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Antisana
1. Versuch

Die folgende Geschichte ist eigentlich eine Geschichte des Scheiterns -
und doch auch eine Geschichte des Erfolgs,
denn wir haben den Antisana drei Mal versucht -
und sind drei Mal lebendig wieder zurückgekehrt.

Das ist viel mehr wert als jeder Gipfelsieg.


Beschrieben und fotografiert von Helmut Schuster

Intro

Ecuador ist für Wanderer und Bergsteiger aus der ganzen Welt ein beliebtes Reiseziel, und das aus guten Gründen. Ecuador bietet seinen Besuchern eine weltweit einmalige Vielfalt an Naturerlebnissen! Wo sonst auf der Welt findet man meist fließend ineinander übergehend Dschungel und Hochgebirge mit Gipfeln bis zu 6310 m, traumhaft schöne tropische Küsten und Tierparadiese wie die Galápagosinseln auf so kleinem Raum!

Vulkangipfel, weite hochandine Graslandschaften, wunderschöne Seen und andine Gastfreundschaft machen das Wandern in Ecuador zu einer unvergesslichen Erfahrung. Durch die Lage am Äquator ist es trotz der vergletscherten Bergwelt realtiv warm. Die Anden sind die zweithöchste Bergkette weltweit und erstrecken sich von Kolumbien bis Patagonien.

Der Antisana, ein erloschener Doppelvulkan, ruht 55 km östlich von Quito am Ostrand der Ostkordillere und gehört mit seinen 14 Kilometern Längsausdehnung zu den größten Bergen der ecuadorianischen Anden. Mit einer Höhe von 5705 m ist Antisana der vierthöchste Berg in Ecuador. Der breite Gipfel verfügt über vier unterschiedliche Spitzen, die Teil des Kraterrands sind. Der Krater selbst ist mit Gletschereis gefüllt und scheint nicht mehr aktiv zu sein, worüber die Experten aber geteilter Meinung sind.

Unter den Gipfeln des Antisana ist der mittlere mit 5704m der höchste und auch älteste. Der nächsthöchste ist der Südgipfel mit 5570 m Höhe. Beide Gipfel sind durch einen Bergsattel miteinander verbunden, wodurch sie, ähnlich wie der Chimborazo, einen Doppelvulkan bilden. Die gesamte Gipfelregion ist von gewaltigen, stark geschrundeten Eismassen überzogen, die den Anstieg erheblich erschweren.

Der Antisana ist nach wie vor wegen seiner hohen Eiswände und gigantischen Gletscherspalten einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge Ecuadors und deshalb nur für erfahrene Bergsteiger geeignet. Weitere Informationen >>>


Zufahrt

Die Anfahrt erfolgt auf der Straße Quito-El Tino-Alangasi. In Alangasí beginnt ein befestigter Weg, der, vorbei am Dorf Pintag, zur Hacienda Pimantura führt. Achtung: Es ist erforderlich, eine Sondergenehmigung zum Durchfahren dieser Hacienda in Quito zu beantragen (Asociación de Andinismo de Pichincha). Von hier aus geht es per PKW weiter zu der hochgelegenen Viehkoppel El Hato (48 Kilometer von Pintag entfernt). Von Hato aus kann man mit Geländefahrzeugen bis zum Fuße der Crespos Sur gelangen, wo man bei den Endmoränen des großen Westgletschers das Lager aufschlägt.

1. Versuch 1990/91 - Ziel: Cumbre Maxima

Tag 1, 29. Dezember 1990

El Hato
El Hato

Lagerplatz in 4500m

Aufbruch in Richtung Antisana. Über Pintag zur Hacienda, problemlose Durchfahrt dank der Genehmigung, die wir haben. Von hier weiter bis zur Viehkoppel El Hato und noch ein ganzes Stück durch endlos weiten Pàramo und an Lavaströmen vorbei.
Ab El Hato müssen wir uns dann den Weg ziemlich oft suchen, da oft keiner vorhanden ist. Helmut und unser Toyota schaffen auch die schwierigsten Steilfahrten, Flussübeuqerungen und Sumpfdurchwatungen problemlos.
Endlich kommen wir zum Lagerplatz am Fuße der Moränen des Antisana zwischen Crespos Norte und Crespos Sur.

Das Wetter passt, die Sonne lacht. Herbert und Herta erkunden den Weg für morgen. Die restliche Mannschaft baut das Lager auf und richtet die Zelte auf 4500m ein.
Die Kundschafter kehren zurück, wir "setzen" uns im Zelt zusammen, essen, besprechen den morgigen Tag, füllen unsere Theresmosflaschen und beziehen um 19 Uhr unsere Schlafsäcke. Bereits um 23 Uhr soll es ja wieder weitergehen ...
Der antisana am Abend

Tag 2, 30. Dezember 1990

Aufstieg: 7,45 Stunden
Abstieg:
3,45 Stunden
Gesamtgehzeit: 11,30 Stunden

 

Ein schönes Firnfeld

 

Aufstehen um 23 Uhr, Frühstück, Rucksack packen. 0.20 Abmarsch.
Es ist wolkenlos, nur in der Ferne über dem Amazonas sieht man Wetterleuchten. Mond und Sterne leuchten uns den Weg, sodass wir selbst auf den Moränen keine Stirnlampe brauchen. Nach zwei Stunden haben wir den Gletscher erreicht. Vorher jedoch drehen schon Walter und Helmut um. Sie fühlen sich nicht so gut. Walter hat wieder eine Verkühlung, die sich in dieser Höhe noch ärger auswirkt.
Zuerst über kleinere Spalten, dann über ein schönes Firnfeld. Hier ist es auch nicht mehr so steil, das Spaltengewirr etwas übersichtlicher. Als der Mond untergeht, wird es ziemlich finster. Da wir mit den Stirnlampen nicht weit sehen, müssen wir oft stehenbleiben und die Umgebung ausleuchten. Bei einer kurzen Rast wird es hell und es geht wieder zügiger voran.
Nach einem kleinen "Versteiger" geht es bei einer Spalte nicht mehr weiter - wir müssen umdrehen, einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.
"Schöne" Gletscherspalten
Die Sonne wird stärker, der Gipfel kommt in Sicht.
Noch ist er zwar noch weit weg, aber wir beschließen weiterzugehen, da wir noch recht gut in der Zeit sind. Nach einer Rast, wo wir uns ein wenig erholen, ziehen wir weiter, bis uns eine große Spalte (mehr ein Eisbruch) endgültig den Weg versperrt.
Ein Eisbruch versperrt uns den Weiterweg
Lucky
Der Umweg würde uns mehrere Stunden kosten. Wir überlegen - und steigen ab, obwohl wir nur mehr 200m unter dem Gipfel sind.
Beim Abstieg sind wir dann ziemlich "ausgesaftelt" und müssen öfter stehenbleiben.
Beim Zelt trocknen wir unsere Sachen, packen sie ins Auto und setzen uns ins Esszelt, als es zu regnen und zu schneien beginnt. Kartenspiel bei Stirnlampe und Kerzen. Es schneit die ganze Nacht hindurch.

Tag 3, 31. Dezember 1990
Während des Frühstücks beginnt es nach einer kurzen Pause wieder heftiger zu schneien. Wir packen unsere Siebensachen und fahren ab. Macht nichts, wir kommen wieder, Antisana!
Schneefall im Basislager

1. Versuch