| Die
Geschichte der Jungfraubahn
Im letzten
Viertel des 19. Jahrhunderts herrschte im Jungfraugebiet ein wahres
Bergbahnfieber, zumindest bei den technischen Pionieren und den Förderern
des Fremdenverkehrs. Bereits 1870 tritt der Hotelier und Nationalrat
Friedrich Seiler mit dem Plan einer pneumatisch, also mit Luftdruck
betriebenen Jungfraubahn an die Öffentlichkeit. Schon wenige Jahre
später, nämlich 1889 reichte Maurice Koechlin, ein Ingenieur
von Eifel, ein Konzessionsgesuch für eine Adhäsionsbahn in
Verbindung mit einer Zahnradbahn oder für fünf aufeinander
folgende Standseilbahnen ein. Im gleichen Jahr erfolgt ein Konzessionsgesuch
für vier mit Pressluft betriebenen Tunnelseilbahnen. Nur ein Jahr
später versuchte der Erbauer der Pilatusbahn, Eduard Locher, eine
Konzession für eine Bahn zu ergattern, mit der die Reisenden wie
in einem Kolben in zwei Röhren in 15 Minuten mit Hilfe von komprimierter
Luft (System Rohrpost) auf die Bergspitze hätten "geblasen"
werden sollen. Aber weder das 1891 genehmigte vereinigte Projekt Koechlin/Locher
noch eine 1892 konzessionierte Eigerbahn kommen zustande.
1893 bewirbt
sich schließlich der Textilfachmann Adolf Guyer-Zeller um die
Konzession für sein Jungfraubahnprojekt. Er hatte bereits die Welt
bereist und die väterliche Spinnerei erfolgreich ausgebaut, gehörte
als liberaler Politiker dem Zürcher Kantonrat an und investierte
damals in Eisenbahnaktien. Er verdiente bei der Gotthardbahn und bei
der Nordostbahn. Im Jahre 1894 erhielt er die Konzession für den
Bau der Jungfraubahn.
Die
etwa 7 Kilometer lange Tunnelschlaufe führt quer durch das Eigermassiv
und durch den Mönch. Der Tunnel wurde nahe der Bergwand gebaut,
wobei Auswurfstollen für den Schutt später zur Errichtung
von Aussichtspunkten umgebaut wurden. Auf der Fahrt zum Jungfraujoch
(siehe Bild rechts) hält deshalb der Zug für einige Minuten
in der Eiger-Nordwand und ein zweites Mal auf der Südseite (Eismeer).
In diesen Zwischenstationen kann man aussteigen und „aus dem Berg herausschauen“.
Zur Zeit
der Planung der Jungfraujochbahn steckte die elektrisch Zugsantriebe
noch in den Kinderschuhen. Dennoch setzen die Erbauer auf Strom, weil
billiges Wasser zur Verfügung stand, Dampfbetrieb im Tunnel nicht
möglich gewesen wäre und das relativ leichte Gewicht der elektrischen
Antriebe auf der steilen Strecke von Vorteil ist.
Talstation
der Jungfraujochbahn ist auf der Kleinen Scheidegg (2061m). Bis dorthin
kommt man mit der Wengeralpbahn (eröffnet 1893) von Lauterbrunnen
oder von Grindelwald. Interessant ist, dass die Erbauer abweichend von
dieser bereits bestehenden Bahn eine andere Spurweite (1000 mm anstatt
800 mm), eine andere Zahnstange (System Strub anstelle System Riggenbach)
und Drehstrom anstelle von Wechselstrom wählten.
Gleichzeitig
mit dem Bau des ersten Teilstücks wurde auch das Kraftwerk Lauterbrunnen
errichtet. Heute sind natürlich auch die Triebwagen kleine Kraftwerke,
da aus der Bremsenergie wieder Strom zurückgewonnen wird.
Am 27.
Juli 1896 erfolgte der Spatenstich, wobei für die Arbeiten 7 Jahre
und etwa 10 Mio. Schweizer Franken veranschlagt worden waren. Erst am
19. September 1898 konnte der Betrieb auf der freien Strecke bis zum
Fuß des Eiger aufgenommen werden. Die Bergpredigt zur Eröffnung
übernahm der Grindelwalder Gletscherpfarrer Gottfried Strasser.
Kurz nachdem die Station Eigerwand erreicht worden war, starb Adolf
Guyer-Zeller (3. April 1899). Seine Söhne führten den Bau
fort, aber erst vier Jahre später konnten die Gäste auch tatsächlich
bis zur Station Eigerwand fahren. Nach insgesamt 16 Jahren und 15 Mio.
Franken war das Jungfraujoch erreicht und eben dort auch Endstation.
Die weitere Strecke bis zur Jungfrau besteht nur mehr aus Plänen.
Betreuung
der Gäste
1912 wurde
bei der Endstation ein Touristenhaus eröffnet, welches etwa 100
Personen beherbergen konnte. Bereits 12 Jahre später wurde ein
Hotel seiner Bestimmung übergeben, welches mit Klubräumen,
Fenstersaal, Aussichtslaube und ähnlichem ausgestattet war.
In einer
stürmischen Nacht wurden 1972 beide Häuser ein Raub der Flammen.
So wurde kurzfristig ein provisorisches Restaurant in der Bahnhofshalle
aufgestellt. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde 1987 ein fünfstöckiger
Bau mit Restaurants sowie Räumen für Konferenzen und Ausstellungen
fertiggestellt. Cafeteria, Restaurants (z.b. Bollywood!) und Self-Service
bieten zusammen mehr als 1000 Sitzplätze.
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