur“ von Hans Peter Schönlaub in Form von ca. 80 Geotopen vorgestellt. Diese erdgeschichtlichen Besonderheiten umfassen nicht nur außergewöhnliche Fossilien und Steine, sondern auch Naturschönheiten wie ruhige Seen, Klammen oder imposante Felswände.
Ausführliche Beschreibungen (Anmarschbeschreibungen, Karten, Bildmaterial, Fachinfos) sind punktweise auch auf der Homepage des Geoparks abrufbar. Für den Geoparkbesucher wurden die Geopunkte in Punkte der Ruhe, in Punkte des Wissens und in Punkte der Aktivität gegliedert. Punkte der Ruhe sind beispielsweise der Zollner See, der Bodensee oder der Wolayersee. Punkte des Wissens sind unter anderem die Riesenbrachiopoden von Nötsch, die Pflanzenfossilien von der Krone oder die Nautiliden (Kopffüßer)von der Straniger Alm. Zu den Orten der Aktivität zählen die Mauthner Klamm, die Garnitzenklamm oder die Kellerwand.

Quelle und weitere Infos:www.geopark-karnische-alpen.at

Eiskargletscher

Der Eiskargletscher, Österreichs südlichster Gletscher, liegt in den Karnischen Alpen eingebettetGesamtansicht in einem Kar der Kellerwand zwischen 2115 m und 2370 m Seehöhe. Die schattige Lage, große Niederschlagsmengen in fester Form im Winterhalbjahr sowie große Lawinen, die aus der Kellerwand auf den Gletscher niedergehen, sind die Gunstmomente des Eiskars und tragen dazu bei, dass sich dieser Gletscher so lange in solch geringer Höhe halten konnte.
Seit 1992 ist das Eiskar Teil des Gletschermessprogramms des ÖAV und wird seither jährlich in Bezug auf die Längenänderung vermessen.
Der Gletscher ist rund 16 ha groß, zeigt aber in Folge schneearmer Winter und heißer Sommer in den letzten 20 Jahren starke Zerfallserscheinungen. Nach den teils noch schneereichen 1980ern, überdauerte in den 1990ern kaum Schnee am Gletscher, wodurch eine Phase rasanter Gletscherschmelze eingeläutet wurde, welche bis zum Jahr 2007 andauerte.
Quelle spwie alles über den südlichsten Gletscher Österreichs auf feiersinger.jimdo.com

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Plöckenpass (1360 m) – Weg Nr. 147 – Gründe Schneid (2086 m) – Gabelekopf (2289 m) – Eiskargletscher (ca. 2200 m)
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up pfeil down 1100
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up ca. 3,5 bis 4 pfeil down ca. 3
Schwierigkeiten:
Der ab der Grünen Schneid unmarkierte und nur angedeutete Weg ist schwer zu finden und schlängelt sich oft exponiert über brüchige Felsbänder, steile Grashänge und Schneefelder um den Cellon herum. An manchen Stellen herrscht Abstuzgefahr und sollte gesichert werden. Insofern ist der Weg nur geübten, trittsicheren, konditionsstarken und schwindelfreien Bergwanderern zumutbar. Ein Bergführer ist dringend anzuraten!
Eignung für Kinder:
Nicht geeignet
Eignung für Hund & Katz':
Nicht geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Schlank Schlemmer Hotel Kürschner
Die familiäre und herzliche Atmosphäre, aber auch die "Nachhaltigkeits"-Philosophie eines der kleinsten, aber gemütlichsten Wellnesshotels Österreichs lädt zum Entspannen ein. Ferien im Einklang mit der Natur – im Schlank Schlemmer Hotel Kürschner erlebt man die wertvollste Zeit des Jahres. Individuelle Wellness, Genuss, Aktiv und Spezial- sowie Familienangebote in herzlicher Atmosphäre – Urlaub erleben alleine oder mit der Familie
Karte:
Freytag & berndt WK 182 "Lienzer Dolomiten, Lesachtal"
Abenteuer Erdgeschichte:
Wer den Gletscher besuchen und im GeoPark Karnische Alpen 500 Mio. Jahre Erdgeschichte auf die sportliche Tour zu erkunden will, bucht am besten die exklusive Wanderwoche "Abenteuer Erdgeschichte" Immer mit dabei: erfahrene Bergführer und ausgewiesene Naturexperten, die die Erd- und Gletschergeschichte erklären.

Preisbeispiel
• 7 Tage/6 Nächte in Qualitätsbetrieben inkl. Bergführer- und Expertenbegleitung
• Expedition zum südlichsten Gletscher Österreichs
• geführte Touren durch die Garnitzenklamm und zum Zollner See
• 1 sechsgängiges Haubenmenü aus Sissy Sonnleitner’s Alpen-Adria-Küche im Restaurant Kellerwand
Buchbar von 14.–20. August und 4.–10. September 2011 ab € 582,– pro Person im ****-Hotel mit Halbpension
Hilfreiche Links:

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