www.BergNews.com
www.bergnews.com www.bergnews.com


Der Shop von und für
Bergfreunde –
Alles für deinen Bergsport

Sechs Gipfel und Drei Berge

Jochgrabenberg

Jochgrabenberg – Steinplattl – Hengstlberg – Drei Berge – Sattelberge

Oktober 2008

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Sie sind fast vergessene Wienerwald-Stiefkinder: Der Jochgrabenberg, das Steinplattl und der Hengstlberg bei Pressbaum. Ersteren ziert nur ein Sendemast, auf zweiteren führt – trotz rührigen Gipfelkreuzes – nicht einmal ein markierter Weg, über den dritten stolpert man mehr oder weniger unwissentlich drüber. Allen Gipfeln ist gemeinsam, dass sie ein Refugium für Genießer sind, die großer Abgeschiedenheit und beschaulichem Walderlebnis gegenüber ausgetretenen Gipfelpfaden den Vorzug geben.

Aufstieg/Route

Pressbaum (Schnellbahnbahnhof, 315 m) – Josef-Nemecek-StraßePfalzbergKaiserbründlJochgrabenberg (645 m) – Ober-Kniewald – AgsbachtalSteinplattl (649 m) – Hengstlberg (619 m) – Drei Berge – Engelkreuz (426 m) – SattelbergePressbaum

HU Pfeil uppfeil down ca. 800 m, GZ 6,5 Stunden

Herbstwald
Wanderin mit Kind

Steinplattl

Herbstwald

Gestartet wird beim Bahnhof der ÖBB (bis hierher kann auch mit der S50 von Wien aus zugereist werden). Zuerst den Gleisen entlang und links hinab zur Hauptstraße. Dort zweigt nach rechts die Josef-Nemecek-Straße bzw. der Pressbaumer Rundwanderweg auf den Pfalz- und Jochgrabenberg (Kaiserbründl) ab. Wenig später wird das Denkmal für den "Retter des Wienerwalds" Joseph Schöffel passiert (Infos siehe unten) und ein Gittertor, nach dem es unter der Autobahn hindurchgeht. Ein Wiesenweg führt schnell vom Lärm der Autobahn weg. Bei der nun folgenden Weggabelung heißt es aufpassen, dass man ja nach links Richtung Kaiserbründl abzweigt und auf einem Pfad durch Gestrüpp und über eine Lichtung zur Siedlung am Pfalzberg mit hübscher Rastbank und nettem Ausblick hochsticht. Bei der folgenden Weggabelung ist es egal, welcher Richtung man folgt, da einerseits das Schild "Kaiserbründl" geradeaus weist, nach rechts aber die Markierung führt. Einerlei, beide Wege führen zu einem Kreuz, von dort kurz auf Asphalt, ehe dieser in Richtung Bründl, Jochgrabenberg verlassen wird. Verirren ist hier nicht möglich. Nach einem Bildstock gelb markiert (Weg 04) zum Kaiserbründl, dem gefassten Ursprung des Wienflusses, hier noch treffend Dürre Wien genannt. Bedeutsam, dass sich hier am 23. 4. 1882 Kaiserin Elisabeth erfrischte. Das Quellwasser mundete ihr so gut, dass sie es sogar für die Zubereitung ihres Kaffees nach Schönbrunn liefern ließ – deswegen "Kaiserbründl". Weiter unter farbig belaubten Baumkronen. Nach dem Waldstück über eine Landstraße und rot markiert 404 auf den Jochgrabenberg. Die Straße wird noch einmal überquert, dann Richtung Hochstrass. Der Gipfel des Jochgrabenbergs ist an einem Sendemasten zu erkennen, diesen anzusteuern zahlt sich nicht aus, da nix zu sehen. Stattdessen wird links abgebogen Richtung Ober-Kniewald. Nach der Siedlung teils auf Forststraßen, teils auf verstrüppten Waldpfaden ins Agsbachtal. Dort auf der Straße rechts nach Gruberau-Sulz, bis der Weg nach links abzweigt. Auf breitem Weg durch schönen Laubwald hoch bis zu einem Schranken, wo linker Hand eine unmarkierte Waldschneise hochsticht und zum kleinen Gipfelkreuz und Gipfelbuch des Steinplattls führt. Nun die Aufstiegsschneise geradeaus weiter, anfangs eben, dann leicht auf und ab, bis auf die blaue Markierung getroffen wird. Dieser nach und bergab bis zum nächsten "Gipfel", dem Hengstlberg oder Hengstl (619 m, Gipfelkreuz, Gipfelbuch). Auch hier Null Aussicht, aber maximale Stille und Einsamkeit. Weiter beschwingt und schön auf und ab, nur hin und wieder lässt eine Lichtung zumindest das Panorama erahnen. Weiter in nordöstlicher Richtung auf der Schneise bis in einen Sattel, dann auf eine unbenannte Kuppe zum Punkt 578 und schließlich auf den Pkt. 555, den nördlichen der Drei Berge. Von hier links rot markiert und bergab, bis der Weg auf eine Forststraße trifft. Kurz diese wieder verlassend, ehe wir in Dreikohlstätten wieder auf eine Straße treffen. Auf dieser zum sog. Engelkreuz. Auf einem netten Waldsteig über die sog. drei Sattelberge – Hinterer und Vorderer Sattel, in der Mitte der Sattelberg selbst (493 m). Sobald man die Autos dröhnen hört, weiß man, dass man wieder den Boden der Realität betritt. Tatsächlich wird man bald unter sich der Autobahn ansichtig, zu dieser hinabgestiegen, letztlich über einen Bach und unter der Straße hindurch nach Pressbaum. Auf der Hauptstraße retour.

Sattelberg

Joseph Schöffel

wurde als "Retter des Wienerwaldes" bekannt, als er 1872 durch eine journalistische Joseph SchöffelInitiative verhinderte, dass ein Viertel der Waldfläche des Wienerwalds an einen Holzhändler zur Schlägerung verkauft wurde. Für sein Vorhaben fand er kaum Mitstreiter. Im Neuen Wiener Tagblatt berichtete er über Amtsmissbrauch des Staatsgüter-Verschleuderungs-Bureaus. Öfter wurde er vor Gericht geladen. Da die Presse offensichtlich gekauft war, schwieg sie zu den Vorfällen. Da seine Recherchen aber hieb- und stichfest waren, wurden sämtliche Klagen zurückgezogen. Man bot ihm sogar Schweigegeld an, um von seinem Vorhaben abzurücken. Es gab Gerüchte, dass ein Jagdschütze, der Schöffel irrtümlich bei der Jagd träfe, mit keinen Konsequenzen zu rechnen hätte. Daraufhin nahm Schöffel an keiner Jagd mehr teil. Dennoch gewann er den Kampf um den Wienerwald – gegen Politik, Wirtschaftsinteressen und Medien.
Ab 1872/73 war er Bürgermeister von Mödling. In dieser Zeit gründete er in Mödling ein Waisenhaus. Aufgrund seiner Initiativen wurde er auch Ehrenbürger zahlreicher anderer Wienerwaldgemeinden.
Als Abgeordneter im Reichsrat und niederösterreichischen Landesausschuss leitete er das niederösterreichische Straßenwesen. Auch für die Handwerksburschen führte er Verpflegestationen ein.

Sein Leitsatz gilt bis heute: "Ich wünsche mir nur, dass, wenn der Wienerwald, was nicht unmöglich ist, wieder einmal von Spekulanten bedroht werden sollte, sich zur rechten Zeit ein Mann finde, der den selben mit Erfolg verteidigt.

Wienfluss

Der Wienfluss hat zwei Gesichter. Blickt man mitten in der Stadt in das aus beton geformte Becken, so wundert man sich, dass dieses bisschen Wasser ein Fluss ist. Ein paar Kilometer vor den Toren Wiens sieht die Sache ganz anders aus. Dort nämlich ist der Wienfluss nicht in ein solches künstliche Becken gezwängt, sondern genießt seinen natürlichen Verlauf.

KaiserbründlDie Wien entspringt im Sandstein-Wienerwald beim so genannten Kaiserbründl (siehe Bild und Beschreibung oben) westlich des Pfalzberges bei Rekawinkel. Die in dieser Gegend noch "Dürre Wien" genannte Wien hat noch 34 Kilometer bis zum Donaukanal zurückzulegen. Bei starken Regenfällen kann das Sandsteingestein oft das Wasser nicht komplett aufnehmen, wodurch es bei extrem starken Regenfällen rasch zu Hochwassersituationen kommen kann. Aus diesem Grund erbaute man um die Jahrhundertwende zwischen Mariabrunn und Hütteldorf Staubecken, um im Hochwasserfall das abfließende Wasser kontrolliert ablassen zu können. Ab Hütteldorf fließt das Wasser in einem regulierten Betonbecken, und manchmal sogar unterirdisch wie z.B. am Karlsplatz. Auch dieser Umstand begünstigt natürlich die Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser, weil das Wasser durch das künstliche Flussbett nicht versickern kann.

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Schwierigkeiten:
Keine. Bis auf den Anstieg aufs Steinplattl perfekt markiert.
Gesamthöhenmeter:
800 m
Gesamtgehzeit:
6,5 Stunden
Beste Jahreszeit:
Immer, selbst im Winter
Eignung für Kinder:
Ab 12 Jahren
Eignung für Hund & Katz':
Jo, sicher
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Keine unterwegs
Karte:
Kompass Wander- und Bikekarte 205 "Wien und Umgebung", 1:50.000

© 2008 www.BergNews.com